Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 27 (7.7.1899)
- Date
- 1899-07-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Bloches Wochenschrift. Seite 509 sich aus dem Resultat derselben die Frage, ob Tell Zarkariya identisch ist mit Gerth, nicht lösen läßt, so sind doch nach anderer Richtung hin interessante Entdeckungen gemacht worden. So hat man Steinplatten gefunden mit 144 Feldern, die anscheinend zu einem Spiel, ähnlich dem Schach, gedient haben. Außerdem eine ganze Menge von Töpferwaaren, die nach Dr. Bliß' Ansichten aus einer vorjüdischen Periode stammen, aber auch solche aus jüdischer Zeit, darunter ein Stück, welches in phönizischen Buchstaben die Aufschrift hat: An den König von Hebrow. Eine ganze Menge von Broncewaaren wurden gefunden, sowie an einer nur wenig entfernten Stelle anscheinend egyptische Alterthümer, von denen die wichtigsten Skarabäen sind, die Dr. Bliß in die Zeit 1300—1400 von der gewöhnlichen Zeitrechnung verlegt. Ein Gewicht wurde gefunden, das nach unserer Rechnung 154 Gramm schwer ist, und das eine dreibuchstäbige Inschrift trägt. Leider gehen die Ansichten von Lagrange und Bliß über die drei Buchstaben weit auseinander. Endlich sind noch Skarabäen aus Knochen gesunden worden, die nach Prof. Flinders Petrie in das dritte Jahrtausend von der gewöhnlichen Zeitrechnung zurückgehen. Die Ausgrabungen werden an derselben Stelle fortgesetzt, außerdem aber durch Beamte des Fonds die Bahnarbeiten der Strecke Acco Dumasas beaufsichtigt werden, weil man hofft, daß auch dort die Erdarbeiten Alierthümer zu Tage fördern werden. London. Hier fand in der vorigen Woche eine internationale Conferenz zur Bet Hütung des Mädchenhandels statt, zu der Delegirte aus den verschiedensten Städten des Continents und Großbritanniens hiehergekommen waren. Die Tageszeitungen haben über den Verlauf des Congresses kurze Berichte gebracht, dabei aber begreifiicherweise übersehen, den Antheil, den jüdische Vereine und Persönlichkeiten an dem Congresse hatten, gebührend hervorzuheben. Demnach ist es gerade gegenüber den fortwährenden Beschuldigungen unserer Hasser, daß jüdische Händler vorzugsweise das schändliche Gewerbe des Mädchenhandels treiben, wichtig zu betonen, daß an den Maßnahmen zur Bekämpfung derselben Juden in erster Linie betheiligt sind. Unter den vom Counts zur Conferenz eingeladenen officiellen Rednern befanden sich Lady B a t t e r s e a, die Vicepräsidentin der jüdischen Gesellschaft zum Schutze von Frauen und Mädchen, und der Oberrabbiner. Lady B a t t e r s e a gab ein Bild von der Thätigkeit ihres Vereines, dessen Arbeit keineswegs nur Jüdinnen zu Gute kommt. Vielmehr werden die nichtjüdischen Frauen und Mädchen, die den Beamten der Gesellschaft begegnen, befreundeten christlichen Vereinen überwiesen. Der Oberrabbiner begrüßte gerade von seinem jüdischen Standpunkt aus die Conferenz, wie dies vor ihm der Bischof von London und der Erzbischof von Westminster von ihren religiösen Gesichtspunkten aus gethan haben. Gerade die jüdische Religion perhorrescirt das schreckliche Laster am meisten, denn die ersten Erfordernisse eines religiösen Lebens seien für das Judenthum Reinheit und Heiligkeit. Deshalb hat sich schon vor 15 Jahren der jüdische Verein zum Schutze von Frauen und Mädchen gebildet, der zunächst den Mädchenhandel in der eigenen Gemeinschaft bekämpfen will. Aber die Vertreter des Vereines wiffen sehr wohl, daß ohne eine Vereinigung der Kräfte aller der das Ziel anstrebenden Vereine die Wirksamkeit des Einzelnen immer Stückwerk bleiben müsse. Der Oberrabbiner unterstützte daher den Vorschlag von Prof. Burkhard aus Berlin, nach dem eine internationale Organisation geschaffen werden soll, welche in der Lage ist, fremde Regierungen und deren Polizei zu beeinflussen. In der Discussion, welche diesen Reden folgte, erkannte Lord H i n n a i r d das überaus nützliche Werk des jüdischen Vereins an, der thätiger gewesen ist, als die „National Bigilance Association" selbst, obwohl diese der größte englische Verein ist. Mr. W. A. Coote, der Secretär der ebengenannten Gesellschaft, sprach sich dahin aus, daß die Leistungen des jüdischen Vereines nicht hoch genug geschätzt werden könnten, und bedankte sich bei demselben für eine Spende von 4000 Mark zu den Kosten des Congresses. Auch in der folgenden Discussion haben die Leistungen, Methoden und Erfahrungen des jüdischen Vereines noch wiederholt eine wichtige Rolle gespielt. New-Aork. Das New-Iorker Judenviertel war in den letzten Tagen der Schauplatz arger Ausschreitungen. Ein fanatischer reicher Baptist Philadelphia's, Wilson Dunlop, hat es sich zur Aufgabe gestellt, alle Juden New-Jorks zu bekehren, und zu diesem Ende eine Mission im Judenquartier errichtet. Mit einer Anzahl Glaubensgenossen zog er alltäglich auf einem Karren durch das Judenviertel, von demselben herabpredigend in hebräischer Sprache abgefaßte Tractate vertheilend und die jüdische Religion in wenig christlicher Weise schmähend. Allmälig rief das immer größeres Aergerniß hervor. Als die wiederholten Vorstellungen hervorragender Israeliten nutzlos blieben, wurde die Erregung unter den ärmeren Bewohnern des Judenviertels drohender, bis es schließlich zu directen Angriffen auf die „Missionare" kam. Unter den Rufen „Tod den Christen!" griff ein Haufen meist junger Leute den Karren an, dessen Insassen mit faulen Eiern, Obst und GemüseabMen beworfen wurden. Eine Anzahl, älterer Israeliten versuchte, die Evangelisten zu vertheidigen, einige nichtjüdische Bürger thaten ein gleiches, und so kam es zu einem allgemeinen Krawalle, welcher das Einschreiten der Polizei nothwendig machte. Nach heftigem Kampfe gelang es Wilson Dunlop und seinen Jüngern sich zu befreien, worauf der erregte Haufe nach deffen Missionsstuben zog und diese theilweise zerstörte. Der Bürgermeister von Wyck hat die Baptisten angewiesen ihren „Kreuzzug" sofort einzustellen, und sie für alles Weitere verantwortlich gemacht. Mr. Dunlop aber antwortete, er habe weder die Hilfe der Polizei, noch die des Bürgermeisters angerufen, werde um beide sich nicht kümmern und die Juden ihrem „scheußlichen Glauben" entreißen oder als Märtyrer sterben. Wahrscheinlich wird der „Märtyrertod" im Jrrenhause eintreten. Inzwischen hat der „New-Iorker Herald" festgestellt, daß der I u d e n m i s s i o n ä r Dunlop ein Philantrop ganz eigener Art, nämlich ein — gefährlicher Halsabschneider ist! Im Frühjahr 1894 stand er in Philadelphia unter nicht weniger als 45 Wucheranklagen, und wurde nur seines gelähmten Zustandes wegen von seiner Verhaftung abgesehen. Einer der von ihm „philantropisch" Behandelten mußte zum Beispiel für ein Darlehen von 25 Dollars wöchentlich 3 75 Dollars Zinsen zahlen. Jede Verspätung in Ablieferung der Wochenzinsen, und wäre es nur um eine Viertelstunde gewesen, kostete einen Dollar Strafe. Auf diese Weise bezog Dunlop von seinem Opfer nicht weniger wie 720 Percent Zinsen! In einem anderen Falle ruinirte der Ehrenmann eine Familie, die ein Darlehen von 25 Dollars nicht pünktlich zurückzahlen konnte, indem er ihre sämmtlichen Möbel wegnahm. Es gelang Dunlop auf dem in Amerika nicht ungewöhnlichen Wege, sich sümmtliche Ankläger vom Halse zu schaffen. Seitdem nimmt er „nur" den für Pfandleiher gestatteten Zinsfuß von 12 Percent und beniitzt einen Theil seines Sündengeldes gewissenhaft zu — Judenbekehrungen. Da seine öffentlichen „Ghetto"-Missionen jetzt zu Ende sind, wird er jetzt Sonntagsschulen für Judenkinder einrichten. Eine Düte Bonbons für jedes Kind dient dabei als Lockspeise! New-Nork. (Die „Educational Alliance".) Die Mitglieder der „Hebrew Free Trade School" hielten gestern Abend im Tempel Emanu-El an der 43. Str. und 5. Av. eine Versammlung ab zum Zwecke der Ratificirung des geschlossenen Uebereinkommens der beiderseitigen Trustes Zwecks der Consolidirung der beiden Institute. Herr Meyer S. Jsaacs präsidirte der Versammlung. Die letzte Legislatur hatte ein Gesetz passirt, durch das die Vereinigung der genannten Institute unter dem Namen „Educational Alliance" gestattet wurde. Die Consolidirung ward formell beschlossen, nachdem das betreffende Gesetz verlesen worden war. In dem letzteren ist die Clausel vorgesehen, daß die „Educational Alliance" Grundeigenthum zum Werth von 3,000.000 Dollars besitzen kann. Ehe Vertagung eintrat, wurden die folgenden Herren zu Mitgliedern des Directoriums erwählt: Henry Morgenthau, Isidor Strauß, Louis Stern, R. A. Seligman, Felix M. Marburg, Sidney Blumenthal, Morris W. Benjamin, Samuel Greenbaum, Lee Kohns, Henry M. Leipziger. Frederick Spellberger, Albert Friedländer, Albert F. Hochstadter, Louis Marshall, William C. Popper, Julius Richman, Lewis Lewisohn, Samuel H. Harburger, Daniel P. Hays, Ferdinand Kuhn, Eugene H. Paul. Baltimore. (Zionisten-Vereinigung.) Die Schlußsitzungen der zweiten jährlichen Conferenz der „Federation ojvZionists“ fand hier in Hezazar's Halle statt. Es wurde beschlossen, die Jncorporirung der Vereinigung unter den Gesetzen des Staates, in welchem die leitende Körperschaft ihren Sitz hat, zu beantragen. Zu den am 15. August in Basel, Schweiz, zusammentretenden internationalen Congresse wurden Präsident Gottheil und Rabbiner Stephen S. Wise in das Executivcomite gewählt. Zu der Wiederherstellung Judäas als