Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 29 (21.7.1899)
- Date
- 1899-07-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 26 Dr» Bloch's Wochenschrift. Seite 545 Jugendspielplätzen u. s. w. den Ruf einer berühmten Schulstadt. Herr Rabbiner Dr. Wieser, sowie die Herren k. k. Gymnasialdirector E. Tomanek und k. k. Realschuldirector R. Walda ertheilen nähere Auskünfte. Prag. In D i w i s ch a u ist der gewesene Stadt- und Districtsarzt Jacob G r ü n b e r g im 88. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene übte durch 56 Jahre dort die ärztliche Praxis aus und erfreute sicb großer Werthschätzung. Prag. (Humanitäts-Verein „Zedoko" zur Unterstützung armer I s r a e l i t e n). Dieser neu gegründete Verein hielt jüngst seine constituirende Generalversammlung ab. Der Verein ist aus einer kleinen Tischgesellschaft entstanden, die es sich zur Aufgabe machte, in Noth gerathenen Stammesgenossen die erste Hilfe durch Gelduuterstützung augedeihen zu lassen, und auf diesem Gebiete bereits eine ersprießliche Thätigkeit entwickelt hatte. Nach Bestätigung der Statuten hat nun der Verein seine Thätigkeit begonnen; in den Vorstand wurden 10 Mitglieder gewählt und aus diesen wurden entnommen znm Obmann Herr M. Lissau, zu dessen Stellvertreter Philipp Kaufmann, zum Cassier Marcus Robitschek, zu dessen Stellvertreter S. Löwy, zum Schriftführer Friedrich T e w e l e s. Brüx, 10. Juli. Der verflossene Sabbath gestaltete sich für unsere Gemeinde zu einem besonderen Festtag. Der Cultusvorsteher, Herr I. U. Dr. Josef Spitz, feierte die Confirmation seines jüngsten Sohnes. Diesen Anlaß benützte der Gemeindcausschuß, um dem seit 17 Jahren hochverdienten Cultusvorsteher eine spontane Ovation zu bereiten. Beim Mussaffgottesdienste wurde der Bar Mizwah zur Thora gerufen, und der Rabbiner Herr Dr. B i a ch hielt an ihn eine kurze aber fornlvollendete Ansprache. Der Tempelchor-Verein wirkte corporativ mit und brachte Ez chajim v. Sulzer und zwei Compositionen des Obercantors und Chormeisters I. L a m m „Psalm 25" und Keduscha für gemischtes Quintett zur Aufführung. Unmittelbar nach dem Gottesdienste versammelte sich der Gemeindeausschuß zu einer außerordentlichen Sitzung, zu welcher auch die Herren Dr. Biach und Obercantor L a nr m geladen waren. Der Vorsitzende Cultusvorsteher-Stellvetreter, Herr Dr. Josef H ä u t l e r, eröffnete die Festsitzung. worauf über Antrag des Herrn Dr. B. Gutwillig einstimmig, beschlossen wurde, den Cultusvorsteher Herrn Dr. Josef Spitz zum Ehrenmitgliede der Cultusgemeinde zu ernennen. Hierauf begaben sich zwei Vorstandsmitglieder die Herren Ludwig Black und Leopold L ö w y in die Wohnung des Herrn Dr. Spitz, und geleiteten ihn in den Sitzungssaal, wo der allgemein verehrte Vorsteher von der Versammlung lebhaft acclamirt wurde. Der Vorsitzende begrüßte Herrn Dr. Spitz und theilte ihm den soeben gefaßten Beschluß mit, indem er die langjährigen, großen Verdienste des Cultusvorstehers hervorhob. Herr Dr. Spitz dankte sichtlich gerührt für die ihm zu theil gewordene Ehrung, welche die höchste sei, die die Cultusgemeinde zu verleihen im Stande ist, und versprach unter lebhaftem Beifall, auch ferner sich dem Wohle und Gedeihen der Cultusgeineinde zu widmen. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Biach das Wort, beglückwünschte namens der Cultusbeamten Herrn Dr. Spitz auf das herzlichste und fuhr dann fort: „Sie hochgeehrter Herr Doctor, haben in unserer Gemeinde die Anschauung zur Geltung gebracht, daß die jüdischen Cultusbeamten, insoferu sie ihren Pflichten voll und ganz Nachkommen, den Staatsbeamten gleichgestellt werden müssen. Mögen Sie, getreu diesem Principe, das begonnene edle Werk auch vollenden, indem Sie für die Cultusbeamten einen Pensionsfond schaffen, damit der jüdische Beamte nicht angewiesen sei, nach 30- oder 40jähriger pflichttreuer und aufopfernder Amtsthätigkeit auf die Gnade, auf das Rachmonus der Cultusgemeinde rechnen zn müssen." Diese Apostrophe, deren volle Berechtigung von jedem rechtlich Denkenden anerkannt werden muß, machte auf den versammelten Ausschuß einen tiefen Eindruck und Herr Dr. Spitz erwiederte. daß ihm das Wohl der Beamten stets am Herzen lag, und daß er auch in Zukunft das Interesse derselben wärmsteus vertreten werde. Sodann beglückwünschte Herr Ludwig Black als Obmann der Chewra Kadischah den Jubilar und schilderte in trefflicher Weise das innige Einvernehmen zwischen der Brüderschaft und der Cultusgemeinde. Nachdem noch Herr Leop. L ö w y als Qbmann der „Rudolf-Stiftung" Herrn Dr. Spitz gratulirt hatte, wurde die Sitzung geschlossen. Im Laufe des Vormittags begab sich eine Deputation der Cultusbeamten unter Führung des Rabbiners Herrn Dr. Biach zum Cultusvorsteher, wo der Obercantor und Religionslehrer Herr I. Lamm als ältester Beamte an Herrn Dr. Spitz eine Ansprache hielt, in welcher er die Stellung der Beamten innerhalb der Cultusgemeinde mit der Position der letzteren im Staate verglich: beide sind — die Prügelknaben. Wenn nun Brüx hierin eine Ausnahme bilde, so sei dies das Verdienst des Herrn Cnltusvorstehers, der den Beamten mit väterlicher Liebe zugethan ist. Schließlich erschien eine Deputation des Tempelchor-Vereines unter Führung des Obmann-Stellvertreters Herrn S. Schwarzkopf, der in schwungvoller Rede die Glückwünsche des Vereines übermittelte und die Verdienste hervorhob, die sich Herr Dr. Spitz durch die Förderung der Vereinszwecke erworben hat. Auch der Frauenverein entsendete unter Führung der Viee- Präfidentin Frau Anna Langer eine Abordnung und überbrachte die besten Glückwünsche. Dieser Samstag wird sowohl der Cultusgemeinde als auch Herrn Dr. Spitz in angenehmster Erittnernilg bleiben. Tabor. Am 15. Juli Nachmitags 2 Uhr, fand in der hiesigen Mädchenvolks- und Bürgerschule die Prüfung der israelitischen Kinder der genannten Schule aus der Religion statt. Aus der sehr großen Zahl der Gäste seien namentlich genannt: Herr Bürgerschuldirector Franz Cerych, Bürgerschullehrerin Fräulein Marie Sedlacek, Herr Cultusvorsteher Dr. Friedrich Guttmaun, Herr Cultusvorsteher-Stellvertreter Bernard Guttmann, die Mitglieder der Cultusgemeindevertretung: Herr- Alois Freund, Herr David Fuhrmann, Herr Carl Mendl. In einer längeren Rede dankte Herr Bürgerschuldirector Cerych den Herren Rabbiner Dr. Weislovic und Religionslehrer Adolf Fried für die erzielten Erfolge, bezüglich deren er bemerkte: „Ich würde zu wenig sagen, wenn ich die Leistungen nur als „sehr gute" bezeichnen würde; dieselben sind so überraschend, daß mir der rechte Ausdruck für dieselben fehlt." Herr Cultusvorsteher Dr. Friedrich Guttmann gab dem Wunsche Ausdruck, die Vorsehung möge Herrn Dr. Weislovic und Herrn Religionslehrer Adolf Fried noch lange, lange der hiesigen Cultusgemeinde erhalten. — Im Schuljahre 1898/99 war das hiesige k. k. Ober- Gymnasium von 261 Schüler, darunter 37 Israeliten, frequeutirt. Bon diesen erhielten 12 ein Zeugniß I. Classe mit Vorzug, und zwar in der Secunda 4, in der Tertia 1, in der Quarta 1, in der Quinta 1, in der Sexta 2, in der Octava 3. Stuhlweißenburg. Hier starb nach kurzem Krankenlager der Rabbinats-Stellvertreter der neologen-israelitischen Cultusgemeinde Dr. I. S. G l ü ck s m a n n im 77. Lebensjahre. Glücksmann stand länger als 40 Jahre im Dienste der Gemeinde und hat sich durch sein conciliantes Wesen, sein hervorragendes Wissen und seine Humanität die Achtung und Liebe seiner Glaubensgenossen erworben. Beim Leichenbegängnisse hielt Rabbiner Dr. Jacob Steinherz eine tiefergreifende Grabrede. Großwardein. Samstag, 15. d. M. verschied hier plötzlich der sich des größten Ansehens erfreuende Präsident der orthodoxen israelitischen Cultusgemeinde, Herr Isidor U l l m a n n. Der Verblichene wurde erst vor Kurzem in Anerkennung seiner großen Verdienste um die israelitische Gemeinde, sowie um die Gesammtheit der ungarischen Judenheit zum lebenslänglichen Präsidenten der orthodoxen israelitischen Cultusgemeinde ernannt. Herr Ullmann war ein Sohn des berühmten Rabbiners zu Mako, war selbst ein hervorragender Gelehrter auf talmudischem Gebiete, er erwarb sich auch Verdienste auf politischem Gebiete, indem er in hervorragender Weise, gemeinnützige Wirksamkeit zum Besten seiner Vaterstadt entfaltete. Er bekleidete die Stelle eines Comitats-Ausschußes. Herr Koloman v. T i s z a, mit dem er in regem politischen Verkehr stand, condolirte der Familie auf das Innigste. Beim Begräbnisse hielten Rabbiner sowie der Schwiegersohn des Verstorbenen Herr Berlagsbuchhändler Josef Schlesinger Wien-Budapest tiefempfundene Nachrufe. Strjsi. Vor Kurzem kam ein Beamter der Firma D. G r ü n f e l d, Dampfsägewerk in Beuthen, hier an, vertheilte im Aufträge seines Chefs 300 fl. an die nothleidenden Arbeiter und nahm 50 Arbeiter in seine Dienste, die er nach Beuthen beförderte. Herr Grünfeld regte auch bei seinen Glaubensgenossen und Geschäftsfreunden in Beuthen eine weitere Hilfsaction an, an welcher sich insbesondere die Firmen S. G o l d st e i n, I. L. P i l z e r und Lonscr betheiligten. Es wurden weitere 1000 fl. an die Nothleidenden in Boryslaw vertheilt und 250 Arbeiter ausgenommen. London. Lady Evelina Rothschild, die Tochter von Lord Rothschild hat sich mit Lieutenant Elive Behrens verlobt. Der glückliche Bräutigam stammt aus der angesehensten jüdischen Familie in Manchester. Sein Vater Delward Behrens ist ein großer Kaufmann, gleichzeitig aber Vorsteher einer ganzen Anzahl jüdischer Vereine, insbesondere aber Präsident der jüdischen Schulen von Manchester. Bayonne. Der Preis Lourigms, der für diejenige Person bestimmt ist, welche sich um den Unterricht das größte Verdienst erworben hat, ist diesmal au den Dr. Camille Delvaille, den Präsidenten des israelitischen Consistoriums gefallen. Bei der Verleihung wurden die Verdienste des Empfängers, sowohl um die jüdischen, wie um die öffentlichen Schulen rühmend anerkannt.