Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 27 (7.7.1899)
- Date
- 1899-07-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Blvch's Wochenschrist. Seite 507 b) au arme unbescholtene Laubstumme, welche infolge von Alter oder Krankheit erwerbsunfähig geworden sind; c) an arme, brave taubstiunme Mädchen, welche in den Stand der Ehe treten, als Beitrag zur Anschaffung der Aussteuer. Die Verleihungen finden statt ohne Unterschied der Religion, der Nationalität und mit Ausnahme der Verleihungen nach Punkt c, auch des Geschlechtes der Bewerber, doch sind unter den Unterstützungswerbern in erster Reihe die in der beigeschlossenen Liste verzeichnet«! Personen, welche zur Errichtung des Hirsch-Kolisch-Tenkmales Beiträge gespendet haben und in zweiter Reibe jene, welche im allgemeinen österreichisch-israelitischen Taubstummen-Jnstitute in Wien ihre Erziehung genossen haben, zu berücksichtigen, so daß nur beim Wegfälle geeigneter Bewerber dieser beiden Kategorien ans andere, zur Erlangung der Stiftung geeignete taubstumme Personen Rücksicht genommen werden kann. Die mit dem Nachweise der Mittellosigkeit, eventuell.Erlverbsunfähigkeit und des Taubstummengebrechens belegten Gesuche sind bis längstens 31. August 1899 beim Obmanne des Curatoriums unter der Adresse des allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummen-Jnstitutes in Wien, III. Bez>, Rndolfsgasse22, zu überreichen. Wien, am 1. Juli 1899. Das Cu r a to ri um der Hirsch - K o l i s ch - Stiftung. Wien. (Der Mord in P oln a.) Ani 1. d. M. erhielt die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" von der Cultusgemeinde Jglau die Mittheilung, daß sich im Walde Brezina bei Polna an jener Stelle, wo die ermordete Agnes H r u z a aufgesunden wurde, an einem Baume ein Bild befinde, welches drei Juden mit langen Bärten, i n l a n g e m T a l a r und Talles d a r st e l l t, die mit e i n e m C h a l i f ein Mädchen abschlachten, während daneben eine Frau in einem Metallbecken das Blut auffängt. Zn diesem Bilde wallfahrteten am 29. Juni (Feiertag) Tausende von Menschen und für Sonntag den 2. Juli war wieder eine Wallfahrt angesagt. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" richtete sofort eine dringende Beschwerde an den Ministerpräsidenten mit der Bitte, telegraphisch die sofortige Entfernung des Bildes und die Ausforschung, sowie Bestrafung der Urheber dieses Frevels zu verfügen. Der Ministerpräsident hat dieser Bitte entsprochen und das Bild wurde Sonntag Früh vor Tagesgrauen von der Gendarmerie entfernt. Gleichzeitig hat der Verein Schritte unternommen, uni die Eruirung der Thäter zu bewerkstelligen und weitere derartige Agitationen hintanzuhalten. In Polna und Umgebung wird von antisemitischer Seite eine intensive Agitation betrieben, um die Bevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen und an einen Ritnalmord glauben zu machen. Es werden massenhaft Flugschriften verbreitet, sowie Ansichtskarten mit den Bildern des ermordeten Mädchens und seiner Mutter, des Schauplatzes der That, des Geburtsortes der Ermordeten rc. Aus die ländliche Bevölkerung machen diese Dinge begreiflicherweise großen Eindruck und die durch so abscheuliche Mittel erzeugte Aufregung gibt zu lebhaften Besorgnissen Anlaß. Wien. Am 26. v. M. fand die erste Generalversammlung der Commandit-Gesellschaft „Karmel" statt, welche Unternehmung bekanntlich den humanen Zweck verfolgt, die Products der jüdischen Colonien in Palästina in Oesterreich-Ungarn abzusetzen. Erschienen waren die Herren: Gottlieb B e t t e l h e i m, Adolf Brecher, Lucian B r u n n e r (vertreten durch seinen Secretär Herrn Brill), G. A. Gerson, Dr. O. Koke sch, Fritz Kraus, Th. Lackenbacher und Jg. Ledere r. Die übrigen Commanditisten waren am Erscheinen verhindert. Nach Verlesung und Genehmigung der Bilanz und des Geschäftsberichtes entspann sich eine ziemlich lebhafte Debatte, und es wurde mit Befriedigung constatirt, daß die Karmel-Weine und -Cognac sich bereits überall als vorzügliche Marken eingeführt haben, wie überhaupt die echt philantropische Tendenz der Karmel-Gesellschaft immer mehr zur Würdigung und Geltung gelangt. Als oberster Grundsatz der Geschäftsgebahrung wurde auch für die Folge einstimmig normirt und aufgestellt, die Karmel-Gesellschaft nicht als „Geschäft" zu betrachten, sondern vor Allem folgende Punkte im Auge zu behalten: den jüdischen Colonisten im heiligen Lande in ihrer mühevollen Aufgabe behilflich zu sein, zweitens den Beweis zu liefern, daß Jude» auch die schwere Landarbeit nicht scheuen und als Ackerbauer sich vorzüglich gut qualificiren und drittens, der Welt einen unverfälschten reinen Naturwein »von exquisiter Qualität zu liefern. Der Spitzname „Judenwein", der hier im Volksmunde als Bezeichnung jedes schlechten Pantschweines gebräuchlich ist, soll zu Ehren gebracht werden. Thatsächlich wird der Karmelwein bereits auch in rein arischen Kreisen stark verlangt. Um die Provenienz dieser jüdischen Getränke noch mehr zu pointiren, wurde über Antrag der Herren B e t t e l h e i m und Kraus beschlossen, nebst den französischen auch jüdische Namen auf den Flascyen-Etiquetten zu führen, und zwar letztere in hebräischen Letteru. Was das rein Geschäftliche betrifft, wurde beschlossen, den Reingewinn des ersten Geschäftsjahres, welcher einer 6' „igen Verzinsung des Commandit-Capitales gleichkommt, nicht zu vertheilen, sondern als Reserve anzulegen. Dem Firmaträger Herrn Th. L a ck e n b a ch e r, dem Procuristen und dem Geschäftsleiter Herrn I. S ch a l i t wurde der Dank und die Anerkennung einstimmig votirt. In die Revisionscommisfion wurden die Herrn A. Brecher, Dr. O. K o k e f ch und Jg. Lederer wiedergewählt. Wie wir hören, gedenkt die Gesellschaft neue Antheilscheine zu emittiren, da der stark zugenommene Geschäftsumfang eine Vergrößerung des Betriebscapitales bedingt. Die russische Gesellschaft in Warschau hat im vorigen Jahre ihr Capital verdoppelt und da wurden die neuen Antheilscheine ä 500 Rubel mit 407« Agio rasch vergriffen. Korneuburg. (BesuchderCorrigenden.) Freitag den 23. v. M. traf Bezirksrabbiner Dr. M. Rysenmann zur Jnspicirung der israelitischen Corrigenden und Zwänglinge in der hiesigen Besserungsanstalt ein. Derselbe wurde vom Religionslehrer Z e l i n k a am Bahnhofe begrüßt und dorthin geleitet. Sowohl von Seite des Herrn Director Lunzer, als auch der Herren Beamten wurde Sr. Ehrwürden mit besonderer Freundlichkeit empfangen und in Begleitung des Assistenten Herrn Kaiser wurden vorerst die Corrigenden in der Schule, woselbst der Religionslehrer allwöchentlich denselben Religionsunterricht ertheilt, in allen Details geprüft. Nachdem Sr. Ehrwürden sich sehr lobend ausgesprochen, hielt er eine den Verhältnissen anpassende Belehrung und Ermahnung, welche den Corrigenden Thränen entlockte. Auf seinen Wunsch, auch die Zwänglinge zu sprechen, wurden diese vorgeführt und erkundigte sich Dr. R o s e n m a n n mit jedem Einzelnen über seine Verhältnisse und Wünsche. Das liebevolle Entgegenkommen machte bei den Zwänglingen sichtlichen Eindruck und versprachen dieselben, sich zu bessern, um bei einem baldigst versprochenen Besuche Sr. Ehrwürden davon zu überzeugen. Nachdem sich derselbe mit freundlichen Ermahnungen und gütigen Worten von den Zwänglingen verabschiedet, besprachen Herr Director Lunzer mit Sr. Ehcwücden das Interesse der Jnhaftirten. Sr. Ehrwürden verließ die Anstalt im Bewußtsein, sein Seelsorgeamt auch auf dem Gebiete der Liebe zu den Unglücklichen erweitert zu haben. Eger. (Israel. C u l t u s g e m e i u d e.) Bei der am 11. Juni stattgefundenen Wahl sämmtlicher Vertretungskörper der israel. Cultusgemeinde wurden in den engeren Vorstand die Herren Moritz Beck, Heinrich Lang, Edmund Kohn, S. A. Oesterreicher, Richard Schnabel, Heinrich Spitz, Landesgerichtsrath Dr. I. Taussig, Herrmann Weßl; als Ersatzmänner die Herren Wilhelm Bußbaum, Leopold Heller und Daniel Schneider, in dem verstärkten Vorstand die Herren Moritz Fleischer, Wilhelm Herrmann, M. Dr. Simon Honig, Max Hübsch, Leopold LiPa Eduard Löwy, Eduard Reicht, Leopold Schlesinger, in die Umlag-Commission die Herren Leopold Gottlieb, Siegmund Guttenstein, Josef Herrmann, Anton Weißl, Michael Winternitz gewühlt. Hierauf fand am 25. Juni die constituirende Versammlung statt, welche zur Wahl der Fuuctionäre schritt und Herrn Moriz Beck als Vorsteher, Herrn Richard Schnabl als Vorsteher-Stellvertreter, Herrn Heinrich Spitz als Cassier, Herrn Edmund Kohn als Rechnungssührer, die Herren Heinrich Lang und Hermann Wehl als Tempelvorsteher und die Herren Landesgerichtsrath Dr. I. Taussig und S. A. Oesterreicher als Beiräthe wählte. Die am 28. Juni l. I. stattgefundene erste Vorstandssitzung gestaltete sich zu einer ehrenden Kundgebung für den früheren Vorsteher Herrn Max Gottlieb, welcher vor einigen Wochen seinen Wohnsitz von Eger nach Wartenberg bei B.-Leipa verlegte. Sofort nach Eröffnung der Sitzung ergriff der Vorsteher- Stellvertreter Herr Richard Schnabel das Wort, um die außerordentlichen Verdienste, welche Herr Max Gottlieb sich in seiner neunjährigen Wirkungsperiode um die Cultusgemeinde in Eger erworben hatte, zu schildern. Einstimmig faßte die Versammlung den Beschluß, Herrn Max Gottlieb in dankbarer Anerkennuttg feiner unvergänglichen