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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-14 · 28 (14.7.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
28 (14.7.1899)
Date
1899-07-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seuc 52 t Dr. BLvch's Wochenschrift« Nr. 28 Correspondenzen. Sitzung der israelitischen Cultusgemeinde Wien am 11. Juli 1899 unter Vorsitz des Präsidenten kais. Rath K l i u g e r. In der am 11. d. M. stattgehabten Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien widmete der Präsident, kais. Rath K l i n g e r, dem dahingeschiedenen Professor Dr. David Kaufmann warme Worte des Gedenkens, welche von den Vorstandsmitgliedern stehend angehört wurden. Der Präsident hob in dieser Trauerkundgebung hervor, welchen schmerzlichen Verlust die ganze Judenschaft und insbesondere auch die Wiener Cultusgemeinde durch das Ableben dieses Gelehrten erlitten habe, der sich zeitlebens mit der Geschichte der Juden in Wien befaßt und eine der denkwürdigsten Epochen ihrer Vergangenheit in unvergleichlicher Weise dargestellt habe. Umso berechtigter sei dieser Schmerz um Professor Kaufm a n li, als er in der Vollkraft seines Schaffens, von welcher noch Großes erwartet wurde, hingeschieden sei. Der Präsident gibt schließlich bekannt, daß er der trauernden Familie, sowie dem Budapester Landesrabbiner-Seminare, dessen Lehrkörper der Verstorbene angehörte, das Beileid der Wiener Cultusgemeinde ausgesprochen und daß das Mitglied des Vorstandes, Herr Baurath Stiaßny es übernommen habe, in Vertretung des Vorstandes dem Leichenbegängnisse beizuwohnen. Der Präsident verfugt schließlich unter Zustimmung des Vorstandes, daß diese Trauerkundgebung dem Protokolle einverleibt werde. Wien. (Schluß fei er am Mädchengymnasium.) Mit Befriedigung constatiren wir, daß zahlreiche Mädchen aus jüdischen Familien, das von Verein für erweiterte Frauenbildung gegründete Gymnasium besuchen. Eine Dame die der Cchlußfeier beiwohnte schreibt: Zum siebenten Male haben wir heuer den Schulschluß au der Gymnasialen Mädchenschule gefeiert, wie sie offieiell heißt, und es ist uns schon ein gewohntes Bild geworden, die WienersGymnasiastinnen Abschied nehmen zu sehen vom Schuljahre, zu sehen, wie das Studium der alten Classiker weder die jugendfrischen Wangen gebleicht noch den eifrigen Jüngerinnen der Wissenschaft die liebe Gewohnheit genommen hat, sich gleich ihren Altersgenossinnen zierlich und modern zu kleiden. Diesen anmuthigen jungen Mädchen in ihren weißen Backfischkleidchen merkt man das fleiß'ge Studium nicht an, aber man lernt an dasselbe glauben angesichts des günstigen Ergebnisses der Classification — zählt doch beispielweise die vierte Claffe unter ihren neunzehn Zöglingen sieben Vorzugsschülerinnen angesichts des ernsten Verständnisses, welches sie durch ihre Vorträge bekunden. Es sprachen bei der Schlußfeier die Gymnasiastinnen Anna Faltitschek, Lotte Huber, Paula Brezina und Erica C o n r a t: die Letzterere, welche ein Bruchstück aus der Jliade vortrug, überraschte allgemein durch ihr klangvolles Griechisch, wie durch ihre Sicherheit in der alten Sprache. Namens der Abiturientinnen, die in den nächsten Tagen zur Maturitätsprüfung vor den grünen Tisch des akademischen Gymnasiums treten werden, sprach Fräulein Amalia Po.lak warme Worte des Dankes für den „Verein für erweiterte Frauenbildung" und dessen Präsidentin Frau Marie VoßhartvanDemerghel, deren energischen, zielbewußtem Handeln die Schaffung der gymnasialen Mädchenschule zu danken ist, für den Director und den Lehrkörper, welche die Mädchen gelehrt haben, „die Arbeit freudigen Auges ins Antlitz zu schauen". Mit Recht hob der Director, Regierungsrath H a l m s ch l a g, welcher das, durchaus günstige Classificationsergebniß mittheilte, hervor, welch' kühnes Wagniß es seitens des Vereinsvorstandes vor siebe» Jahren gewesen sei, diese Anstalt in einem ihr so wenig freundlichen Milieu ins Leben zu rufen, und wie sich seither die Ueberzeugung von ihrer Wichtigkeit, ja Nothwendigkeit bei uns eingebürgert habe. Denn die Begünstigungen, welche der Frauenarbeit in den letzten Jahren in Oesterreich zutheil geworden sind, und jene, die man noch für sie erhofft, haben alle das Gymnasialstudium zur Voraussetzung, und daher stehe für alle Freunde der Sache das Mädchengymnasium in erster Reihe, daher habe es vollen Anspruch auf ihre Opferwilligkeit, deren es noch immer bedürfe. Kremsier. „Gesegnet sei Gott, der die Zeiten ändert" könuen wir ausrufen angesichts des Fortschrittes, den die Religionslehrer in ihrer rechtlichen Stellung machten. Durch einen Ministerialerlaß wurden sie Mitglieder der Prüfungscommission bei der Matura, ihr Urtheil wird hinsichtlich .der Reife israelitischer Schüler eingeholt. Vor 20 Jahren wurde dem Religionslehrer der Eingang ins Conferenzzimmer und der Zutritt zu den Conferenzen verweigert, weil er angeblich nicht beeidet wäre. Am Tage der Matura durfte er überhaupt nicht ins Schulgebäude kommen. Welchen Kampf kostete es, daß die Religionsnote wie jede andere bei der Classification beachtet wurde. Mußte doch früher der israelitische Schüler nach Empfang des Zeugnisses mit diesem zum Religionslehrer gehen, daß er in die Rubrik für „mosaische" Religion die Note eintrage. Noch im letzten Jahre wurde die jüdische Religion unter den Nebengegenständen angeführt. Erst ein jüngst ergangener Erlaß hat dies geändert. Der israelitische Religionslehrer hat seinen Sitz neben dem christlichen und seine Stimme fällt beim israelitischen Schüler in die Wage. Am Samstag zu schreiben, wird Niemand gezwungen. — Der „Chesed Neurim"-Verein gibt Armen Kosttische, zahlt Bedürftigen das Schulgeld, die auch bei guter Aufführung Stipendien erhalten. Gross - Meseritsch. (H o ch w a s f e r k a t a st r o p h e.) Unsere Gemeinde wurde bekanntlich am 30. Juni von einer Hochwasserkatastrophe hermgesucht Der Vorstand der Cultusgemeinde erläßt deshalb folgenden A u f r u f, welchen wir der besonderen Berücksichtigung unserer Glaubensgenossen empfehlen: Zum zweitenmale seit zehn Jahren ist schweres Unglück über unsere Gemeinde hereingebrochen. Ein, am Freitag den 30. Juni l.J. nachts über Stadt und Umgebung niedergegangener Woikeabrnch verwandelte die Bäche in reißende Ströme. Verheerend und mit Blitzesschnelle ergossen sich mächtige schlammige Flutheu in Gassen und Wohnhäuser. Nur mit knapper Noth konnte man das nackte Leben retten; an Bergung von Habseligkeiten konnte nicht mehr gedacht werden. S ä m m t l i ch e W a a r e n v o r r ä t h e von Handelsleuten, G e w c r b e t r e i b e n d e 11 u n d Industriellen wurden von den F l u t h e n s o r tg e s ch w e m m t oder durch stundenlanges Liegen im Wasser, das an zwei Meter Höheerreichte, vernichet und werthlos gemacht. Mehrere Leimhütteu, samnit Material und Requisiten, sind spurlos hinweggeschwemmt. Am meisten wurde die Judengasse von der Katastrophe heimgesucht; d a g a b es kein Haus, das verschont geblieben tväre. Der Schaden i st mit 200.000 fl. nicht zu hoch beziffert. Im Zeitraum von wenigen Minuten waren viele Existenzen gänzlich vernichtet: andere um den größten Theil ihrer Habe gebracht. Trostlos ist das Bild der Verwüstung, herzbrechend der Anblick so vielen Elends und Jammers, womit unserer Gemeinde auf Jahrzehnte hinaus unheilbare Wunden geschlagen wurden. Rasche und ausgiebige Hilfe ist dringend geboten, wenn das Elend auch nur theilweise gemindert werden soll. In dieser traurigen Nothlage wenden wir uns vertrauensvoll an die löblichen Gemeinden, Vereine und Private, mit der durch die Umstände leider nur zu gerechtfertigten Bitte, Sie mögen durch Sammlungen oder in anderer, Ihnen geeignet erscheinenden Weise, den vom Unglücke hart Heimgesuchten helfend und unterstützend beistehen. Nehmen Sie hiefür im Vorhinein unseren innigsten Dank und die Versicherung, daß Ihr Wohlthun dazu beitragen werde, vernichtete Existenzen aufzurichten und gebeugte Gemüther mit neuem Muthe und neuer Thatkraft zu erfüllen und zu beleben. Genehmigen Sie zugleich die Versicherung aufrichtiger Hochachtung Israelitischer Cultusvorstand G r o ß - M e s e r i t s ch, am 3. Juli 1899. Der Cultusvorsteher: I. G. Müller. Brody. Wenn man die wirthschaftliche Lage der hiesigen jüdischen Bevölkerung kennen lernen will, dann braucht man nur den vom Schuldirector Herrn Dr. Leopold Herzel verfaßten Jahresbericht der israelitischen Knaben- und Mädchenschule zu lesen. Schulberichte pflegen sonst wenig Aufschlüsse über allgemeine sociale Fragen zu bieten' in dem vorliegenden Jahresberichte ist aber die Rückwirkung der Noth der Bevölkerung auf den Besuch und die Leistungen der Schule berührt, und die einfache, wahrlich nicht auf Effect berechnete Darstellung macht tiefen Eindruck auf jeden Leser. Es heißt da: Noch größere und schwer zu besiegende Schwierigkeiten erwuchsen unserer

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