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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-21 · 29 (21.7.1899) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
29 (21.7.1899)
Date
1899-07-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 536 Dr. Bloches Wochenschrift. Nr. 29 zahlreichen Schüler des Verstorbenen, die aus allen Gegenden des Landes herbeigeeilt sind, um ihrem großen Meister das letzte Geleite zu geben, die große Zahl derjenigen, die der weltverbreitete wissenschaftliche Ruhm Professor Kaufmann's zu seinen Verehrern machte,.die Abordnungen von Gemeinden und Körperschaften; sie alle hatten das klare Bewußtsein, daß sie einem der Größten in Israel die letzte Ehre erweisen, daß sie. einen der Größten unter den Zeitgenossen der Muttererde überantworten. Stumm und lautlans begrüßte man sich, wie es sich für die nationale Trauer, die in diesen Tagen wiederkehrt, vorgeschriebe» ist; angesichts des großen Todten schien auch das Leben dieser Massen gedämpft zu sein und stille zu stehen. Punkt 4 Uhr begann die Ceremonie mit den erschütternden Trauergesängen, die von dem großen Chor der Pester jüdischen Gemeinde unter Leitung des Obercantors Adolf Lazarus angestimmt wurden; um diese Zeit konnte die geräumige Ceremonienhalle die Trauergäste nicht mehr fassen, in dem Gedränge und bei der drückenden sommerlicher Schwüle entstand eine unhaltbare Situation, und es war höchste Zeit, die Bahre unter freien Himmel zu stellen, wo der größte Theil der Ceremonie trotz des regnerischen Wetters nunmehr ungestört vor sich ging. Die Bahre umstanden die Witwe des Verstorbenen, Frau Irma K a u f m a n n geborene Gomperz, deren Mutter, Frau Rosa Gomperz, der Bruder des Verstorbenen, Herr Ignatz Kaufmann, ein noch junger Mann, der sich aber trotz seiner Eigenschaft als Oekonom, wie den Lesern der „Oesterreichischen Wochenschrift" erinnerlich sein dürste, bereits durch zahlreiche Aufsätze und Arbeiten bemerkbar zu machen wußte, Herr Ludwig König, Schwager des Verstorbenen, Director an der Pester Elisabeth - Dampfmühle, Dr. F. Rosenthal, Rabbiner in Breslau, ferner Dr. I. H. Oppenheim aus Brünn, beide ebenfalls Schwäger des Verstorbenen, nebst anderen Verwandten des Verstorbenen aus den angesehenen Familien Gomperz und König. Die greisen Ellern, die in Kojetein in Mähren leben, waren nicht erschienen. Die erste Trauerrede hielt Dr. Samuel K o h n, Oberrabbiner der Pester jüdischen Gemeinde, ein persönlicher Freund des Verstorbenen. Indem er den herben Verlust, den das Judenthum durch das Hinscheiden David Kaufmann's erlitten, schift derte, bemerkte er treffend, daß dieses Mal, entgegen den Worten des Hoheliedes, die Liebe sei stärker als der Tod, der Tod sich fürchterlich stark gezeigt habe, stärker als aÜ' die Liebe, mit der die Mitmenschen an David Kaufmann hingen; auch von diesem König, dem König im Reiche der Wissenschaft, gilt das über David gesagte Schriftwort: „Wahrlich, leer geblieben ist der Platz Davids!" Die sterblichen Ueberreste des großen Mannes kommen in ein Grab, welches neben den Gräbern zweier Größen in Israel liegt, neben dem Grabe Löw B r i l l's, des großen jüdischen Gelehrten und neben dem von Ignatz Hirschler, dem einstigen Führer des ungarischen Judenthums; Gelehrsamkeit und weltlicher Sinn seien in David Kaufmann, wie in jenen Beiden, in schönster Blüthe entwickelt gewesen. Unter Anwendung des Priestersegens endete die ergreifende Trauerrede, in welcher der Schmerz des Freundes, nicht minder wie die Klage des Seelsorgers zum Ausdruck kam. Im Namen der Familie nahm Dr. R o s e n t h a l rührenden Abschied von dem Vorstorbenen. Nur dem Rufe der schweren Pflicht gehorchend, denn des Redens sei er in seinem Schmerze nicht fähig. Kaufmann war der Stolz seiner Familie, die Seele ihrer Seelen. Was er der Gattin, den Eltern, der Schwiegermutter, den Geschwistern gewesen, könne in Worte nicht gefaßt werden, sie alle waren durchdrungen von dem Bewußtsein seiner hohen Bedeutung. Er war nicht blos i h r Licht, sondern das Licht der Welt, nicht nur ein Diener, sondern ein Priester, ja ein Prophet der Wiffenschaft, und so fragte er mit dem alten Worte, m bv ■rar non» p-n „wo bleibe das lange Leben, das für das Ehrfürchten der Eltern zugesagt ist", bei ihm, der doch überhaupt alle alten Lehrer in Israel so sehr verehrt hatte? Von S amuel, einem alten Lehrer, der ob seiner Bescheidenheit der „Kleine" zubenannt wurde, hieß es bei seinem Ableben, ba ba: nbir bv man „er habe alle Herrlichkeit der Welt mit sich genommen"; dasselbe gilt auch von diesem großen Lehrer, der nun nichts übrig gelassen. Mit warmen Trostworten an die Witwe, der Trägerin des großen Namens, mit dem Aufruf, daß sie die Hüterin seines Andenkens werden möge, schloß der trauernde Schwager seine Worte. Im Namen des Lehrkörpers der Landes - Rabbinerschule zu Budapest, der Schule, an welcher der Verblichene von ihrer Begründung an durch 22 Jahre segensreich gewirkt hatte und der er den Glanz seines Namens verlieh, im Namen dieser Schule sprach Professor Dr. W. B a ch e r in ungarischer Sprache.' Unter nleisterhafter Anwendung mehrerer Bibelworte mit dem Spruche: nnya rum kstö rwb zur Zeit der Heilung — siehe da Bestürzung, beklagte er den Amtsgenossen und Freund, mit dem er nicht nur in den letzten 22 Jahren, sondern schon in den Studienjahren, gemeinsame Ziele und Zwecke verfolgte. Nicht nur könne ec dem Verklärten Nachrufen: ia rrn V'8 ein Mann war er, in welchem Geist wohnte, sondern mit einem anderen Bibelworte : >T2 m'rp rrn n es war ein außergewönlicher Geist in ihm, ein Geist, der sich groß zeigte, ob es nun galt die Tiefen der jüdischen Religionsphilosophie oder das Dunkle der jüdischen Geschichte zu ergründen. Kaufmann war groß als Lehrer, ebenso wie als Meister des Wortes, und dies alles in geistreicher Weise im schönsten Sinne des Wortes, so daß man bei seinem Tode wie bei jenem altberühmten Lehrer sagen könne: naann n ^taa dahin ist der Glanz der Weisheit! Es sprach nun der Docent am Breslauer Seminar Dr. M. Braun, ebensalls ein langjähriger Studiengenosse und .Freund David Kaufmann's, mit dem er in dem letzten Jahren die von Zacharias Frankel begründete, von G r a e tz weitergeführte „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" herausgab. In großen Zügen schildert der Redner die Bedeutung, die der Verstorbene für die Wissenschaft des Judenthums hatte, wie er große Gestalten und verdienstvolle Männer des Judenthums zu neuem Leben erweckte, wie er Samson W e r t h e i m e r, Jair Chaim B a ch r a ch, Lipmann H e l l e r und viele Andere unserem Zeitalter näher rückte, wie er einer der Begründer des Vereines „Mekize Nirdamim" und wie er selber ein „Erwecker der Schlummernden" war. In diesen Tagen des nationalen Unglückes bittet er Gott mit den alten Worten, er möchte den Riß in Israel wieder gut machen! Professor Dr. H. M. Müller aus Wien sprach im Namen der israelitischen theologischen Lehranstalt in Wien und auch als Freund des Verstorbenen, der er durch 32 Jahre war. In wahrhaft herzergreifender Weise überbrachte dem großen Todten Rabbiner Dr. S t e i n h a r d t aus Kojetein den Abschiedsgruß dieser seiner Heimats gemeinde. Hieher, wo er jeden Menschen kannte, wo er die Geschichte eines jeden Hauses wußte, wo er jeden Baum wachsen sah, hieher kam er jedes Jahr, seine greisen Eltern zu besuchen, er betete in dem schlichten Gotteshaus und träumte von der Vergangenheit in dem alten Friedhof; Sohn und Kind müßten sie ihn nennen, aber er war ihnen Vater und Beschützer. Im Namen des Aufsichtsrathes der Landes-Nabbinerschule sprach Rabbiner Dr. M. Klein aus Groß-Becskerek in ungarischer Sprache. Kaufmann hinterlasse zwar keine Kinder — so führte er aus — aber &"n yv pna ns die Frucht des Gerechten ist der Lebensbaum, und es sind gar herrliche Früchte, die für das Leben von dem Verstorbenen gestiftet wurden. — Im Namen der Schüler des Verstorbenen, die aus allen Gegenden des Landes erschienen waren, sprach Dr. Alexander B ü ch l e r, Rabbiner in Keszthely in Ungarn gleichfalls in ungarischer Sprache. Es folgten noch kurze, aber warm empfundene Reden von Baurath S t i a ß n y aus Wien, der insbesondere auch im Namen der Gesellschaft für jüdische Museen die hohen Verdienste des Verstorbenen würdigte, ferner ein Abschiedswort vom Schwager des Verstorbenen, Dr. Oppenheim aus Brünn, der im Hinblick auf den großen Verlust dem ungarischen Judenthum den Wunsch zurief, es möge ihm bald ein Ersatz erwachsen. Schließlich eine ungarische Rede von Professor Ignatz G o l dz i h e r, dem illustren Orientalisten, der ein imtimer Freund des Verstorbenen war und eben darum durch Hervorhebung von persönlichen Momenten, durch die Unmittelbarkeit der Schilderung des herben Verlustes auf die Trauerversammlung einen großen Eindruck machte. Als diese letzten Reden, die bei offenem Grabe gehalten wurden, verklangen, wurde der schwere Metallsarg in die Gruft gesenkt, um für ewig die sterblichen Ueberreste des großen Mannes dieser Welt zu entziehen, in der er sich soviel Achtung errungen, in der er so viel gewirkt und geleistet hatte, in der aber voraussichtlich auch sein Andenken stets erhalten bleiben wird. Es war schon lange nach 6 Uhr, als die Knaben des israelitischen Waisenhauses in ihrer traurig-monotonen Weise das

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