Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 26 (30.6.1899)
- Date
- 1899-06-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 26 De. Bloch's Wochenschrift. Seite 491 für Sr. Majestät den Kaiser uud das Allerhöchste Kaiserhaus; 5. Volkshymue; 6. Schlußgesauz von Wallenstein. Kcakau. Wie die „Oesterreichische Wochenschrift" schon telegraphisch berichtete, ist der bisherige Rabbiner-Stellvertreter CH. L. Horowitz zum Rabbiner der Stadt Krakau gewählt worden. Diese Wahl muß als eine überaus glückliche anerkannt werden. Der Rabbiner Ch. L. Horowitz gehört zu den bedeutendsten Talmudisten der Jetzzeit und hat sich durch seine tactvolle Leitung des Rabbiuates die vollste Sympathie der hiesigen Bevölkerung erworben. Sein umfangreiches Wissen wird überall anerkannt. Gleichzeitig ist Prediger Dr. O. Thon zum Rabbiner für die Tempelgemeinde gewählt worden. Effegg. Die Oberstädter israelitische Cultusgemeinde hat in ihrer jüngsten, unter dem Vorsitze des Vorstehers Dr. Hugo Spitzer stattgefundenen außerordentlichen Generalversammlung über die vom Vorstande in Antrag gebrachte Abänderung der Gemeinde-Statuten berathen und dieselben, mit einigen vom Advocaten Dr. Wilhelm Winter gestellren Amendements, angenommen. Nach den Bestimmungen der neuen Statuten dürfen fortan Vater und Sohn oder zwei Brüder in den Vorstand nicht gewählt werden. Der Antrag, daß auch Schwäger nicht wählbar seien, wurde verworfen. Die neuen Statuten enthalten Bestimmungen über die Anstellung und Pensionirung des Rabbiners und der sonstigen Gemeindebeamten, über die Organisation und den Wirkungskreis des Vorstandes, der 36er Commission und der Generalversammlung u. s. w. Die von der Generalversammlung durchberarheuen und acceptirten Gemeinde-Statuten werden nunmehr der Landesregierung zur Genehmigung unterbreitet werden. Die Versammlung schloß mit einer spontanen Vertrauens kmidgebung für den gesammteu Vorstand, insbesondere aber für den Vorsteher Dr. Spitzer, welchem als dem Urheber der Statuten protokollarischer Dank votirt wurde. Budapest. Der hiesige Architekt Krumholz hat ein Protect nusgearbeitet, um den israelitischen Tempel in der Tabakgasse nach amerikanischem System zu verschieben, beziehungsweise zu hebe» und zu untermauern. Die Kesten der Verschiebung des Tempelgebäudes auf circa 32 Meter werden mit 126.000 fl. berechnet; es wurde bei Aufstellung dieser Summe jedoch auf die Hebung des ganzen Baues um 1 Mehr Rücksicht genommen, da der Tempel ohne Hebung zwischen den Fronten der vier Stock hohen Zinsbauten ein zu niederes Aussehen haben würde. Zu diesen Kosten der Verschiebung treten dann noch die Ausgaben für die Neufundirung sowie den Aufbau eines 1 Meter hohen Steinsockels, dann die Nenherstellung des Tempelpflasters hinzu. Für die Dauer der Verschiebung werden 90 bis 120 Tage festgesetzt. Während der Verschiebung kann, insofern die Cultusgemeinde einen provisorischen hölzernen Fußboden Herstellen läßt — der Tempel ungestört für die religiösen Handlungen benützt werden. Es dürfen keinerlei Risse oder Sprünge, ober sonstige Beschädigungen an dem Gebäude Vorkommen und bleibt jede Einrichtung, sowohl im Tempelraum als in den Nebenlocalitäten an Ort und Stelle. Budapest« (D e n k m a l e n t h ü l l u n g.) Aus dem nächst der Kerepeserstraße bcsindlichen israelitischen Gottescck r fand am 3. Juni 1899, Vormittags 9 Uhr, eine pietätsvolle Feier statt. Das Grab des am 20. Octobcr 1898 verstorbenen Cartors Jacob S u s ch n y ließ die dankbare Pester israelitische Religionsgemeinde in gerechter Anerkennung und Würdigung der reichen Verdienste, die sich dieser pflichttreue Mann während seines 33jährigen Wirkens als Cantor am großen Tempel in der Tabakgasse erworben, mit einem schönen Grabstein versehen, dessen feierliche Enthüllung am 3. Juni vor sich ging. Auf dem Gräberfelde versammelte sich aus diesem Anlasse eine zahlreiche Trauergemeinde, die sich aus den Familien des Heimgegangenen Cantors Jacob Suschny und drs unvergeßlichen Obercantors Professor Moriz Friedmann, sowie aus dessen großen Freundes- und Verehrerkreisen recrutirte. Es waren ferner erschienen: die Tempelvorsteher Julius Adler und Arthur Bloch, der Vicepräsident des israelitischen Knabenwaisenhauses Ignaz Schlesinger, die Cantoren K e l e r und Albert Lazarus, Schuldirector Nathan H a l a s z, die Oberbeamten der israelitischen Gemeinde Glück und Ri g o c z, Vertreter der Pester Chewra-Kadisckia u. A. Obercantor Professor Adolf Lazarus, dem der verstärkte Mannerchor assistirte, recitirte einen Trauerpsalm und verrichtete das E’l mole racliamim- Gebet, worauf Rabbiner Dr. M. K a y s e r l i n g eine ergreifende Gedenkrede hielt. Zwei Momente — sagte der gelehrte Kanzelredner — aus dem Leben S u s ch n y's werden mir stets unvergeßlich bleiben: Die fromme Ergebung in den Willen Gottes, als die treue Gefährtin seines Lebens ihm durch Tod entrissen wurde und dann, als Suschny nach dem Ableben seines hoffnungsvollen Sohnes beim ersten jam kippur kottau- Gottesdienst mit erstickter Stimme gerufen: ,Adonaj hu hoelohim!“ Gott ist's, der so Schwerts über mich verhängt! . . . Berlin. Dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin, ist eine hohe Auszeichnung zutheil geworden. Derselbe hatte bekanntlich in der Ausstellung für Krankenpflege in den Räumen der Philharmonie ein Unterrichlszimmer mit allen für die Ausbildung der Schwestern erforderlichen Lehrmitteln, Instrumenten, Apparaten, Büchern, sowie schriftlichen Arbeiten und technischen Darstellungen der Schülerinnen ausgestellt, welches sich allseitigen Beifalles, insbesondere bei den die Ausstellung besuchenden Aerzten zu erfreuen hatte. Auch Ihre Majestät die Kaiserin verblieb, empfangen von der Oberin Fräulein Blau, längere Zeit in dem Unterrichtszimmer und hatte die Gnade, von der anwesenden Schwester einen Blumenstrauß huldvollst anzunehmen. Bei der am 16. d. M. stattgehabten Preisvercheilung ist dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen eine von den sechs, von Ihrer Majestät der Kaiserin für die Ausfüllung gestifteten Medaillen von der Jmy zuerkannt worden. Wir meinen, daß dieser Thatsache eine Bedeutung beizulegen ist, welche über das specielle Jntercsse des Vereines selbst weit hinausgeht und uns ermuthigen soll, aus allen Gebieten der Wohlfahrtspflege rüstig sortzuarbeiten. Berlin. 25. Juni. Der Verein Israelitisches Lehrerinnenheim hat in voriger Woche seine erste Hauptversammlung abgehalten. Sein löblicher Zweck geht dahin, den jüdischen Lehrerinnen für die Tage des Alters, der Erwerbsunfähigkeit uud des vorübergehenden E holungsbedürsuisses eine Zufluchtsstätte zu schaffen. Die Mittel sollen durch Spenden, durch Vorträge ordentlicher uud außerordentlicher Mitglieder und durch Einzahlungen von in das Heim eintretender Lehrerinnen aufgebracht werden. Die Jahresbeiträge der ordentlichen Mitglieder (d. i. der jüdischen 6 Lehrerinnen) sind auf mindestens 4 Mark, die der außerordentlichen Mitglieder auf mindestens 6 Mark festgesetzt, die einuralige Einzahlung der in das Heim eintretenden Lehrerinnen ist auf 500 Mark bestimmt. In Staglitz ist bereits zum 1. October eine Wohnung gemiethet, die am 1. November etwa 6 Lehrerinnen aufnehmen soll. Die Sammlungen und Mitgliederbeiträge haben bisher etwa 52.000 Mark ergeben. Diese Summe ist völlig unzureichend. Die Zinsen bleiben hinter 2000 Mark zurück, die laufenden Einnahmen gleichfalls — es wird ein knapper Haushalt werden, wenn die Propaganda in Zukunft nicht erfolgreicher ist. Ein Versuch, in Frankfurt a. M. Gönner zu gewinnen, ist arg fehlgeschlagen. Berliner jüoische Unternehmungen begegnen dort lebhaftem Mißtrauen, uud bis jetzt wenigstens ist es nicht gelungen, dieses Mißtrauen zu überwinden. In der Hauptversammlung war mit großer Ausführlichkeit von der unermüdlichen Arbeit" der Curatoren, von unermeßlichen Verdiensten einzelner Mitglieder die Rede. Trotz des allseitig und reichlich gespendeten Lobes monirte ein Mitglied, daß man des Verdienstes der Damen nicht gedacht, die Adressen zur Versendung des Ausrufes geschrieben. Es ist recht sehr zu wünschen, daß das Wcrk gedeihlich und thatkräftig geleitet werde, denn das Werk ist gut. ungleich besser als die Sprache seines Statuts, die nach einer Correctur seitens der Lehrerinnen schreit. Wunderhübsch ist schon der zweite Satz des ersten Paragraphen, der wörtlich lautet: „Als Sitz des Vereines ist derjenige Ort anzusehen, in welchem der (bezw. die) derzeitige erste Vorsitzende seinen (ihren) Wohnsitz hat." Das soll nämlich heißen: „Als Sitz des Vereines ist der Wohnort des jeweiligen ersten Vorsitzenden anzusehen." Die Sache aber ist gut, und die Statuten lassen sich verbessern. Wäre nur erst das nöthige Geld da. In der Gen einde Adaß Jisroel wird das Ableben des Rabbiners Dr. Israel Hildesheimer keine Veränderungen nach sich ziehen. Dr. Biberfeld Sohn bleibt Rabbinatsasseffor, Dr. Mayer Hildesheimer, der namentlich um den Religionsunterricht sich verdient gemacht hat, bleibt Prediger der Gemeinde. Em Rabbiner wird nicht berufen. Die Unabhängigkeit des Rabbinerseminars von der Gemeinde wird vielleicht in Zukunft noch schärfer betont werden als bisher. Thatsächlich und rechtlich hat diese Unabhängigkeit bereits bestanden. Nur die seitherige Personalunion des Rabbinats der Gemeinde mit der Leitung