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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-07 · 27 (7.7.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
27 (7.7.1899)
Date
1899-07-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Blvch's Wocherrfchrift Seite 505 verliert, der muß davon kaum eine Unze besitzen. Befremdlich und unbegreiflich muß nur erscheinen, daß der katholische Clerus diese Strömung tolerirt, die ja die Fundamente der christlichen, namentlich der katholischen Religion zu unterwaschen geeignet ist und über kurz oder lang auch erschüttern muß. Der Jude und das Judenthum mögen allerdings unter der momentanen Situation tief und empfindlich leiden, sie werden aber, wie vieltausendjährige Geschichte lehrt, auch diese Periode der Schmach und Schande heil übertauchen — den Schaden werden aber Diejenigen tragen, welche aus falsch aufgefaßter Tactik, die Judenhetzen toleriren oder gar schüren. Die Clericalen beobachten wohl äußerlich gegenüber der „Los von Rom"- Campagne einen affectirtenGleichmuth, tatsächlich aber scheint ihnen dieselbe doch sehr nahe zu gehen, wie das Aufgebot des staatlichen Polizeiapparates zeigt, um diese Bewegung mit aller Macht zu unterdrücken. Der katholischen Religion ist die Propaganda, die Proselytenmacherei, Lebensprincip. Zum Zwecke, einige wilde Eingeborne in Hinterasien oder in den afrikanischen Tropen zu bekehren, werden Millionen Gulden kostende Missionen ausgesaudt; wie schmerzlich muß es daher fallen, in dem gut katholischen Oesterreich gleich den Verlust von zehntausend Seelen, deutfchvolklichen Blättern zufolge werde auch bald das zweite Zehntausend erreicht sein, aus der allein seligmachenden Kirche zu beklagen. Ist man sich in den maßgebenden hierarchischen Kreisen der Consequenzen dieser Apostasie noch immer nicht bewußt geworden? Die Reformation ist auch nicht über Nacht entstanden, hat mit bescheidensten Anfängen begonnen und die Gegenreformation und der dreißigjährige Krieg waren nicht im Stande, das Schisma zu bewältigen. Wenn, was der Sachlage nach zu beurtheilen, der Katholicismus ans der gegenwärtigen Situation Schaden erleiden wird, so hat es mit seiner zersetzenden, verheerenden Wirkung der Antisemitismus gethan. Eduard Beer. „Vas Heil kommt voll den Inden." Ans einer Rede des Herrn C. Wagner. Pastor der deutschen evang. Gemeinde Sydenham, gehalten in der Friedenskirche zu Barmen. Ein recht zeitgemäßes Wort ist es: „Das Heil kommt von den Inden", vas wir aus dem Munde des Herrn vernehmen, zeitgemäß darum schon, weil es dem Geiste der Zeit so scharf entgegentritt. „Das Heil kommt von den Inden", sagt Christus. Und in unseren Tagen — was verlautet da? Jetzt heißt es: Das Unheil — alles Unheil kommt von den Juden. Hören und lesen wir's nicht so fast täglich? — Aber ernste Christen hüten sich wohl, in das Geschrei einzustimmen: an allem Uebel sind die bösen Juden schuld! Sie wissen, es gibt auch eine Menge christliche Wucherer, christliche Spötter, christliche Volkoersührer; und sie beherzigen das Wort des Propheten: „Ein Jeder murre wider seine Sünde" (Klagelieder 3, 39). -Müssen wir nicht die Christenheit anklagen, daß sie gerade dem Volke Israel gegenüber sich schwer versündigt hat? Hat man nicht die Juden Jahrhunderte lang in unchristlicher Weise gehaßt, verfolgt, verbannt, getödtet? Erhob Luther nicht mit vollem Rechte „wider die Päpste, Bischöfe, Mönche und die ganze Kirche des Mittelalters" die Anklage: sie haben mit den Juden gehandelt, als wären es Hunde, nicht Menschen?" Ach, daß man das Wort vergaß: Das Heil kommt von den Juden! Darum erfüllt sich nunmehr: Woran mail sündigt, damit wird man gestraft. Denn Gott läßt sich nicht spotten. An Israel hatten sich die entchristlichten Christenvölker versündigt zwiefältig. „Das Heil kommt von den Juden." Was der Heiland ausspricht, ist unleugbare Thatsache. Dreifach wird sie bestätigt durch die Geschichte des Volkes Israel. Schon von der vorchristlichen Zeit gilt es: „das Heil kommt von den Juden." Den Beweis dafür hat kein Geringerer als der Apostel Paulus erbracht. Röm. 3 wirft er die Frage ans: „Was haben denn die Juden für Vortheils? Seine Antwort lautet: Führwahr sehr viel, zum ersten: „ihnen ist anvertrauet, was Gott geredet hat." Und Cap. 9 fügt er ergänzend hinzu: „Denen von Israel gehört die Kindschaft und Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißung." Da haben wir eine vollgiltige Auslegung unseres Texteswortes; das wollte der Prophet aus Nazareth jener Samariterin zunächst vor Augen führen, als er ihr zurief: „das Heil kommt von den Juden." Nicht den Egyptern oder Chaldäern, auch nicht den Griechen oder Römern — nein! „den Juden ward vertrauet, was Gott geredet hat"; die Juden empfingen die ganze Offenbarungs-„Herrlichkeit" Jehovas, des lebendigen Gottes, von den Tagen Abrahams an bis auf Maleachi. Die Juden waren das erwählte Volk der „Kindschaft" (Hos. 11, 1 Jerem. 31, 20.) Väter der Juden waren die Patriarchen, mit denen Gott einen „Bund" machte, daß sie sollten zum Segen werden für alle Geschlechter der Erde. Ein Jude war Moses, der Knecht Gottes, der Mittler des Alten Testaments, der da „empfing das lebende Wort uns zu geben" (Apostg. 7. 38.) Ja, meine Lieben, „das Gesetz" von Sinai war auch eine heilsame Gabe, ein Erweis der Liebe Gottes gegen Israel. Hat sich nicht an den Heidenvölkern, die Gott ihre eigenen Wege gehen ließ, das Wort erfüllt: „Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden?" (Röm. 1, 22). Und noch jetzt sind bei uns Christen, die die heiligen zehn Gebote Gottes als die Grundlage aller Sittenlehre im Haus und in der Schule, im Staate und in der Kirche Hochhalten. -„Siehe," so konnte darum der Prophet über Israel ausrufen: „Finsterniß bedecket das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir gehet auf der Herr, und Seine Herrlichkeit erscheinet über dir" (Jes. 60, 2). Männer aus Israel waren alle „die heiligen Menschen Gottes, die geredet haben, getrieben vom heiligen Geist" (2. Petri 1, 21), deren Schriften uns bis auf die Stunde als „von Gott eingegebrn, nütze sind zur Lehre, zur Strafe, zur Erziehung in der Gerechtigkeit" (2. Tim, 3, 6). Fürwahr, meine Lieben, ist nicht die ganze heilige Schrift Alten Testaments eine herrliche, heilsame Gottesgabe? Gedenket — um eines herauszugreifen — der Psalmen. Mit Recht sagte Lord Byron von ihnen: „Sie sind hoch wie der Himmel und tiefer als der Ocean." Welche Höhe der Gotteserkenntniß, welche Tiefe der Selbsterkenntnis findet sich darin! Die edelsten Dichter der Griechen, die größten Philosophen des ganzen heidnischen Alterthums — wie weit stehen sie in diesen Stücken hinter den Psalmisten Israels zurück! Wahrlich, wenn es irgendwo in alter Zeit „Anbeter Gottes im Geist und in der Wahrheit" (Joh. 4, 23) gegeben hat, so war es in Israel. Ja, liebe Freunde, halten auch wir das fest: Von den Inden kam der Heiland — das ist wiederum geschichtliche Thatfache; sie bleibt zu Recht bestehen, ob sie euch gefällt oder nicht. Von den Juden kam der Heiland — höret es und merket darauf, ihr Völker der Erde! Aus keinem von Euch ist Christus, der Welt-Heiland hervorgegangen! Wo irgend Jemand von seinen Sünden los werden will, der muß den aus Israel gekommenen Heiland annehmen; einen anderen gibt es schlechterdings nicht! Aus dem Geschlechte Abrahams, vom Stamme Davids, ging Christus hervor; eine jüdische Jungfrau, Maria, war seine Mutter, zu Bethlehem im jüdischen Lande stand seine Krippe! All' die Städte und Märkte, die Berge und Thäler, die Häuser und Gärten, da Jesu heilige Füße gewandelt, da Jesu Lippen holdselige Worte des Lebens gered-t, da Jesu segenspendende Hände Wunder der Macht und Liebe vollbracht, lagen in den Grenzen des jüdischen Landes. Den Stempel jüdischer Nationalität trugen ohne Zweifel auch „die Gebärden," darinnen der Menfchenfohn erfunden ward (Phil. 2, 7). In jüdischer Sprache redet und betet er gerade in entscheidungsvollen Tagen und in weihevollsten Stunden: mit einem „Hephatha*- (Thüe dich auf) öffnet er dem Taubstummen das Ohr und löst ihm die Zunge; mit einem „Talitha Kami“ (Mägdlein, stehe auf) erweckt er Jaili's Töchterlein; mit dem dreimaligem „Abba“ (Mein Vater) durchkämpft er Gethsemanes schwere Stunde; mit dem ,Eli, Eli, lama asabtliani“ (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen) stirbt er, der Gerechte, den Tod der Ungerechten und Sünder. — Jüdisch waren auch Jesu Ehrentitel: „Rabbi". „Rabbuni", „Du Sohn Davids erbarme dich unser", „Messias". So ward auch Pilatus zum Verkünder der Wahrheit, als er die Kreuzes-Jnschrift schrieb: „Jesus von Nazareth, der Juden König". — — — Es waren jüdische Hirten, denen die Ankündigung galt: „Euch ist heute der Heiland geboren"; es waren jüdische Diener Gottes, die in Frieden heimfahren durften, nachdem sie den Heiland gesehen; es waren jüdische Eheleute, bei deren Hochzeitsfeier Jesus gegenwärtig war und seine Herrlichkeit offenbarte; es waren jüdische Kinder und Säuglinge, denen er segnend die Hände auflegte; es waren jüdische Kranke, die er gesund machte, und jüdische Arme, denen er das Evangelium predigte; es waren jüdische Sünder und Sünderinnen, denen er

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