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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-21 · 29 (21.7.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
29 (21.7.1899)
Date
1899-07-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 540 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 29 mochte nichts abzuschwächeu, und es wäre die Aufgabe der hochwürdigen Herren Geistlichen, wenn sie sich redlich bemühten, das Blutmärchen, diesen unheilvollen Irrwahn, mit der Wurzel aus dem Herzen ihrer Pfarrkinder zu tilgen. Besondere Beachtung verdiente in diesem Processe die Vertheidigung, die in den bewährten Händen des Herrn Dr. Brust lag. Seine Kritik gegen die berufenen Factoren, die die antisemitische Verhetzung seÜ Jahr und Tag dulden, übte einen tiefen Eindruck. Der Herr Hofrath Dr. v. Holzinger, der als Vorsitzender stets mit großer Strenge über die Aeußerungen der Vertheidiger wacht, um die ihm nicht passend erscheinenden unerbittlich zurückzuweisen, hat gegen die erwähnte Kritik des Dr. Brust nichts einzuwenden gehabt. Dem Dr. Brust gebührt der wärmste Dank der gesammten österreichischen Judenheit für seine muthigen Worte. Was die gegenwärtigen jüdischen Reichsrathsabgeordneten trotz ihrer Immunität bis jetzt auszusprechen sich nicht getrauten, das sprach Dr. Brust mit anerkennenswerthem Mannesmuthe am 13. Juli im Gerichtssaale aus. Daß sämmtliche Angeklagte den Dr. Brust, den stellvertretenden Präses der israelitischen Cultusgemeinde Mödling, zu ihrem Vertheidiger bestimmten, ist besonders beachtenswerth. Es ist aber durchaus nicht purer Zufall, daß die Angeklagten gerade den Dr. Brust zum Vertheidiger sich ausersahen. Von der Clientel des Dr. Brust, des einzigen jüdischen Advocaten in Mödling, sind 9/io Nicht-Juden, und bei der antisemitischen Versuchung dieser ganzen. Gegend darf man füglich annehmen, daß die meisten dieser Clienten antisemitisch gesinnt seien, die aber dennoch das größte Vertrauen zu Dr. Brust haben, weil er den Ruf eines gewisienhaften, objectiven Rechtsanwaltes, dessen er sich in weiten Kreisen erfreut, auch ganz rechtfertigt. Und dieser Umstand bewog auch die Wr. - Neudorfer Angeklagten, ihn dem Landesgerichte als ihren Vertheidiger namhaft zu machen. Durch eine Zustellung von dieser Gerichtsbehörde erlangte erst Dr. Brust davon Kenntniß — wie es Schreiber dieses durch eingeholte Erkundigungen erfuhr —, daß ihm diese Vertheidigung übertragen wurde, zu deren Uebernahme er sich erst nach Einsichtnahme in die betreffende Acten entschloß, nachdem er vorher diese Bertheidigung abzulehnen gewillt war. Correspondenzen. Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 11. Juli 1899 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath H. Klinger. Beginn 5 Uhr Nachmittags. Im Einlaufe befindet sich ein Schreiben des Dr. Hermann Fialla, mit welchem derselbe aus dem Ergebnisse einer durch ihn im Jahre 1896 vorgenommenen Geldsammlung für jüdisch-akademische Zwecke und in Gemäßheit eines diesfälligen Comite beschluffes 2000 fl. widmet und sich unter einem alle weiteren Bestimmungen rücksichtlich dieser Widmung für den September dieses Jahres vorbehält. Weiters sind eingelaufen: Von Dr. Otto Freiherrn von Springer in Ausübung der letzwilligen Verfügung seiner Mutter der Frau Amalie Löwenstein zur Vertheilung an jüdischer Arme fl. 500, weiters von der Redaction des „Neuen Wiener Tagblattes" für die armen Waisenkinder, eine dort eingelaufene Spende von fl. 5. Den Spendern wird der Dank votirt. In einer Zuschrift des Wiener Magistrates wird die Bewilligung zur Erweiterung des bestehenden Altersversorgungshauses der israelitischen Cultusgemeinde und zur Errichtung einer Siechen-Abtheilung ertheilt und die Verwendung des neu zu erbauenden Tractes zu obigen Zwecken principiell genehmigt. Die Mitheilung des Herrn Baurathes Stiaßny, wonach der Wiener Stadtrath die Ministerial-Entscheidung, durch welche die Betriebsbewilligung für den Erweiterungs baudes israelitischen Gemeindespitales zur Kentniß genommen hat, und das nunmehr die betreffenden Arbeiten unverzüglich in Angriff genommen werden, dient zur Kenntniß. Vor Uebergang zur Tagesordnung hält der Präsident dem verewigten Professor Dr. David Kaufmann einen warmen Nachruf, über welche Trauerkundgebung bereits in der vorigen Nummer dieses Blattes berichtet wurde. Aus der Benedict Karplus'schen Gewerbeschulstiftung werden gemäß dem Referate des Herrn Baurathes Theodor Ritter von Goldschmidt zwei Stipendien verliehen. Director Simon referirt Namens der Unterrichts-Sectio u über eine Abänderung des Lehrplanes für den Religionsnnter richt der 5. Volksschulclasse und über eine Zuschrift des Bezirksschulrathes betreffend die weitere Verwendung der Dr. Gerson Wölfischen Religions- und Sittenlehre. Herr Dr. Steiner bringt den vom Cultusvorstcher Herrn Dr. Berger ausgearbeiteten Bericht über die auf Grund des Verstandsbeschlusses vom 26. Jänner 1898 ins Werk gesetzte Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau während des abgelaufenen Winters zur Kenntniß der Plenarversammlung. Aus dem Berichte geht hervor, daß diese Wohlthätigkeits-Action als vollständig gelungen bezeichnet werden kann, dank der Rührigkeit des Brigittenauer Local-Comites, in welchem sich besonders anerkennenswerth Frau Therese Spitz und Herr Heinrich Weiner verdient gemacht haben. Ueber Antrag des Referenten wird Herrn Dr. Berger für die opferwillige Thätigkeit bei der Durchführung der Action und den vollständigen, interessanten, auch für die Folgezeit nutzbar zu machenden Bericht der Dank des Vorstandes votirt. Hierauf kommen Angelegenheiten des Altersversorgungs- Hauses und mehrere Currentien zur Erledigung. Schluß der Sitzung 8 Uhr Abends. Preßburg. Der Jahresbericht der öffentlichen Bürgerschule, welche durch die Preßburger orth. israel. Cultusgemeinde aufrechterhalten wird und mit einem Handels-Fachcurs verbunden ist, veröffentlicht von Director Max Oesterreicher, wurde dieser Tage verschickt. Für die Oeffentlichkeit hat der erste Theil, in welchem der Verfasser über die Organisation und Ziele der Bürgerschule schreibt, das größte Interesse. Der Autor weist darauf hin, daß die meisten Eltern, indem sie ihre Kinder in die unteren Elasten einer Mittelschule senden, von der falschen Anschauung ausgehen, daß die Kinder daselbst sich am besten jene Wissenssumme erwerben, die für das Leben nothwendig ist. Sie ziehen darum die Mittelschule der Bürgerschule vor. Diese Ansicht ist gänzlich falsch, denn die Bürgerschule entspricht diesen Anforderungen in viel höherem Maße. Die Eltern mögen es sich zu Beginn eines jeden Schuljahres vor Augen halten, für welche Laufbahn ihre Kinder am geeignetsten sind und ob ihre Eltern in der Lage sind, mit materiellen Opfern jene Schwierigkeiten zu bewältigen, welche zu einer wissenschaftlichen Laufbahn führen. Zweifelhaftes Herumtasten ist dabei nur von Schaden. Bevor man die Kinder im Gymnasium oder in der Realschule umsonst die Zeit vergeuden läßt, schicke man sie lieber in eine solche Anstalt, die geringere Opfer erfordert, uämlich in die Bürgerschule. Eine solche Institution ist die von der Preßburger orth. israelitischen Gemeinde erhaltene Bürgerschule, die eben jetzt ihr 13. Schuljahr beendet hat. Der beste Beweis, daß sie das angestrebte Ziel erreichte, ist die Thatsache, daß ihre absolvirten Schüler allerorts in hervorragenden commerciellen Stellungen beschäftigt sind, theils aber viele Andere, die in höheren Scyulen ihre Studien fortsetzen. Die Ge meinde hat für ihre Schulzwecke in der Turnergasse einen schönen Neubau Herstellen lasten, in welchem auch die Bürgerschule vom nächsten Schuljahr an ihr modernes, zweckmäßiges Heim haben wird. Eben daselbst wird die Gemeinde laut einem nicht genug als löblich hervorzuhebenden Beschluß, eine Mädchen-Bürgerschule eröffnen. Von den Ereignissen des abgelaufenen Jahres ist hervorzuheben die Trauerfeier für weil. Ihre Majestät die Königin Elisabeth, die Nationalfeier, die amtliche Jnspicirung durch Schulinspector kön. Rath Plachy und die Wohlthätigkeits-Rubrik. Der Unterricht wurde von 16, in den Hauptgegenständen diplomirten Lehrkräften ertheilt. Die Mittheilungen über das kommende Schuljahr sind in dem Jahresberichte in deutscher Sprache beigefügt. Olruütz. Hier ist nach längerem Leiden der k. k. Landesgerichtsrath, Nathan Prochaska im 59. Lebensjahre gestorben. Derselbe war seit mehr als 20 Jahren beim hiesigen Kreisgerichte als Gerichtsadjunct, Rathsecretär und zuletzt als Landesgerichtsrath thätig und erfreute sich wegen seines ruhigen Wirkens und seines bescheidenen Wesens allgemeiner Hochachtung. Als Richter zeichnete er sich durch tüchtige Gesetzkenntniß aus. An seinem Sarge trauern seine Gattin und zwei Söhne, welch' letztere sich ebenfalls der richterlichen Laufbahn widmen. Das Leichenbegängniß fand unter zahlreicher Betheiligung aus allen Kreisen der Bevölkerung statt. Hinter dem Sarge schritten die Witwe und die Söhne des Verstorbenen. Ihnen schloßen sich unter Führung des Vicepräsidenten Kandier die Räthe und Beamten der hiesigen Gerichte, Staatsanwalt W a i s a r, Bürgermeister Brandhuber und die Vorstände der Cultusgemeinde

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