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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-14 · 28 (14.7.1899) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
28 (14.7.1899)
Date
1899-07-14
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 528 Dr. Bloch's Wochenschrifi. Nr. 38 Wien. (S p e lt b e.) Für das erblindete Mädchen Sarah Seif sind uns unter Chiffre „I. N." 2 fl. zugekommen. Marienbad. Im Hotel „New Jork" des Herrn Emil B a r u ch wohnen auch in diesem Jahre zahlreiche illustre Gäste u. A. Baron Arthur Rothschild, Baron Henri Rothschild und Gemalin, der serbische Ministerpräsident Georgewitsch sammt Familie, Gräfin Cbotek rc. Das Hotel sowohl als die ausgezeichnete Restauration erfreuen sich lebhaften Zuspruches. Eger, 9. Juli. Am 1. Juli fand unter zahlreicher Vetheiligung die constituirende Versammlung unserer neugegründeten „Chewra Kadischa" statt. Bei dieser Gelegenheit sprach Sr. Ehrwürden Herr Dr. Emanuel Schwarz über Ziel und Zweck dieses humanitären Vereines. Eine Collecte zu Gunsten der in's Leben gerufenen Chewra, documentirte die große Begeisterung der Anwesenden, deren anerkennungswerter Eifer das Zustandekommen des Vereines zu danken ist. In den Vorstand wurden gewählt und zwar Herr Eduard Löwy als Vorsteher, Herr Wilhelm Herrmann als Vorsteher-Stellvertreter, Herr Heinrich Spitz als Cassier, Herr Hugo Karpeles als Schriftführer, die Herren David Kohn und Anton W eihel als Beiräthe. Prag. (Der Unter st ützungsverein für israel« mittellose T e ch n i k e r i n P r a g.) Am 28. Juni d. I. hielt der Verein unter dem Vorsitze seines Ehrenmitgliedes Herrn Architekten E. B r a n d, die 2. ordentliche Generalvcrsamlung dieses Jahres ab. Der Bericht des Obmannes gibt in knappen Zügen ein Bild der Vercinsthätigkeit dieses Semesters, in welchem der Verein in der angenehmen Lage war, allen an ihn gestellten Anforderungen zu entsprechen, indem-- einerseits jedes begründete Gesuch um Unterstützung bewilligt werden konnte, andererseits auch der Pflege der Geselligkeit in vollem Maße genügt wurde. Dieser Bericht, wie alle übrigen Berichte des Ausschusses wurden einstimmig genehmigt. Dem Ausschüsse wurde das Vertrauen votirt. Die Constitnirung des Ausschusses ergab folgendes Resultat: Obmann Ing. Cand. Rud. S ch a n z e r, Obmann-Stellvertreter Chem. Cand. R. Feßler, Cassier Chem. Cand E. W o lt ä r, Schriftführer Ing. Cand. E. W e i g n e r, Schriftführer-Stellvertreter Mech. Cand. L. N o s e n b a u m, Korrespondent Mech. Cand. Oskar Thein, Correspondcnt-Stellvertreter Mech. Sind. I. K o h n. Pisek. Am 18. Juli findet im hießigen Tempel die Trauung des Fräulein Helene Spitz, Tochter des allverehrten Tempelvorstehers Herrn Fabrikanten M. Spitz, mit dem Herren Rudolf Weil statt. Jglau. Bor einiger Zeit reiste der Leiter der hiesigen Filiale der Xivnostenskä Lanka pro Cecliy a Moravu mit seiner Gemalin und mehreren Connationalen nach Polna. Dort ließ sich diese Reisegesellschaft an der Stelle, wo das arme ermordete Mädchen aufgefunden worden war photographiren und die Auf-, nähme vervielfältigen. Diese Photographien circuliren nun in zahlreichen Exemplaren in hiesiger Stadt, nicht zur besonderen Befriedigung der namhaften jüdischen Clientel der genannten Bank, welch' erstere sich deshalb an die Centralleitung nach Prag gewendet hat. Es ist aber bis jetzt nicht bekannt geworden, was die Letztere in dieser Beziehung veranlaßt hat. Sternberg in Mähren. (Praktisches Christenthum.) Der Director einer Theatergesellschaft, Herr G. richtete an den Vorstand des hiesigen Turnvereines das Ansuchen um Vermiethung des Thurnsaales; hierauf wurde demselben nachfolgender Bescheid. „In der Voraussetzung, daß Sie nicht Israelit sind, wollen wir Ihnen gerne den Saal vermicthen." Gezeichnet, Carl Mikubaschek, Johann M i s ch k e. Herr Mikubaschek, früher Spediteur, ist derzeit vielpercentiger biederer Arier. Herr Mischke dagegen Fabrikant, der sein Fabrikat nahezu ausschließlich an jüdische Zwischenhändler in Wien und Budapest mit guten Nutzen verschleißt, sonst würde ihn der fette Hafer wohl nicht stechen. Die Herren „Israelitischen" Kunden, des Herrn Mrschke werden gewiß nicht ermangeln, aus der Gesinnung desselben die Consequenz zu ziehen, umsomehr als die Concurrenten des Herr Mischke sich gegenüber ihren „israelitischen" Kunden tacwoll und loyal benehmen. Buchlowitz. (Todesfall.) Am 4. d. M. starb in Buchlowitz nach kurzem Leiden Herrn Adolf Reich, ein ob seines biederen Charakters und seines Wohlthätigkeissinnes allgemein geachteter und verehrter Mann. Er gehörte sowohl der israelitischen Cultusgemeindevertretung in Ung. Hradisch, wie auch der Vertretung der christlichen Marktgemeinde in Buchlowitz als Mit glied an. Streng religiös wie er war, hielt er sich am Sabbath, wie an allen israelitischen Feiertagen von seinen ausgebreiteten Geschäften ferne. Um den Todten trauern nicht nur eine ebenso fromme, wie wohlthätige Gattin mit sieben wohlerzogenen Kindern, sondern auch der israelitische Cultusverein in Buchlowitz, dessen Begründer und Vorsteher er war. Ehe die Leiche des Verblichenen zur Bestattung nach Bisenz überführt wurde, schilderte der ehrwürdige Herr Feldprediger Dr. Burstyn aus Ung. Hradisch in ergreifender Rede das thatenreiche Leben und die Herzenseigenschaften des Verstorbenen. Herr Obercantor Lustig aus Ung. Hradisch versah in rührender Weise die gesangliche Funktion. An der Leichenfeier betheiligten sich die Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde in Ung. Hraisch sämmtliche Mitglieder der israelitischen Cnlturen in Buchlowitz, der Veteranenverein, die Gemeindevertretung von Buchlowitz, viele Herschaftsbeamte rc. Nach den Trauergebeten wurde die Leiche nach Bissenz überfüyrt, wohin in einer Reihe von Wagen die Trauergäste folgten Möge das Andenken des Heimgegangenen gesegnet sein. Krakau. Herr Judd in Krakau hat dieser Tage im Aufträge seiner Schwester aus Amerika den Betrag von 3000 ff. ö. W. für das hiesige israelitische Spital erlegt. Das hiesige Spital, das unter Leitung des Obmannes der Spitalssection und Vicepräsidenten der Cultusgemeinde, Herrn Hirsch Landau steht, entwickelt eine überaus ersprießliche Thätigkeit und kann als Musteranstalt betrachtet werden. Herr Landau hat im Namen der Cultusgemeinde den Dank für die Spende ausgedrückt. Zborow (Galizien). 9. Juli 1899. Heute um 9 Uhr Früh fand in der hiesigen Baron Hirsch Stiftungs-Schule unter Vorsitz des Bürgermeisters Herrn Wladislaus Raciborski Dclegirter des Bezirks- Schulrathes und Theilnahme vieler vornehmer jüdischer und nichtjüdischer Gäste und Zuhörer die Schul-Schlußfeier statt. Die Prüfung fiel glänzend aus und die Schüler erwiederten auf allen an sie gestellten Fragen sachlich und verständnißvoll. Besonders rief die Exposition der Erzeugnisse des Handfertigkeits-Unterrichtes Bewunderung hervor. Zum Schlüße der solenen Feier hielt unser Glaubensgenosse der um den Bestand unserer Schule verdienstvolle Landes-Advocat Herr Dr. Maximilian i.agler eine echt patriotische vom Geiste der Religiosität und jüdischen Nationalität getragene Rede in der er auf Segnungen der Baron Hirsch-Stiftung im Allgemeinen lind in unserer Stadt insbesondcrs hinwies und erwähnte unsere Mitbürger zur Mitwirkung an der culturellen Aufgabe der humanen Stiftung. Seiner schönen Rede ließ Dr. Nagler eine noch schönere That folgen indem er unter die armen Schulkindern je eine Krone vertheilte. Im Namen der Dankerfüllten Schüler riefen wir dem edlen Gönner unserer Schule ein „Gott vergelte es!" zu. I. Labiner. Bacs-Kula. Anläßlich der Anwesenheit des Kalvcsaer Erzbischof Georg Csaszka, in Bacs-Kula gab man ein Diner zu dessen Ehren, bei welcher Gelegenheit der Rabbiner neben dem griech.-orient. Seelsorgersaß, dieser hielt einen Toast, worunter sagte: „Liebet einander, so wie ich euch liebe,,, worauf der Rabbiner den Spruch der Bibel citirte: „Einen Vater haben wir Alle ein Gott hat uns erschaffen". Erzbischof C s a s z k a gab seiner Freude darüber Ausdruck, ein so schönes Beispiel interkonfessioneller Eintracht erfahren zu haben. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Es trat eine Pause tiefer Stille ein, endlich ergriff Reb Kalme Wongratz, ein älterer, wohlhabender Mann das Wort. Seine Absicht war gewiß eine höchst löbliche; aber er besaß nur spärliche Rednergaben und brachte seine Gedanken nur schwerfällig und in äußerst schlechter Weise zum Ausdruck. „Das geht nit so, Mecaß Reb Josseff!" rief er, „daß Ihr uns auf einmal verlassen thun thut. Wir haben in der ganzen Kehilla') keinen, der die Sach so gut führen könnt wie Ihr. Ihr seid ein Szafra rabbo -), ein Oschir* 2 3), Ihr habt die Zeit dazu, *) Gemeinde. 2) Großer Schreiber, hier so viel als: gewandt in der Abfassung von Schriftstücken. 3) Reicher Mann.

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