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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-14 · 28 (14.7.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
28 (14.7.1899)
Date
1899-07-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Sir. 28 Br. Blvch's Wochenschr^L. Zeile 52 t die Gesundheit der Besatzung in großer Gefahr schweben mußte. Am 5. Juli wurde die Festung bombardirt und bald darauf allseits eingeschlossen. Ohne jegliche Verbindung mit der Feldarmee, ohne Nachricht über deren weiteres Schicksal, sah die Besatzung einer längeren Belagerung entgegen, die durch den Umstand, daß die Verpflegsvorräthe nicht aus eine Verdoppelung der eingeschlossenen Soldaten und noch dazu durch Kranke, berechnet waren, keine günstige Aussicht bot. Da entschloß sich Lieutenant Ignaz Goldstein des zur Besatzung gehörenden 4. Bataillons von Asroldi-Jnfanterie (jetzt Nr. 23), freiwillig, durch die feindlichen Einschließungstruppen und die sich gegen Olmütz bewegenden preußischen Truppenmassen hindurch zum Armee-Ober commandanten Feldzeugmeister Benedek zu gehen und demselben die mißliche Lage der Festung zu melden. Es klingt wie ein Wunder, doch das Wagniß gelang; innerhalb zweier Tage traf Lieutenant Goldstein am 10. Juli in Olmütz ein. Noch am selben Tage um halb 8 Uhr Abends wurden gleichlautende Befehle an die beiden Festungscommandanten abgesendet: miteinander in Verbindung zu treten und durch eine gemeinsame Action der beiden Garnisonen zu trachten, Königgrätz zu entlasten, jedenfalls aber die Festungen „bis zur äußer st e n Grenze der Möglichkeit zu vertheidigen". Unterlieutenant Goldstein selbst wurde mit einem Schreiben des FZM. Brdedek an den ersten Generaladjutanten des Kaisers entsendet. In dem Schreiben heißt es: „Feldzeugmeister Benedek erlaubt sich, den genannten Lieutenant der Allerhöchsten Gnade Sr. Majestät zu empfehlen, damit ihm für den Vollzug seiner gefahrvollen Mission die Allergnädigste Anerkennung, dann die nöthigen Mittel zutheil werden mögen, sich neu zu equipiren." Das M i l i t ä r - V e r d i e n st k r e u z mit der Kciegsdecoration ward der Lohn diesen braven Officiers. Emanuel Lasker auf dem Londoner Schacheongreffe. Ueber das Endergebniß des internationalen Schachwettkampfes in London wird aus London telegraphirt: Wie nicht anders zu erwarten war, blieb L a s k e r, der noch beim letzten Gange die Partie gewann, mit 22'/* gewonnenen Partien Sieger und errang den ersten Preis. Den zweiten, dritten und vierten Preis müssen I a n o w s k i, der die letzte Partie gegen Steinitz verlor, M a r o c z y, der in zwölfter Stunde um einen Zähler avancirte, und Pillsbury mit je 18 gewonnenen Partien theilen. Emanuel L a s k e r steht derzeit im 31. Lebensjahre. Das Schachspiel erlernte er als zwölfjähriger Knabe von stinem älteren Bruder. Dr. B. Laster. Als Student der Mathematik errang Emanuel Laster zu Berlin in einem im „Kaiserhof" im Juni 1889 ausgefochtenen Turnier, ohne eine einzige Partie zu verlieren, den ersten Preis. Im Juli desselben Jahres betheiligte er sich an dem Hauptturnier. des Deutschen Schachbundes auf dem Kongresse zu Breslau; nach einer Stichpartie mit R. v. F e y e r f e i l (Wien) gewann er auch hier den ersten Preis und damit die deutsche Schachmeisterschaft. Im Jahre 1894 kam ein Wettkampf zwischen dem bis dahin durch mehr a.s 25 Jahre unbesiegt gebliebenen Wilhelm Steinitz und dem jugendlichen Laster zu Stande. Derselbe wurde in drei Abtheilungen zu Newyork, Philadelphia und Montreal ausgetragen und endete mit dem Siege Lasker's im Berhältniß von 10:5 bei 4 remis. Dieser Sieg Lasker's revolutionirte förmlich die Schachwelt. Bei dem in Jänner 1896 zu Petersburg abgehaltenen Vierm-isterturnier, an welchem sich Laster, Pillsbury, Steinitz und Tschigorin betheiligten, in welchem Jeder nlit Jedem sechs Partien absolvirte, bewies Laster sein Recht auf die Führung des Titels „Champion of the world“, der von Steinitz auf ihn übergangen war. Laster wurde mit bedeutendem Vorsprung Erster. Sein jetziger Londoner Erfolg läßt ihn nach all dem unbestreitbar als den stärksten Schachspieler der Gegenwart erscheinen. Ein Besuch im Schwesternheim des Vereines für jüdische Krsnkenpstegerinnrn;u Berlin. Von Rabbiner Dr. D. Feuchtwang. Im Stadttheile X. ist das Krankenhaus der israelitischen Gemeinde Berlm Jedem bekannt; das stattliche Gebäude kann auch von keinem Passanten der Auguststraße übersehen werden. Die innere Einrichtung, sowie die Verwaltung dieses Instituts sind bekannt trefflich und allen hohen Anforderungen der modernen Entwicklung der Krankenpflege und Hygiene vollkommen entsprechend. Bescheiden neben diesem, der kranken Menschheit dienenden Gebäude, erhebt sich das „Schwesternheim''es könnte ob seiner äußeren Unscheinlichkeit Wohl leicht übersehen werden; es geschähe ihm aber dadurch schweres Unrecht, denn es verdient in jeder Bestehung in vorderer Reihe zu stehen. Ter Ruhm des „Schwesrernbeim' ist übrigens heute so fest gegründet, daß es schließlich des Panegyricus entrathen könnte. Es drängt sich aber der Oeffentlichkeit durch nichts anderes ans, als durch klare Beweise seiner Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit; diejenigen zumal, welchen die so rein menschliche Wohlthat einer Pflege durch eine Schwester des Heim selbst erfahren haben, sind, ivie wir uns selbst überzeugten, des Lobes und Tankes voll, wofern sie nur ein Herz und eine Seele für ein so gutes Werk in sich haben. Betreten wir das Heim; wir durchschreiten den Vorraum und gelangen über die Steintreppe in das erste Stockwerk; ivir klingeln; geöffnet wird von einer Dienerin — nur weibliche Tiener gibt es im Heim — und ein freundliches, blank blitzendes Vorzimmer nimmt uns auf. Man führt uns in den Warte- und Sprech-Salon, zugleich Gesellschaftszimmer der Schwestern. In demselben herrscht woblthuende, vornehm-einfache Noblesse. Keine asketische Kälte und klösterliche Stickluft umfängt uns. sondern wir fühlen uns von warmem, intimem Geiste freundlicher Würde angehaucht. Es fehlt utdit: Blumenschmuck, die Zierde geschmackvoller Kunstgegenstände und Büsten, ein Bücher- Glasschrank mit einer gutgewählten Bibliothek, — ein Elavier! Wir empfinden sofort, daß die Schwestern hier nicht zu "Nonnen erzogen werden, so sehr ernst und strenge ihre Ausbildung auch genoinmen, ihre Aufgabe ihnen gestellt wird. Ten Salontisch bedecken gute Schriften, auch schön illustrirte Werke. Aus diesem Raume gelangen wir in den Speisesaal; höchst gefällig und nett, die Wände mit guten Stichen geziert. 'Wir haben nicht lange gewartet, da erschien Frau Oberin, Fräulein R ose Bla u. Ten Eindruck, den diese hervorragende Dame auf uns gemacht hat, war ein solcher, daß wir ihn nicht vergessen können. Solche Eindrücke prägen sich unauslöschlich ein. Tie Erscheinung zierlich und vornehin, man würde eine geistreiche Französin vermuthen, wird aber bald durch die Tiefe und Gründlichkeit der geführten Eonversation eines Besseren überzeugt. Tas funkelnde Auge in dem ästhetischen Antlitz verräth den immer regen Geist. Tie Eonversation bewegt sich in Fragen, w. be direct oder indireet das Heim betreffen, erstreckt sich auch über , fragen der Humanität und Ethik. Wahrlich, kein Wunder, daß diese Tame solche Resultate mit ihren Schwestern erzielt, mit denen sie im schönsten Einvernehmen unter einem Tache wohnt. Die Wohnung der Frau Oberin entspricht vollkommen ihrem Wesen. Alle Räume athmen Gediegenheit, gefestete Solidität, Aestherik; das Schöne und das Echte sind hier Gebieter. Vereinigung von eiserner Pflichterfüllung und Pflichtfordernng mit liebenswürdiger, auch des Lebens heitere Seite nicht nnberücksichtigender Auffassung, erscheint mir als ein Grundzug des ganzen Heim. Anstoßend an die geschilderten Wohnzimmer befindet sich das Unterrichtszimmer. das in der jüngsten Ausstellung für Krankenpflege mit dem Preise der silbernen Medaille gekrönt wurde, der von Ihrer Majestät der deutschen Kaiserin gestiftet worden ist. Das ist eil? beredtes Zeugniß für die hervorragenden Leistungen des Vereines für Krankenpflege, dem diese öffentliche, hohe Anerkennung ein Anworn zu ungeschwächter Schaffenslust und Opferfreude sein wird. Nicht minder freundlich, praktisch und nett, als die geschilderten Räume, sind die Wohn- und Schlafränme der Schwestern, von denen einzelne separirte Stuben bewohnen; alle haben Gelegenheit, sich den Raum, in den sie sich nach schlverer, ernster Arbeit, oft genug nach durchwachten Nächten zn wohlverdienter Ritbe und Muße zurückziehen, nach eigenem Geschmack auszugestalten. Das Heim beherbergt augenblicklich über 3o Schwestern und Schülerinnen, es befinden sich darunter solche aus allerbesten vornehmen Häusern. Die Besten sind ja für diesen heiligen Beruf gerade gut genug. Diese Ueberzengung sollte im großen Publikum immer stärker Wurzel fassen, damit nicht der thörichte Glaube herrsche, daß etwa schiffbrüchige Existenzen oder Damen, die das „Sitzenbleiben" fürchten, schon deshalb die Eignung besitzen und in dem Heim einen sicheren Hafen erblicken. Tem ist nicht so. Hier benöthigt man unverbrauchte, körperliche und sittliche Gesundheit, nicht Vergrämung und Enttäuschtheit über gescheiterte Lebenspläne. Die Schwestern müssen bei allem Lebensernste auch Lebensmulh besitzen, sollen sie ihren Pfleglingen ja nicht nur zur Erlangung der Gesundheit, sondern auch zu Trost in Leid und Schmerz, zu Hoffnung und Zuversicht verhelfen. Dazu gehört auch Intelligenz, und auch diese darf durchaus nicht außer Acht gelassen werden. Der Beruf der Schwester ist ein humaner und ethischer. Zur Bethätigung eines solchen ist mehr als die Technik der Pflege, sind auch ein gewisser Bildungsgrad und Charakterstählung vonnöthen. Auf all' diese Tinge sind Vorstand und Oberin des Berliner Schwesternheim auf das Ernsteste bedacht. Dies begründete auch die großen Erfolge, welche der Verein nach blos fünfjährigem Wirken aufzuweisen hat. Wir hegen nun den aufrichtigen Wunsch, daß er immerzu weiter wachse und gedeihe. Hamburg hat bereits aus Berlin eine Oberin erhalten, die Anstalten in anderen Städten Deutschlands richten sich nach dem Berliner Muster. — In Wien plant man die^Gründung eines Vereines für jüdische Krankenpflegerinnen und eines Schwesternheims. Man versäume ja nicht, in Berlin das mustergiltige Vorbild zu suchen und von dorther eine Oberin und Oberschwester zu beziehen

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