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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-21 · 29 (21.7.1899) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
29 (21.7.1899)
Date
1899-07-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Bloch's Wochenschrifi. Seite 535 mit den Colonien znthuu habenden Beamten die armen Fellachen nicht so grausam wie vorher. Ueberhaupt ist es ein Jrrthum, die Taxe mit dem S y st e m der Backschischzahlung zu verwechseln. Das System ist das alte, nur die Taxe ändert sich dem größeren oder kleinerem Angebot gemäß." Daher kommt es, daß der Jude, oder die jüdische Gesellschaft, wenn sie nach rechtsverbindlich geschlossenem Kaufe des Bodens auch die Jntabelationsbriefe (Kuschanes) aus Constantinopel rasch herabgelangt haben und keiner jahrelangen Verzögerung ausgesetzt sein will — entsprechenden Bachschisch zahlen müssen. Deshalb entrichten auch Backschisch diejenigen, die rasch die Häuserbaubewilligung (Ruchsien) erlangen wollen, und Backschisch zahlen die Einwanderer, wenn sie die Grenze passiren wollen. Als in den Jahren 1881 und 1882, während der Judenverfolgungen in Rußland Tausende armer und brodloser russischer Juden planlos im Jaffa landeten, das Land ohne Unterhalt überfluthend, da erließ die türkische Regierung, — im Wege einer administrativen Verordnung — (also kein Gesetz) und unter der Begründung dadurch der allgemeinen Verarmung des Landes vorzubeugen — ein Verbot der jüdischen M a s s e n l a n d u n g. Dieses Verbot, das, weil den internationalen Verträgen widersprechend, von der türkischen Regierung nie officiell verlautbart und nie durchgehendes gehandhabt worden ist, dient den türkischen Grenzbeamten zum sehr willkommenen Vorwände, um von den einwandernden Juden, auch wenn sie einzeln und zu zweien (also nicht massenhaft) kommen, Backschisch zu erzwingen. Die wohlhabenderen Juden, die mit einer Reisegesellschaft fahren, oder die Hilfe des betreffenden Consuls anrufen, passiren oft unbehelligt die Grenze, während die anderen eine Taxe zwischen 20 und 100 Francs entrichten. Und nun wird uns wieder einmal klar, wie das großthuerische, staatsmaunssüchtige Vorgehen der politischen Zionisten belanglos ist. Anstatt nicht erreichbaren Utopien von „großen öffentlichrechtlichen Abmachungen" nachzujagen, und für diese Phantasien so viel Mühe, Geld und Zeit zu verprassen, — wäre es doch von viel größerem Nutzen, wenn hier an den primitivsten Bedürfnissen einer gesunden Colonisation angesetzt würde. Wir haben zwar nicht die Mittel, das Backschischwesen in Palästina abzuschaffen, es läßt sich aber leicht mit Anrufung der Mithilfe der Consuls oder auf vielen anderen zu Gebote stehenden Wegen dem Uebergriff und Uebermaß des Backschisches einen Riegel vorzuschieben. Doch für große Politiker sind dies zu kleinliche Unternehmungen. Es ist daher Pflicht der Colonisationsgesellschaften sich dieser Sache anzunehmen. So manch' Bedeutendes ist auf diesem Gebiete, obwohl ohne Lärm, Trompeten und Posaunenschall bereits geschehen. IV. Der wahre Zionismus erschöpft sich aber bei Weitem nicht in der Coloniengründung in Palästina. Er ist nämlich nicht blos eine social-wirtschaftliche, er ist auch eine im vollsten Sinne des Wortes nationale Culturbewegung im Judenthume. Als solche ist er nicht erst von einzelnen Personen „gemacht", oder seit dem Erscheinen dieser oder jener „Broschüre" hervorgerufen worden, — sondern ist ganz souverän, selbstständig, und mit innerer Nothwendigkeit aus dem jüdischen Volke heraus entstanden. Er ist nicht eine von Außen octroyirte, sondern eine aus dem Innern der jüdischen Volksseele heroorströmende, aus den Tiefen des jüdischen Volksbewußtseins ihre Nahrung ziehende Volksbewegung. Das jüdische Volk und vor Allem seine Kernwaffen ttts Osten haben immer ihre nationale Sonderstellung unter den Völkern bewahrt, und die Assimilationsbestrebungen des zur Neige gehenden Jahrhunderts haben sie nur ganz oberflächlich gestreift. Die dem nationalen Charakter des jüdischen Volkes entsprossene jüdische Religion hat im Laufe der Grausamkeiten des Mittelalters und der Neuzeit dem jüdischen Volke als festes Bollwerk gegen alle äußeren schädlichen Einflüsse gedient und ihm neuen Muth und neue Hoffnungen auf eine beffere Zukunft ein geflößt. Nun ist mit dem Anbruche freiheitlicher Strömungen in Europa das Selbstgefühl des jüdischen Volkes zum neuen Leben erwacht und mit elementarer Gewalt hervorgesprudelt. Die jüdischen Massen beginnen sich ihrer selbst bewußt zu werden. Diese innere Bewegung ist berufen, befruchtend auf diese Massen zu wirken. Sie hat auch in der kurzen Zeit ihres Wirkens der jüdischen Literatur einen vorher nie geahnten Aufschwung gegeben, sie hat Hunderte hebräischer und Jargonblätter geschaffen und die bis nun abgesonderten, jedem Fortschritte abgeneigten östlichen Juden durch Tausende Canäle mit allen Bestrebungen der Neuzeit verbunden. Die hebräische Sprache und der Jargon, in denen begeisterte Dichter und begabte Schriftsteller zum Volke sprechen, sind zu Vermittlern zwischen den jüdischen Massen und der modernen Cultur geworden. Was zu erreichen man sich früher ganz fruchtlos bemüht und mit Zunahme der Anstrengungen nur Reactionen bervorgerufen hat, das beginnt die nationale Bewegung leichten Spieles zu erreichen. Mit Beibehaltung des specifisch jüdischen Charakters und mit vollständiger Wahrung der religiösen Anschauungen eines jeden Einzelnen bestrebt sich der Zionismus, ein einigendes Band um alle Glieder und alle Parteien des jüdischen Volkes zu schlingen, die durch so viele Beschcä rkuiigen der Jahrhunderte ihnen aufgedrungenen Mängel und Fehler rücksichtslos aufzudecken und die angestammten guten Eigenschaften und Fähigkeiten zu entwickeln und großzuziehen. Er will mittelst echt jüdischer Mittel das jüdische Volk auf immer höhere Stufen des nationalen Fortschrittes leiten. Es ist klar, daß diese nationale Culturbewegung im Judenthume nur langsam und organisch vorwärts schreiten kann, und daß hier Gewaltmittel nichts auszurichten im Stande sind. Nun stehen unsere Bestrebungen in Palästina selbst in innigster Abhängigkeit vom Fortschreilen der nationalen Culturbeweguug im Judenthume überhaupt. Mag es manchen unserer politischen Chauvinisten recht unangenehm zu hören sein, wir müssen es doch zugestehen, daß wir in der jetzigen Verfassung mit allen den Unterschieden in der Anschauung in Bezug auf Religion, Sitte, Sprache, Erwerb, Cultuswesen, Moral u. dgl. noch nicht im Stande sind, ein über Nacht durch politische Wundermittel hervorgezaubertes nationalsoziales Gemeinwesen in Palästina zu bilden. Es würde noch schneller, als es entstanden ist, an seiner eigenen inneren Unvollständigkeit sich verbluten. Nur schrittweise im Verhältnisse zum allgemeinen Erstarcken unserer nationalen Bestrebungen können wir auf echte und nicht scheinbare Erfolge in Palästina hoffen. Wie viel Mühe hat es zum Beispiel gekostet, bis man die Aschkenazim und Sephardim in Jaffa zu einer Gemeinde vereinigt hat, und ungeachtet der größten Anstrengungen steht noch das Gros der palästinensischen Chalukajuden der Colonisation feindlich gegenüber. Solcher und ähnlicher an den Juden selbst liegender Hindernisse gibt es sehr viele, die nur im Wege der langsamen, energischen nationalen Arbeit aus dem Wege geräumt werden können. Also nur der organisch sich entwickelnde Zionismus kann diesen Uebeln abhelfen und im jüdischen Volke wieder diejenigen Eigenschaften zu neuer Entfaltung erwecken, mit denen Glieder eines lebensfähigen socialen Gemeinwesens unbedingt ausgestattet sein müssen. Diesen Weg der organischen Arbeit haben die Zionisten bis jetzt verfolgt und werden sich von demselben ungeachtet des Lärmens mancher Heißsporne nicht verdrängen lassen. Professor Kaufmann'« Leichenbegängnis. Das Leichenbegängniß des am 7. Juli in Karlsbad so jählings verstorbenen unvergeßlichen Mannes hat am 11. d. M., um 4 Uhr, aus dem Ceremonienhause des Pester jüdischen Friedhofes, wohin die Leiche aus Karlsbad in einem Metallsarge überführt wurde, stattgefunden. All' den Erschienenen — und sie waren sehr zahlreich erschienen — sah man die Bestürzung an, die sie infolge des wahrhaft tragischen Falles, ob des frühzeitigen unerwarteten Heimganges des großen Gelehrten so sehr befiel; die Collegen des Verschiedenen, die von der schrecklichen Nachricht zu Beginne ihrer Sommerferien aufgeschreckt wurden, die

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