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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-07 · 27 (7.7.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
27 (7.7.1899)
Date
1899-07-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 508 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 37 Verdienste um unser wohlgeregeltes Gemeindewesen und besonders für seine aufopferungsvolle Mühewaltung anläßlich unseres Synagogenbaues eine kunstvoll ausgeführte Dank-Adresse zu übersenden. Rechnitz, 3. Juli. Es ist eine erfreuliche Erscheinung, wenn die Bekenner verschiedener Confeffiouen in einem Orte in Friede und Eintracht mit einander leben, und wenngleich in Ungarn dies keine Seltenheit ist, so mag doch jede That, welche diese Harmonie zu fördern geeignet ist, dankbar begrüßt werden. Eine, diese innige Zusammengehörigkeit manifestirende Feierlichkeit fand bei uns am 28. v. M. statt, bei welcher sämmtliche Repräsentanten der Schulen und Kirchengemeinden mit ihren Seelsorgern, die ganze Schuljugend mit ihren Lehrern erschienen, um der Preisvertheilung der von den Herren Gustav P i ck und seinen Söhnen in Wien ins Leben gerufenen Stiftung anzuwohnen. Wer einst die Geschichte der Rechnitzer Gemeinde und ihre Bedeutung für das culturelle Leben schreiben wird, muß der Familie Pick einen Ehrenplatz anweisen; der Großvater Aaron P i ck, ein großer Kenner und Schätzer der jüdischen Literatur, stand fast ein halbes Jahrhundert an der Spitze derselben und von demselben Geiste erfüllt, leistete sein Sohn Siegmund P i ck lange Zeit als Präsident des VM. Districtes die jüdischen Angelegenheiten mit Hingebung und Treue; ihr Haus war der Sammelplatz der Aristokratie dieses Comitates. Wohlthätigkeit und vornehme Gesinnung waren ihre hervorragendsten Charakterzüge. Um nun das Andenken ihrer Ahnen für spätere Zeiten zu verewigen, gründeten sie ein Stipendium von 5000 Kronen, deren Zinsen alljährlich an einen Schüler der jüdischen, evangelischen und katholischen Schule vertheilt wird. Diesmal, als dem ersten Jahre der Vertheilung, fand eine solenne Feierlichkeit statt. Dieselbe begann mit der Absingung des herrlichen Hymnus „Isten ald meg a magyart“ von der gesammten Schuljugend vorgetragen. Hierauf hielt der katholische Erzp r i e st e r Herr I. N a g y, der bei seiner streng kirchlichen Gesinnung jedem Streben für Humanität und Bildung das wärmste Interesse entgegenbringt, die Festrede. Mit edler Begeisterung würdigte er die schöne That und pries die Ahnender Stifter, welche zu jeder Zeit nur das Wohl der Gesammt-Einwohnerschaft anstrebten und denen heute ein Denkmal errichtet wurde, welches dauernder als Marmor ihren Ruhm der Zukunft verkünden werde. Nachdem noch im Nauien der israelitischen Geyleinde der Herr Rabbiner M. E h r l i ch die Bedeutung des Festes geschildert und die schöne Stiftung als nachahmungswürdiges Beispiel hinstellte, schloß die Feier mit einem patriotischen Liede unter den begeisterten Eljenrufen der zahlreich versammelten Bürger und Intelligenz. M. E. Krakau. Der Wahlact über die vollzogene Wahl des Rabbiners CH. L. H o r o w i tz in Krakau ist bereits an die k. k. Statthalterei abgegangen und dürste die Bestätigung demnächst erfolgen. Die ganze hiesige Bevölkerung ist mit dieser Wahl sehr zufrieden. Dem neugewählten Rabbiner sind zahlreiche Glückwünsche des In- und Auslandes zugekommen. Gleich nach vollzogener Wahl hat sich eine Deputation des israelitischen Cultusvorstandes unter Führung des Vice-Präsidenten Gemeinderathes Hirsch Landau in die Wohnung des Rabbiners begeben, wo ihn Herr Hirsch Landau namens der Cultusgemeinde beglückwünschte. Zu bemerken ist, daß der Krakauer Rabbinerposten seit 15 Jahren verwaist war. Den neugewählten Rabbiner für die Tempelgemeinde beglückwünschte der Präsident der Cultusgemeinde, Gemeinderath Dr. Leon H o r o w i tz, an an der Spitze einer Deputation. Oswieeim, 30 Juni. (Erinnerung an das Gefecht bei Oswiecim im Jahre 1866. Enthüllung eines Denkmales.) Der Oberschlesische Kriegerverein zu Kattowitz hat, wie vor mehreren Jahren den christlichen Kameraden, heute den österreichischen und preußischen Soldaten jüdischer Confession, die im Kampfe für Kaiser und Vaterland den Ehrentod im Jahre 1866 im Gefechte bei Oswiecim fanden, auf der hiesigen Begräbnißstätte ein Denkmal errichtet, das vom hiesigen Steinmetz Herrn Wulkan zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt wurde. Heute fand in besonderer feier- Weise die Enthüllungsfeier statt, an der sich Deputationen des österreichischen Infanterieregimentes Nr. 57 und des ersten Uhlanenregimentes, sowie circa 30 höhere preußische Officiere und Abordnungen verschiedener Kriegervereine Deutschlands betheiligten. Nach der vom hiesigen Öberrabbiner Herrn Schnur vorgenommenen Weihe schilderte derselbe in längerer von Patriotismus durchdrungene Rede die hohe Bedeutung des Monumentes und gab den Gefühlen der Vaterlandsliebe und der Treue zum angestammten Herrscherhause Ausdruck. Die Ansprache des Herrn Oberrabbiners erntete ungetheilten Beifall. Mit der Rede des Herrn Stabsarztes Dr. Arendt, Präsident des Kattowitzer Kriegervereines, schloß die würdige Feier. Beim Festmahle im Hotel Zabor, an dem sämmtliche Gäste, etwa tausend an der Zahl, theilnahmen, wurden vom Oberst des 57. Infanterieregimentes Herru Wetzka auf das Wohl des deutschen Kaisers und vom Major Herrn Hopfengarten vom 62. preußischen Regiment auf unseren erhabenen Monarchen toastirt, worauf jedesmal die betreffenden Hymnen intonirt wurden. Unter den von verschiedenen Seiten ausgebrachten Toasten verdient der vom Herrn Oberst Wetzka auf das Wohl des anwesenden Oberrabbiners Herr Schnur besonders hervorgehoben zu werden. Der Erfolg einer Boyeottirung. Ans Paris wird berichtet: „Das Blatt „L'Antijuif" leitete eine Action ein, die sich gegen jüdische Kaufleute richtete, indem vor dem Besuche ihrer Läden gewarnt wurde. Fünf Kaufleute, deren Namen sich unter den Boycottirten befanden, erhoben nun gegen das genannte Blatt die Schadenersatzklage, über die jüngst unter dem Vorsitze des Richter B a u d i n verhandelt wurde. Für das geklagte Blatt war Niemand erschienen. Der Richter verurtheilte den „L'Antijuif" zur Zahlung von 500 Francs Schadenersatz an jeden einzelnen der fünf Kläger und zum wörtlichen Abdruck der fünf gleichlautenden Urtheile. Paris. Nachstehender Bericht liegt vor aus Rennes, der Stadt des neuen Kriegsgerichtes: „Es ist bekannt, daß Rennes eine der Hauptbrutstätten des Antisemitismus in Frankreich ist. Freilich ist der Antisemitismus nicht auf einzelne Orte beschränkt, sondern durch das ganze Land verbreitet, es gibt aber doch Heftigkeitsunterschiede in den verschiedenen Gegenden. Rennes nun hat sich durch die besondere Wildheit seines Judenhasses hervorgethan. Es ist eine der sieben oder acht Städte, wo antisemitische Straßenkundgebungen häufig waren. In Rennes führten sie allerdings nicht zur Verwüstung von Jndenläden, doch nur, weil es dort keine Judenläden gibt: denn das Bemerkenswerthe an dem Antisemitismus in Rennes ist, daß er theoretisch bleiben muß, da die S t a d t alles in allem nur elf jüdische Bewohner zählt. Nur einer von ihnen ist in der Oeffentlichkeit bekannt: Dr. Basch, Professor der Literaturgeschichte an der philosophischen Facultät, und dieser eine war denn auch Gegenstand mannigfacher Verfolgung. Die fast durchwegs grimmig antisemitischen Hochschüler bedrohten ihn im Hörsaal und belagerten ihn in seinem Hause vor der Stadt, das sie zu evftüriuen drohten und wo er sich einmal mit den: Revolver in der Faust gegen Angreifer vertheidigen mußte. Die „Livre Parole" soll in Rennes gegen 500 Abnehmer haben, was verhältnißmäßig so viel ist, daß man annehmen muß, das Blatt werde in jeder Familie gelesen, deren Lebenshaltung höher als die von Taglöhnern ist. Die Stadt ist vollständig in den Händen der Elericalen und Nationalisten, die in den Hunderten von Hochschülern und Tausenden von unabhängigen Arbeitern des Stadtarsenals die Elemente unter der Hand haben, mit denen sie Kundgebungen und Straßenunruhen veranstalten können. Jedenfalls wird Dreyfus in Rennes von einem Luftkreis besonderer Feindseligkeit umgeben und gegen mögliche Gewaltthaten weniger geschützt sein, als er es in den meisten anderen Provinzstädten Frankreichs gewesen wäre." London. Bei dem hiesigen Frauencongreß ist die Zah der jüdischen Theilnehmerinnen nicht blos aus England eine seh^ große. Unter den Deutschen nennen wir nur Frau Anna Sim^ son aus Breslau und Frl. Alice Salamon aus Breslau. Fra" Lina Morgenstern war durch Krankheit verhindert, zu erscheinen' Auch unter den amerikanischen Delegirten sind mehrere Jüdinnen. Von den englischen Glaubensgenossinnen, die theilnehmen, seien genannt: Lady Battersea, Baronin Leopold Rothschild, Lady Montague, Miß Cilly Montague, Miß D. Avigelor und Mistreß Miffetaler, und die Gattin und die Tochter des Oberrabbiners. Am nächsten Sonnabend wird auf Wunsch die Gräfin Aberdeen die Präsidentin des Congreffes über die Ziele und Ausgaben, des internationalen Frauencongreffes predigen, wie dies die christlichen Geistlichen am nächsten Sonntag in allen Kirchen thun werden. Einzelne Rabbiner haben überwiegend schon jetzt über dieses Thema gepredigt, z. B. der Rev. Norris Joseph in der Berheley Street-Synagogue. London. In dem letzten Heft des „Qnarterly Statement of the Palestine Exploration Fund" werden neue Mittheilungen gemacht über die Ausgrabungen des Tell Zarkariya. Obwohl

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