Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 26 (30.6.1899)
- Date
- 1899-06-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 488 Dr. Bloch's "dochrnschrlfk. wie ich es so gern möchte, zum Ausdruck zu bringen. Ich war betroffen, beim Lesen einer mir von Chief-Rabbi übermittelten Predigt dieselben Worte wiederzufinden, welche auch wir Christen Hochhalten; „Seid barmherzig, wie Euer himmlischer Vater barmherzig ist". Diese Worte rührten mich sehr, da sie mir zeigten, wie Christen und Juden sich nähern können, und ließen mein Herz höher schlagen, Diese That ist wohl nicht würdiger zum Ausdruck gebracht worden, als in dem Wirken des Mannes, dem ich heute einige Worte der Anerkennung zu sagen die Ehre hatte." Die zwei Felder. Don Peter, König von Arragonien, müde, die Juden länger gegen die Verfolgungen und Bekehrungs- Absichten der Geistlichkeit in Schutz zu nehmen, ließ eines Tages das Oberhaupt der jüdischen Gemeinde vor sich fordern und berieth sich mit ihm über die Mittel, die jüdischen Glaubensgenoffen in den Schoß der christlichen Kirche einzusühren. „Wenn mir doch zuvor Ew. Majestät Gerechtigkeit angedeihen lassen wollten/ antwortete der Syndikus der jüdischen Gemeinde. „Rede, und rechne auf meine Unparteilichkeit!" „So höre denn gnädig die Tbatsache, um derentwillen ich mich zu beklagen habe. Einer meiner Nachbarn ist zur Verbesserung seiner ökonomischen Verhältnisse vor einigen Jahren nach dem Oriente gereist und hinterließ seinen beiden Kindern zwei Feldstücke mit der Bitte, sie aufs Beste zu bebauen, demjenigen jedoch eine besondere lohnende Anerkennung versprechend, der seine Schuldigkeit aus vorzügliche Weise ausübe. So lauge diese Kinder noch jung waren, arbeiteten sie gemeinschaftlich und in aller Eintracht und Liebe an der Erfüllung der ihnen gewordenen Aufgabe, mit dem zunehmenden Alter trat aber Selbstsucht, Neid und Habsucht. störend zwischen sie. Jeder wollte über den Anderen herrschen. Gestern forderten sie mich nun auf, zu urtheilen, wer denn von ihnen das beste Feldstück bt sitze; allein ich lehnte das Schicdsrichteramt ab, indem ich sie daraus aufmerksam machte, daß es weit beffer sei, die in Reibereien und Zänkereien vergeudete Zeit auf die Bebauung der A'.cker zu verwenden und dadurch dem Zorne ihres Vaters zu entgehen, den sie sich früher oder später wegen ihres bisherigen Verfahrens zuziehen müßten." „Das war weise gehandelt!" sprach Don Peter, „welche Wirkung hatten Deine Worte auf die Brüder?" „Ach, Herr sie waren Beide unzufrieden und sie vereinigten sich nur, mir zu schaden." „Wie", rief Don Peter, „einen so wohlmeinenden, klugen Rath! Das sollen sie mir büßen." „Ach," versetzte der Syndikus, „wenn doch vorerst Ew. Majestät prüfen wollten, ob nicht die Geschichte dieser beiden Brüder die Geschichte der Religion sei. Wissen wir denn nicht, daß der himmlische Vater Jedem seinen Antheil zugewiesen, den er mit Anstrengung und dem Aufgebot aller Kräfte berücksichtigt wissen will? Statt nun in unseliger ' Zwietracht auseinander zu gehen und die Arbeit durch gegenseitigen Haß zu vergällen, wäre es nicht besser, in liebender Eintracht in dem gemeinsamen Werke sich zu unterstützen, bis wir einst vor den Thron des Weltrichters gefordert und über die Lösung der ertheilten Aufgaben berichten?" Don Peter verstand den weisen Sinn dieser Worte und der beabsichtigte Schlag gegen die portugiesischen Juden unterblieb. Jüdische Liritstionshyänen—Arische Herrgottspfänder. Wien, im Juni. Vorige Woche brachten die Tagesblätter einen Bericht über eine executive Versteigerung, die des hohen Interesses nicht entbehrt. Wir sind der Affaire nachgegangen und stellen — signum memoriae — das Resultat der Erhebungen im Nachstehenden fest: Bei einer im zweiten Bezirke, Wallensteinstraße 60, wohnenden Frau sollte eine gerichtliche Feilbietung gepfändeter Effecten vorgenommen werden. Letztere bestanden in wenigen Habseligkeiten. Es fanden sich zu der Feilbietung an dreißig Kauflustige, ausschließlich die sogenannten „Licitations-Hyänen", in der Wohnung der Frau ein, welch' letztere Mutter von sieben uw mündigen Kindern ist. Der Gerichtsvollzieher begann mit der Versteigerung, es wurde jedoch von den Licitations-Hyänen kein Anbot gemacht, so daß ein Feilbietungsstück nach dem Anderen zurückgestellt werden mußte. Nach einer längeren Pause hielt eine der „Hyänen" eine Ansprache folgenden Inhalts: „Meine Herren, es ist schon nahezu Mittag und Essenszeit. Hier aber stehen sieben Kinder und dort steht ein kalter Herd. Geben wir Jeder der armen Frau, die gewiß unverschuldet in Nothlage gerathen ist, eine Kleinigkeit, damit sie ihren abgehärmten und Nr. 26 und hungernden Kindern was kochen kann und gehen wir." Die Licitations-Hyänen veranstalteten hierauf unter einander eine Collecte, händigten deren Ertrag der unglücklichen Frau ein und entfernten sich rasch, ohne die von Thränen erstickten Dankworte derselben abzuwarten, geleitet von den Segenswünschen der Beschenkten und den Hausparteien. Es sei weiters — signum memoriae — festgestellt, daß die exequirte Mutter von sieben Kindern eine frommgläubige Christin und der Executionsftthrer ein nicht unbemittelter Arier ist, wogegen die Liciiations-„Hyänen" Semiten, alias Inden waren. Das Licitationshyänengewerbe ist, es soll dies frank und frei ausgesprochen werden, gewiß nicht fair, und es ist tief bedauerlich, daß Juden bemüssigt sind, zu demselben zu greifen. Der Gros-Theil dieser Licitationshyänen besteht aus alten, gebrechlichen Leuten, die sonst unbedingt angewiesen ivären, den Bettelstab zu ergreifen, während sich der Rest aus Individuen recrutirt, die als Krämer oder Kausleute Schiffbruch gelitten, denen ein Betriebsfond mangelt, um einem anderen Gewerbe nachzugehen und die thatsächlich von der Hand zum Mund leben, in den meisten Fällen eine zahlreiche Familie zu erhalten haben, und nur aus Verzweiflung zu dem von ihnen selbst als ignobel bezeichneten Metier greifen mußten. Den „semitischen" Licitations-Hyänen ist aber, wie die beschriebene Episode darthnt, bei der Practicirnng ihres ignobeln Handwerkes nicht alle M nschlichkeit abhanden gekommen. Das goldene, jüdische Herz versteinert nicht. Mitleid für das Elend der Mitmenschen, für Armuth, für Kranke und Bedürftige ersterben bei keinem Juden, und nach seinem „Jecholes" findet sich jeder Jude verpflichtet und bereit, zur Linderung der Noth ein Schärflein beizutragen. Man halte nur Umfrage bei den Beamten und Gerichtsorganen, zu deren traurigem Beruf die Intervention bei gerichtlichen Pfändungen und Feilbietungen gehört, und man wird erfahren, daß Fälle derartiger jüdischer Menschenliebe, Mitleids und Wohlthätigkeit sehr häufig Vorkommen, ja nahezu Regel sind, der vorhin erzählte Fall vielmehr nur ein Typus ist, der nicht vereinzelt dasteht. Besehe man sich aber, wie es bei Ariern in dieser Richtung Brauch und Sitte ist. Es soll vermieden werden, in den Usus der Generalisirung zu verfallen, den die Gegner der Juden nicht müde werden, bei jeder Gelegenheit, bei jedem Vorfälle anzuwenden. Juden als Licitations-Hyänen sind ja überhaupt eine relativ neue Erscheinung. Es ist noch nicht lange her, wurde dieses Metier von ausschließlich Bollblutariern, den Habitues des judenreinen Tandelmarktes ausgeübt. Mit welcher schonungslosen Rücksichtslosigkeit, Hartherzigkeit und Unmenschlichkeit diese Herren Arier bei gerichtlichen Feilbietungen vorgingen, ist noch erinnerlich, und erhellt aus dem Umstande, daß die gerichtlichen Aussichtsinstanzen sehr oft Veranlassung fanden, zur Abstellung von crassen Ausschreitungen mit einem eeterurn eenseo dreinzufahren. Bekannt ist auch, daß sich die Herren Arier nur deshalb von dem Metier zurückgezogen haben, weil sie infolge der Coucurrenz der Semiten nicht ihre Rechnung fanden, das heißt, weil sie die Pfandobjecte nicht zu den allertiefsten Preisen er, langen konnten, indem die Juden stets höhere Anbote legten, als ihre arischen College». Es ist auch Thatsache, daß, seitdem sich Juden dem Licitatioushandwerk zuwendeten, scandalöse rninuenäo-Licitationen, wie sie unter der Herrschaft der Arier gang und gäbe waren, nicht mehr, oder nur äußerst selten Vorkommen. Was arische Exekuten und deren Herren Anwälte zu leisten im Stande sind, ist noch in voller Erinnerung. Der Ce.reralissimus, richtiger der Gencralstabschef der antisemitischen Partei, der gegenwärtige Bürgermeister Wiens, ist ja durch seine Herrgottspfänderei sattsam bekannt, nicht minder durch seine mit anatomischer Gewandtheit prakticirte Bäuschelreißereii Beide Acte werden dem derzeitigen Oberhaupte der Haupt- und Residenzstadt Oesterreichs einen mit goldenen Lettern verzeichneten Dank in den Annalen Wiens sichern und zu seinem unvergänglichen „Ruhm und Preis" eintragen, welche noch die spätesten Geschlechter „singen und sagen" werden. Nun zur Moral, zum Conclusum der Affaire. Man kann es nicht tief genug bedauern, daß Juden ignobeln Metiers sich zuwenden. Zu wünschen wäre lebhaft, daß sie zu anderen ehrenhafteren Erwerbszweigen greifen würden. Zu ihrer Entschuldigung dient aber, daß ihnen in dieser Richtung die unüberwindlichsten Schwierigkeiten bereitet werden. Ist ihnen derzeit doch schon nicht mehr möglich, auch nur eine Hausirlicenz zu erlangen. Als Handwerker können sich Juden nur schwer fort-