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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-14 · 28 (14.7.1899) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
28 (14.7.1899)
Date
1899-07-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28 Dr. Blvch's WvchenftlzrM Seite 419 Welche Thatsachen werden nun mitgetheilt, aus denen nicht blos gefolgert wird, daß ein Mädchen ermordet wurde, sondern daß ein „Christenmädchen" von Juden ermordet wurde? Marie Ruth war bei einer Modistin in Zwittau bedienstet und Pflegte alle 14 Tage ihre in Wildenschwert wohnhafte Mutter zu besuchen. Sie soll kurz vor ihrem Tode ihrer Mutter gegenüber sich darüber beschwert haben, daß „ein gewisser Wildenschwerter Jude" sich ihr gegenüber Zudringlichkeiten erlaube, „Den 9. November ist die von der Mutter sehnlichst erwartete Tochter verschwunden." An welchem 9. November? Das constatirt der Bericht nicht; vielmehr müssen wir das Datum erst aus einer anderen Angabe des Berichtes folgern, daß nämlich die Leiche der Marie Ruth am 4. Juni vorigen Jahres, also am 4. Juni 1898, aus der Adler herausgezogen wurde. Folglich muß, da der November später fällt als der Juni, Marie Ruth im November 1897 verschwunden sein. Die Mutter bot sofort Alles auf, um die Vermißte zu finden. Der Bericht erwähnt verschiedene Reisen der Mutter, eine Anfrage an das Prager Findelhaus, ferner „T e l e g r.a m m e, U r g e n z e n u n d P r oteste an den damaligen Ministerpräsidenten und Statthalter." In der vorigen Woche nun, also 1'/. Jahre nach dem Verschwinden der Marie Ruth und mehr als ein Jahr nach der Auffindung ihrer Leiche, soll ein erkrankter Arbeiter Namens Albin R o b, als er sich dem Tode nahe fühlte, der aus sein Verlangen herbeigeholten Mutter der Marie Ruth Mittheilungen gemacht haben über die Art und Weise, wie ihre Tochter ums Leben gekommen-sei. Wir citiren hier wörtlich das „Deutsche Volksblatt": „Ich ging int Frühjahre vorigen Jahres — an den Tag erinnere ich mich nicht — gegen IlUhrNachts von Kerhastitz nach Wildenschwert, da bemerkte ich plötzlich am jenseitigen Ufer des Fluss es Adler das m o m e n t a n e A u f l e u ch t e n eines Lichtes, ans w e l ch e s d e r A uf f al l eines s ch w e r e n K ö r p e r s auf die Wasserfläche sich vernehmen l i e ß. T a s L i ch t beleuchtete auf einen Augenblick z w e i M ä u n e r g e st a l t e n, die alsbald, nachdem sie d a s L i ch t v e r l ö s ch t, verschwände n." - Rob hielt sie für Fischer und und legte dem, was er wahrgenommen, keine Wichtigkeit bei. Erst als er später am Rande einer Wiese beide erwähnte Personen zu Gesicht bekam nnd selbe deutsch reden hörte, wurde er von einem unbestimmten Verdachte erfaßt. Er begab sich nach der Stelle zurück, wo nach seiner Muthmaßung der Fall des Körpers in das Wasser ertönt sein nrochte, aber dort war es stille, kein Laut ließ sich vernehmen. Rob ging nach Hanse. D e r M u t t e r erzählte er s e i nn ä ch t l i ch e s A b e n t e n e r, doch sprach er später kein Sterbenswörtchen darüber. Der Mutter Marie Ruth theilte er aber am Sterbebette nnd nachdem er sich Verschwiegenheit hatte versprechen lassen, damit er keine Scherereien mit dem Gerichte habe, mit, das; er in den Personen, mit denen er damals in der Nacht zusammengetroffen war, zwei bekannte Wildenschwerter Israeliten erkannt habe. Den Einen nannte er wirklich, den Zweiten bezeichnete er blos." Auf den ersten Blick schon drängen sich da einige Sonderbarkeiten und Unwahrscheinlichkeiten auf. Wenn zwei Mörder eine lebendige Frauensperson oder die Leiche einer Ermordeten bei Nacht ins Wasser werfen, so ist es höchst unwahrscheinlich, daß sie dabei ein Licht anzünden werden, dessen „momentanes Aufleuchten" sie verrathen könnte. Wenn es zwei waren, so hätte der Eine die Leiche ins Wasser geworfen und der Andere hätte ihm dabei geleuchtet, denn daß Einer gleichzeitig mit der Leiche und dem Lichte hantirt, ist doch schwer möglich. Dieses momentan aufleuchtende Licht hat also dem Albin Rob zwei Männergestalten gezeigt, und zwar hat er sie für Fischer gehalten, also nicht für Wildenschwerter Juden. Obgleich nun diese Männer aus dem entgegengesetzten User der Adler sich befanden, hat er sie doch in derselben Nacht angetroffen, „und zwar am Rande einer Wiese", und-da erst erkannte er sie als „zwei bekannte Wildenschwerter Juden", obgleich kein Licht „momentan anfleuchtete", und dieses Erkennen der Wildenschwerter Juden soll einen derartigen Verdacht in ihm geweckt haben, daß er in der Nacht noch an die Stelle zurückging, wo sie den Körper in's Wasser geworfen hatten. Der Mutter hat er „sein nächtliches Abenteuer erzählt, und sowohl er als seine Mutter schwiegen seither darüber ein volles Jahr, obgleich sie wissen mußten, daß die Marie Ruth vermißt werde und obgleich ihre Mutter alle Behörden angefleht hatte, ihr verschwundenes Kind zu suchen. War es nicht selbstverständlich, daß Albin Rob oder seine Mutter schon nach jener Nacht die Mutter der Marie Ruth von dem nächtlichen Ereignisse verständigt hätten, falls es wirklich stattgefunden hätte? Die Furcht vor Scherereien soll die Leute davon abgehalten haben! Diese Furcht soll so groß gewesen sein, daß Albin Rob noch aus dem Todtenbette sich die Zusicherung geben ließ, er werde keine Scherereien haben. Das Erlebniß, von welchem Albin Rob erzählte, soll sich im Frühjahre vorigen Jahres ereignet haben. Marie Ruth ist aber im November 1897 schon verschwunden. Wo hat sie vom November 1897 bis zum Frühjahr 1898 geweilt, wenn sie erst im Frühjahr 1898 von zwei bekannten Wildenschwerter Juden in's Wasser geworfen wurde? Wir resumiren also: Im November 1897 verschwindet Marie Ruth. Im Frühjahr 1898 sieht Albin Rob in der Nacht beim momentanen Aufleuchten eines Lichtes zwei Männer einen Gegenstand in's Wasser werfen. Was für ein Gegenstand das war, weiß Niemand. Am 4. Juni 1899 wird die Leiche der Marie Ruth gefunden und nach dem Gutachten der Gerichtsärzte liegt nicht das geringste Anzeichen einer verübten Gewaltthat vor. Ende Juni erzählt angeblich Albin Rob den Vorfall, über welchen er sowohl als seine Mutter ein volles Jahr geschwiegen batten. Ans Grund dieser Umstände, durch welche nicht einmal der objeetive Thatbestand eines Mordes noch festgestellt erscheint, wird die Thäterschaft zweier mit den Anfangsbuchstaben ihres Namens kenntlich gemachten Wildeuschwerter Juden behauptet, wird hämisch gefragt, warum denn die Judenblätter den Fall verschweigen, und wird gesagt: „Die beiden Inden G. und Z. befinden sich aus freiem Fuße die Gendarmerieposten sind verstärkt. In der Stadt herrscht aber Ruhe". Und doch wäre ein Judenkrawall so leicht anzuzetteln. In den nächsten Tagen werden die Großindustriellen des Ritualmordes gewiß auch über den Fall von Wildenschwert Brochureu und bildliche Darstellungen der nächtlichen Scene an der Adler verbreiten. Ritualmorde oder wenigstens ermordete Christenmädchen sind ein beliebter Verlagsartikel des deutschen Buchhandels geworden. * * * Die „Los von Rom" - Bewegung ist in ein komisches Stadium getreten. Herr Schönerer behauptet, es seien 3000 Uebertritte erfolgt, während die „Ostdeutsche Rundschau" schon bei mehr als 10000 hält. Wenn die letztere Ziffer richtig ist, dann ist Herr Schönerer fällig und muß selbst die katholische Kirche verlassen. Er möchte schon, aber er kann nicht; die Frau Gemahlin erlaubt es nicht. Frau Schönerer ist bekanntlich die Urenkelin des frommen Inden Schmal Leb Kohn in Pohrlitz. Die Juden haben immer treu zu dem Glauben ihrer Väter gehalten; für sie war die Religion niemals ein Gegenstand politischen Schachers, wie sie es bei den Führern der Los von Rom-Bewegung ist. Nun ist Frau Schönerer, wie sich zeigt, eine glaubenstreue Katholikin und sträubt sich dagegen, der politischen Agitation ihres Gatten zu Liebe ihren Glauben abzuschwören. Das jüdische Blut macht sich geltend; der Widerstand der Frau Schönerer gegen das Verlassen der Religion, in der sie erzogen worden, ist eine ataristische Erscheinung. So findet die von Georg Schönerer geführte Los von Rom-Bewegung ein Hinderniß in der Nachkommenschaft eines frommen Juden, des gottseligen Schmul Leb Kohn aus Pohrlitz. Robert Wolf. JüdischeStiftungen für antisemitische Agitatoren. Die Heuer fälligen Reisestipendien aus der Singer'schen Schulstistung ii 300 fl. wurden den Wiener Bürgerschullehrern F. Oman» zum Studium des Zeichenunterrichtes und K. Holler zur Sammlung von Volkssagen für Schulzwecke, ferner den Bolksschullehrün F. Tisch und F. Strazanek zum Studium der Lehrer- und Schülerbibliotheken verliehen. Die Herren Holler und Strazanek sind Ausschußmitglieder des christlich-socialen Vereines der Lehrer- und Schulfreunde. In den letzten Jahren waren die Herren K r a u t m a n n, Andreas Maier, Herold, Prochaska und andere Gesinnungsgenossen der christlich-socialen Partei Nutznießer obgenannter Stiftung. Die Herren wollen alle von den Liberalen nichts wissen — doch ihre Stiftungen nehmen sie gern.

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