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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-14 · 28 (14.7.1899) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
28 (14.7.1899)
Date
1899-07-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 526 Br« Bloch's WochenschrM 9fr. 28 Landespeusionfonds, jeder Lehrer tritt nach 30jähriger Wirksamkeit mit seinem vollen im letzten Jahre bezogenen Gehalte in Pension. Der Fortbestand der Anstalt ist wohl gesichert, doch gilt es von nun an ein höheres Ziel zu erstreben. Als vierclassige Unterrealschule entläßt die Anstalt ihre Zöglinge in einem Lebensalter, wo weder die religiös-moralischen Gefühle feste Wurzeln fasten konnten, noch besitzt der Charakter die nothwendige Entschiedenheit und Widerstandskraft. Die Entwicklung zur Oberrealschule ist gleichsam ein categorischer Imperativ. Wer Halbheiten feind ist, dem drängt sich diese Erkenntniß mit elementarer Gewalt auf. Wäre es nicht herrlich, wenn jährlich eine stattliche Anzahl mit dem Reifezeugnisse versehene junge Leute die Pforten der Hochschule betreten würden, die während acht Jahre im moralisch-religiösen jüdischen Sinne erzogen wurden und zur Ehre des Judenthums mit ihrem geistigen und körperlichen Können Achtung und Ehre erwerben würden! Eine Oberrealschule vermag die Cultusgemeinde nicht zu erhalten, hiezu ist eine größere Gesammtheit erforderlich. Dies herrliche Ziel müßte Utopie bleiben, hätten wir nicht die unerschütterliche Zuversicht, daß der traurige Zustand der ungarischen Judenschaft, ihre Spaltung und Zerrissenheit in nicht ferner Zeit sich erfreulicher gestalten werde. Um diesen Zeitpunkt zu beschleinigen und die ersehnte Vereinigung der ungarischen Juden zu fördern, begann die Wag-Nenstädtler Cultusgemeinde eine Action, welche wohl noch im embriomalen Zustande sich befindet, jedenfalls aber den orthodoxen Parteiführern ein Memento sein wird, daß es hoch an der Zeit sei, ihre papiernen Burgen, Autonomie genannt, zu verlaßen, um einen ehrlichen Frieden abzuschließen. Dann wird auch ein Frühling für die jüdische Mittelschule im allgemeinen und insbesondere für die Wag-Neustädtler Mittelschule anbrechen. Damit wir jedoch bis dahin nicht zur Unthätigkeit verdammt seien, gründeten wir einen jüdischen Mittelschulverein, dessen Statuten ebenfalls der Jahresbericht enthält. Der Verein hat jetzt ein Vermögen von 9000 fl. Die Mitgliedstaxe beträgt 2 fl. jährlich. Der Mittelschulverein stellte sich zur Aufgabe 1) die Erweiterung der Anstalt zur Oberrcalschule oder zum Obergymnasium; 2) die Errichtung eines Internates; 3) die Unterstützung unbemittelter Zöglinge. Den statistischen Tabellen des Jahresberichtes entnehmen wir folgende Daten. Die Anstalt besuchten im heurigen Jahre 150 Zöglinge, zur Prüfung meldeten sich mit Jahresschluß 141, hievon waren 115 Juden, 19 Katholiken, 7 Protestanten. Wag-Neustädtler Schüler waren 43, fremde 98. Die Classification war folgende: 13 Schüler erhielten durchaus Vorzugsnoten, 28 erhielten durchaus befriedigend, und 58 eine genügenden Fortgangs claste. 14 Schüler müssen die Elaste repetiren und 28 haben aus einem oder zwei Lehrgegenständen Nachprüfung im September zu geben. Den Elasten nach waren die Schüler folgendermaßen vertheilt. Die I. Claste besuchten 53, die II. Claste 31, die Ul. Claste 29, und die IV. Claste 35 Schüler. Die Schülerlade hatte ein Einkommen von 195 fl. Esteg. (Das jüdisch-co nfessio nelle Leben in Slavoni'en.) Bis zum Jahre 1848 finden sich nur spärliche Spuren des jüdisch-confessionellen Lebens in Slavonien. Nur wenige Ansiedelungen von Juden in den Dörfern waren bis zu diesem Zeitpunkte wahrnehmbar. Das Freiheitsjahr 1848 bezeichnete auch für die Juden in Slavonien den Anbruch einer schöneren und freiheitlichen Aera. Die ersten Ansätze von jüdischen Gemeinwesen bildeten sich namentlich in den Städten dieses Landes. Doch die zahlreichen Einschränkungen und Ausnahmsgesetze lasteten noch ein Jahrzent lang auf diejenigen Juden, die sich Slavonien als Heimstätte erwählten. Die erste bedeutende Gemeinde wurde im Jahre 1856 in der Landeshauptstadt Esteg gegründet. Aus schwache» Anfängen rang sie sich zu einem schönen und wohlgeordneten Gemeindewesen empor. Im Jahre 1900 wird diese Gemeinde ihren vierzigjährigen Bestand feiern können. Welch; Wandlungen, welche Fortschritte, welche Fülle von lebensfähigen Institutionen, welche Summe von gemeinnütziger, humanitärer Wirksamkeit repräsentiren die verflossenen vier Jahrzehnte. Von 14 Mitgliedern schwang sich die Anzahl der Gemeindemitglieder auf beinahe 400 empor. Ein herrlicher Tempel und eine Schule wurden errichtet, Wohlthätigkeitsvereine aller Art gegründet, der Gottesdienst auf modern fckMchrittlicher Basis zu einem wahrhaft mustergiltigen gestalteDfo daß die Judenschaft Effegs durch ihren fortschrittlichen Sinn, durch ihre Humanitären Bestrebungen einen mächtigen in allen politischen und socialen Fragen in Betracht kommenden Factor bildet. All diese Schöpfungen verdankten ihre Gründung dem auch in der wissenschaftlichen Welt wohlbekannten ersten Oberrabbiner weiland Dc. Samuel Spitzer. Seine Anregungen fanden kraft seiner geistigen Autorität und seines liebenswürdigen Wesens die gehörige Beachtung und thatkräftige Unterstützung seiner ihm mit vollsten Vertrauen ergebenen Gemeinde. Sein Werk wurde durch eifrige und umsichtige Gemeindevorstände gefördert und ausgebaut. Große Verdienste um'die Gemeinde erwarb sich namentlich der vierzehn Jahre lang verdienstlich wirkende Gemeindevorsteher Herr Samuel Kästenbaum. Die Consolidirung der financiellen Verhältnisse, die Verbesserung des Loses der Gemeindeangestellten, die Ausgestaltung und Verschönerung des Gottesdienstes, bezeichnen hauptsächlich _ seine Wirksamkeit. Die rege Antheilnahme am Gemeindeleben, die Erweckung des Gemeinsinns documentirte sich hauptsächlich durch die Stiftung zahlreicher Wohlthätigkeitslegate. Doch das Jahr 1897 bildet einen wichtigen Markstein im Leben der Gemeinde Esteg. Durch die Wahl des neuen Vorstehers Dr. Hugo Spitzer, eines Sohnes des verstorbenen Oberrabbiners trat die Cultusgemeinde in eine neue Phase ihrer Entwicklung. Neue Statuten wurden ausgearbeitet, den Wohlthätigkeitsinstitutionen eine breitere Basis und größerer Wirkungskreis gegeben, die Creirung eines kroa.'isch-slstvtzrischen Gemeiudebundes in Angriff genommen, welch Letzterem voraussichtlich schon in nächster Zukunft wichtige Aufgaben zufallen werden. Die rege Thätigkeit auf allen Gebieten ist auch daraus ersichtlich, daß behufs Hebung des Volksschulunterrichtes auf nationaler und religiöser Grundlage vier Präparandistenstiftungen zu je 200 fl. (jährlich) gegründet wurden. Die hier auszubildenden Lehrer sollen in religiös-wissenschaftlicher Hinsicht eine solche gründliche Ausbildung erhalten, um dereinst als Religionsweiser in den Landgemeindm den unbej streitbar hierzulande tief gesunkenen religiösen^Smn" günstigstej ernMßen zu fonne'if Ttito' die kommende Generation zu einer glauberlsstarken dem väterlichen Glauben treuanhängenden zit machen. Diese Institution wird voraussichtlich schon in nächster Zukunft von günstigem Erfolge begleitet sein. Im Schoße der Gemeinde Esseg selbst, gibt sich das lebhafte Bestreben kund, eine neue jüdische Volksschule zu erbauen, in welcher auch der Pflege der hebräischen Studien ein breiter Raum gegönnt werden soll. Hoffentlich wird das mit Umsicht ersonnene in kürzester Zeit verwirklicht werden. So bricht sich nun auch in den Gemeinden Slavoniens die Ueberzeugung Bahn, daß das Judenthum nur dann seiner Mission voll und ganz gerecht wird, wenn es den geheiligten Traditionen der Väter treu, in der Trias: Thora, Awoda und Gemilath-Chastodim seine höchsten erstrebenswerthesten Ziele und Güter erblickt. N.VSch.v,;> t Breslau. Am 21. Juni wurde Dr. Julius Bruck zu Grabe getragen, der sich als Tagesschriststeller wie als Poet einen weitgeachteten Namen, vornehmlich in der deutsch-amerikanischen Journalistik, begründet hat. 1833 zu Brieg geboren, zog er nach kurzer ärztlicher Thätigkeit nach Amerika und trat dort beim Ausbruch des Sezessionskrieges als Militärarzt in die Unionarmee. Nach dem Friedensschluß praktizirte Bruck noch eine Zeit lang in New-Ä)ork, um sich dann in den 70er Jahren völlig der Schriftstellerei zu widmeu. Er war Redakteur der „Newyorker Revue" und den Unterhaltungsblätter und gleichzeitig Mitarbeiter verschiedener größerer amerikanischer Zeitungen z. B. der „Jllionis-Staatszeitnng" und des „Puck". 1885 kehrte er nach Leipzig zurück, wo er in schriftstellerischen Kreisen großes Ansehen genoß. Auch als Erzähler und' Lyriker entfaltete er sein Talent. Es erschienen von ihm die besonders in Amerika verbreiteten und gewürdigten Werke „Bunte Blüthen" und „Ahasver". Das verflossene Jahr verbrachte er in Breslau, wo er sich der „Breslauer Dichterschule" anschloß. Bukarest. Um den Kindern unserer bedrückten Glaubensgenossen einen Weg zur culturellen Ausbildung zu bahnen, haben im Jahre 1890 einige hiefür begeisterte Personen die Gründung eines Vereines zur Errichtung und Erhaltung einer Kuabenschnle in einem entlegenen Bezirke der Stadt beschlossen, wo der Mangel einer solchen Schule sich sehr fühlbar machte. Wenn die Erreichung dieses Zweckes uns anfänglich auch unausführlich schien, so haben wir durch unverdrossenen Fleiß, rastlose Thätigkeit und so manches Opfer, die Anzahl der Mitglieder auf über 120 gebracht, die durch monatliche Beiträge, freiwillige Spenden. Festlichkeiten rc. einen gewissen Fond zusammenbrachten. Mit der sichersten Aussicht, denselben vermehren und unserem Ziele näher rücken zu können, appellirten wir an die hiesige occidentale

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