Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 26 (30.6.1899)
- Date
- 1899-06-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 492 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 36 des Seminars hat den Anschein einer inneren Znsammengehörigkeit geschaffen. Die kürzlich an dieser Stelle erwähnte Verfügung des Herrn Unlerrichisministers, die die Gewährung von Unterstützungsgeldern aus dem Dispositionsfonds an freiwillige jüdische Schulverbände da anordnet, wo die jüdischen Gemeinden außer Stande sind, die Kosten des jüdischen Religionsunterrichtes allein zu bestreiten, ist nicht überall genau verstanden worden. Es handelt sich bei dieser Verfügung, und das ist ihr hauptsächlicher Werth, darum, daß der jüdische Religionsunterricht dem christlichen gleichgestellt wird. Bei dem zu subventionirenden christlichen Religionsunterricht stehen die in der Diaspora lebenden Katholiken und Protestanten in Frage! Eben das gilt von dem zu subventionirenden jüdischen Religionsunterricht. Wo die Lienkiewicz abgehaltenen Sitzung des Vereines, wurde beschlossen, die Gabe von Herrn I. L. zurückzuweisen. Die Nachricht ging Tags darauf durch alle Blätter und rief eine große Aufregung hervor. Die Herren, die nun einsehen mochten, daß sie in ihrer Absage zu schroff gewesen und zu weit gegangen waren, begannen, sich zu entschuldigen, und hoben vor Allem hervor, die Presse müsse ihre Unabhängigkeit von dem Capital wahren, sonst könne sie ihre Pflicht nicht erfüllen. Selbstverständlich sind das rhetorische Sätze, die von Niemandem geglaubt werden; umso weniger, als fast gleichzeitig zwei Spenden von Nichtjuden mir Dank acceptirt wurden. Zwar waren in beiden Fällen die Summen bedeutend größer!!! Es wurden dann auch andere Gründe in's Feld geführt, die nicht stichhältiger waren, als der erste, und ebenso wenig die wahre Ursache der Absage verhüllen Gemeinden groß und leistungsfähig genug sind, aus ihren Steuern : s konnten. Was läßt sich von den niederenVolksclassen erwarten, und darf die Erfüllung der in dem Judenorganisationsgesetz vom 23. Juli ..Kman sie verdammen, wenn die sogenannten „Verbreiter des Lichtes" 1847 ihnen auferlegten Verpflichtung die Fürsorge für religiöse L die Fahne des Hasses und der Unduldsamkeit schwingen? Unterweisung der schulpflichtigen jüdischen Jugend erforderlichen Eine amüsante Auffassung der Dreyfus'schen Affaire brachte Mittel zu entnehmen, da konnte natürlich von einer Staatsföor Kurzem der „Deilneck Warszawsky", ein officielles, in subventton nicht die Rede sein. Auch die ganz kleinen Gemeinden ^russischer Sprache hier erscheinendes Blatt. Er behauptete, die als solche haben auf Subvention keinen Anspruch. Die Sub- ^günstige Wendung, welche die Angelegenheit des unglücklichen ventton kann nur Schulverbänden gegeben werden. Solche Schuli ZGefangenen auf der Tenfelsinsel genommen habe, sei dem Gelde verbände muffen also geblldet werden, oder man muß bestehende danken, das die polnischen Inden nach Paris geschickt hätten, schulverbande finden, dle freuvlttig die Fürsorge für Ertheilung jüdi- ^^b bieg a(jejt Ernstes! Man muß das Elend unserer hiesigen schenReligionsunterrichtes an die jüdische Jugend übernehmen. Diese Schulverbände sollen dann sür den gedachirn Zweck Staatsmittel erhalten, sobald nur zum mindestens 12 jüdische Schulkinder beisammen sind. Das Beisammensein ist nicht in einer einzelnen Ortschaft nöthig, es genügt, wenn 12 jüdische Schulkinder in einem Schulverbandsbezirk sich finden. Dem jüdischen Bedarf im Schulverband Gehör zu verschaffen, ist Sache der betheiligten Juden. Die Intention der Verfügung ist darauf gerichtet, die Jugend der in der Diaspora lebenden Juden mit Religionsunterricht zu versehen und dabei die Lehrer zu berücksichtigen, die von den jüdischen Eltern in Vorschlag gebracht würden. Das ist nicht Vermuthung oder optimistische Unterstellung. Schon am 22. September v. I. hatte Redacteur Klausner, der zu dem Vorgehen die Anregung gegeben, mit Herrn Ministerialdirector Dr. Kügler eine Unterredung, deren Ergebniß jener in nachstehendem Schreiben an diesen an demselben Tage festlegte: „Ew. Hochwohlgeboren haben die Güte gehabt, in genauer Uebereinstimmrlng mit Ihren früheren überaus dankenswerthen Kundmachungen zu sagen, daß Sie bereit seien, den kleinen jüdischen Gemeinden oder Gemeindetheilen, die um ihrer geringen Seelenzahl^ willen nicht in der Lage sind, aus eigenen Mitteln für Eriheiluug eines geordneten jüdischen Religionsunterrichtes zu sorgen, aus dem entsprechenden Dispositionsfonds für den gedachten Zweck eine Subvention zu gewähren, wofern die Zahl der mit Religionsunterricht zu versehenden jüdischen Kinder mindestens 12 Beträge, wobei aber das Beisammensein dieser mindestens 12 Kinder in einer Schule oder in einer Commune nicht Bedingung sei; Euer Hochwohlgeboren fügten hinzu, daß der^ erwähnte Dispositionsfonds nicht für bereits bestehende jüdische Religionsschnlen in Anspruch genommen werden dürfe, sondern nur dort, wo eine solche Schule nicht oder nicht mehr besteht. Mit Aussicht auf Erfüllung ihres Gesu bes dürften sich demnach solche kleine jüdische Gemeinden oder Gemeindetheile mit der Bitte um Subvention an das königliche Unterrichtsministerium wenden, die die Kosten sür den Religionsunterricht ihrer mindestens 12 Kinder aufzubringen nicht oder nicht mehr in der Lage sind. Wohl sei es angängig, daß die betreffenden Gesuchsteller in ihrem Gesuch eine für die Ertheilung des gewünschten jüdischen Religionsunterrichtes hinsichtlich der Befähigung wie j| des erforderlichen Entgeltes geeignete und willige Kraft bekommen." — In diesen Worten ist genau gesagt, was die , ministerielle Verfügung vorschreiben sollte und was sie thatsächlich vorschreibt. Sache der betheiligten Juden ist es, von der ihnen gemachten werthvollen Einräumung den rechten Gebrauch zu machen. Ü9B Warschau, 21. Juni. Von den 265.000 Rubeln, welche der Banquier Joseph Landau zu wohlthätigen Zwecken spendete,, wurde der größte Theil zur Gründung eines Waisenhauses bestimmt, das den Namen seiner vor Kurzem verstorbenen Ettern tragen sollte, die übrige Summe au die wohlthätigen Institutionen der Stadt vertheilt. Unter Anderem schickte der Spender auch fünfhundert Rubel an die „Kasa literacka", einen vor mehreren Monaten gegründeten Schriftsteller- und Journalistenverein. Auf der nächsten, unter dem Präsidium von Henryk Wlaubensbrüder mit eigenen Augen sehen, um die ganze Böswilligkeit und Dummheit dieser Insinuation begreifen zu können. Das Traurigste jedoch ist, daß solche Sachen nicht nur gedruckt, sondern gelesen und geglaubt werden; ein Umstand, der das Feuer schürt, statt es zu löschen. In den heutigen Zeitungen .finden wir die staunenerregende Nachricht, es sei gelungen, eine Judenhetze in Neu-Rußland zu hintertreiben. Man erfuhr, daß Alles zu einer solchen bereits vorbereitet war, und entsendete in die betreffenden Dörfer eine größere Anzahl Kosaken. Die Bauern, erschrocken ob der Kosten, welche die Ernährung des Militärs ihnen verursachen würde, fingen an, ihr Vorhaben zu bereuen, und versprachen, in Zukunft jede Ruhestörung. zu verweide.n^ Nichtsdestoweniger wandern die Juden schaarenweise aus; die meisten nach Odessa; einige emigriren ins Ausland. Jedenfalls wäre es — wenn die Nachricht nicht widerrufen wird — das erste Mal, daß militärische Hilfe nicht nach, sondern vor der Verfolgung auf dem Schauplatze erscheint. Ist dies vielleicht ein Vorbote besserer Zeiten, der Beginn einer weniger schutzlosen Existenz? Hoffen wir'-! X. London. Die Monatsversammlung der „Anglo-Jewish- Association" fand am Sonntag, 11. Juni, statt. Die Einnahmen der Gesellschaft sind erheblich gestiegen, aber auch die Ausgaben, 1807—98 betrugen die Einnahmen circa 60.000 Mark, die Ausgaben dagegen circa 61.500 Mark, im Jahre 1898—99 abr 65.000 Mark gegen 69.000 Mark, so daß sich schließlich das Deficit noch vergrößert hat. Die Mädchenschule in Constantinopel, die früher große Schwierigkeiten hatte, weil die Eltern ihre Töchter nicht zur Schule senden wollten, ist jetzt so populär geworden, daß sich für die 50 freien Plätze, 300 Kinder gemeldet haben. Die Versammlung bewilligte nur 240 Mark für die Talmud-Thora in Damascus, lehnt-', dagegen die beantragte Unterstützung für das jüdische Mädchenwaisenhaus in Jerusalem ab. Einen wirklich enormen Aufschwung hat die Einrichtung genommen, jüdische Burschen zu einer Knaben-Brigade zu vereinigen. Mit 60 Knaben fing 1895 diese Organisation an, im ^folgenden Jahr hielt sie ihr erstes Feldlager mit 18 boys. dieses Jahr dagegen hat die Musterrolle 23 Compagnien mit 2000 Knaben, und schon bei dem vorjährigen Feldlager betheiligten sich 400 Burschen. Am 18. Juni hielten die Londoner z Compagnien der Brigade eine Synagogenparade ab, zu der die .Dalston-Synagoge festlich mit Fahnen und Flaggen decorirt war, Rev. Hyamson hielt die Feierpredigt und eine besondere Aus- ' wähl von Psalmen wurde im Anschluß an den Mincha-Gottesdienst vorgetragen. Bedauerlich ist nur, daß diese nützliche Organisation sich stets in Geldschwierigkeiten befindet, i — Hier findet in der nächsten Zeit ein großer internationaler Frauencongreß statt, zu dem jetzt schon die Delegirten eintreffen. Zu demselben gehören auch drei jüdische Damen, die das „American Council of Jewish Women" vertreten. Durch diese Damen ist hier erst bekannt geworden, welche reiche und mannigfaltige Arbeit jener große Verein, dem 5000 jüdische Frauen und Mädchen augehören, in Amerika leistet. Baronin