Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 26 (30.6.1899)
- Date
- 1899-06-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 488 Br- Blocht WochensrlzrifZo Nr. 26 den Districten der Verarmten, wo die kleinsten Quantitäten für Preise nach Eisenbahnwaggon-Quantitäten verkauft wurden. Vielleicht ist Herr Strauß besser in Verbindung mit seinem Kohlenhof bekannt. Die Vertheilung von Kohle zum Engrospreis an jene, die nur kleine Summen zahlen können, für einen Eimer oder ein Säckchen Kohlen oder frei an Jene, die gar nicht zahlen, und die Vertheilung von sterilisirter Milch an müde Mütter und schwache Säuglinge während der heißen Sommermonate. Obzwar diese beiden Projecte Tausende von Dollars ihn jährlich kosten, ist das unangenehme Gefühl, Almosen zu nehmen, fast ausgeschlossen. Wenn berichtet wird, daß 53.287 Personen in einem Winter in Herrn Strauß' Kohlenhos mit Brennmaterial versorgt wurden, so kann man sich die Summe des Elends, das verhindert wurde, vorstellen. Man sollte wohl glauben, der Preis von 1 Cent die Flasche Milch kann wohl Jeder begleichen, aber es ist dem nicht dem so, und Coupons, giltig für 5 Flaschen, welche Herr Strauß mit liberaler Hand zur Verfügung der Armenärzte, der Doctoren des Gesundheitsamtes, der Heilsarmee und den Wohlthätigkeitsanstalten, welche im Armenviertel arbeiten, werden sehr in Anspruch genommen. Am 1. Jänner 1898 wurde Herr Strauß zum Präsidenten des Gesundheitsamtes von Groß-New-Pork ernannt. Er hielt diese Stellung nur einige Monate aus und er fand, daß er nicht hinreichende Zeit zur gewissenhaftesten Erfüllung seiner Amtspflichten habe. Als er resignirte, bestimmte er seinen Gehalt und die noch nöthige Summ-' zur Anschaffung von Maschinerie zur Sterilisirung von Milch für das „Jnsant Asylum" auf Randals Insel. (Findelhaus.) Das fürchterliche Sterben in dieser»Anstalt hat seit Einführung der Strauß'schen Apparate bedeutend nachgelassen. Gleich nach der Stürmung von St. Jago de Cuba durch unsere Soldaten zeigte sich das praktische Wohlthun des Herrn Strauß. Er sandte nach St. Jago und schenkte unserer Regierung eine vollständige Maschinerie zur Erzeugung von Eis und Abkühlung des Trinkwafsers, welche seit damals in stetem Gebrauche geblieben ist. Diese Anstalt stellte 13 Tonnen Eis (1 Tonne 2000 Pfund) ä 40.000 Gallonen reines Eiswasser (1 Gallone 2 Maaß) täglich her, neben Kühlhaltungsapparaten für Fleisch und Obst für das Soldaten-Hospital. Alle Wohlthätigkeit des Herrn Nathan Straus ist non seclarian. Unter anderen jüdischen Gebern zu localer Wohlthätigkeit sind Leonard Levisohn, die Einstein - Familie, Louis Stern, Henry Rice, Isidor Straus und Abraham Wolf. Der Sohn eines reichen Banquiers schenkt jährlich 10.000 Dollars dem Beth Israel-Hospital. Er fürchtet so die Notorität, daß er absolut die Drohung machte, daß er seine Unterstützung unterlassen würde, sobald sein Name öffentlich in Verbindung mit dem Hospital bekanntgegeben würde. Die De Hirsch-Fonde. Gewiß, der größte Beitrag zu den New-Iorker Hebrew Wohlthätigkeits-Anstalten kam von Jenen, die nie die Stadt gesehen : Dem Baron Maurice und der Baronin Clara de Hirsch. Im Jahre 1890 übergab Baron de Hirsch an 9 Herren die Summe von zweieinhalb Millionen Dollars zum Besten der russischen und rumänischen Einwanderung. Was Gutes durch diesen Fond schon bewerkstelligt wurde, ist kaum zu berechnen. Es wurden errichtet: Kindergärten. Vorbereitungsclassen für Volksschulen, Abendclassen für Hunderte von Arbeitsmännern und -Weibern; die meisten von ihnen gehen aus den Fabriken direct in die Classenzimmer. Eine Schule zur Erziehung für's Handwerk, wo Holzarbeit, Metallarbeit, Sch ld- und Hausmalerei, Anstreichergewerbe gelehrt wird; ein Bureau für agriculture Zwecke hat 600 hebräischen Farmern und deren Familien in den New-England-Staaten allein Farmen verschafft. Die Idee des Clara de Hirsch-Heims für Arbeitsmädchen wurde von der Baronin de Hirsch mit Herrn und Frau Oscar Strauß während einer gemeinsamen Bahnreise in Europa besprochen. Die Baronin legte den Gegenwand ganz in die Hände des Herrn und der Frau Strauß, welche deren Wünsche aufs Gewiffenhasteste aussührten. Der Plan ist, ein unentgeltliches Heim zu geben an Mädchen, für eine beschränkte Zeit und selbe zu unterrichten im Waschen, Bügeln, Kochen, Hausarbeiten, Nähen und Flicken, den Grundwissenschaften der Haushaltung. Das Gebäude, nun hergestellt, liegt auf der Nordseite der 63. Straße zwischen 2. und 3. Avenue und hat eine Front von 125 Fuß. Der Grundplan ist ein großes E und besteht aus 3 Flügeln. Der mittlere Tract enthält im Parterre das Speisezimmer und darunter die Bibliothek. Die anderen Flügel enthalten ebenerdig die Küche, und die Wäscherei. Der übrige Theil des Gebäudes ist für Schlafzimmer hergerichtet mit Ausnahme des Empfangszimmers, Classenzimmers und Gemächer des Anstaltsdirectors. Es gibt da Zimmer für 2 Zöglinge, aber die meisten Zimmer sind für eine Person eingerichtet. Das Gebäude, das 200.000 Dollars kostet, ist feuersicher, perfect beleuchtet und gut ventilirt. Die Baronin Hirsch gab auch 150.000 Dollars für ein Handwerksschulgebäude her und ihre letzte Gabe vor ihrem Hinscheiden waren 100.000 Dollars, um eine Buchschuld des Educational Alliance-Gebäudes zu löschen. Jede briefliche Application aus diesem Lande wurde von ihr untersucht und Unterstützung gewährt, wenn würdig befunden. Sie gab privat vielen Hospitälern dieser Stadt und unter Anderem auch 7500 Dollars dem Garfield Memorial Hospital in Washington. Die älteste jüdische Wohllhäligkeits-Anstalt in New-Aork ist die „Hebrew Mutual Benefit Society" von 1820. Zu jener Zeit war die Zahl der Hebräer in dieser Stadt sehr klein, kaum 200 Familien, sie wohnten sämmtlich unterhalb Canal- Straße, meist östlich von der Bonwery über den Läden, wo sie ihre Geschäfte betrieben. Es gab damals 2 bis 3 Synagogen, aber keine organisirte Gesellschaft für irgend einen Zweck, bis die „Mutual Benefit Society" gegründet wurde. Die am besten bekannteste jüdische Institution ist das Mount Sinai-Hospital, gegenwärtig in der Levington-Avenue, zwischen 66. und 67. Straße; es ist zu klein für die Ansprüche, die an die Anstalt gestellt werden. Das erste Hospital war ein kleines Haus in West, 28. Straße zwischen 8. und 9. Avenue. Das neue Hospitalgebäude wird 30 volle Stadtbaugründe umfassen. zwischen Madison in fünfter Avenue und 100. und 101. Straße. Wenn es eröffnet, wird es absolut schuldenfrei sein. 700.000 Dollars bar sind schon dazu geschenkt worden, davon 600.000 Dollars in einem Monat. Salomon Löb und Samuel Untermeyer gaben je 25.000 Dollars, Jsaac Stern. Max Nathan und Gebrüder Lewisohn je 20.000 Dollars, die Kinder des unlängst verstorbenen Mayer Lehmann 75.000 Dollars und Abraham Wolf 15.000 Dollars, einige Tage, nachdem die Directoren beschlossen, ein neues Hospital zu bauen. Obzwar errichtet und erhalten ausschließlich von Juden, ist es strick unsectarian. Ebenso wichtig, aber weit jünger ist das Montefiore-Heirn für unheilbare Kranke. Es wurde in 1885 zur Feier des 100. Geburtstages Sir Moses Montefiore's gegründet. Es war Anfangs beabsichtigt, nur 75 Patienten zu verpflegen. Nach den ersten 10 Jahren war für 175 Kranke permanent Raum. Letzte Zeit bekam das Montefiore-Heim ein Sanatorium, im Lande in Bedfort Station, welches, wenn die gemachten Pläne ausgesührt sein werden, eine ideale Institution sein wird, ausgestattet nach den Ideen und Verbesserungen, welche die moderne Wissenschaft verordnet hat. Das „Hebrew Orphan Asylum" in 138. Straße und 10. Avenue hatte einen patriotischen Ursprung. Im Frühling 1830 wurde ein hebräischer Soldat, der gefährlich erkrankte, nach dem Stadt-Hospital gebracht. Er hatte keine Freunde in der Stadt, und ohne Mittel wünschte er doch vor seinem Tode, daß einige Glaubensgenossen ihn besuchen mögen. Die Herren, die ihn besuchten, veranstalteten eine Sammlung für den sterbenden Soldaten und nach dessen Tode blieben 300 Dollar übrig; dieser Fond wurde der Kern zur Bildung: „Hebrew Benevolent Society of Che Cuba of New-Iork", die hebräische Wohlthätigkeits- Gesellschast der Stadt New-Iork, organisirt am 8. April 1822. Von Erziehungsanstalten ist vielleicht die Hebrew Technische Schule die wichtigste. In deren Hallen lernen Knaben allerlei Handarbeiten, und deren Leistungen strafen jene Behauptung Lüge, daß Juden nicht Handwerker und Künstler werden können. Educational Alliance. Wenige Menschen, selbst unter den Israeliten, haben eine Idee von den Leistungen der Educational Alliance in East Broadway- und Jeffersonstraße. Es ist ein Bienenstock, wo Knaben und Mädchen, Männer und Frauen die Sammler sind. Es gibt da keine Drohnen, jede Branche der Erziehung, moralisch, geistig und physisch, wird daselbst gelehrt. An 5- bis 6000 Personen gehen täglich ein und aus. Die Aguilar Free Library Society ist eine Gesellschaf für freie Circulation von Büchern und wird von privater Sub scription erhalten. Die Idee, in jedem Tenementshausdistrict klein