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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-21 · 29 (21.7.1899) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
29 (21.7.1899)
Date
1899-07-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 534 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 29 auf zweitausend, die er unbedingt zur Zahlung seiner Schulden brauchte. Auf Verlangen der Gemeinde sandte er ihr eine Abschrift seiner Schriften, um zu beweisen, welche Bedeutung dieselben hätten und daß der verlangte Preis nicht zu hoch sei. Die Gemeinde aber schickte einen ihrer Repräsentanten nach Nom, um Seiner Heiligkeit dem Papst Pius VI. ein Gesuch zu unterbreiten. In diesem wurde dem Papste dafür gedankt, daß er in demselben Jahre die Verbreitung der Geschichte des San Simoncino (von Giordano) und des Buchs „die Jrrtümer" von Ridolfi aus Ancona verboten habe, dieselben Maßregeln wurden gegen Giordano erbeten, der seine schurkische Gesinnung mit seinen Briefen bewiesen habe. Dem Gesuche waren die Briefe und Manuscripte Giordanos beigefügt. Der Papst schrieb auf das Gesuch: „An Nonsignore Assessore del S. 0.*), Dieser Monsignore schrieb an S. I. den Bischof von Ascoli, folgendes: Es befindet sich in Ihrer Stadt ein gewisser Giacomo Giordano, den man für einen Mann von Talent und Bildung hält. Er hat ein Gedicht in sechs Gesängen verfaßt, betitelt „der Jude im Exil", außerdem eine Schrift von zehn Seiten, enthaltend ein Antwortschreiben an einen Minister eines katholischen Staates, um dessen Souverain die Gründe auseinanderzusetzen, aus denen die Juden in den katholischen Staaten nicht geduldet werden dürften. Er rühmt sich der unnützen Mühe, die er aufgewandt hat, um alles das zusammenzuschaffen, was jemals über diesen Stoff gesagt und geschrieben ist. Er hat Unterhandlungen mit den Juden Anconas angeknüpft, denen er bedeutete, daß er von der Idee das Gedicht und die Schrift drucken zu lassen Abstand nehmen wolle, wenn sie ihm durch einen Rabbiner in einer Art antworten würden, die geeignet sei, ihn zu überzeugen. Er eiferte sich sehr für unsere heilige katholische Religion, aber sein Eifer endete mit dem Wunsch, einen Kramladen zu eröffnen, von den Juden einige Tausend Thaler durch das.Versprechen zu erschleichen, sein Werk nicht zu publiciren und ihnen die Originalien zu übergeben, um sie zu versichern, daß binnen einiger Frist eine gleiche Brandschatzung (riccato) nicht versucht werden würde. Die Beschwerden der Juden sind mit den erforderlichen Dokumenten an den päpstlichen Stuhl gelangt und mir übergeben, um Seiner Heiligkeit zu berichten, welche nach Erwägung der Sache mir befohlen hat, Ihnen Folgendes zu schreiben. Seine Heiligkeit will, daß Sie den genannten Giacomo Giordano zu sich rufen lassen, ihm eröffnen, wie sehr inopportun sein Werk sei, mit dem er riskiere, Tumult wegen einer Sache zu erregen, die ff o oft geprüft sei, und über welche man nicht niehr ernstlich disputiren könne; ihn deswegen zurechtweisen und im Namen Seiner Heiligkeit zu befehlen, nie wieder über eine solche oder ähnliche Frage etwas zu Papier zu bringen. Außerdem solle er alle Manuscripte, und jedes Papier, das die beiden Werke betrifft, Ihnen übergeben, damit nichts mehr in seinem Besitze bleibt, unter Androhung, daß bei der geringsten Uebertretung Gefängniß und andere schwere Züchtigungen nach Bestimmung Seiner Heiligkeit folgen würden und mit dem Ausdruck des Unwillens des Heiligen Vaters. Da man aber nicht darauf vertrauen kann, daß er Alles heraus gibt, wird es sich empfehlen, daß Sie, während er sich mit Eurer Exzellenz unterhält, in sein Haus schicken und alle besagten Papiere suchen und wegnehmen lassen. Oder senden Sie Jemand, den Sie für geeignet halten, daß er ihm obige Befehle und Vorschriften eröffne und zu gleicher Zeit die bezeichneten Papiere und Schriften wegnehme, so daß nichts bei ihm bleibt. Es empfiehlt sich endlich, mit der größten Vorsicht und Verschwiegenheit vorzugehen, damit kein Rumor entsteht. Wenn Sie, wie angegeben, verfahren sind, wollen Sie mir Bericht erstatten und mir die Papiere, welche dem Giordano abgenommen sind, nebst den Unterhandlungen zwischen ihm und den Juden von Ancona übersenden, damit ich dem heiligen Vater vorstellen kann, mit welcher Genauigkeit Sie seine hohen Befehle ausgeführt haben. Indem ich mir Alles von Ihrer Weisheit verspreche u. s. w. Msgr. Bischof von Ascoli antwortete dem Monsignore Affeffore del S. O. in Rom, er habe den Giordano zu sich berufen. Nachdem er ihm eine scharfe Ermahnung ertheilt und ihm die betreffende Weisung gegeben, habe er seinen Secretär in deffen Haus gesandt und alle auf die betreffende Angelegen- *) Beisitzer des heiligen Amtes. heit bezüglichen Papiere wegnehmen lassen, darunter auch einen Brief von Giordano an den Drucker Sartori in Ancona, in welchem es sich um den beabsichtigten Druck des Gedichtes handelte. Er werde Alles in einem Schreiben einsenden, habe es aber für Pflicht gehalten, zunächst über das zu berichten, was er gethan habe. So handelte die Kirche vor mehr als einem Jahrhundert, heute läßt man ruhig das Unheil sich ausbreiten, das Gift ungehindert in die Massen ausstreuen, und begnügt sich damit schließlich, für die Irregeleiteten die Milde des Gerichtshofes anzurufen. Der organische Zionismus. Von Dr. Abraham Salz. III. Das Vackschischwesen! Was für eine schneidige Waffe bildet dies Wort in dem Munde der politischen Zionisten, wenn sie gegen die Colonisation Palästina's losziehen. Den türkischen Beamten Backschisch zahlen — rufen sie in die Welt hinaus — heißt die Beamten bestechen, um gegen das Gesetz verstoßen zu können. Also wieder demoralisirende Schleichwege! Auch hier sehen wir eine vollständige Verkennung der im türkischen Administrationswesen vorherrschenden Verhältnisse. Wer nur einen Tag in der Türkei gelebt, oder über die dortigen Administrationszustände bei Eingeweihten sich erkundigt hat, weiß, daß „der Backschisch" keine Bestechung der türkischen Beamten und keine Verleitung zum Mißbrauch der Amtsgewalt ist. Derjenige, der den Backschisch entrichtet, leistet nur der in der Türkei geübten Gepflogenheit gemäß — ich möchte sagen — ein „Trinkgeld" an den Beamten, um ihn zur raschen und sorgfältigen Erfüllung seiner Amtspflichten zu bewegen. Das ist die richtigste Definition des türkischen Backschisches. Vom Standpunkte des türkischen Beamten ist das Backschischnehmen sicherlich unethisch, obwohl seine mißliche materielle Lage einen sehr bedeutenden Milderungsnmstand für ihn abgibt, die Rechtssuchenden aber, die, um zu ihrem Rechte rasch zu gelangen, oder ungerechten Chicanen zu entgehen, zum Backschisch Zuflucht nehmen, kann dieser Vorwurf gar nicht treffen. Den Backschisch zahlt sowohl der Fellach, wie auch der Christ und der Jude. Das Backschischzahlen wird sogar vom berühmten Reisebuche Baedecker's für Palästina Allen (also den Christen und den Juden) beim Ueberschreiten der Grenze und bei der Zollrevision eindringlichst anempfohlen, um Behelligungen seitens der Grenzbeamten aus dem Wege zu gehen. Und hören wir einmal, was ein seit vielen Jahren in Palästina in Colonisationssachen thätiger, in zionistischen Kreisen als Autorität auf diesem Gebiete anerkannter Gesinnungsgenosse in dieser Beziehung schreibt. *) „Es ist ein Jrrthum, zu glauben, daß die Colonisation das Backschischunwesen gesteigert oder entwickelt, oder daß sie überhaupt irgend welchen verderblichen Einfluß auf die türkische Beamtenschaft ausgeübt hätte. Das Backschischsystem ist ein der hierländischen Beamtenschaft eigenes und läßt sich weder im Wesentlichen steigern, noch vermindern, ausgenommen das Letztere mit dem allgemeinen. Fortschritt. Der türkiche Beamte ist schlecht besoldet und bekommt dazu noch größtentheils seinen Gehalt nicht ausgezahlt. Hingegen nmß er selbst, um eine Beamtenstelle zu erhalten, großen Backschisch an seinen Vorgesetzten zahlen und diese Zahlungen fortsetzen, wenn er die Stelle nicht verlieren will. So muß der Beamte, ob er will oder nicht, nach Backschisch spähen und hievon leben. Und wenn er dieses ihm nothwendige Geld von den immerhin vermögenderen Juden nicht erhält, so mißhandelt er auf alle mögliche Weise den eingeborenen Fellachen und erpreßt von dem Hungerssterbenden seinen letzten Para. So könnte man das Paradoxon aufstellen, daß umgekehrt das Erscheinen der Judencolonien auf dem Plane einen in moralischer Hinsicht eher wohlthätigen als verderblichen Einfluß auf die hierländische Beamtenschaft ausgeübt hat. Denn indem ihnen hier ergiebigere Quellen zur Verfügung stehen, drücken die *) Die folgenden Ausführungen entnehme ich seinem Aufsatze, den er mir für den zweiten Congreß in Basel zur Verfügung stellte, um an der Hand der in demselben angegebenen Thatsachen die politischen Gegner der Colonisation Palästina's eines besseren zn belehren.

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