Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 26 (30.6.1899)
- Date
- 1899-06-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 26 Dr. Bloch's Wochenschrifl. Seite 487 bringen. Von Ariern erhalten sie bei der gegenwärtigen Strömung keine Beschäftigung und die Mehrzahl der Glaubensgenossen ziehen aus falsch angebrachter „Objectivität" grundsätzlich ansche Handwerker vor. Jüdische Kleinkrämer und Handelsleute leiden ebenfalls furchtbar unter der Ungunst der Verhältnisse, überdies sind ihrer so viele, daß sie die gegenseitige Concurrenz aufreibt und dem Ruine zuführt. Zu der Intelligenz und dem Intelligenz-Proletariat stellen Juden ohnehin ein relativ und absolut zahlreiches Contingent. Welchen Gebieten sie sich auch zuwenden, überall werden sie angefeindet, proscribirt und auf dem Pranger gestellt. Dies mag wohl zur Entschuldigung dienen, soll aber nicht gutheißen, wenn Juden, namentlich in so feindlich bewegten Zeiten, in exclusiven Gewerbszweigen verbleiben. Allein es verdient, constatirt zu werden, daß sie nie und nimmer die Menschlichkeit, das Gefühl und die Empfindung für Noth und Elend der Nächsten außer Acht lassen, daß das goldene jüdische Herz in keinem Juden auch den ärmsten und auf niederster socialer Stufe stehenden, erstirbt. Eduard Beer. IiwilcheWohlthätigkeilinNew-HorN. Aus dem »New-York Harald« vom 4. Juni 1899. Gebe den zehnten Theil deines Einkommens den Armen. — New-Zorker jüdische Philantropen und ihre Wohlthätigkeit. — Befolgung des mosaischen Gesetzes über den Zehnten. — New-Uorker Hebräer, deren Wohlthun die Mitbürger irgend einer Religion stolz fühlen machen könnte. Unter dieser Aufschrift erschien im heutigen Sountagsblatt ein Bogen mit den gelungenen Bildern im Halbton und folgender Artikel, den wir in getreuer Uebersetzung wiedergebeu: Wenn die Behörden von New-Amsterdam (so hieß New- Iork bei der Gründung der Holländer) sehen könnten, wie ihre Bedingung zur Erlaubniß, die sie einigen Hbräern gaben, sich hier anzusiedeln, für ihre eigenen Armen zu sorgen, nach mehr als 200 Jahren gehalten und erfüllt worden ist, würden jene gesetzten alten Burgher ihre Augen vor Erstaunen weit aufreißen über die vielen ausgezeichnet ausgestatteten Wohlthätigkeitsanstalten, welche die angeborene Güte des jüdischen Herzens bezeugen. Der große Gesetzgeber Moses befiehlt, keine Nachlese am Felde zu halten, so daß der Arme frei daselbst Mittel zu seiner Existenz finden könne, ohne unter eine Verpflichtung seiner glücklicheren Brüdern kommen müssen. Es ist auch eine merkwürdige Thatsache, daß die hebräische Sprache kein Wort für Wohlthätigkeit besitzt. Das am nächst bezeichnende Wort ist Zedakah, welches eigentlich Gerechtigkeit bedeutet, aber mit Wohlthätigkeit übersetzt wird, denn es ist ein mosaischer Grundsatz, daß die Gabe, welche der Vermögende dem Armen reicht, ein Rechtsgegenstand sei und nicht eine Barmherzigkeit. Es gibt viele wohlhabende Juden in New-Aork, welche dieses Gebot gewissenhaft üben, und unter diesen ist der Name Jacob H. Schiff hervorragend. Sein Wohlthun, so behauptet man, beträgt mehr als 100.000 Dollars, aber eine Bedingung ist angesügt, daß die Gabe anonym bleibe. Er steuert zu jeder hebräischen Wohlthätigkeitsanstalt bei, und seine anderen Gaben kann man fürstlich benennen. Herrn Jacob H. Schiffes erste Gabe wurde vor 20 Jahren gemacht wo er 25.000 Dollars für ein Gebäude für die hebräische Freischul Gesellschaft hergab, welche einen Kern bildete und zur Bildung der Aguillar Frei-Bibliothek führte. Seitdem wuchsen seine Gaben jährlich. Er etablirle ein Institut für Krankenpflege auf der Ostseite eine Nonse k'ariene-Barmherzigkeit. Die Pflegerinnen sind Frauen von Erziehung. Sie trösten, befreunden und rathen den Nothleidenden und Unglücklichen. Die Gründung kostete ihm gegen 30.000 Dollars und die jährliche Erhaltung noch gegen 1500 Dollars. Ein schöner steinerner Springbrunnen mit Bronceverzierung, welcher am Rutger's Square steht und die einfache Inschrift trägt: „Geschenkt der Stadt New-Dork 1895" war das anonyme Geschenk von Jacob H. Schiff, welches 10.000 Dollars kostete. In den Jahren 1882 und 1883, als die russischen Hebräer diese Stadt überströmten, gab er 10.000 Dollars her, um für sie temporäre Holzschuppen zu errichten. Zwei Jahre später schenkte er der Jung-Männer Hebrew Association ein 30.000 Dollars kostendes Haus, Nr. 861 Levington Av. Er überwachte deren Arbeiten, und als dasselbe prosperirte, versprach er ihnen ein größeres und schöneres Gebäude, sobald ihre Mitgliederzahl groß genug sein würde, ein solches zu erhalten. Er löst eben sein Versprechen ein, indem er ihnen neuen Grund an der Ecke von 92. Straße und Levington Av. schenkte und seinen Architekten beauftragte, auf demselben ein Gebäude zu errichten, das 150.000 Dollars kosten wird. Er war einer der Mitbegründer des Montefiore-Heims. Er schenkte einige Tage vorher 25.000 Dollars für ein Landsanytarium, das zum Montefiore-Heim gehört und an der Bedfort Station an der Stätlem-Eisenbahn liegt. Er gab 10.000 Dollars zur Gründung eines semitischen Museums an der Starvad-Universität, 5000 Dollars als einen Kern für -einen Fond zum Gedächtniß der verstorbenen Stuchal Schulbronn, 10.000 Dollars der hebräischen Leihanstalt und eine große Summe dem Barnard-College. Als seine Tochter heiratete, erntete jede hebräische Institution eine Wohlthat, entweder in Geld oder in einem werthvollen Geschenke oder in einem Vergnügen. Herrn Schiff's beliebteste Zeit zur Uebung der Wohlthätigkeit ist die Jahrzeit seiner seligen Eltern, wo er neben anderen Geschenken Preise vertheilt für Aufsätze über biblische Themen, welche von den Kindern der hebräischen Freischule geschrieben werden. Das Metropolitan-Museum of Art erhielt letzthin ein wundervoll gemaltes Bild von Herrn Mosler, eine Hochzeit in Britannien darstellend. Herr Salomon Loeb, der der Schwiegervater und Theilhaber des Geschäftes von Herrn Jacob H. Schiff ist, gab unlängst erst 150.000 Dollars für die Errichtung eines Gebäudes her, das nur für die hebräische Wohlthätigkeit hergerichtet ist. Das Haus, welches vorigen Monat eingeweiht wurde, steht auf der 21. Straße und 2. Avenue. Das Geschenk wurde am 70. Geburtstage Herrn Loeb gemacht. Frau Esther Hermann, deren weiße Haare bezeugen, daß viele Jahre über ihr Haupt gegangen sind, ist eine vornehme Dame der Gesellschaft, ein Mitglied der Lorvsis, und unterstützt Kunst und Wissenschaft. Die Witwe eines erfolgreichen Kauf- Ulannes, ist sie in ihrem Heim mit allem Comfort umgeben, den Reichthum bieten kann. Doch ihr Herz neigt sich zu ihren minder glücklichen Glaubensgenoffen und ihre Beiträge zur Charitas sind häufig und bedeutend. Sie gab unlängst 20.000 Dollars dem hebräischen technischen Institut und 10.000 Dollars der Jung- Männer Hebrew Association. Frau Hermann verkaufte vor Kurzem ihre Pferde und Wagen und am nächsten Tage sandte sie 10.000 Dollars einer Wohlthätigkeitsanstalt. Ihre eigenen Kinder wissen selber nicht, daß sie Geschenke von Tausenden Dollars macht, bis sie es in den jährlichen Berichten der Anstalten lesen. Fräulein Roste Bernheimer schenkte letzthin 30.000 Dollars dem Mount Sinai Hospital, um ein fortdauerndes Andenken nach ihrem Vater Adolph Bernheimer zu gründen und zu widmen. Sechs Betten wurden in der Männerabtheilung der Augen- und Ohrenklinik bestimmt und eine paffende Marmortafel bei der Thür der Abtheilung gesetzt. Herr Emanuel Lehmann, der ehemalige Präsident des jüdischen Waisenhauses, ist einer der wohlthätigsten New-Iorker Juden. Unlängst feierte er seinen siebzigsten Geburtstag, gab dem Asylum 100.000 Dollars, deren Interessen dazu verwendet werden, daß Zöglinge der Anstalt befähigt werden, sich entweder als professionelle Gelehrte oder Handwerker zu etabliren. Herr Lyman G. Bloomingdale ist ein anderer jüdischer Bürger, dessen Gaben an Nothlerdende groß und zahlreich sind und der sich die Reputation als Philanlrop erwarb. Seine letzte Schenkung war 25.000 Dollars zur Löschung der Buchschuld, welche auf dem Montefiore-Heim Land-Sanitarium haftete. Er ist Mitglied jeder localen hebräischen Charitas und gibt in vielen Directionen, die nicht verzeichnet sind in den Büchern. Herr Bloomingdale schenkte dem Museum Metropolitan-Museum of Art ein prachtvolles Bild von Junes „Der Tannenwald von der Barbarei-Billa" das Gemälde ist 8 Fuß breit, bei 5 Fuß hoch und wurde vom besten amerikanischen Landschaftsmaler 1878 gemalt. Es wird zu den schönsten, werthvollsten Stücken der seltenen Sammlung des Museums gezählt. Herr Nathan Strauß (ein Bruder unseresGesandten Oscar Strauß am Bosporus) übt Wohlthätigkeit immer im Einklänge seines Grundsatzes: „Halte nicht für einen Bettler und erniedrige nicht den, dem du wohlthust". Im Jahre 1893, ein Jahr fürchterlichen Duldens, errichteten Herr Strauß mit Herrn I. Pierpont Morgan Kaufläden und Bäckereien in tf! es»«»«-, »rraapya