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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-14 · 28 (14.7.1899) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
28 (14.7.1899)
Date
1899-07-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 530 Dr. Bloch's Wochenschrift» Nr. 26 gleichem Falle auch bei uns keinen Anstand erheben würde. Es sind, wie ich sehe, fast alle Balebattim hier versammelt, und ich schlage vor, daß wir gleich zur Wahl schreiten." (Fortsetzung folgt.) Am Tischr-Braw. Das Dorf M . . . liegt an beiden Ufern eines tiefen Armes der Waag, die eine Holzbrücke miteinander verbindet. Hart am linken Ufer steht ein alterthümliches Kastell, in welchem Baron F . . . , ein ahnenstolzer Aristokrat vereinsamt lebte, nur von Zeit zu Zeit von seinem einzigen Sohn besucht, der beim Militär war. Diesem Kastell schräg gegenüber, an dem jenseitigen Ufer erhebt sich ein moderner Bau, der Herrn v. R., einem Protestanten, gehört. Die so nahen Gutsnachbarn haben nie miteinander verkehrt. Dieses Lebens überdrüssig, übersiedelte die Familie v. R. in die Hauptstadt und verpachtete Haus und Gut einem fremden Juden. Herr Goldmark, der, ehe er noch hierher kam, die Religion bereits abgestreift hatte, lebte hier wie zum Trotze gegen die Religion, um den Juden ganz verkennen zu lassen. Er war Witwer mit drei Kindern, einem Mädchen, das in einem katholischen Pensionats untergebracht war, und zwei Knaben, die als Hauslehrer zwar einen Juden hatten, der es aber mit der Religion noch schlimmer hielt als Herr Goldmark, ein Atheist, wie er im Buche steht. Am Schluffe des Pensionsjahres, an welchem Amalie fünfzehn Jahre alt geworden, wurde sie aus dem Pensionat genommen. Ihre Ankunft traf zusammen mit der glücklich bestandenen Prüfung ihrer Brüder über die vier Untergymnasialclassen als Privatisten am Gymnasium zu T . . . zur Feier dieser beiden freudigen Ereignisse des Hauses wurde Tags darauf eine Festtafel gegeben, zu der viele Edelleute und Beamte der Umgegend eingeladen waren. Daß dieser Tag auch Tische-Beaw war, kam Herrn Goldmark und dem Hauslehrer Dr. Welten gerade recht. Während die paar Juden, die im Dorfe wohnten, und die Einzelnen aus anderen nahen Dörfern trauernd und fastend von der Vorlesung der Klagelieder Jeremias aus der armseligen Synagoge gingen, ging es im jüdischen Herrschaftshanse gar lustig zu. Im Hofe conzertirte eine Zigeunercapelle und aus den Sälen droben drang durch die offenen Fenster fröhlicher Lärm, Singen, Lachen und Scherzen. An diesem Tage fingen die Herzen des jungen Mädchens und des jungen Lehrers Funken und diese wuchsen zur mächtigen Flamme. Es waren selige Wochen! Mit dem Beginne des neuen Schuljahres sollten die Knaben als öffentliche Schüler in ein Ober-Gymnasium der Hauptstadt eintreten, wo Wellen seine medicinischen Studien an der Universität beenden und dabei die Aussicht über die Knaben haben kann. Die Weihnachtsferien brachten wieder wonnige Tage in das Goldmarksche Haus, dann kamen die Monate des Glückes in den Hauptferien und inzwischen tauschten die Liebenden ihre Gefühle in leidenschaftlichen Briefen aus. So vergingen zwei Jahre. Im dritten Jahre ging mit Welten eine Wandlung vor. Der Anttsemitismus feierte Orgien und das rüttelte die studentische Jugend aus ihrem Jndifferentismus auf, der jüdische Volksgeist erwachte und zog auch in Welten ein und entrollte in ihm jenes Räthsel des bisherigen Bestehens des Judenthums. Die verklärende Macht des Glaubens, die so gewaltig sich auch jetzt in den Tagen bitteren Wehes kundthut, wie überirdisch schien sie ihm, den einstmaligen Abtrünnigen, er lernte sie verstehen, diese geheimnißvolle Kraft, welche fein Volk die Jahrtausende überdauern, es fortbestehen ließ auf den Trümmern der Völker, die in das ewige Reich der Vergessenheit hinabgesunken waren. Er lernte iljii lieben, feinen Glauben, mit aller Macht seiner Gefühle und konnte es nicht anders fassen, als daß die gleichgestimmte Seele seiner Amalie dieselben Gefühle theile, und, wie er, den Glauben wieder gewonnen habe, eine treue Tochter ihrer Religion geworden sei. Wie jubelte er, wie wollte er diesmal mit dem Diplom in der Tasche seiner heißgeliebten Amalie in die Arme fliegen, sie sein Glück theilen lassen und an ihrer Seite sollte dann der Traum seines Lebens sich erfüllen. Aber eine bittere, furchtbare Enttäuschung wartete seiner. Auch in Amaliens Herzen hatte sich eine seltsame Wandlung vollzogen. Während ihr Geliebter in der Hauptstadt aus seinem Wahne erwachte und seine Zukunst durch des Glaubens heiliges Band umwinden wollte, empfand Amalie, die inzwischen zur herrlichsten Jungfrau herangereift war, noch die Fesseln, die ihre angestammte Religion um sie schlang, schmerzlicher als zuvor. Hatte sie stets das Judenthum, ohne es zu kennen, mit aller Herzensgluth verachtet, so fühlte sie sich jetzt tiefunglücklich, daß ihr durch die Geburt der Name einer Jüdin anhafte. Sie hatte den jungen Baron F. . . . einen Hußaren-Lieutenant, der auf Urlaub nach Hause kam, kennen gelernt und wurde von seinem bestechenden Wesen immer mehr eingenommen. Mit kleinen Aufmerksamkeiten war der stolze Edelmann Amalien genaht, und bezaubert von seiner hinreißenden Liebenswürdigkeit, hatte sie anfangs zwar nur mit niedergeschlagenen Blicken seine Huldigungen entgegengenommen, später aber immer glühender sich ihm anvertraut. Der eitle Vater jubelte nicht wenig über die seinem Hause erwiesene Ehre, den jungen Baron bei sich als Gast begrüßen zu können und seine Tochter von ihm mit Aufmerksamkeiten behandeltzu sehen. Er fühlte sich glücklich, wenn er ihm, der sich zufällig in einer größeren Geldverlegenheit befand, eine bedeutende Summe leihen durfte. Da kamen die Schulferien. Der Lehrer mit den beiden Knaben wurden von der letzten Bahnstation abgeholt. Walter eilte mit pochendem Herzen seiner Geliebten entgegen, doch sein Blut erstarrte bei der vornehmen Kälte und Zurückhaltung, mit der sie ihn empfing. Ein düsteres Ahnen legte sich auf seine Seele. Scheu wich sie ihm aus und vermied es, mit ihm allein zu bleiben. Ihr schuldbeladenes und unstetes Gewissen zitterte vor jedem Worte seines Mundes, vor jedem Blicke seiner Augen. Tiefe Besorgniß erfaßte sein Inneres und sein Schmerz wuchs, als am Tage nach seiner Ankunft das Gespräch bei Tische von den unglücklich verfolgten Juden in Rumänien war, worüber alle Zeitungen schrieben, und Amalie mit vergiftetem Spotte sein Mitleid verhöhnte. Wie Dolchstiche trafen ihre Worte sein wundes Herz. Der grimme Judenhaß in einer jüdischen Mädchenseele! Welten schauerte zusammen. Es war gerade der achte Ab, und am Abende durchwandelte er den Garten des Goldmark'schen Hauses, um das heiße, entsetzliche Weh seiner Seele zu kühlen. Schwere Sorge drückte sein Herz, in dem die Zionsklage widerhallte. Sein Blick schweifte im Geiste nach den Trümmern des Heiligthums, nach dem geweihten Boden der Welt, er gedachte der thränenreichen Vergangenheit und auch an sein eigenes herbes Geschick. Da schien der Wind flüsternde Töne aus einer entlegenen Richtung des Gartens zu ihm herüber zu tragen, und ein leises, unterdrücktes Lachen ward ihm von einer entfernten Laube her vernehmbar. Eine unheimliche Macht trieb ihn der Laube zu. Behutsam bog er die Zweige auseinander, aber kaum hatte er beim fahlen Schein des eben ausgehenden Mondes in die Laube hineingeblickt, als er einen gellenden Schrei ausstieß und besinnungslos fortstürzte. Rasende Wuth hatte sich seiner bemächtigt, unaussprechliche Verzweiflung; wie von Furien gejagt, stürmte er weg, ohne Besinnung, ohne Ziel, nur ein entsetzliches Bild, vor dem ihm das Blut in den Adern erstarrte, stand vor seinen Augen: Amalie in den Armen des jungen Baron!-— Monate waren vergangen. Der junge Doctor Welten oblag in der Hauptstadt eifrig seiner Spitalpraxis. Er hatte jede Beziehung zum Hause Goldmark abgebrochen. In diesem Hause aber waren nun Verdruß und Kummer heimisch geworden. Amalie drängte zur Hochzeit, sie war bereit, ihren Glauben abzuschwören und dem Baron am Altäre die Hand zu reichen. Doch dieser fand immer neue Ausflüchte, sein Wort einzulöseu und auch in seinem Wesen vollzog sich eine Wandlung. Während er früher tägliche Besuche machte und dieselben auf viele Stunden ausdehnte, kam er schon seit mehreren Wochen immer seltener und entfernte sich unter allerlei Vorwänden sehr bald wieder, und die zahlreichen Aufmerksamkeiten, mit denen er das Mädchen früher üoerschüttet hatte, unterblieben schon längst gänzlich. Es begann in Amalie ein leises Ahnen zu dämmern, daß mit ihrem Herzen ein grausames Spiel getrieben wurde, und bald zeigten sich die Spuren der durchweinten Nächte auf ihrem früher in jugendlicher Schönheit blühendem Antlitze. Der entsetzte Vater gewahrte die traurige Wandlung bei seinem geliebten Kinde und beschloß dem grausamen Spiel ein Ende zu machen. Er hatte dem verschwenderischen Edelmann, der wieder und immer wieder ihn um Darlehen anging, ein Vermögen geopfert; aber was galt es ihm, wenn er dafür das Glück feines Kindes erkaufte! Und nun sollte er sich selbst schnöde betrogen, seine Amalie, das Glück seines Lebens verrathen wissen von einem Ehrlosen! Er wollte Gewißheit haben und das bald. Bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit forderte er den Baron auf, endlich sein Versprechen zur Wahrheit zu machen. Der Baron lachte ihm höhnisch ins Gesicht, eilte von dannen und erzählte in dem Officierscasino

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