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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-14 · 28 (14.7.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
28 (14.7.1899)
Date
1899-07-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 520 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 28 Christian Thomasius: „Ernsthafte, aber doch muntere und vernünftige Thomasische Gedanken und Erinnerungen über allerhand auserlesene juristische Händel." (Halle 1720.) Ich finde im 21. Handel die nachfolgende „General-Anmerkung von den Juden": „Ich werde vielleicht bei einem anderen Handel bessere Gelegenheit haben, von den unterschiedenen Meinungen der Gelehrten von den Juden, ihren Zustand, Toleranz derselben, Umgang mit ihnen, ihrer Bekehrung u. s. w. meine Gedanken kurz und deutlich zu entdecken. Jetzt will ich nur wegen des gegenwärtigen Handels dasjenige berühren, was man schon längst von den Juden gesagt, daß sie suchten Cristenkinder an sich zu kaufen und derselben Blut zu vergießen, weil sie dieses Blut zu allerhand Aberglauben vonnöthen hätten, und ist die Legende davon und was anno 1475 dieserwegen mit denen Juden passiret, unter andern in Joh. Ludewig Gottfrieds Chronika der vier Monarchien zu lesen, und die Tödtung eines Christenkindes, wie Sie von denen Juden damahls geschehen sein soll, in einen säubern Kupfer abgebildet. Ich meine Orts kann wohl gestehen, daß ich schon vor mehr als dreißig Jahren dafür gehalten, daß dieses eine pure Lüge sei, und daß man denen Juden in diesen Stück Unrecht gethan. obgleich jederman, der mich kennet, weiß, daß ich sonst kein sonderlicher Gönner der Juden bin, auch mit Ihnen nichts zu thun habe, Nachhero hat der Herr Wagenseil Anno 1707 einen absonderlichen Tractat dießfalls ediret und seiner sogenannten Hoffnung der Erlösung Israelis beydrucken lassen in welcher er gar deutlich weiset, daß denen Juden fälschlich beygemessen werde, daß Sie Christenblut nach Ihrem Aberglauben benöthigt wären. Und obwohl Eisenmenger in seinem entdeckten Judenthum Part. 2 p. 222 es mit der gemeinen Meinung hält, sa halte ich doch des Herrn Wagenseils Meinung für wahrscheinlicher, ob ich gleich deßwegen nicht alle Exempel, daß ein Jude einen Christen oder auch ein Christenkind umgebracht haben soll, für falsch halten will, sondern sowohl glaube, daß ein Jude aus Haß oder aus Gewinnsucht solches gethan, als man Exempel von Christen findet, die aus Haß oder räuber- oder diebischen Gemüthe Juden ermordet." Antisemitismus in Belgien. In Belgien hat die klerikale Partei einen Sturm des Bolkszornes heraufbeschworen. Sehr charakteristisch für diese Partei ist die folgende Aeußerung des belgischen Führers der Progressisten Dr. Lorand: „Eine eigentlich antisemitische Partei gibt es in Belgien nicht, doch vertreten viele Extrem-Klerikale der Majorität den Antisemitismus. Tie Regierung hat selbst mehreren Juden die Naturalisation verweigert, was in Belgien vorher nie der Fall war. Ich habe in der Kammer gegen diese Ungerechtigkeit protestin, und man hat meine Stimme hören muffen." Zur Blutlüge einen intereffanten Beitrag bietet folgender Bericht, den unter der Ueberschrift: „Neueste Juden-Berfolgung im Baireuthischen" die „Preußisch-Brandenburgischen Miscellen", Jahrgang 1804, 1. Band, 1. und 2. Quartal, S. 194—197, den Fränkischen Provinzialblättern entnehmen: In den ersten Tagen des Monates März im verwichenen Jahre (1803) wurde im Neustädter Kreise des Fürstenthums Baireuth ein zweijähriges Christenkind vermißt. Es wurde nach einigen Tagen auf einem Berge, wohin es sich verirrt haben mochte, zwar todt, doch ohne Merkmal einer Gewaltthätigkeit, sondern, wie die gerichtliche Section ergab, erfroren gefunden. Indessen hatte entweder Rachsucht gegen die in dortiger Gegend wohnenden vielen Juden oder irgend eine andere Leidenschaft auf mehrere Meilen weit das Gerücht verbreitet und unterhalten: Die Juden, denen man in älteren Zeiten, ohne alle Veranlassung, blos um die Christen gegen sie zu erbittern, Schuld gegeben hatte, sie müssen an ihrem Osterfeste ein Christenkind opfern, hätten jenes vermißte Kind dazu gemordet. Es wurden Briefe, Lieder und eifrig-christlich gesinnte Apostel ausgeschickt, um alle fromme Christen jener Gegend aufzuhetzen, dieses geträumte Verbrechen an allen Juden fürchterlich zu rächen und alle Israeliten zu vertilgen. Diese Mittel wirkten so gut, daß jeder Jude, der sich auf der Straße blicken ließ, gesteinigt wurde, und in vielen Ortschaften die Juden, um Mißhandlungen zu entgehen, sich mehrere Tage, viele ohne Lebensmittel, in ihren Wohnungen versteckten, und dabei noch die Furcht ausstehen mußten, daß nach den laut ausgestoßenen Drohungen ihre Wohnungen in Brand gesteckt werden würden. Das Kreisdirectorium Neustadt an der Aisch als Landpolizeibehörde forderte die Geistlichkeit in seinem Kreise auf, gegen diese Ausschweifungen zu predigen und den Gemeinden ihren Jrrthum zu benehmen. Auch die Ermahnungen der Geistlichen waren vergeblich. Vielmehr erschienen nur die niedrigsten Pasquille und Aufwiegelungen auch gegen die Pfarrer und Polizeibehörden. Da alle gütliche Vorstellungen und Vorkehrungen der Unterbehörden fruchtlos waren, so erließ die König!. Kriegs- und Domänenkammer zu Baireuth nachstehendes Patent: „Es ist der Unterzeichneten Landes-Polizeistelle zur Kenntniß gekommen, daß zwischen den christlichen Unterthanen und jüdischen Eingesessenen zu Uhlstädt und Suggenheim, im Neustädter Kreise, darüber Mißhelligkeiten entstanden sind, daß man den Gedanken gefaßt, es sei der im letzt abgewichenen Monat März vermißt und nach einigen Tagen auf einem Acker todt gefunden wordene zweijährige Knabe des von Frankensteinschen Pächters Matthaeus Makel auf dem Bachhof unweit Uhlstädt, von Juden, behufs der Feier ihres Osterfestes ermordet worden. Je thörichter dieses längst widerlegte Vornrtheil einer intoleranten Vorzeit schon an sich ist. und so wenig dessen Fortpflanzung dem gegenwärtigen helleren Zeitalter zur Ehre gereicht, desto weniger hätte man in dem vorliegenden Fall, wo durch eine gerichtliche Untersuchung des Kindes die Ueberzeugnng gegeben wurde, daß dasselbe auf dem Felde erfroren ist, erwarten sollen, daß Jemand auf diese unvernünftige Berwerthung verfallet, und sich in solcher so weit verlieren und zu solchen Ausschweifungen verleiten lassen können, wodurch sogar die öffentliche persönliche Sicherheit der jüdischen Bewohner jener Gegend in Gefahr zu kommen scheint. Es kann diese veranlaßte Ruhestörung wohl nur allein das Werk einzelner boshafter Menschen sein, die von Haß gegen einzelne jüdische Glaubensgenossen angetrieben, Rache üben und dazu andere leichtgläubige Menschen mißbrauchen und irre führen wollen, ohne zu überlegen, welches Ungemach sie sich selbst und anderen dadurch zuziehen. Die Ausmittelung dieser Ruhestörer wird indessen den Polizei-, vereinigt mit den Justizbehörden, nach den bereits gegen sie vorliegenden Anzeigen nicht schwer, und es wird eines Jeden Theilnahme an der Sache nach dem Grade seines Verschuldens, mit der Strenge der Gesetze geahndet werden, welche Strafen um so empfindlicher werden müssen, als dabei Vergehungen auf Vergehungen gehäuft worden sind. Indem dieses hierdurch zu Jedermanns Wissenschaft öffentlich bekannt gemacht und zugleich jeder christliche Einwohner ernstlich gewarnt wird, sich nicht die mindesten weiteren Kränkungen gegen die jüdischen Eingesessenen zu erlauben, so verhofft die König!. Kriegs- und Domänenkammer, daß dieser Warnung Gehör gegeben und durch ein entgegengesetztes Benehmen, welches überdies eine Widersetzlichkeit gegen obrigkeitliche Verfügungen bezeichnen und den Grad der Strafbarkeit erhöhen würde, nicht die Nothwendigkeit werde veranlaßt werden, daß die den Unterbehörden des Kreises wegen ihres weiteren Verfahrens gegebenen Instructionen zum Vollzug gebracht werden müssen. Gegeben Baireuth, den 25. April 1803". Juden auf dem Schlachtfelde. O. R. v. Bff. berichtet im Wiener „Fremdenblatt" vom 11. Juli 1899 aus dem böhmischen Feldzuge des Jahres 1866: Nach der Schlacht von Königgrätz. am 3. Juli 1866, wälzten sich die preußischen Armeen im breiten Strome aus dem nordöstlichen Theile Böhmens nach Mähren, gegen Olmütz und Brünn. Gleich Felseneilanden im wogenden feindlichen Meere, trotzten in diesen Tagen nur die winzigen Festungen Josefstadt und Königgrätz der Unterwerfung; stolz und herausfordernd flatterte der altehrwürdige kaiserliche Doppelaar von deren Zinnen. Wenn auch die zwei, auf etwa vier Wegstunden von einander entfernt liegenden Bollwerke mit ihren kleinen Besatzungen von vier- bis sechstausend Mann nicht im Stande gewesen wären, einen Umschwung der Kriegslage zu veranlassen, so mußten sie doch dem Feinde, als in seinem Rücken, auf seiner Nachschublinie liegend, unbequem sein. Er versuchte daher durch bald listige, bald drohende Unterhandlungen, sowie durch eine Beschießung von Königgrätz, am 5. Juli, in den Besitz der beiden Plätze zu gelangen; doch die tapferen Besatzungen ergaben sich nicht. In der Nacht nach der Schlacht am 3. Juli zogen ungefähr zwanzig- bis dreißigtausend eigene Soldaten durch die Festung Königgrätz gegen Mähren und ließen beiläufig 2000 Verwundete und Kranke, nebst 200 gefangenen Preußen in der Festung zurück. Da zur Beherbergung einer.solchen Ueberzahl an hilfebedürftigen Menschen der nöthige abgesonderte Raum fehlte, so mußten Kranke und Gesunde enggedrängt gemeinsam untergebracht werden, wodurch

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