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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-28 · 30 (28.7.1899) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
30 (28.7.1899)
Date
1899-07-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 Br. Bloch's Wochenschrift. Seite 551 Die nächste Colonie, die ich besuchte, Sichron Jacob, ist in blühendem Zustande. Diese Colonie hat die besten Wege in Palästina hergestellt. Die gesammte Arbeit haben die Colonisten allein verrichtet, denn die türkische Regierung gewährt für diese Zwecke gar keine Unterstützung. Sobald man diese Colonie verläßt, findet man wiederum sehr schlechte Fahrstraßen. Um Sichron Jacob herum befinden sich mehrere kleine Colonien, alle in gutem Zustande, so z. B. Rosh Pinah, die sich nördlich vom Galileasee befindet, und an deren Stelle ich noch im Jahre 1882 noch nicht das geringste einer Cultur vorgefunden habe. Die Colonisten haben hier beinahe 2/3 des Jordanthales in einen herrlichen Garten verwandelt. Als ich mich dieser Colonie näherte, wurde ich durch die großen Gerstenfelder überrascht. Dann kamen die Häuser, die herrlichen Aprikosen-, Maulbeer- und Mandklbäume. Hier fand ich auch eine S e i d e n s p i n n e r e i, in der viele Mädchen aus Safed beschäftigt sind. In Rosh Pinah traf ich einen Engländer und einen Amerikaner. Der Engländer war aus London gekommen, um hier die Landwirtschaft zu studieren. Er besuchte die Schule in Rosh Pinah und erklärte mir, daß er, sobald er es soweit gebracht haben werde, um selbst als Landwirth arbeiten zu können, sich hier als Landwirth ansiedeln werde. Sowohl er als der Amerikaner waren über das guteKlima e n t z ü ck t. Ich besuchte auch die ColonieMachnajim, zu deren Gunsten eben heute das Meeting veranstaltet wird. Das Land ist hier außerordentlich gut und fruchtbar. Die Colonisten haben noch nicht die Erlaubniß, Häuser zu bauen, und haben daher vorläufig große Holzbaracken errichtet, die so ausgezeichnet wie nur möglich gebaut sind. Die Gegend ist sehr schön. Gerade, als ich kam, war die Colonie von einer Heuschreckenplage heimgesucht, die großen Schaden anrichtete, und ich fand, daß die Colonisten — alle galizische Juden — in der größten Hitze der Mittagssonne arbeiteten, um die Heuschrecken zu vernichten. Man sagt, daß die jüdischen Colonisten keine guten Landarbeiter seien. Ich kann sagen, daß, soweit ich es gesehen habe, die jüdischen Colonisten ebenso wie die besten englischen Feldarbeiter arbeiten. Bevor die jüdischen Colonisten nach Palästina kamen, war das Land nichts Anderes als eine große W ü st e. Selbstverständlich erforderte es viel Zeit, ein so lange vernachlässigtes Land wiederum in cultivirten Zustand zu bringen, und da wurden auch Mißgriffe gemacht, wie es vorkommt, wenn man lediglich Versuche anstellt. Doch die Fehler waren nicht so schwer und wurden bald gutgemacht. In einer kurzen Zeit — dessen bin ich sicher — wird ein großer Theil der jüdischen Colonien auf sich selbst gestellt sein können. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß bei dem Ernste der Colonisten eine von der englischen Bevölkerung ihnen zukommende Geldunterstützung sehr wohl angebracht wäre." Der ganze Vortrag Sir Wilson's wurde von der Versammlung mit großem Interesse und besonderer Aufmerksamkeit angehört. Mr. Josef Prag ergriff hierauf das Wort unter Beifall und Widerspruch. Es dauerte lange, bis er sich Gehör verschaffen konnte. Er sprach von dem großen Elend, das in Galizien herrscht, und von der Gründung der Colonie M a ch n a j i m, um den armen Juden aus ihrer traurigen Lage zu helfen. Er sagte, daß ein Appell um Hilfe an das Centralcomitä der „Clhovevi Zion Association“ gerichtet wurde. Obwohl die galizischen Juden verhältnismäßig die ärmsten unserer Brüder sind, haben sie dennoch selbst zur Gründung der Colonie 47.000 Francs aufgebracht. Die heutige Versammlung hat nicht bloß den Zweck für die Colonie Machnajim Propaganda zu machen, sondern auch die Principien der „Chovevi Zion Association“ zu verbreiten. Die Association hat auch ein großes Werk gethan, außer den 3 Colonien, zu deren Errichtung sie beigetragen hat, hat sie auch beim Centralcomite der Colonisationsverbände durchgesetzt, daß ein großer Betrag von dem Hirsch-Fonde für Palästinacolonisation bestimmt wurde. Dank diesem Umstande sind auch viele Colonien, die bisher um ihre Existenz zu kämpfen hatten, auf eine bessere Basis gestellt worden. Es sind beiläufig 8 Millionen Francs für die Colonien Rechovoth, Katra, Chedera, Waad-el Chanine und Mishmar Hajarden und eine große Arbeitercolonie ausgegeben worden. Außerdem wird demnächst eine große Ackerbanschule zur Erziehung jüdischer Landwirthe errichtet. Das ist z i o n i st i s ch e Arbeit, und wir können darauf stolz sein. Bei diesem Passus wurden die Unterbrechungen so lebhaft, daß Mr. Prag seine Ausführungen nicht fortsetzen konnte. Oberst Goldsmid bemerkte, auf einen Hauptstörer hinweisend, daß diescr Mann unwürdig sei, den Namen eines Juden zu tragen. Ec sei überzeugt, daß, wenn Dr. Herzl hier wäre, er der Erste wäre, der den Befehl geben würde, den Mann hinauszuführen. Hierauf wurde es wieder für kurze Zeit ruhig, und Mr. Prag konnte noch neuerlich einen Appell im Interesse der Colonie Machnajim an die Versammlung richten und die Hoffnung aussprechen, daß die englischen Juden gewiß bereitwillig die von einer jüdischen Colonie erbetene Hilfe derselben angedeihen lassen werden. Rev. Susman Cohen und Mr. Jsh. Kischer unterstützen diesen Appell im Jargon. Mr. Israel Abrahams konnte nur unter mehrfachen Störungen das Wort ergreifen. Er erklärte, er spreche hier nicht als Zionist, sondern als Jude, als einer Derjenigen, welche die.-von der ,.C!hoveve Zion Association" unterstützten Colonien besucht habe und daß er dort Vieles gefunden habe, was ihm gefallen habe. Er habe in Palästina Juden gesehen, die aus dem Felde arbeiten und ihren Lebensunterhalt durch harte Arbeit erwerben und nicht als schreiende Agitatoren. Die jüdischen Colonisten in Palästina fragen einen nicht, ob er ein Zionist sei, bevor sie ihn sprechen lassen. Ihnen genügt es, wenn man ein Jude ist, eine Thatsache, die einem gewissen Theile dieser Versammlung zu wenig scheint. Alle jüdischen Colonien in Palästina werden vom ökonomischen und administrativen Standpunkte aus gut verwaltet, und er freue sich, daß er Gelegenheit habe, nicht als Zionist, sondern als Jude, auf Grund persönlicher Beobachtungen die großartigen Resultate der Palästina-Colonisation hier zu constatiren. (Beifall und Zischen.) Rev. Singer will das Wort ergreifen, um ein Dankesvotum für den Referenten zu beantragen. Die versammelten Herzl'isten lassen ihn jedoch nicht zu Wort kommen. Sie schreien: Schande! Ein Herr Guilaroff protestirt dagegen, daß der Rabbiner über den Zionismus sprechen will, und fordert die Versammlung auf, auf Herzl Hoch zu rufen. Dann macht er einen Versuch, die Rednertribüne zu erstürmen. Mehrere Ordner versuchen, ihn aus dem Saale hinauszuführen. Es kommt zu einer Schlägerei. Endlich tritt wieder eine Ruhepause ein, und dem Oberst Goldsmid wird der Dank ausgesprochen. Oberst Goldsmid erwiedert darauf und spricht sein Bedauern aus, daß in dieser Versammlung solche Störungen erfolgt sind. Er bedauert, daß dadurch nur eine Mißachtung auf das Banner falle, dem sie Alle dienen, nämlich die Liebe und Ergebenheit an Zion. Diejenigen, die hier die Versammlung gestört haben, hätten viel besser der Sache gedient, wenn sie sich anständig betragen hätten. „Glauben Sie denn, daß Sie durch Störung der Versammlung einen Sieg für Ihre Sache erfochten haben? Nein! Sie haben vielmehr eine Niederlage erlitten! Diese Versammlung wurde hier einberufen, um armen galizischen Juden, die Hilfe suchen, diese zu gewähren. Vor so eineni Appell sollten alle Meinungsverschiedenheiten zurückweichen." Er spreche hier lediglich denjenigen den Dank aus, die hieher gekommen sind, in der Absicht, den jüdischen Colonisten in Machnajim ihre Sympathien auszusprechen, und er spreche sein Bedauern darüber aus, daß sie hier durch diejenigen, welche lediglich mit Störungsabsicht hergekommen sind, belästigt werden. Obigem Berichte, den wir hiemit der Oeffentlichkeit übergeben, haben wir nur wenig hinzuzufügen. Wir sprechen im Namen der wackeren Ackerbauer in „Machnajim" allen oberwähnten verdienstvollen und hochachtbaren Männern, die zu Gunsten der Colonie wirken, den tiefsten Dank aus, während wir andererseits auss lebhafteste bedauern und unsere größte Verwunderung darüber aussprechen, daß sich Zionisten, ja Juden gefunden haben, die ein so wichtiges Werk in Zion mit dem vollsten Bewußtsein ihrer Handlungsweise zerstören wollen. Für den Ausschuß des Vereines für Colonisation Palästinas „Abawoth-Zion" in Tarnow. Dr. Abraham Salz, S. M. S p i r a, Präses. Secretär.

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