Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 27 (7.7.1899)
- Date
- 1899-07-07
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 27 Br. Blorh's Wochr.tschrifl. Seite 511 Groß - Meseritsch. (Verlobung.) Fräulein Irma Müller, Tochter des Herrn I. G. Müller, Cultusvorsteher, hat sich mit Herrn Adolf Nasch aus Holleschau verlobt. Wagstadt in Schlesien. (Todesfall.) Am 19. Juni l. I. starb Frau Cäcilie Fischer, welche sich, obwohl frühzeitig verwitwet, durch Ehrlichkeit, Fleiß und Sparsamkeit ein ansehnliches Vermögen zu erwerben wußte. Ihr Wohlthätigkeitssinn und ihr Streben, sogleich dort zu helfen, wo Hilfe nothwendig war, errang ihr die Sympathien der Wagstädter und der Umgebung. Dies zeigte sich bei der am 20. Juni stattgehabten Leichenfeier, bei welcher der dortige Herr k. k. Bezirkshauptmann, der k. f. Bezirksrichter, der Cultusvorsteher mit mehreren Cultusräthen, sowie eine schier endlose Schaar der Bewohner Wagstadts und der Umgebung anwesend waren. Der Herr Bezirksrabbiner, der das Leben der Dahingeschiedenen schilderte, sprach Allen aus dem Herzen, als er diese schlichte, einfache Dame, ihre Herzensgüte und wahrhafte jüdische Tugenden in rührenden Worten pries. Prag. (Trauung.) In der Klaus-Synagoge fand am 21. v. M. die Trauung des Fräulein Ella Ehren seid mit Herrn Dr. Heinrich B r o d y, Rabbiner in Nachod, statt. Die Trauung vollzog der Vater der Braut, Herr Ober- Rabbiner Dr. N. Ehren selb, der an das Brautpaar eine ergreifende Ansprache richtete. Die cantorale Function versah Obercantor Bela G u t t m a n n. Dem feierlichen Acte wohnten Vertretungen der Cultusgemeinden Prag und der Vororte, die Synagogenvorstände, sämmtliche Rabbiner und Abordnungen aller israelitischen humanitären Vereine, sowie eine große Zahl anderer Festgäste bei. Lemberg. (Dr. Ignaz Nossig). Am 18. Juni fand das Leichenbegängniß des im 84. Lebensjahre verstorbenen langjährigen Secretärs unserer Gemeinde, Dr. Ignaz N o s s i g unter, zahlreicher Betheiligung der Gemeindemitglieder statt. Am Grabe hielten der Rabbiner Dr. Caro und Cultusvorsteher Dr. Heinrich 'Gottlieb Gedenkreden. Dr. Ignaz Nossig war Gemeindesecretär von 1845 bis zur freiwilligen Pensionirung 1890, also 35 Jahre lang. Er war nicht blos Beamter der Gemeinde, sondern ein höchst einsichtsvoller treuer Berather der Gemeinderepräsentanz. Aus seiner Feder flössen zahlreiche Memoranden an die Centralbehörden in wichtigen, organisatorischen Angelegenheiten. Im Jahre 1856 arbeitete Dr. Nossig sehr eifrig an der Vermehrung der israelitischen Volksschulen mittelst Gründung von zwei sogenannten Fröbelschulen in der inneren Stadt und in der Sonnengasse. Im Jahre 1857 bewirkte der Gemeindevorstand, wobei sich Dr. Nossig insbesonders sich auszeichnete, daß das jüdische Fleischgewerbe freigegeben wurde, während bis damals blos zwölf jüdische Fleischer in Lemberg das Recht hatten, für das jüdische Publikum Fleisch auszuschroten. Im Jahre 1858 machte Dr. Ignaz Nossig erfolgreiche Schritte bei der Statthalterei, um die Zurlftgenossenschaften zu zwingen, jüdische Lehrlinge freizusprechen und in dre Genossenschaft aufzunehmen. Besonders interessant und erfolgreich war die von Dr. Nossig im Jahre 1859 an den neu ernannten Statthalter Grafen Agenor Goluchowski gerichtete Denkschrift wegen Flüssigmachung des sogenannten Karser Josef-Schulfonds und wegen gänz. licher Aufhebung der politischen Bewilligung der Juden-Ehen- Als die Lemberger Stadtgemeinde ihr autonomes Statut verfaßte und in dasselbe einige die Juden verletzende Bestimmungen aufnahm,. remvnstrirte der Cultusvorstand mit Erfolg an den Minister Belcredi, und Dr. Nossig verfaßte die betreffende gründlich ausgearbeitete Denkschrift. Im Jahre 1868 fand im Landtag eine große Debatte über die Jndenfrage statt. Die betreffenden glänzenden Reden der Abgeordneten Dr. Smolka. und Dr. Hönigsmann hat Dr. Nossig ins Deutsche übersetzt und in einer Broschüre veröffentlicht. Sambor. An dem von der hohen k. k. Statthalterei concessionirten commerciellen Lehrinstitute des S. Weinberg in Sambor fand Samstag den 18. Juni a. c. die Abgangspriffung der Zöglinge des II. Jahrganges dieses Instituts statt. Zahlreiche Gäste, den kaufmännischen Ständen angehörend, darunter auch die Herren Obercommissär der Bezirkshauptmannschaft, Dr. Zygmund Lencrewski, k. k. Gerichtsrath und Reichsrathsabgeordneter Herr Julius Girowski und Herr k. u. k. Gerichtssecretär Wladyslaw Waidowicz, waren anwesend und nahmen regen Antheit an den exacten Antworten sämmtlicher geprüfter Schüler. Die Anwesenden waren voll des größten Lobes über die Leistungen der Schüler im Wechsel- und Handelsrecht, Buchhaltung, Correspondenz, Comptoirarbeiten, Geographie und Waarenkunde. Nicht minder gefielen die von den Schülern ausgestellten kaligraphischen Arbeiten. Man sah es den sicheren und treffenden Antworten der Schüler an, daß der Director und die Lehrer der Anstalt sich redlich Mühe gegeben haben, diese jungen Leute zu einem intelligenten und tüchtig ausgebildeten kaufmännischen Nachwuchs heranzubilden. (Biele Zöglinge des Direktors Herrn S. Weinberg, der srüher durch 8 Jahre Leiter an der Gotthelf'schen Handelsschule war, bekleiden jetzt gut dotirte Polten als Buchhalter in de» ersten Wiener Häusern, und haben auch die diesjährigen Absolventen bereits gute Comptoirristenstellen zugesichert erhalten.) Die Einschreibungen in dieses Institut fürs Jahr 1899’1900 beginnen am 18. August und dauern bis zum 30. August a. f.: der Unterricht beginnt am 1. September a. e. und dauert bis zum 15. Juli a. f. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Einige Ausrufe peinlicher Ueberraschung wurden laut, aber Niemand wagte, zu sprechen, bis der Roschhakohol wieder das Wort ergriff. „Ich habe in meinem Amte schon drei Bürgermeister überlebt, alle waren Reschoim'); aber man konnte doch in einer oder der andern Art mit ihnen fertig werden. Aber der gegenwärtige' Dominik Golzinger, ist der schlechteste Mensch und der ärgste Rosche, der mir je vorgekominen ist, und", Singer lachte bitter auf, „das will viel sagen. Als ich ihn vor etwa zwölf Tagen besuchte, um ihn zu seinem neuen Amte zu beglückwünschen, nahm er mich," — Reb Joffes Singer streckte sich selbstbewußt empor, daß er nun um einige Zoll gewachsen zu sein schien — „der ich bei dem Kreishauptmanne, ja sogar bei dem Gubernalpräsidenten eine beliebte Persönlichkeit bin, und von ihnen höflich empfangen werde, grob auf. Er bot mir keinen Stuhl an, hörte nicht auf meine freundliche Ansprache und herrschte mich ungeschlacht an. Ohne für meine Glückwünsche zu danken, erklärte er mir sofort, daß er gegen die Juden nicht so nachsichtig, als es seine Vorgänger waren, sein werde, — als wenn diese nachsichtig gegen uns gewesen wären! und ging in seiner Schamlosigkeit soweit, es deutlich auszusprechen, daß, wenn ihn die Juden bestechen wollten, sie mit weit größeren Summen, als seinen Vorgängern kommen müßten, daß die strenge Handhabung der harten Gesetze, welche für die Juden gelten, es ihm ermöglichen werde, diese total zu vernichten, daß er dabei nur ein gutes Werk ausübe, da alle Juden Spitzbuben und Hallunken wären." Eine gerechte Entrüstung hatte sich aller Anwesenden bemächtigt, tumultuarisch ertönten die wilden Rufe: „Der Kelew! Y „Jemach schmo wesichro!')" einige ballten die Fäuste und schüttelten sie in der Luft. Andere schlugen auf den Tisch auf, Reb Scharje Glaser aber, deffen gewaltige Baßstimme alle anderen übertönte, schrie: „Ich bin muftoch ‘) der neue Haman* * 3 4 5) werd einen eben so schlechten Szof°) einnehmen, wie der erste." ') Böse Menschen, vorzugsweise von Judenfeinden gebraucht. Hund. 3) Sein Name und Andenken möge vernichtet werden. 4) Ueberzeugt. 5) Der persische Minister, der bekanntlich sämmtliche Inden ausrotten wollte und daher als das Prototyp eines grausamen Menschen- und Judenfeindes gilt. °) Schlechtes Enve.