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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-06-30 · 26 (30.6.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
26 (30.6.1899)
Date
1899-06-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Vlvch/s Wochenschrift. Seite 49 * Leopold Rothschild veranstaltete für die amerikanischen Delegirten einen großen Empfang, zu dem die besten Damen der englischjüdischen Gesellschaft eingeladen waren. Bei dieser Gelegenheit haben die drei amerikanischen Delegirten Veranlassung genommen, ihren englischen Schwestern die Anregung zu geben, auch in England eine ähnliche Organisation zu schaffen. Hoffen wir, daß dieser Samen auf fruchtbaren Boden fällt. — Die neu erschienenen „Transactions" des Vereines für Geschichte der Juden in England enthalten viel Interessantes: Dr. Adler's große Ansprache „Ueberficht über die jüdische Geschichte", die Rede von Josef Jacob's „Der specielle Charakter der englisch-jüdischen Geschichte", ein Essay von demselben über „Aaron Lincoln", ein zweites von David Kaufmann über Rabbi Zevi Aschkeuafi und seine Familie in London, ferner auch eine größere Anzahl von kleineren 'Artikeln. Dieser Band reiht sich seinen Vorgängern würdig an. New-Iork, 7. Juni. Die New-Iorker Columbia Universität hatte heute ihren Promotionstag. Die Abiturienten erhalten an diesem Tage vom Präsidenten ihre Diplome. Es ist eine Feierlichkeit, auf die die neu ernannten Doctoren sehnsüchtig als endlich errungen Zieles harren. Unter den Graduirten sämmtlicher Facultäten finden wir auch dieses Jahr zahlreiche Glaubensgenossen und Glaubensgenossineu. Einige davon cum laudo. Aber das ist nichts Neues. Jedes Jahr wiederholt sich das. Unter den verliehenen Ehrendoctordiplomen, waren zwei illustre Namen, die des greisen Carl Schürtz und unseres tapferen Gouvernärs des Staates New-Iork, Herrn Teddy Rosevelt, Exoberst der rauhen Reiter, die sich im letzten Kriege vor St. Jago de Cuba unvergänglichen Ruhm erworben hatten. Dessen Aeußeruug heute in der Aula theile ich Ihnen mit, um Ihnen Gelegenheit zu geben, dieselbe mit den leitenden Geistern Ihres gemüthlicheu Wien vergleichen zn können. Nachdem Herr Rosevelt eingehend von den Pflichten derer gesprochen, die eine gründliche Erziehung genossen, berührte er die Dreyfus-Angelegenheit und meinte: Das französische Volk habe sich dadurch erniedrigt, daß es sich statt auf den Standpunkt des Rechtes auf den der Religion und Rare gestellt habe. Man solle jedem Menschen die gleiche Chance geben, gleichviel was sein Glaube und seine Religion sei. Ein Jeder sollte sich bemühen, Amerika zum größten Land der Welt zu machen. Den Preis für germanische Sprachen erhielt Herr Josef Walter, für Mathematik Moses Rosenblüth, für Englisch Oskar Löwenstein und für Geschichte Martin Wortman, 3 fleißige Studenten jüdischen Glaubens. Cincinnati (Ohio), 21. Mai. Das von New - Dork gegebene Beispiel einer Vereinigung sämmtlicher Wohlthätigkeitsanstalten und dessen merkwürdige Errungenschaften waren Ursache, daß in sämmtlichen größeren Mischen Gemeinwesen United Hebrew Gkarities gegründet wurden. Die Beamten dieser Anstalten fanden es nöthig, einander Hand zu reichen, und so fand hier eine Conferenz sämmtlicher United Hebrew Gbarilies statt, von der ich Ihnen in meinem letzten Briefe berichtete. Die Verhandlungen dieser Körperschaft werden von großem Nutzen für wahre Armuth werden. Die Zahl der Israeliten hierzulande war bis zur letzten russischen Judenverfolgung eine verhältnißmäßig geringe. Dieser Tyeil der Bevölkerung prosperirte und bestand aus Einwanderern aus dem-westlichen Europa. Da fast jeder derselben ohne Mittel den schweren Weg einer neuen Existeuzgründung gehen mußte, so wußten selbst die Erfolgreichen wie es dem Anfänger zu Muthe ist, daher hatte jeder den Neuankommenden mit aller Kraft mit Rath und That beizustehen. Die Ausgaben der Wohlthättgkett wuchsen mit der Ankunft der Russen zu kaum bewältigenden Verhältnissen. Obzwar Alles Hand antcgte, diep.s Elend, diese Unwissenheit, dieser Aberglauben und ieiöer auch diese moralische Verwahrlosung waren uns fremd, neu, unfaßbar. Wahrlich die Leistungen der Hebrew Gharities in den Vereinigten Staaten in den letzten 20 Jahren können sich mit den Leistungen der Wohlthätigkert aller Jahrhunderte messen. Wir können heute mit Genuglhuuug behaupten, daß das gute und bessere Element der Russen eine sorgenfreie Existenz sich mit Hilfe der Chari'ties erworben hat. Das Erev Rav, das mitgekommen, macht leider viel zu schaffen, und um denselben Zwang zu üben, auch Gutes zu thun, das bezweckt hauptsächlich diese Convention. Man einigte sich betreffs Unterstützung durchreisender Armer. Man entwarf ein System, wie den verlassenen Frauen und Kindern geholfen und wie diesem Uebel gesteuert werden kann. Leider wiederholen sich Fälle bisweiligen Verlassen s ihrer Familien von Seite der Väter gar oft. Herr Dr. G o l dst e i n entwickelte seine Ideen, welche zur Debatte gelangten. Wir wollen hoffen, daß die gefaßten Maßregeln diese Uebelstände beheben werden. Ferner wurden Maßregeln gefaßt, um Brustkranke ttach Luftvrteu zu trausportiren und dem Luftcur- Spitale in Denver Colorado Unterstützung zugesagt. Es wurde ein stabiles Beamteucorps erwählt. Herr Max Senior, (Cincinnati), Präsident. Herr M. I. Js s a r c s (New-Uork), I.Bicepräsident. Frau E. P i s k o (Denver Colorado), II. Vlcepräfidentin. Fräulein Hannah Marko (Cincinnati), Secretärin, und Schatzmeister die Herren Herzberg (Philadelphia), Leucht (New - Orleans), Fels (Baltimore), Marks (Chicago), M e s s i n g (St. Louis) als Execntiv-ComitL. Dieses Counts wurde beauftragt, eine Constitution und die Nebengefetze aufzusetzen und den Ort und die Zeit der folgenden Versammlung festzustellen. Jerusalem, 8. Juni. (Beschwerden der jüdischen Arbeiter.) Im „Habazeleth" wird ein entschiedener Protest der jüdischen Zimmerleute und Tischler von Jerusalem veröffentlicht, die sich darüber beklagen, daß ihnen von dem Comttö zum Ban des jüdischen Hospitals keine Arbeit gegeben worden. Der Protest lautet: „Wer hat das je erlebt! Wir bitten die Oeffentlichkeit, uns anzuhören utld dann zu urtheilen. Scholl seit zwanzig Jahren planen wohlmeinende Glaubensgenossen in Europa die Errichtung eines großen Krankenhauses zum Besten der Leidetldeu in unserer heiligen Stadt. Nach vielen Hindernissen ist vor drei Jahren der Grundstein zu diesem Gebäude gelegt worden, und die Freude der jüdischen Bevölkerung war groß. Die Hoffnungen, die sich au das neue Liebeswerk knüpften, waren mannigfacher Art, und nicht unter den geringsten stand die Hoffnung der zahlreichen jüdischen Handwerker, daß sie bei oem großen Bau sehr viel Arbeit bekommen würden. Bestärkt wurde diese Hoffnung noch durch eine Stelle in dem Aufruf zu Beiträgen für das gute Werk, in der deutlich ausgesprochen war, daß der Bau schon vor seiner Vollendung sich als ein Segen für die jüdische Bevölkerung erweisen werde, da er vielen Arbeitslosen die ersehnte Arbeitsgelegenheit bieten würde. Aber leider hat der Neubau uns eine große Enttäuschung gebracht. Unsere Freunde haben sich in Feinde verwandelt, unsere Brüder sind treulos gegen uns geworden. Es ist bekannt, daß die Zahl der jüdischen Znnmerleute und Tischler in dieser Stadt den Bedarf weit übersteigt, und daß der Jerusalemer Tischler mit den besten auswärtigen Arbeitern auf diesem Gebiete concurriren kann; die Holzarbeit an den stolzesten Jerusalemer Gebäuden beweist das. Wer hat alle die Zimmer- und Tischlerarbeit für die öffentlichen Bauten der Russen, Griechen, Katholiken und Protestanten geliefert, wer die Arbeit für die großen französischen und englischen Hospitäler, wenn nicht die jüdischen Handwerker? Aber in dem Hospital, das von Wohlthätern ihres eigenen Glaubens gebaut wird, findet der jüdische Zimmeroiann und der jüdische Tischler keine Arbeit! Das verehrliche Kranken- Haus-Comits in Frankfurt a. M. hat — wahrscheinlich irregeleitet durch ihre hiesigen Vertreter (folgen die Namen) — beschlossen, daß die Holzarbeiten für den Hospitalbau in Deutschland gefertigt werden sollten, und hat dadurch uns und unseren Kindern das Brod vom Munde genommen. Hundertunddreißig Fensterrahmen sind bereits importirt, und die übrigen sollen ebenfalls aus Deutschland kommen. So nimmt man uns Arbeit und Verdienst. Dabei ist die Arbeit von geringer Güte und kostet, wie wir uns vergewissert haben, 30 Perzent mehr, als sie hier gekostet hätte; außerdem ist, wie wir mit eigenen Augen gesehen, ein Drittel der Fensterrahmen zerbrochen und beschädigt eingetroffeu. Darum dürfen wir wohl mit Recht fragen: Ist das schon je vorgekommen? Welches Verbrechen haben wir begangen, um solche Schmach zu verdienen, die uns in den Augen unserer Nachbarn erniedrigt? Die werden uns jetzt sagen: wenn schon eure Brüder euch die Arbeit entziehen, warum sollen wir nicht ebenfalls versuchen, die fertige Arbeit von anderwärts kommen zu lassen? Und bis sie sich überzeugt haben werden, daß sie sich besser stehen, wenn sie die Arbeit hier am Ort machen lasten, sind wir um unsere Arbeit und um unsere Existenzmittel gebracht. Wenn dann unsere Noth ihren Höhepunkt erreicht und unser Nothschrei nach außen dringen wird, werden unsere Wohlthäter für uns nach Hilfe rufen und uns mit Bettelpfenningen abfinden, nachdem sie uns die Arbeit entzogen, um die allein wir bitten. Als wir vor ungefähr drei Monaten den grausamen Beschluß des Hospital-Comites erfuhren, baten wir die hiesigen .i r. I i vvmtßmjgj/

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