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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-07 · 27 (7.7.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
27 (7.7.1899)
Date
1899-07-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 504 Dr. Bloches Wochenschrift. Nr. 37 Im abgelaufenen Schuljahre befanden sich in den verschiedenen galizischen Lehrerbildungsanstalten 66 von der Stiftung subventionirte Frequentanten. Von diesen haben am Schlüsse des Schuljahres 13 absolvirt, welche in die Dienste der Stiftung traten. Von den Stipendisten der israelitischen theolog. Lehranstalt in Wien wurden 3 Absolventen probeweise als Lehrkräfte für Religionsunterricht aufgenommen und ihnen die Verpflichtung auferlcgt, die Reifeprüfung an einer k. k. Lehrerbildungsanstalt nachzutragen. Der Handfertigkeits-Unterricht, welcher sich als vorzügliche Vorschule für das Handwerk bewährt, gewinnt alljährlich eine größere Ausdehnung an den Stiftungsschulen und ist bisher an 17 Schulen eingeführt. V. Es werden daselbst von eigens hiezu ausgebildeten Stiftungslehrern Tischler-, Drechsler- und Cartonnagearbeiten gelehrt. An diesem Unterricht haben im abgelaufenen Schuljahr 432 Schüler theilgenommen. Mit der Zunahme der Frequenz an den Stiftungsschulen ist auch die Zahl der bei den Handwerkern untergebrachten Knaben bedeutend gestiegen. Nach Schluß des Schuljahres 1896/97 verblieben 329 in der Lehre, im Laufe des Schuljahres wurden 56 freigesprochen. Nachdem ferner 53 Knaben, von denen 39 in Wien untergebracht waren, die Lehre verlassen haben, verblieben bei Meistern zusammen 220. Im Schuljahre 1897/98 wurden bei Handwerkern 309 untergebracht. Somit betrug der Stand der Lehrlinge mit Ende des Schuljahres 1897/98 529. Ferner wurden an 20 Zöglinge des Brodher Waisenhauses behufs Zuführung derselben zum Handwerk, an zehn Lehrlinge einer Fabrik für Porzellanmalerei in Krakau und an 95 Handwerkszöglinge in der Bukowina Stipendien gewährt. In der Schlosserwerkstätte in Rzeszow waren im abgelaufenen Schuljahr 20 Zöglinge placirt, so daß inclusive der freigesprocheuen Knaben die Gesammtzahl der von der Stiftung im Laufe des Schuljahres 1897/98 subvcutionirten Handwerkslehrlinge 730 betrug. Weiters wurden 13 Gewerbe- und Fachschüler mit Stipendien bedacht. — In der Gärtnerschule zu Ahlem wurden 8 Zöglinge freigesprochen, von denen 2 in Oesterreich und die übrigen in Deutschland placirt wurden. Dre im vorigen Jahresberichte erwähnte Frage der Erwerbung eines Gutes behufs Heranbildung von Knabeu zu bäuerlichen Landwirthen dürfte in Bälde der Realisirung näher gebracht werden. In der Zusammensetzung des Curatoriums ist im abgelaufeneu Schuljahre keine Veränderung eingetreten. Schließlich sei noch erwähnt, daß die behördliche Genehmigung des Stiftbriefes bevorsteht. Juden auf den katholischen Heiligenbildern. W i eit, 5. Juli. Das „Deutsche Bolksblatt", das antisemitische Hetzorgau eat exochen, ist außer Rand und Band. Unter der Spitzmarke „Juden auf Heiligenbildern" bringt es nachstehende Notiz: Die Prager „KatolickeListy" („Katholische Blätter") bringen in der Nc. 136 vom 17. Mai l. I. folgende interessante Zuschrift: „Aus dem Böhmerwalde. Ich habe schon vor mehreren Jahren die Redaction des „Cech" auf das Unwesen aufmerksam gemacht, welches einige lithographische Anstalten in Prag und anderswo treiben, daß sie nämlich auf den von ihnen herausgegebenen Heiligenbildern die noch lebenden Juden und Jüdinnen abbildeu. Auch die Revue „Cesky Kraj" (eine nichtclericale) brachte neulich eine diesbezügliche Nachricht. Bor kurzer Zeit traf ich in Zechowitz bei Race mit einem Heiligenbildercolporteur zusammen und auf seinen Bildern erkannte ich ungefähr 12 bekannte Juden- und Jüdinnengesichter in den Heiligengewändern und mit der Glorie. Einer von diesen sogar (aus Strakonitz) ein allgemein bekannter Mützenfabrikant. Wie ich nun herausgÄracht habe, wurden einige jüdische Photographen von jenen Firmen aufgefordert, denselben die Photographien der „schönsten" Juden und Jüdinnen zu übersenden. Das ist doch ungeziemend. Wie kommt der Christ dazu, sein Gebet vor einem solchen Bilde zu verrichten, welches einen lebenden Juden darstellt?" Das „Deutsche Volksblatt" moquirt sich darüber, daß einige lithographische Anstalten aus den von ihnen herausgegebenen Heiligenbildern „d i e n o ch lebenden Juden und Jüdinnen" a b b i l d e n. Ja, du mein Gott! Man kann fest überzeugt sein, daß den betreffenden lithographischen Anstalten keine andere Wahl freistand. Sollten sie etwa für diese auf semitische Geschichte, und Ursprung hinweisenden Heiligenbilder breitmäulige czechische j Bauern, boxherndelnasige Crowoten, breitbusige böhmische Dirndel, i aschblonde arische Gretchen oder gar in Bärenfelle gekleidete ur- \ germanische Wotans benützen! Oder richtet sich etwa die Opposition' des „Deutschen Volksblattes" nur gegen die lebenden Juden? Dies würde sich schlecht mit der von diesem Blatte vertretenen .Macentheorie vertragen. Und was ist's mit den „todten Juden"? der Stifter der christlichen Religion und seine Apostel, waren diese etwa keine Juden? Schließlich ist ja dann das ganze Christenthum verjudet, und wer will den Antisemiten deutschnationaler Couleur einen Vorwurf machen, wenn sie die äußerste Consequenz der Racentheorie ziehen, und „Los von Rom" zu ihrer Devise machen? Es nützt alles Sträuben nichts, die Thatsache ist unumstößlich und nicht zu leugnen: die christliche Religion ist eine Tochter der jüdischen Religion, und will man der Wahrheit die Ehre geben, muß man gestehen, daß — ancien regime — sich die Tochter ihrer ehrwürdigen Mutter niemals geschämt, sie nie verleugnet und sich ihrer stets mit Ehrfurcht und Dankbarkeit erinnert hat. Nur den antisemitischen Küchlein ist es Vorbehalten geblieben, gescheidter und vernünftiger zu sein als die christliche Henne. Der Hexensabbath, das Kesseltreiben der Antisemiten gegen das Judenthum richtet sich direct gegen die Grundfesten, gegen die Fundamente und die Basis des christlichen Glaubens. Neun Zehntel der christlichen Kirchen und Standbilder müßten nach der Theorie des Racenantisemitismus vom Erdboden verschwinden. Selten eine christliche Kirche, die nicht mit Standbildern jüdischer Patriarchen geschmückt ist. Die Wiener Botivkirche, welche anläßlich der glücklichen Errettung Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef von einem ruchlosen Attentate erbaut worden ist, zieren mit ausdrücklicher Genehmigung des Allerhöchsten Kaiserpatrons dieser Kirche an der Eingangspforte die monumentalen Standbilder des Erzjuden M o s e s, des jüdischen Hohepriesters Aron, der jüdischen Patriarchen Abraham, I s a k und Jacob, der Judenkönige Salomon und David, der jüdischen Propheten Jesaias, Jeremias, Daniel und Jonas. Nicht minder ist bekannt, daß nahezu sämmtliche Krucifixe die hebräische .Aufschrift mir (Gott) und die Initialen J N R J Jesus Naza* ' retus, Rex Judeorum, zu Deutsch: Jesus von Nazareth, König der Juden, führen zu dem Zwecke, um dem Nexus zwischen Judenthum und Christenthum ad ocuk)8 zu demonstriren. Auf den Heiligenbildern und Oelgemäldeu, welche chrisiliche Kirchen und Capellen schmücken, befinden sich selbstverständlich Conterfeis jüdischen Typus. Rubens hat für sein berühmtes Oelgemälde, das heilige Abendmahl, Studien in den Ghettos von Amsterdam und Antwerpen gemacht, und Juden aus denselben haben ihm bei diesem allein ihm die Unsterblichkeit sichernden Bilde, das Millionen Vervielfältigungen bereits erfahren und ihrer noch weiters erfahren wird, zu Modellen gedient. Der Racentheorie zufolge wären demnach alle christlichen Kirchen, Standbilder, Crucifixe und Gemälde verludet und in Acht und Bann zu erklären. Eine interessante Reminiscenz ist, daß sich die antisemitische Clique Schönerer'scher Couleur schon in den Achziger-Jahren, als ihre Ziele noch lange nicht nach „Los von Rom" gerichtet waren, mit 'dem relativ bescheidenen Plane befaßte, die Votivkirche, weil derselben ein Dutzend alttestamentarischer Juden als monumentale ZierdeI dient, mit Jnterdict zu belegen. Vom Erhabenen bis zum Lächerlichen — ein Schritt. Warum aber in die Ferne schweifen, liegt das Gute doch so nah'. Viele der berühmtesten Kanzelredner in der letzten Zeit waren getaufte Juden. Derzeit amtiren drei Kirchenfürsten und Prälaten — tres kaeiunt eollegium, directe Judenstämmlinge: die Erzbischöfe Kahn, K o h n und Prälat K a tz. Erzbischof K o h n hat sich bei feierlichen Anlässen wiederholt seiner Abstammung vom jüdischen Hohepriester Aron gerühmt. Unter den hervorragendsten Führern und Spitzen der antisemitischen Bewegung befinden sich die Apostaten und Judenstämmlinge P o r z e r, Schwarz, L ö w u. s. w. Die Gemalin desjenigen, der sich das Verdienst vindicirt, die „Los von Rom" Bewegung inscenirt zu haben, des incarnirten Judenfressers Schönerer, ist eine Enkelin Schmul Leb Kohn's. Nun aber genug des Absurden und Widersinnigen. Wer bei der antisemitischen Strömung mitthut uud dabei den Verstand nicht

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