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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-21 · 29 (21.7.1899) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
29 (21.7.1899)
Date
1899-07-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Dloch's Wochensrlrrifr. Seite 543 dafür natürlich kein Termin festfetzen lasse, daß es aber jedenfalls schwer halten werde, den gegenwärtigen Sultan von der Jrrthümlichkeit feiner Auffassung zu überzeugen. London. Eine außerordentlich stark besuchte Versammlung war auf den Ruf der „Chowewe Zion" in dem Saal des jüdischen Arbeiterclubs am vorigen Sonntag zusammen gekommen; galt es doch, einen Vortrag des General Wilson über Palästina zu hören. Leider erwies es sich, daß in der großen Versammlung auch eine Gruppe von Störenfrieden vorhanden war, und zwar eine Anzahl fanatischer Herzl'isten, welche unter Führung eines gewissen Quillaroff offenbar gekommen waren, um den ruhigen Verlauf der Versammlung zu stören, doch gelang es der Geschicklichkeit des Präsidenten Goldschmidt die Versammlung immer wieder zur Ruhe und zu einem guten Ende zu bringen. General Wilson, der kürzlich Palästina von Neuem bereist hat, schilderte die Eindrücke, die er dieses Mal im Gegensätze zu seinem letzten Besuch im Jahre 1892 empfangen hat. Damals lag das ganze Land, auf dem sich jetzt jüdische Colonien befinden, öde, jetzt sind an Stelle der Wüsteneien blühende Weinberge, Fruchtgärten und sorgfältig bestellte Getreidefelder vorhanden. Der General gab dann eine Schilderung der einzelnen Colonien, die er fast sämmtlich besucht hat, General Wilson rühmt die Genügsamkeit der Colonisten, er sah die galizischen Juden in der heißen Sonnengluth auf dem Felde arbeitend und fand, daß ihre Arbeit allgemein als eine außerordentlich tüchtige anerkannt wurde. Der General schloß seinen interessanten Vortrag mit der Bemerkung, daß bei der jüdischen Colonisation Pälästinas gewiß auch Fehler gemacht worden sind, daß dieselben jedoch verhältnißmäßig leicht gebessert werden könnten, und das günstige Gesannntresultat nur wenig beeinflußen. Nirgends sei Geld nützlicher angewendet, als bei der Unterstützung dieser Colonisation. Anknüpsend an den Vortrag des General Wilson sprach Prag über die Leistungen der „Chowewe Zion" und forderte zur Unterstützung der Colonie „Machnaim" auf. Er wurde wiederholt unterbrochen. Als indessen Mr. Israel Abraham's erklärte, daß er, obwohl Antizionist aus eigener Anschauung bestätigen müsse, wie groß die Leistungen der „Chowewi Zion" in Palästina seien, brach der Sturm vom Neuen los. Noch schlimmer wurde es als Rev. Singer das Wort ergreifen wollte, denn die Herzl'isten suchten ihn durchaus am Sprechen zu verhindern, so daß eine regelrechte Schlägerei entstand. Oberst Goldschmidt schloß die Versammlung mit einer kurzen Ansprache, in der er das Gebühren der Herzl'isten charakterisirte. Die Versammlung sei einberusen worden, nm die Mittel zur Unterstützung einiger armer galizischer Juden zu finden. Dabei hätte jede Streitigkeit zurücktreten sollen, und daß dies nicht geschehen sei, gereicht nur den Ruhestörern zur Schande. London. Am Sonntag den 9. Juli fand die alljährliche Generalversammlung der „Anglo Jewish Association" statt, die von dem Präsidenten Claude G. Montifiore mit einer ausgezeichneten Ansprache über die Situation der Gesellschaft und di,' Lage der Juden im allgemeinen eröffnet wurden. Von sehr großem Nutzen hat sich die gemeinsame Arbeit mit der „Alliance israelite Universelle" in Persien erwiesen, wo die Anwesenheit der europäischen Lehrer, speciell des Direktor Bazes in Teheran die Wirkung gehabt hat, die Lage der Juden wesentlich zu bessern. Sehr düster sei die Lage der Juden in Rußland und Rumänien, aber doch sind Spuren von Licht bemerkbar. Das Werk der „Jewish Colonisation Association" bei dem die „Anglo Jewish Association" ja auch engagirt sei, entwickle sich langsam, aber gerade diese Langsamkeit gebe die besten Hoffnungen für die Zukunft. In der folgenden Discussion rheilte der Oberrabbiner mit daß daß er von Sir Lambert Playfair, dem besten Kenner der Verhältnisse Algiers in England, der dort viele Jahre Consul gewesen ist, die Versicherung erhalten habe, daß die Juden in Algier dem Antisemitismus keine Veranlassung zu begründeten Beschwerden gegeben hätten. Ec sei stolz auf dies Ehrenzeugniß für die so viel augefeindeten algierischen Juden, und er widme warme Worte der Hochachtung der Haltung des Großrabbinners von Frankreich, Zadok Kahn, der ein würdiger Vertreter der französischen Juden in den Wirren der letzten Jahre gewesen sei. London. Der „Palästine Eveploration Fund" hielt am 11. JuliseinejährlicheGeneralversammlung ab, bei welcher der Bericht erstattet wurde über das Resultat der Ausgrabungen in Pelles- Safi und in Pell-Fahariya. Bei den ersteren glaubt man eine der Festungen gefunden zu haben, die König Rehabeam hat bauen lassen. General Wilson erstattete Bericht über seine Reise nach Palästina und Moab. Bei dieser Gelegenheit erwähnt er auch die außerordentlichen Leistungen der jüdischen Colonisten, welche aus Wüsteneien blühende Gärten und Felder geschaffen hätten. Besonders in Rischon haben dieselben ganz Außerordentliches' geleistet. General Wilson stellt nachdem^ was er selbst gesehen den jüdischen Colonisten in die erste Reihe aller Colonisationselemente, die gegenwärtig exestiren. Odessa. (Jüdische Colonisation ssrage.) Auf den 8. (20.) Juli ist in Odessa die Generalversammlung der „Gesellschaft zur Hilfeleistung an jüvische Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina" anberanint, welche in mehrfacher Hinsicht über die Interessen der jüdischen Colonisten entscheidende Beschlüsse zu fassen haben wird. Eine der Hauptaufgaben der Versammlung ist, die Mitglieder des Comitäs zu wählen, welches die Angelegenheiten der Gesellschaft leitet und eben dieser Punkt ist sehr wichtig für sämmtliche Interessenten, da die palästinafreundlichen Elemente auf die Wahlen einen bestimmenden Einfluß zu gewinnen hoffen, um aus diese Weise sich für ihre Bestrebungen einen Rückhalt zu sichern. Die Wahlagitation ist in vollem Gange. Als ein anderer wichtiger Punkt in dem Programm der Versammlung erscheint die Reorganisation der Thätigkeit der Gesellschaft. Da die Gesellschaft ihrem Wirkungsfelde in Palästina so fern steht, mußte eine örtliche Filiale in Jaffa creirt werden, welche die Anordnungen des Odessaer Comites auszuführen und andererseits die Bedürfnisse der Colonisten dem Comitä vorzustellen hat. Dieses Count« findet aber als Bindeglied zwischen der Gesellschaft und den jüdischen Colonisten nicht den ungetheilten Beifall der in hebräischer Sprache erscheinenden Zeitung „Hamelitz", welche erklärt, daß die Absicht, Palästina mit allen seinen Wünschen und Nöthen in der vorgesehenen Ordnung von der Gesellschaft abhängig zu machen, infolge der Natur der örtlichen Interessen, nicht zum Ziele führen dürfte. Das citirte Blatt schlägt darum folgende Amendements vor: 1) das Comitö möge einen Berichterstatter ernennen, welcher zwei Mal im Jahre die Colonien bereist, über die wichtigsten Fragen Eingaben abfaßt und sie persönlich der Odessaer Gesellschaft vorstellt. 2) Die Verwaltung der Gesellschaft muß alljährlich eines ihrer Mitglieder zur Revision des Jaffaschen Executivcomitäs abcommandiren, zu welchem Zweck dann die Verwaltung mit geeigneten, die Colonialangelegenheiten kennenden Persönlichkeiten zu completiren wäre. 3) Angesichts der fortgesetzten Ausdehnung der Colonisation und folglich auch der Vermehrung der Nöthe und Ansprüche der Colonisten, müßten die Beträge der Hilfsgelder entsprechend erhöht werden. 4) Das Executivcomite hat jedes Vierteljahr eine Versammlung unter Theilnahme örtlicher Colonisten und Specialiften einzuberufeu, welche die laufenden Angelegenheiten prüfen und ihr Gutachten den Gesellschaften einsenden soll. 5) Der gegenwärtige Posten des Agronoms bei dem Comitö wäre durch den Posten eines Secretärs zu ersetzen. Ein Agronom könnte nur gelegentlich bei der Anlage einer neuen Colonie zeitweilig zu Rathe gezogen werden. ■ e St. Petersburg. Bekanntlich ist in Rußland einer privilegirten Classe von Juden, nämlich den Kaufleuten erster Gilde, gewissen Handwerkern und akademisch Gedildeten, der Aufenthalt in ganz Rußland gestattet. Nach der Auffassung der Provinzbehörden soll aber Sibirien von diesen Privilegien ausgenommen sein, weil 1847 der Kaiser Nikolaus entschieden habe, daß Juden sich in Sibirien nicht niederlassen dürsten. Seit 1864 legte daher die Behörde wiederholt den privilegirten Juden Hindernisse in den Weg, wenn sie sich in Sibirien aushalten wollen, und wiederholt wenn die Geschädigten an den Senat appellirten, hat dieser schon einschreiten müssen. Endlich hat der Senat eine allgemeine Regelung getroffen und einfür allemal entschieden, daß die privilegirten Juden auch in Sibirien freies Wohnrecht haben. Noch eine zweite günstige Entscheidung hat endlich nach zehnjähriger Dauer der Processe der Senat getroffen, die nicht unwichtig ist. Im Jahre 1888 hat Stadthauptmann Grasser den jüdischen Ladenbesitzern befohlen, auf ihren Schildern Namen und Vornamen, sowie den Namen ihrer Väter voll ausgeschrieben in russischen Buchstaben ausgeschrieben, damit Jedermann sehen könne, daß die Besitzer Juden sind. Die Ladeninhaber appellirten an den Senat und dieser hat nun entschieden, daß jene Ordre gesetzwidrig sei und nicht befolgt zu werden brauche.

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