Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 29 (21.7.1899)
- Date
- 1899-07-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 541 an. Von Neutitschein war zu öent Leichenbegängnisse Herr Hofrath Krayatsch, ein Freund des Verstorbenen herbeigeeilt. Auch sonst sah man im Leichenzuge viele Gerichtsbeamte, die als Freunde des Todten von auswärts gekommen waren, um demselben'die letzte Ehre zu erweisen. Auf dem Friedhofe hielt Dr. Oppenheimer eine ergreifende, die Verdienste Prochaskas würdigende Grabrede. Mit einem Choräle, unter Leitung des Herrn Obercantors Schlesinger vom Tempelchore gesungen, schloß die Trauerfeier. Holleschau, 17. Juli. (DererstejüdischeMilitär- Veteranen-Verein in Oe st er reich.) Auf Grund der von der k. k. mährischen Statthalterei genehmigten Statuten hat sich dieser Tage hier der erste jüdische Militär-Veteranen- Verein in Oesterreich constituirt. Der Verein bezweckt unter Anderem die Wahrung der militärischen Berufstreue, die Bethätigung des Patriotismus und die Unterstützung kranker und hilfsbedürftiger Mitglieder. In allen Kreisen unserer Gemeindemitglieder herrscht reges Interesse für diesen Verein, und selbst von außerhalb melden sich täglich active und unterstützende Mitglieder, so daß ein Aufblühen desselben zu gewärtigen ist. Folgende Corporationen und Persönlichkeiten haben theils durch Subventionen, theils durch Mitgliedsbeiträge ihre Theiluahme für den Verein bekundet und an Seine Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. I. F r e i m a n n, k. k. Landwehrseelsorger, anbei bezeichnete Beträge gesandt: Löbliche Cultusgemeinde Brünn (Sitzungsbeschluß) 40 Kronen, Herr Hermann Rosenzweig in Dittersdorf 20 Kronen; ä 10 Kronen sandten: Herr Landsberger, Fabrikant in Friedek; Herr Winter, Malzfabrikant in Ung.-Osta; Frau Friedmann in Sternberg; Herr Hermann Löw in Colloredo; Herr Sigmund Markus, Cultusvorsteher in Wagstadt; Herr S. Adler in Ung.- Ostra; Herr Dr. Adolf Müller, Herr I. Theumann, Herr Philipp Nußbaum, Herr Dr. Leopold Berg, Letztere sämmtlich in Wien; a 6 Kronen sandten: Herr Broch, Fabrikant in Olmütz; Herr David Rieß in Hovezi; Herr Sigmund Hoffmann in Wischau; Herr I. Feldmann, Leop. Grünspan, Em. Lustig in Wien; 5 4 Kronen sandten: Herr Redlich in Bschemina; Herr Gustav Bier in Bukovar (Slavonien); Herr D. Grätzer in Olmütz;. Herr H. Nowak in Sluschowitz; Herr Joses Rieß in Hovezi; Herr Blumenthal in Orlau; Herr Leop. Stern, Obercantor in Wien; die Herren: Heinr. u. Adolf Groß, Jägerndorf; Brüder Gottlieb u. Brauchbar, Brünn; Jacob Schimmerl, Kremsier; Jgn. Montag, Wien; Theodor Skrainka, Neudorf; Jacob Pollak, Wien; Ludw. Markus, Wagstadt; Karl Brößler, Olmütz; Josef Lustig, Brünn; ä 2 Kronen sandten die Herren: Brüder Redlich et Berger (Gödinger Zuckerfabrik); Leop. Teller, Vatzanowitz; Dav. Tuppler, Nendorf; Jacob Weiß, Klosterneuburg; Reiß, Kaschawa; S. Lustig, Religionslehrer, Brünn. tz;‘ Für das Interesse und die thatkräftige Förderung, welche die Obgenannten dem Militär-Veteranen-Berein der Jsraeliten- Stadt Holleschau zutheil werden ließen, sei ihnen hiemit Dank und Anerkennung gewidmet. Die Constituirung des Vereines hat bereits stattgefunden. Es wurden von der Generalversammlung gewählt: zum Vorstand Oberlieutenant a. D. Herr Jakob Braun; zum Vorstand-Stellvertreter Herr Max Broll; zum Cassier Herr Bernhard Weinreb; zum Schriftführer Herr Elias Braun; zum Rechnungsführer Herr David Beer. Kultenberg. (Besuch des Statthalters. — Gemeindewahl. — Etwas von dem Antisemitentische.) Bei der jüngsten Anwesenheit Sr. Excellenz des Herrn Statthalters in unserer Stadt, halten auch die Ehre, zum Empfange separat geladen zu werden, unser Herr Rabbiner nebst dem Vorstande. Bei der Vorstellung in der Bezirkshauptmannschaft erwiderte Se. Excellenz auf die gehaltene Ansprache, daß er von der Loyalität der Israeliten überzeugt ist, und daß dieselben seiner Unterstützung, falls selbe sich als nöthig erweisen werde, jederzeit versichert sein können. Auch wurde unser Vorsteher Herr Beran mit einer Einladung zu dem von Sr. Excellenz veranstalteten Diner ausgezeichnet. — Bei der am 9. d. M. stattgefundenen Neuwahl des Vorstandes wurden in den engeren Ausschuß gewählt die Herren: Beran, Baß, Blattner, Krasa Rosenzweig aus Kuttenberg, Freund aus Zbraslavic, Freund aus Suchdol. Pick aus Hlizov, Camperlik aus Ovcar; in den erweiterten Ausschuß die Herren: Schick aus Rothjanovic, Friedrich Spitz aus Zbraslavic, Ornsteiu aus Neuhof, Lustig aus Miskovic, Hofmann aus Ovcar, und aus Kuttenberg N. I. Munk, Eduard Wohrizek, Ludwig Markus und Josef Geiger. — Die Affaire Hülsner hat hier schon genug Staub aufgewirbelt, Dank den antisemitischen Agitationen, und es ist nicht abzusehen, wie die Sache enden wird. Zuerst wurden in hiesigen Buchhandlungen Ansichtskarten des Thatortes Polna durch Placate in den Auslagfenstern feilgeboten und ausgestellt, ferner wurden Broschüren verkauft, die das Volk nur verhetzen, ohne daß selbe confiscirt wurden. In neuester Zeit betreibt sogar ein Suplent der hiesigen Staats- Oberrealschule den Sport, in förmlichen antisemitischen Conventikeln mit einem peusionirten Geistlichen den Ritualmord zu predigen, ja der gute Mann hat sich sogar gerüh.nt, daß er eine Broschüre in czechischer und deutscher Sprache herausgeben wird, in der er den Beweis für den Ritualmoro erbringen will. Glücklicherweise verläßt der gute Mann bald unsere Stadt, weil er an die vom Lande Mähren in Brünn erhaltene böhmische Handelsschule kommt. Brünu kann sich also freuen. Wo bleibt eigentlich der Erlaß, daß Lehrer keine nationale oder confessionelle Hetze treiben dürfen? Es wäre wahrlich hoch an der Zeit, wenn die Schulbehörden auch nur ein wenig das Privatleben der Lehrkräfte beaufsichtigen würden, denn von solchen Lehrkräften kann man wohl keine gerechte Behandlung der jüdischen Schüler erwarten. M. Krakau. Im Gymnasium von Podgorze ereignete sich ein sehr merkwürdiger Vorfall, der in unserer Zeit doppelt unterstrichen zu werden verdient als ein Beweis, daß wir denn doch nicht ganz an dem Gleichheitssinn unserer christlichen Zeitgenossen zu verzweifeln brauchen. Es handelt sich im vorliegenden Falle zwar nur um die Jugend, aber die Jugend ist doch die Zukunft. In den galizischen Gymnasien ist es gebräuchlich, daß die Abiturienten sich nach dem Examen gemeinsam mit ihren Lehrern photographiren lassen. Das sollte auch in Podgorze geschehen. Die jüdischen Abiturienten verlangten, daß auch der jüdische Religionslehrer mit dabei sei. Dagegen remonstrirte der christliche Katechet. Die christlichen Abiturienten erklärten sich solidarisch mit ihren jüdischen Collegen und stellten die Alternative: entweder beide Religionslehrer oder keiner! (Notabene bildeten in diesem Jahrgang die christlichen Schüler die Majorität). Der Katechet wollte nicht nachgeben, und der Dircetor intervenirte nicht. Am bestimmten Tage versammelten sich Abiturienten und Lehrer beim Photographen. Nur der jüdische Religionslehrer fehlte noch. Die Abiturienten erklärten: entweder wird er geholt oder der christliche Katechet entfernt sich; sonst lassen wir uns überhaupt nicht photographiren. Der Katechet gab nicht nach, die Schüler auch nicht, und man ging auseinander. Wie sonst sehr selten, hatten die Lehrer diesmal einen eclatanten Beweis, daß ihre Abiturienten wirklich sehr reif seien. Berlin, 18. Juli. (D e r *Ni e d e r g a n g des Antisemitismus in Deutschland.) Es ist bekannt, daß der Antisemitismus in Deutschland seine politische Bedeutung verloren hat. Stöcker's Rolle ist ausgespielt; im Berliner Gemeinderath sitzt nicht Ein Antisemit mehr und im Reichstag haben die wenigen Antisemiten nicht den mindesten Einfluß. Nun gibt der Antisemitenführer L i e b e r m a n n v. S o n n e n b e r g die Thatsache des Niederganges des politischen Antisemitismus in Deutschland rückhaltslos zu. „Die große nationale antisemitische Bewegung ist/ wie Herr Liebermann v. Sonnenberg in seiner Wochenschrift klagt, „augenblicklich auf einem todten Punkte angekommen, der überwunden werden muß." Der deutsche Antisemitenführer sagt weiter: „Die Werbekraft des antisemitischen Gedankens ist nicht geringer geworden, als sie früher war, aber die Zahl der Männer, die für seine Ausbreitung mit Erfolg gearbeitet uud geschafft haben, schmilzt zusammen. Die ältesten Streiter fangen an, müde zu werden. Die planmäßige uub zielbewußte Agitation i st i n s S t o ck e n g e r a t h en, und doch wäre gerade jetzt deren Verstärkung geboten. An sich sind Stockungen, ja selbst rückläufige Bewegungen kein Grund, an der Zukunft unserer Sache zu verzweifeln. Auf Wellenberge folgen Wellenthäler, auf Fluth folgt Ebbe, aber auch umgekehrt. Wir dürfen uns nur nicht selber aufgeben, sondern müssen die Ursachen dieser unerfreulichen Thatsachen freimüthig zu ergründen suchen und dann energisch bessernde Hand anlegen." Dazu macht die clericale „Germania" folgende Bemerkung: „Es muß schlimm um die antisemitische Partei stehen, wenn selbst Herr Liebermann, zu dessen hervorragendsten Eigenschaften