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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-07 · 27 (7.7.1899) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
27 (7.7.1899)
Date
1899-07-07
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 512 Dr. Bloch's Wochenschrift» Nr. 27 Als sich das wilde Toben gelegt hatte, sprach der alte, weise Reb Zadok Datschitz: „Me ich Euch, Reb Jossef, kenne, seid Ihr dem Bürgermeister die Antwort nit schuldig geblieben; laßt sie uns hören." „Ich sah ihn einen Augenblick wortlos an, aber meine Augen sprachen so beredt, so deutlich, so laut, daß er auf seinem Lehnstuhl, von welchem er sich nicht erhoben hatte, erschrocken zusammenzuckte und sein Blick den Boden suchte. Dann schob ich mir einen Stuhl neben ihn hin, erfaßte seinen Arm und hielt ihn wie in einem Schraubenstocke fest, daß er sich weder losmachen noch erheben konnte und sprach: „Bürgermeister! Ihr kennt mich nicht, sonst würdet Ihr es nicht wagen, solche verbrecherische Worte vor mir zu sprechen. Ich bin Vorsteher der hiesigen Judengemeinde und da Ihr entweder in der Gesetzeskunde ein Ignorant oder ein eben so großer Dummkopf als Schuft seid, so will ich Euch über meine Stellung belehren. Ein Gubernialdecret vom Jahre 1772 bestimmt, daß die jüdischen Vorsteher vom hohen Landesgubernium ernannt, respective deren Wahl bestätigt wird. Auch ich bin von der höchsten Landesbehörde bestätigt, und diese wird mich vor nichtswürdigen Uebergriffen zu schützen wissen. Wir haben zwar harte, überschwere Judengesetze, aber es gilt doch das Gesetz, und wir sind nicht mehr der frechen Willkür eines jeden schurkischen Beamten preis gegeben; — und auch das will ich Euch zu Eurem Schrecken in Erinnerung bringen; ich habe vor einigen Jahren gegen einen Kreiscommissär, der uns Juden in grausamster Weise bedrücken und schändliche Erpressung ausüben wollte, eine Klage eingebracht, und, nachdem eine strenge Untersuchung die Richtigkeit der Beschwerde ergeben, kam er auf zwei Jahre ins Zuchthaus. Bürgermeisterlein! wenn die Kaiserin Maria Theresia erführe, daß Ihr Euer Amt dazu benützt, Erpressungen auszuüben, könnte Euch leicht ein gleiches, wohlverdientes Schicksal wie dem Kreiscommissär beschieden werden. Ein Mensch, der behauptet, daß jeder Bekenner des einzig-einzigen Gottes, blos deshalb schon ein Hallunke und Spitzbube ist, ist selbst der größte Hallunke und Spitzbube, den es gibt, ein solcher aber darf nicht österreichischer Beamter sein, darf über Juden nicht zu entscheiden haben, das sieht ein Kind ein; — um wie viel mehr der Hofkanzler, der Mitregeut Kaiser Josef und die Kaiserin! . . . . Ihr müßt sofort Euren Ausspruch widerrufen; augenblicklich! sonst werde ich, so wahr Gott lebt, und sollte es mein ganzes Vermögen kosten, Alles aufbieten und werde es mit Gottes Hilfe auch erreichen, daß Ihr Eures Amtes entsetzt werdet t . . . . Ich bin achtzig Jahre alt, ich habe mein ganzes volles Leben Wort gehalten, ich werde an der Schwelle des Grabes nicht zum Meineidigen werden!" „Jejascher Koach!')" rief eine Stimme am untersten Tischende und alle Anwesenden fielen stürmisch in vollem Chore ein. „Was erwiderte der Bürgermeister?" frug Reb Zodek, nachdem sich der Tumult gelegt hatte. „Er war zuerst vor Zorn brennend roth, dann aber bleich wie ein Linnen geworden. Nikorim diwre emmes!8) Dominik Golzinger erkannte, daß wenn ich mich auch bei meiner Versicherung von meinem Eifer zu weit hatte fortreißen lassen, und dieselbe schon im nächsten Momente bedauerte, ich denn doch, nachdem ich den höchsten Eid geschworen, meine Drohung auch ausführen würde; auch mußte ihn das abschreckende Beispiel des Kreiscommiffärs eingeschüchtert haben. Er lenkte ein und zwang sich zu einem Lächeln, das mir noch widriger als seine strenge Amtsmiene erschien und sprach: „Vorsteher! Ihr dürft meine Worte nicht auf die Goldwage legen, man spricht zuweilen etwas, was man nicht gerade so meint.Seid doch nicht kindisch, ich weiß, es gibt auch brave Juden . . . . Ich brach nun die Unterredung rasch ab und eilte ohne ein Wort des Abschiedes fort. Es kann keinem Zweifel unterliegen, ich habe mir den niederträchtigen Menschen zum Todfeinde gemacht; — und deshalb halte ich es in Eurem wohlerwogenen Interesse für meine Pflicht, das Amt, das ich vor vierzig Jahren aus Eurer Väter Hand empfangen, in Euere zurückzulegen .... Ihr müßt einen andern Roschhakohol wählen!" (Fortsetzung folgt.) 7) Gott stärke Euch! eine Segens- und Daukesforinel. b) Die Wahrheit ist erkennbar. Briefkasten. M. G. in Chrudim. Wir haben die Zuschrift der competenten Stelle zugemittelt. I. B. In dem Werke: „Sefer hachajim", welches in Hannover erschienen ist, finden Sie auf Seite 110 Gebete wie die von Ihnen gewünschten. Einen Ersatz für Kadisch bilden auch diese Gebete nicht, weil Kadisch obligat ist. L. G. in Gr.-Oph. Auch ungarische Staatsbürger haben bei diesen Vereinen Zutritt. I. H. G. in Nng.-Brod. Gut, aber für unser Blatt nicht oerwendbar. - ZZ.R.St. Der29.Teveth 5629warDienstag am 12.Jänner 1866. M. N. Teschen. Wir können uns auf die Besprechung nicht einlassen. Es ist Sache der Interessenten, sich gegen unberechtigte Angriffe zu wehren. I. W. Ueber d-n einstmaligen Schönerer-Schwärmer und gegenwärtig christlich-social-clerical schreibenden Redacteur des „Kikeriki" Masaidek bringt ein dentschnationales Blatt folgende Reminiscenz: Beim Beginn des Verfassungslebens betheiligte sich Masaidek lebhaft an den politischen Bewegungen, er trat häufig als Volksredner auf und erregte insbesondere dadurch Sensation, daß er 1868 in einer großen Volksversammlung in Wien die päpstliche Allocution Pius IX. zerriß." Der überzeugungstreue Mann mußte schließlich ein Gesinnungsgenosse — Lueger's werden. Historicus. Ihre Bemerkungen über die Antisemiten, die es unverzeihlich finden, daß man „wegen eines unschuldig verurteilten Juden" so viel Lärm mache, sind sehr richtig, sehr' treffend, sehr interessant, aber auch sehr — confiscabel. i. Warum sagen Sie, Strobach habe keinen Muth? Wir glauben, er bewies sogar einen sehr merkwürdigen Muth, als er von den Socialdemokraten als einem „elendigen Diebsgesindel sprach. N. n. Der Pfarrer Deckert, der in mehreren ferner Broschüren von der Folter der Juden als einer ganz harmlosen Sache spricht, darf mit Recht als ein Gesinnungsgenosse des Abbe D e m u i s e bezeichnet werden, der glühende Eisenzangen für die Verteidiger Dreyfus' fordert. N. W. In der That wird ein religiöser Jude auf das Vergnügen der Jagd als solches verzichten müssen. Es gibt aber glücklicherweise auch minder grausame Vergnügen. I. H. Das Eheverbot zwischen Christen und Juden ist in. der morgenländischen Kirche ans dem Collcil zn Chalcedon im Jahre 388 ausgesprochen worden. W. W—g. Von der „Unparteiischen Universal-KirchenzeitungV die von protestantischen, katholischen und israelitischen Gelehrten redigirt wurde, ist blos ein Jahrgang (1837) erschienen. I. B—g. ad. 1. Schopenhauer hatte unter seinen persönlichen Freunden viele Inden, ad. 2.David Ascher ist der Verfasser einer Abhandlung, in der er den Nachweis zu erbringen versucht, daß Schopenhauers System „über den Willen" im Judenthum wurzle. I. L. Unter den Führern der belgischen Socialdemokraten sind keine Juden. Arthur W. Der witzige Verfasser des Denrokritos sagte schon: „Welcher Despot hätte je die Wissenschaft geliebt? Liebt der Dieb die Nachtlaternen?" L. W. Pfarrer D e ck e r t ist, was seine Schmähungen Luther's und des Protestantismus betrifft, nur ein gelehrter Jünger seines Meisters Rohling. M. A!. Die Nachricht, daß Hammerstein in die Redaction des „Deutschen Volksblattes" eintreten werde, dürfte kaum richtig sein. Das Blatt hat an dem einen Vergani genug. Justus. Erinnern Sie sich an das Wort Börne's: Es gibt nur eine verwerfliche Meinung: Die verwerfende, welche keine andere als die ihr gleichen duldet." Wir ersuchen unsere geschätzten *Abonnenten um rechtzeitige Zinsendung der laufenden tAbonnementsgebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Die ^Administration. 1—2 Studenten 296 werden über die Ferien bei streng religiöser, intelligenter Familie, 1 Stunde von Wien, in Pension genommen. Nachhilfe in allen Gegenständen im Hause. Religionslehrer Honig in Aspern a. d. Donau. Speeerei-Lehrling wird mit ganzer Verpflegung aufgenommen. Moritz Griinwald, Floridsdorf. Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIEL

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