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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-06-30 · 26 (30.6.1899) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
26 (30.6.1899)
Date
1899-06-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 494 Dr. Bloches Wochenschrift» -kr. 26 Vertreter, ihn rückgängig zu machen, und unsere Bitte ist durch einflußreiche hiesige Männer unterstützt worden. Wir wurden daraus mit der Hoffnung geködert, es sollten nur Muster importirt werden. Trotzdem haben wir uns in directen Briefen an das Comit6 gewendet; aber ohne Erfolg, Deswegen sind wir gezwungen, dem ganzen Volk von unserer Beschwerde Kenntniß zu geben. Die Oeffentlichkeit möge sehen und urtheilerr. Und wenn auch das an uns gethane Unrecht nicht mehr gut zu machen ist, so soll wenigstens die öffentliche Aeußerung der Entrüstung einer Wiederholung der grausamen Ungerechtigkeit Vorbeugen. Wir bitten Alle, die Sinn für Gerechtigkeit haben, der Sache der jüdischen Handwerksleute von Jerusalem sich anzunehmcn, die diesen Brief mit ihrem Herzblut unterzeichnen." (Folgen Unterschriften.) — Vor dem Hause des Oberrabbiners Salant veranstalteten über 100 jüdische Arbeiter eine Demonstration um dieser Angelegenheit willen. Der Herr Oberrabbiner gab den Demonstrirenden die Versicherung seiner unbegrenzten Sympathie und fügte hinzu, daß er zu seinem Bedauern nicht in der Lage sei, das ihnen zugefügte Unrecht wieder gut zu machen. Vermischtes. Wien. Herr D. Meitner, HI., Obere Weißgärberstraße Nr. 5 begeht Samstag den 1. Juli das Cvnfirmationsfest seines Sohnes Emil im israelitischen Tempel der Leopoldstadt. Wie«. Z lm Bezirksrabbiner in Lischitz (Mähren) wurde Dr. I. Bergmann einstimmig gewählt. Wien. (Von der Prager Universität.) Der Minister für Cultus und Unterricht hat den Beschluß des Professoren-Collegiums der philosophischen Facultät auf Zulassung des Advocaten Herrn Dr. Ludwig Goldberger, staatlich geprüftem Lehrer der Stenographie, ehemaligem Landtags-Revisor und Schriftführer des österr. Stenographenbundes, als Lector der Stenographie (System Gabelsberger) an der deutschen Universität in Prag genehmigt. Wien. Zur Frage der Gehaltsansprüche, die der Capitän D r e y f u s geltend machen könnte, werden folgende interessante Daten angegeben: Bis 15. October 1894: bezogener Gehalt, bis 31. Decemder1894V, Gehalt, derUrtherlsrechtskräftigung 7, Gehalt 1. Jänner 1895 bis 11. September 1895---11 Monate, 8 Tage 7, Gehalt, vom 12. September 1895 bis 3. Juni 1899 3 Jahre, 8 Monate, 21 Tage 4 75 Frcs. pro Tag, in Summe 5844 Frcs. 9. Juni d. I. verließ er die Teufelsinsel, wo er genau 52 Monate blieb. Wie». (Spende). Für die jüdischen Bergarbeiter in Boryslaw sind uns zugekommen: Von dem Tempelvorsteher Herrn A. T a u s s i g und Herrn M. M e tz l in Jglau 8 fl., von Herrn Josef Ornstein fl. 20.— Wien. (Befähigungsprüfung für Kindergärtnerinnen.) Der 31. Jahrescnrs der ersten mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Privat-Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien, U., Schiffamtsgasse 15., wurde durch die am 23. Juni unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Landesschulinspectors Dr. Carl Ri eg er abgehaltene Befähiguugsprüsung abgeschloffen, bei welcher 20 Candidatinnen approbirt wurden, während eine zur Wiederholungsprüfung nach den Ferien zugelaffen wurde. Anmeldungen zur Aufnahme in den am 15. September beginnenden 32. Jahrescurs der Anstalt, aus welcher bis nun 797 Kindergärtnerinnen hervorgingen, werden bei der Direction entgegengenommen, bei welcher auch Prospecte erhältlich sind. Znairn. ^Verlobung.) Herr Louis Holzer, Fabrikant in Brünn, Neffe Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Ignaz Holzer, hat sich mit Fräulein Anna Steiner, Tochter des Cultusvorstehers Hermann Steiner in Znaim, verlobt. Berlin, 26. Juni. (Baron H a m m e r st e i n.) Heute hat der ehemalige konservative Führer und ChefRedacteur der „Kreuzzeitung", Baron Hammer st ein, das Zuchthaus verlassen, in welchem er seine dreijährige schwere Kerkerstrafe voll abbüßte. Nur noch hundert weitere Tage Zuchthaus, die ihm zuerkannt waren, wenn er eine Geldstrafe von 1500 Mark nicht zahlen konnte, wurden ihm erspart, da Freunde seiner Familie die Summe durch Sammlungen aufbrachten. Hammerstein war, wie erinnerlich, des Betruges und der Unterschlagung angeklagt worden, entfloh, wurde jedoch in Athen verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. Jaffa, 6. Juni. (Neues Krankenhaus.) Die vereinigten jüdischen Gemeinden (Zephardim und Aschkenasim) sind durch die reiche Spende der Baronin Hirsch in der Lage gewesen, ein am Meer gelegenes Haus anzukaufen, um darin ein Krankenhaus einzurichten. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von El a b r i e l. (Fortsetzung.) Viertes Capitel. Während der Trauerwoche hatte Brack nicht sein Haus verlassen. Als er endlich Donnerstag in der zweiten Hälfte des Vormittags im Begriffe war, einen nothwendigen Geschäftsgang zu unternehmen, trat der Schames R'b Oscher in seine Stube. „Boruch habe')" sprach Brack. „Boruch banimzo^)," erwiderte der Schames. „Der Roschhakohol^) Reb Joffes Singer, laßt Euch höflichst auf Schabbos^) Nachmittag zwei Uhr in der Koholsstube^) zu einer Hoaßife°) einladen." „Ich laß mich höflichst für die Kowed^) bedanken," erwiderte Brack, „aber ich glaube, wenn ich nicht kommen werde, wird es auch gut sein, nicht wahr, Reb Oscher?" „Nein, mecaßb) Reb Aron," erwiderte zu Brack's Verwunderung der Schames, „Ihr mußt (müßt) kommen. Reb Joffes hat mir ausdrücklich befohlen, nit von Euch wegzugehen, wenn Ihr mir nit versprochen habt, zu kommen. Die Hoaßife hätte schon am vorigen Schabbos stattfinden sollen, aber Euretwegen hat sie Reb Jossef verschoben." Brack blickte etwas verwundert auf. „Meinetwegen? ich bin ja weder ein alter noch ein reicher Baal bojiZo); Ich bin, zu Gutem erst sieben Jahreverheiratet. Ich bin auch kein Baal szchom'") .... Jndessm wenn es der Roschhakol verlangt, werde ich im firze haschem") kommen. * * * Samstag um zwei Uyr hatte sich eine zahlreiche Versammlung in der neben der Synagoge gelegenen Koholsstube der alten Gemeinde W. zusammengefunden. Da damals die Zahl der jüdischen Familienväter in jeder mährischen Gemeinde unabänderlich festgestellt war, können wir noch heute, nach mehr als hundert Jahren, die Zahl der Familianten in W. angeben. Diese betrug nämlich fünfundvrerzig. Von diesen waren die meisten anwesend. Es fehlten fast nur jene, welche von der Wohlthätigkeit ihrer Gemeindegenossen lebten. Außer den Familianten waren auch die hervorragendsten der sogenanten Emigranten eingeladen worden. Emigranten nannte man, wie wir schon erwähnt haben, nachgeborene Söhne, welche von der Regierung keine Bewilligung zur Ehe erlangen konnten und doch eine solche nach jüdischem Ritus schlossen, die wohl im Kreise ihrer Glaubensgenossen als giltig, von der Regierung aber als nichtig betrachtet wurde. Die sogenannten Emigranten waren zuweilen sehr reiche Leute, welche die Gemeindelasten tragen halfen und hatten daher, wenn es sich um das Gemeindewohl handelte, billigerweise mitzufprechen. Alle trugen die damals übliche Samstagstracht. Ein schwarzseidener Mantel, als Kopfbedeckung ein breites, flaches Filzbarett, um den Hals eine dicke, weiße Krause, weit herabreichende, zumeist seidene Westen, kurze schwarzfeidene Beinkleider, Schuhe mit silbernen Schnallen. Die Anwesenden hatten nach ihrem Rang, ') Gesegnet, der da kommt. ") Gesegnet, der sich hier vorfindet. a) Gemeindevorsteher. 4) Samstag. 5) Gemeindestube. °) Versammlung. "•) Die Ehre. 2) Ein aus den'Anfangsbuchstaben dreier hebräischer Worte gebildeter Titel, mit welchem man gewöhnlich nur hervorragende Männer, namentlich Talmudgelehrte ansprach. °) Familienvater, Gemeindemitglied. 10) Steuerträger. *') So Gott will.

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