Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 27 (7.7.1899)
- Date
- 1899-07-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 510 Dr. Bloch's Wochenschrifk. Nr. 27 unabhängiger Staat nahm der Congreß gleichfalls Stellung und bewilligte 100 Dollars für den Grundfond von 2500 Dollars. Zum Baseler Convent wurden die Folgenden delegirt: Dr. Richard Gottheil, New-Aork; Frau Richard Gottheil, New-Aork; Dr. Gastrow. Philadelphia; Dr. S. Zolis Cohen, Philadelphia; K. H. Sarasohn, New-Aork; G. H. Mahre, Baltimore; Dr. H. P. Mendes, New-Aork; Frl. Henrietta Szold, Baltimore; Dr. S. Schaffer, Baltimore; Frl. Leon, New-Iork; Rev. Dr. Stephen S. Wise, New-Xork; Dr. L. Zinsler, New-Iork; L. Zolottkoff, Chicago; Davis Frietsch, New-Iork; Rabbiner M. Margolos, Boston; Adam Rosenburg, New-Iork; William Schurr, Chicago. Secretär Wise's Bericht zeigt das Bestehen von 125 Zweiggesellschasten mit 10.000 Mitgliedern. Schatzmeister C. D. Birkthaler berichtete eine Einnahme von 1284'20 Dollars und eine Ausgabe von 868'28 Dollars während des Jahres. Zum Schluß verlas Dr. Richard Gottheil einen Vortrag, in welchem er sich über die in Verbindung mit dem Dreyfus-Falle inscenirte Judenverfolgung verbreitet. Südafrika. Es ist wenig bekannt, daß in Transvaal die Juden außer unter denselben Ungleichheiten wie die Ausländer überhaupt, noch unter besonderen Beschränkungen leiden, die den nichtchristlichen Religionen aufgelegt sind. Auch die neuen Berechtigungen, die Präsident Krüger den Uitländern gewähren will, sind für die Juden äußerst ungünstig, denn sie machen die Ertheilung des Bürgerrechtes davon abhängig, daß die Petenten in ihrem Heimatlande volles Bürgerrecht genossen hätten. Nun hatten ja aber die Juden, die zum größten Theil aus Rußland und Rumänien stammen, dort kein Bürgerrecht, sie würden also auch unter den neuen Bestimmungen in ihrer jetzigen Heimat davon ausgeschloffen bleiben. Es fand deshalb Mittwoch den 28. Juni eine große jüdische Massenversammlung in Johannesburg statt, die eine Petition an den Präsidenten Krüger beschloß, in der derselbe gebeten werden soll, dem neuen Gesetz eine solche Faffung zu geben, daß die Juden nicht von feinen Wohlthaten ausgeschloffen sind. Die Sache ist überaus wichtig, denn es ist festgestellt worden, daß es sich um das Bürgerrecht von 8000 Juden handelt. In Port Elisabeth, dem afrikanischen Liverpool, ist ein Jude zum Bürgermeister gewählt worden. S'a^trath Gompert, der Erwählte, erfreut sich aber auch einer außerordentlichen Beliebtheit bei allen Bürgern der ausblühenden Stadt. Vermischtes. Wien. (Bankier Felix Epstein.) Am 4. d. M. ist hier im Alter von 53 Jahren der Bankier kaiserlicher Rath Felix Epstein gestorben. Der Wiener Wechslerverein, dessen Vicepräsident der Verstorbene war, hebt in der von ihm ausgegebenen Parte die Verdienste, welche sich der Verblichene, eine Zierde des Vereins, um diesen erworben, rühmend hervor und erklärt, dem Dahingeschiedenen allezeit ein dankbares Andenken bewahren zu wollen. Wien. Montag den 26. Juni l. I. wurde im Bethause des Talmud-Thora-Vereines eine Trauerandacht für den verewigten Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer abgehalten. Außer dem Stammpublicum dieses Gotteshauses waren auch zahlreiche frühere Schüler und Verehrer des Heimgegangenen erschienen. Herr Rabbiner Kramer, der treue Schüler, hat dem verehrten Lehrer einen Hesped gehalten. Durch fast 1'/, Stunden lauschte die Zuhörerschaft den Ausführungen des Redners, der in Deutung zahlreicher Midraschstellen das Schaffen und die Thätigkeit seines großen Lehrers würdigte. Ein ungewöhnlicher Schatz an Liebe und Verehrung begleitete Rabbiner Dr. Hildesheimer über das Grab hinaus und sichert den Idealen, denen er jeden Athemzug seine thatenreichen Lebens widmete, unvergängliche Dauer. Wien. (Promotion.) Am 7. Juli um 12 Uhr Mittags findet im großen Festsaale der Universität die Promotion des Herrn Richard Leo G r ü n f e l d, eines Sohnes des Cultusvorstandes Docenten Dr. Grünfeld, zum Doctor der gesammten Heilkunde statt. Wien. (Spenden.) Für die Boryslawer Bergarbeiter sind uns zugekommen von den den hiesigen Wochenmarkt besuchenden Getreidehändlern aus Unter.Gänserndorf: Herrn Fleischmann Leopold fl. 1: Feßler Gabriel fl. 1; Firma Staler u. Herzfeld fl. 1; Landesmamann Moritz fl. 1; Fischer fl. —.20; Kann Wilhelm fl. 1; Drill Josef fl. 1; Pollak Jacob fl. 1; Firma Bernh. Feßler fl. 1; Prager Gregon fl. —.20; Meindl Franz fl. —.20; Firma Jacob Hoffmann u. Sohn fl. 1; Fäßler Josef fl. —.50; Liptscher fl. —.50; Löffler Moritz fl. 1; Schiller Samuel fl. 1; Wasservogel M. fl. 1; Ellinger Moriz fl. 1; Kaufmann fl. 1. Zusammen fl. 15 60. Wien. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat dem Inhaber des Unternehmens für Zeitungsausschnitte „Observer" (Wien, IX., Türkenstraße Nr. 17), Herrn Allxander Weigl, mit dem Ausdrucke der Allerhöchsten Anerkennung eine mit dem kaiserlichen Namenszuge in Brillanten gezierte Busennadel gespendet. Diese Auszeichnung wurde Herrn Weigl , für eine Collection zu Theil, welche alle anläßlich des Ablebens der Kaiserin Elisabeth in der ganzen internationalen Presse erschienenen Nekrologe enthält. Gleichzeitig hat der Kaiser angeordnet, daß die Weigl'sche Nekrologensammlung der Familien-Fideicommiß-Bibliothek einverleibt werde. Wien-Mariahilf. Unter den bei den letzten Gremialwahlen zum Repräsentanten des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft Gewählten befindet sich auch der bestens bekannte Herr k. und k. Hoflieferant Josef Toffler, der u. A. zu den beliebtesten Mitgliedern des Vorstandes des israel. Tempel- Vereines für Mariahilf und Neubau gehört. Wir gratuliren Herrn Toffler zu der ihm durch die Wahl in diese hochansehnliche Corporation gewordenen Ehrung herzlichst. Hohenau. (Spende n.) Herr Dr. Jul. S t r a k o s ch, Fabriksbesitzer, spendete zum Tempelbau in Hohenau 500 fl. wofür hiemit öffentlich der Dank ausgedrückt wird, Herr Julius Mandler, St. Johann a. d. March, 3 fl. Hohenau, 3. Juli. (Todesfall.) Am 29. Juni erlag unser verehrter Religionslehrer Herr Josef Wasservogel einem langwierigen, tückischen Leiden. Mit ihm schied ein Mann aus dem Leben, der eine Zierde unserer Gemeinde war und der ui seinem Berufe völlig aufging. Seine Frömmigkeit, sein echt jüdischer Lebenswandel, sein großes talmudisches Wissen, sein Wirken als Lehrer, sein edler, tadelloser Charakter sicherten ihm die Verehrung Aller, die ihn kannten, sowohl der Juden als Nichtjuden. Mit seltenem Pflichteifer, mit einer Hingebung ohne gleichen ging er seinem Berufe nach. Nicht des Sommers glühende Hitze, nicht des Winters eisiger Frost, nicht Schnee, noch Regen hielten ihn ab, in die Ortschaften der Umgebung von Hohenau seine Wege zu machen, so lange er sich nur auf den Füßen halten konnte, um ja nur pünktlich seinem Berufe obliegen zu können. Auch als er schon von feiner schweren, tödtlichen Krankheit heimgesucht war, ließ er sich von der Ausübung seines Berufes nicht zurückhalten, bis er endlich zusammenbrach. An seinem Unterrichte begnügte er sich nicht etwa mit dem bloßen Uebersttzen der Thoraverse, oder mit dem mechanischen Hersagen der Gebete, noch mit dem Auswendiglernen biblischer Geschichte, sondern er strebte vor Allem, den Kindern den Geist der Religion einzuflößen und die Begeisterung für dieselbe, welche ihn selbst erfüllte, übertrug er auch auf seine Schüler. So hat er dieselben in wahrhaft jüdischem Geiste erzogen. Dazu wirkte noch seine Lebensweise, welche beinahe eine asketische war, als musterhaftes Vorbild. So war Josef Wasservogel im wahrsten Sinne des Wortes ein Apostel unserer Religion. Auf Wunsch des Dahingeschiedenen wurden dessen sterbliche Ueberreste, deren Ehrung die israelitische Gemeinde Hohenau gerne auf ihrem Friedhofe vorgenommen hätte, von seinen Verwandten, welche sich auch während seiner langen Krankheit in aufopferndster Weise seiner annahmen, nach Wien überführt und dort zur ewigen Ruhe bestattet. Sonntag den 2. Juli Vormittags fand das Leichenbegängniß unter zahlreicher Betheiligung statt und wohnten denselben als Vertreter von Hohenau die Herren Dr. Leimdörfer und Adolf Sonnenmark bei. Herr Rabbiner Wilhelm Sor hielt am Sarge des theuren Verblichenen einen warm empfundenen, zum Herzen dringenden Nachruf. Meisterhaft, in plastisch ausdrucksvoller Weise schilderte er dessen Lebenslauf, sein mühsames, fleißiges Studium der Thora, dem er bis ans Ende seines Lebens oblag, seine Bedeutung als Gelehrter, sein Wirken als Lehrer, seine Bescheidenheit und Genügsamkeit, seinen aufrichtigen und ehrlichen Charakter, sein inniges Familienleben und seine Liebe zu den Menschen. Manche Thräne floß bei diesen schwungvollen, das Herz erschütternden Worten. Josef Wasservogel wirkte circa 30 Jahre segensreich in unserer Mitte. Sowohl Eltern als Schüler werden seiner stets in Dankbarkeit gedenken. Herrn Rabbiner Sor sei der herzlichste Dank sowohl im Namen der israelitischen Gemeinde Hohenau als auch in dem der Hinterbliebenen für die auf so edle Weise kundgegebene Ehrung des Tvdten ausgedrückt. Dr. Leimdörfer.