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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-14 · 28 (14.7.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
28 (14.7.1899)
Date
1899-07-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 28 Dr. Bloches Wochenschrift. Seite 525 Schule durch die hier iu diesem Jahre herrschende totale Geschäftslosigkeit. Nicht etwa, daß irgend ein Geschäftszweig darniedergelegen wäre, so daß nur einzelne Familien davon betroffen gewesen wären, sondern alle Branchen des am Platze herrschenden Erweibes lagen und liegen brach darnieder, und es ist nicht schwer zu erreichen, welche Verwirrung und welche Gemüthsstirymung in den Familien darüber herrschte, die wahrlich keinen Segen unserer Thätigkeit in der Schule gebracht hat. Die kleinsten Opfer, die für Bücher, Hefte, Schuhe und Kleider gebracht werden mäßen, wurden mit Widerwillen und unter harten Kämpfen gebracht, und trotz aller Anstrengungen, die seitens der Schulverwaltung den störenden Schwierigkeiten zu begegnen gemacht wurden, war es doch nicht möglich, die Nachtheile fern zu halten, die der Anstalt aus den gedachten, traurigen Verhältnißen erwuchsen. Viele Kinder mußten im 2. und 3. Quartale den Schulbesuch aufgeben, theils krankheitshalber, theils aus Noth und Mangel; viele suchten Beschäftigung, um doch etwas zu verdienen, und alle Versuche, die Kinder zum regelrechten Schulbesuche zu erhalten, erwiesen sich erfolglos. Man sollte es kaum glauben, wie nachtheilig bei einer auf täglichen Erwerb angewiesenen Bevölkerung ein unglückliches Geschäftsjahr auf die segensreiche Thätigkeit der Schule wirkt, welche Nachtheile es bringt und wie störend es aus die natürliche Leistung der Anstalt sich erweist. Wenn nichtsdestoweniger die im Monate Mai 1899 durch den k. k. Bezirksschulinspector Herrn Alexander Löwel durchgesührte Jnspection der Lehranstalt kein ungünstiges Resultat aufzuweisen hatte, so ist dies einerseits der zähen Ausdauer und Geduld eines großen Theiles des Lehrkörpers, der sich trotz aller Störungen und Hindernisse in der Ausübung seines Berufes und in der Erfüllung der Pflicht nicht stören ließ und anderseits der wohlwollenden Rücksichtnahme des Herrn Jnspectors auf die wahrhaft tristen Localverhältnisse zu danken. Eine andere Stelle des Berichtes lautet: „Die Schwierigkeit, denen der Lehrkörper an unserer Schule zu begegnen hat, verkenne ich keinesfalls. Ich weiß, daß der weitaus größte Theil der Bevölkerung, der die Kinder zu uns in die Schule schickt, vielfach von Kummer und Sorgen gequält wird, und einen schweren Kampf ums Dasein zu bestehen hat. Die Armut macht die Menschen, überall, und bei allen Nationen, lethargisch und indifferent gegen die wichtigsten Interessen des Lebens. Diese verderbliche Gleichgiltigkeit übergeht auch ans die Jugend, macht sie lässig und arbeitsscheu; daher die vielen Verspätungen zur Schule, das oftmalige Wegbleiben vom Unterricht und schließlich das gänzliche Ausbleiben aus der Schule. Wenn der Lehrkörper diesen natürlichen Erscheinungen, die allenthalben in allen Ländern, in denen eine arme, hilflose Bevölkerung wohnt, Vorkommen, auch gehörig Rechnung trägt, wird er es als seine heilige Aufgabe betrachten, mit dem Aufgebote aller Kraft, und mit Anwendung aller ihm zugebote stehenden, gesetzlichen Mittel dahin zu wirken, daß den Kindern der Schulbesuch nicht verleidet, sondern lieb und theuer, daß ein möglichst günstiger Erfolg erreicht und das Interesse am Lernen und für 5te_ Arbeit geweckt und gefördert wird. Je eifriger und gewissenhafter wir an die Erfüllung unserer Aufgabe schreiten, je ernster wir uns bemühen unseren Kindern den Werth der Schulbildung begreiflich und die Wohlthat und die Nützlichkeit der Bolksschulbildung klar zu machen, desto sicherer gelingt es uns auch unsere mühevolle Aufgabe zu erfüllen und ein Gott- und Menschen wohlgefälliges und segensreiches Werk zu schaffen." d Wag-Neustadtl. Im lausenden Jahre haben wir die freudige Erfahrung gemacht, daß das Princip der Gleichberechtigung aller Confessionen der hiesigen jüdischen Realschule gegenüber, von Seite der ungarischen Regierung zur Ausführung gelangte. Die Wag-Neustadtler Cultusgemeinde hat mit dem Staate auf Grund des XXX. Gesetzesartikel vom Jahre 1883 einen Vertrags abgeschlossen behufs Erhaltung und Subventionirung der einzigen jüdischen Realschule Ungarns. Oberwähntes Gesetz hat die Reform der ungarischen Mittelschulen zum Ziele. Da jedoch die überwiegende Mehrheit der ungarischen Mittelschulen von den Confessionen erhalten wird und demnach confessionellen Charakter hat, die gesetzlich geschützte Autonomie es außerdem dem Staate beinahe unmöglich macht, die confessionellen Mittelschulen zu beeinflußen oder gar zu verstaatlichen, so mußte ein solcher Ausweg gewählt werden, der sowohl den Ansprüchen des Staates, als auch der confessionellen Autonomie gerecht wird. Dieses Mittel wurde in der Subvention der confessionellen Mittelschulen gesunden und mit der weitgehendsten Liberalität von Seite des Staates angeweudet. Damit die confessionellen Mittelschulen, welche dem Staate sowohl auf dem Gebiete des^Unterrichtes und der Erziehung Dienste leistet, als auch den Staatssäckel mit bedeutenden Ausgaben verschonen, den Anforderungen der Jetztzeit zu entsprechen im Stande seien, wurden mit Hllfe amortisirbarer Anlehen, die mittelst der staatlichen Subvention getilgt werden, den pädagogischen und hygienischen Anforderungen entsprechende Schulgebäude aufgeführt, die Lehrmittelsammlungen ergänzt und der Lehrkörper erhielt einen dem Gesetze entsprechenden Gehalt, außerdem wurde für die an confessionellen Mittelschulen wirkenden Lehrer ein besonderes Pensionsinstitut geschaffen. Mit der Durchführung dieser Reformen und den Vertragsabschlüssen wurde der am 8. October v. I. verstorbene Ministerialrath Dr. Klamarik betraut. Der Jahresbericht der Wag-Neustadtler Realschule bringt das Bild des Verstorbenen und widmet ein Blatt seinen Verdiensten, der zwar kein Freunds der Juden war, aber dem Verdienste stets Gerechtigkeit widerfahren ließ, und aus diesem Grunde erwirkte er auch der israelitischen Realschule im Jahre 1890 eine Erhöhung der Staats-Subvention, welche jedoch blos von Jahr zu Jahr bewilligt wurde. Vertragsmäßig wurde dieselbe damals noch nicht festgesetzt, denn der Staat schloß nur mit jenen Schulen einen Vertrag, deren Bestand entweder durch Fonds gesichert war, oder wenigstens mußten die Erhalter derselben zu materiellen Opfern sich bereit zeigen. Daß die Wag-Neustadtler jüdische Realschule keine Fonds besitzt, wird wohl Jedem, der mit dem jüdischen Gemeinde- und Schulwesen vertraut ist, einleuchten. Der Vater zahlt für sein die Schule besuchendes Kind das Schulgeld, und damit glaubt er sich aller seiner Pflichten entledigt zu haben. Wer keine schillpflichtigen Kinder hat, der stellt sich ihr feindlich gegenüber, sobald er zu ihrer Erhaltung beizutragen hat. Mäcenen, Protectoren haben wir leider nur in verschwindend geringer Anzahl. Unsere hervorragenden Stammes- und Glaubensgenossen betrachten die jüdische Mittelschule als modernes Ghetto und nehmen sich kein Beispiel an unseren Tisza's, Zichy's, Banffy's, welche die Pflege der confeffionellen Mittelschule als religiöse Pflicht betrachten. Wohl sollten die sogenannten „Kanzleien", als Vertreter der ungarischen Judenschaft, dem jüdischen Schulwesen Schutz und Förderung angedeihen lassen, doch dieselben verlegen das Hauptgewicht ihrer Thätigkeit auf Schlichtung von Streitigkeiten, die im Schoße der Cultusgemeinde ausbrechen und ihr Erfolg ist — die Trennung der Gemeinde. Wenn wir noch hinzufügeu, daß die beiden „Kanzleien" ihre Thätigkeit vom beschränkten Parteistandpunkte leiten lassen, und demnach die, keiner Partei sich anschließenden Status quo-Gemeindeu gänzlich ignoriren, so haben wir eine Erklärung dafür, weshalb die Wag-Nenstadtler jüdische Realschule ohne jeden Schutz und Hilfe jahrelang vegetiren mußte, und daß sie a u s d e m L a n d e s f o n d e, w e l ch e n S e. M a j e st ä t jüdischen S ch u lu n d C u l t u sz w e ck e n a l l e r g n ä d i g st zu widmen geruhte, trotz ihres 38 jährigen Be st an des noch nie einen Heller U n t e r st ü tz u n g erhielt. Es erging der Realschule, wie Schillers Poeten in den Gedichte: „Die Bertheilung der Erde". Nur der Opferwilligkeit und zähen Ausdauer der Wag-Neustädtler Cultusgemeinde ist es zu verdanken, daß die Zukunft und der Fortbestand der Schule gesichert ist. Am 21. März l. I. ertheilte Se. Majestät die allerhöchste Genehmigung zum Vertragsabschlüsse, welcher von Sr. Excellenz dem Cultusminister am 12. April, zum Zeichen der Genehmigung unterfertigt wurde. Der Vertrag setzt in 14 Punkten die gegenseitigen Rechte und Pflichten fest. Der Jahresbericht enthält denselben auf Seite 13—19. Die jährliche Staats- Subvention beträgt je nach Bedürfniß 4—5000 fl. Der Staat ernennt auf Vorschlag der Cultusgemeinde den Director und einen eventuell zwei Professoren; jedoch muß bei solchen Ernennungen stets der confessionelle Charakter der Schule gewahrt bleiben. Samstag und an andern jüdischen Feiertagen wird nicht unterrichtet. Sonntag werden, aus Rücksicht auf die Schüler christlicher Confession, Religion und außerobligate Lehrgegeustände vorgetragen. Die Gemeinde ist berechtigt, außer dem Religionslehrer drei Professoren zu wählen. Die Gehalte der Lehrkräfte sind momentan folgende: Der Director hat 1600 fl., außerdem Quartier und Quinquenien. Eine Stelle ist mit 1400 fl., eine mit 1300 fl., die übrigen sind mit 1200 fl. dotirt, hiezu kommen je 200 fl. Quartiergeld und 5 Quinquenien. Der Religionslehrer erhielt 800 fl. und hat wöchentlich 12 Stunden Unterricht zu ertheilen. Der Lehrkörper ist in dem Verbände des

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