Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-06-30 · 26 (30.6.1899) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
26 (30.6.1899)
Date
1899-06-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021304--08967-3033373
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 26 Seite 489 Dx. Bloches Wochenschrift. Bibliotheksgebäude mit je 30- bis 40.000 Bänden und Lesezimmer und Studirstube für die Jugend zu haben, ist das Ziel dieser Gesellschaft. Das neue Aguilar Gebäude in 110. Straße ist ausgezeichnet geplant, perfect ansgestattet und versorgt ein großes Tenements-Biertel. Es enthält 30.000 Bände. Da werden keine Restrictivnen irgend welcher Art gemacht, nur daß das entliehene Buch nach 3 Wochen zurückgegeben werden muß. Die „United Hebrew Charities" ist ein Haushaltehort unter unseren jüdischen Mitbürgern von New-Pork und das Gute, das sie bewirkt, kann wirklich nicht mit Worten gemessen werden. Die Chewra Gemilaty Chasodim ist eine Gesellschaft, welche Geld an arme Israeliten leiht ohne Interessen und ohne jede Sicherstellung, nur gegen die Referenz eines respectablen Geschäftsmannes oder Firma. Die Anleihen von 5 bis 50 Dollear steigen auf 50.000 Dollar jährlich. Die Gesellschaft hat kaum 100 Dollar verloren und dieser Verlust entstand dadurch, daß die Schuldner früher starben, bevor sie vollständig ihren Verpflichtungen Nachkommen konnten. Diese Männer und Franen folgen den Fußstapfen des Juda Touro, des ersten hebräischen Philantropen der Stadt New-Aork. * * * Soweit der New-Pvrker Herold, dessen Artikel bei weitem nicht die Leistungen der Wohlthätigkeit mehrerer Glaubensgenossen allhier erschöpft. Ich will nur erwähnen, Herm. Jossas Weil, der ein ehemaliges Nonnenkloster ankaufte und aus dem das Gebäude des Laboron-Hvspital an 164. Str. entstand. Ferner das Beth Israel- Hospital und das Altenheim in 103. Straße, wo einige Hunderte alte Männer und Frauen behaglich ihr Dasein beschließen. Das Benai Berith Stome in Dorkers, das den alten Benai Berith ein sorgenfreies Dasein im hohen Alter bietet. Die Sheltering Arons, ein Asyl für Kinder, die-von ihren Ellern verlassen oder deren Eltern wegen krummer Wege in einer Strafanstalt ihre Fehler büßen. - Dieses Institut wurde durch die russische Einwanderung nothwendig. Leider ist dieses Haus mit mehreren hundert Kindern bevölkert. Das Jnfant Afylnm, wo verwüste Säuglinge aufgezogen werden. Eine Anstalt, die noch nicht fünf Jahre alt ist und nun Hunderte Säuglinge beherbergt. Ferner Gesellschaft zur Pflege der Wöchnerinnen, Kohlenvertheilung, Gesellschaft zur Besserung und Versorgung entlassener Sträflinge, Gesellschaft zur Bestattung Hingeschiedener Armen u. s. w. All' diese wohlthätigen Institute, deren Erhaltung eine immense Summe erfordern, werden aus freiwilligen Beiträgen unserer Glaubensgenossen bestritten. Es leistet auch der minderbemittelte nach seinen schwachen Kräften. Denn all' das Elend zu bewältigen, dazu wäre selbst das Vermögen eines Crösus nicht genügend. Eine jüdische Oper. Budapest, 25. Juni 18 Kennen Sie den hochbegabten lyrischen Componisten E> nuel D a v i d s o h n? Sie kennen ihn sicher nicht. Und Textdichter der „orientalischen Oper" „Sulamith", He David Goldfaden, kennen Sie auch nicht. Und ht Abends, da Sie uni den Preis einer Tour- und Retourfc mit der elektrischen Straßenbahn nach Altofen und einer billi Theaterkarte Gelegenheit gehabt hätten, mit den beiden Dicht und ihrem so sehr interessanten Werke bekannt zu werden, ha Sie diese Gelegenheit versäumt. Das darf Ihnen wirklich thun, aber zum Glück läßt sich das Versäumte morgen o übermorgen oder an den folgenden Abenden nachholen, d wenn uns unsere alte Theaterpraxis nicht täuscht, ist der „Sr mich" im Altosner Kisfaludy-Theater eine lange Serie von 8 sührungen beschieden. Und das Publicum wird schaarenw hinauspilgern in den von ihm bisher arg vernachlässigten Mu tempel des dritten Bezirkes, in den Tempel, der sich heute nicht zu seinem Nachtheil als Musen-Synagoge präsentirte. Dem kunstsinnigen, aber sehr unsubventionirten und t schwärzesten Pech verfolgten Director Albert K ö v e s s y gebi das Verdienst, beim An hören dieses irgendwo aus dem Br von einer fahrenden polnisch-jüdischen Sängertruppe oufgefühi Singspieles die musikalischen und poetischen Perlen entdeckt haben, die in demselben enthalten sind. Echte Perlen, kost! Dinge, gleichsam achtlos hingestreut auf den buntschillernden Teppich alt-testamentarisch-classischer Naivetät. talmudischer Spitzfindigkeit und unbewußt-wirkungsvoller Bühnenmache, woraus die Fabel und der Ausbau des Stückes besteht. Wie unsäglich einfach und dennoch wie rührend ist sie, die Geschichte von der armen Sulamith und dem durch die Strafe Gottes von der Flatterhaftigkeit zu wahrer Liebe bekehrten Maccabäerjüngling Absalon . . . Gen Zion wandernd, trifft er in der Wüste die wunderschöne bethlehemitische Maid, deren Lebensretter er wird, um dafür ihr Herz gefangen zu nehmen. Auf der Stelle schwört er ihr ewige Liebe und ewige Treue. Da aber zur Giltigkeit des Eides nach altjüdischem Brauche zwei Zeugen nothwendig sind, ruft Sulamith den Brunnen, aus dem sie Äbsalon vor dem Ertrinkungstode errettet und eine zufällig anwesende — Wildkatze zu Zeugen an. Diese beiden seien auch ihre Rächer, sollte Absalon je eidbrüchig werden. In letztere Sünde verfällt aber der tapfere Jüngling, kaum daß ihm die im Sturm eroberte Braut entschwunden. Er kommt n ch Zion, sieht Abigail, die Tochter des Hohepriesters, siegt von Neuem und ist in demselben Momente wieder auch selbst der Besiegte. Da zu damaliger Zeit weder ein dreimaliges Aufgebot, noch die Vorweisung militärbehördlicher Documente zur Eheschließung nothwendig waren, traut der geistliche Brautvater staute pelle das junge Paar. Sulamith, die vergebens auf 8lbsalon wartet, wird vor Gram wahnsinnig, aber Jehova, der strenge Gott, der es grausam ahndet, wenn man falsch auf ihn schwört, übernimmt das Rächeramt und er läßt die fürchterliche Rache durch die beiden Zeugen des Meineides vollstrecken. Das erste Kind, das Abigail ihrem Gatten gebart, wird von einer Wildkatze erwürgt und das zweite ertrinkt im Brunnen. Gebrochenen Gemüthes entdeckt nun Absalon der verzweifelten Mutter das Geheimniß des von ihm begangenen schnöden Berrathes, und Abigail, des Hohepriesters Tochter, schickt ihn zu dem Mädchen zurück, das er treulos verlassen. Der erste Schwur hat das Vorrecht vor dem zweiten — eher möge die Ehe, das Glück und All^s in Trümmer gehen, als daß des Ewigen Name durch falschen Schwur geschändet werde. Von seiner Frau geschieden, zieht Absolo» nach Bethlehem, wo er Sulamith zum zweiten Male, jetzt aus der düstern Nacht des Wahnsinns rettet, indem er ihr „glücklicher" Gatte wird. Der Abschluß des Dramas läßt uns nicht nur vom eherechtlichen, sondern auch vom rein menschlichen Gesichtspunkte aus ziemlich unbefriedigt, aber wir fügen uns in Gottes und Herrn G o l d f a d e n's Willen und sind umso versöhnlicher gestimmt, als uns der andere Autor, Herr D a v i d s o h n, mit einem blühenden, wundervoll duftenden Strauß eigenartig schöner Melodien beschenkt, die wir als willkommenes Andenken an die vertonte jüdische Legende mit nachhause tragen dürfen. Das sind Hebrons Rosen, purpurroth in der Farbe, mit üppig ausgebreitetem, vollem Blätterkelche, zu herrlichem Strauße gewunden, den man ruhig in die Hand nehmen kann, denn es sind keine Dornen daran. Diese Klänge muthen uns an wie rhythmische Geisterstimmen aus längst verschollenen Z -iten; wir schließen das Auge und sehen im Geiste, wie Köllig David mit der Harfe in der Hand vor der Bundeslade tanzt. Und nicht nur in den Geist und ins Ohr fährt er uns, sondern auch in die Beine, und es überkommt uns ein Gefühl, als ob wir mitsingen und nlittanzen müßten in diesem Reigen wunderlich schöner und noch wunderlicher verschnörkelter Rhythmenarien und Tänze. Das ganze Weh und die ganze Lust von Israels viel verfolgtem Stamme befällt uns beim Anhören dieser Melodien. Es fehlen nur noch die stilgerechten gutturalen Töne, das Dehnungs- und Biegsamkeitsvermögen des hebräischen Idioms, das im Ungarischen schwer oder gar nicht wiederzugeben ist, um die Illusion vollständig zu machen, als befänden wir uns nicht in Altofen, sonderir viel weiter östlich, und als würde uns nicht ein Herr D a v i d s o h n, sondern Jehuda ben Halevy, Gabirol oder Jbn Esra seine orientalischen Lieder Vorsingen. Mit einem Worte: Selbst Derjenige, der inmitten der auch in der Musik und Schauspielkunst sich bewahrheitenden Perversitätell des t'm de siede einen apparten Theatergenuß sich verschaffen will, der subventionire aus eigener Tasche den Altofener Kisfaludy-Tempel und lasse sich von der Firma Goldfad -n u. D a v i d s o h n in biblisch-idyllische Träume wiegen. Der Capellmeister des Altofner Theaters, Herr Eduard Donath, hat die vom Direcror K ö v e s s y erlauschte Musik der „Sulamith" stilgerecht und brav instrumentirt, und nicht unverdientermaßen durfte er sich mit seinem Principal in die unzähligen Hochrufe theilen. Bon den Darstellern, die im Verhältnisse der r -i ww?m,Mws//

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.