Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 25 (23.6.1899)
- Date
- 1899-06-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Rr. 25 Dr. Bloches Wochenschrift Seite 477 Lichtenstadl. Am 9. d. M. fand das Leichenbegängniß des Privatiers Herrn Jacob L ö w aus Schlackenwerth, eines der Besten unserer alten Gemeinde statt. Er war ein trefflicher Mann in der Geschäftswelt sowohl wie in der Gemeinde — welch' letzterer er mehr als einviertel Jahrhundert als Armencassa-Vorsteher angehörte — hochgeachtet, allgemein verehrt und beliebt, in Folge dessen sich auch sein Leichenbegängniß zu einer großen, erhebenden Feier gestaltete. Der Conduct, dem nebst den Leidtragenden Sr. Ehrwürden.Herr Rabbiner Dr. Klauber, der Vorsteher unserer Gemeinde, auch der Dechant, der Bürgermeister und die Lehrer, sowie die angesehensten Bürger aus Schlackenwerth und der ganzen Umgebung folgten, bewegte sich in einem unübersehbaren Zuge nach dem Friedhofe in Lichtenstadt. Am Grabe schilderte Sr. Ehrwürden Rabbiner Herr Dr. W. Klauber die Verdienste, welche sich der Heimgegangene um seine Familie und um das Wohl unserer Gemeinde erworben hat. Hieraus sprach im Namen der Gemeinde der Vorsteher- Stellvertreter Herr Sigmund Binder, — der Sohn des Verblichenen Herr Siegfried Löw bekleidet nämlich das Amt des Vorstehers — und dankte dem Entschlafenen für das mustergiltig geführte Amt und für die der Gemeinde durch mehr als 25 Jahre geleisteten Dienste. Mrskovitz. Heer Em. Popper, Cultusvorsteher, wurde am 11. d. M. nicht in Sobeslau, sondern in Miskovitz zur Ruhe bestattet, lieber Einladung der dortigen Gemeinde hielt Herr Rabbiner Gabriel G o t t l i e b aus Sobeslau sowohl im Trauerhause, als auch anl Friedhofe ergreifende Trauerreden in czechischer Sprache. Proßnich. (Todesfall.) Am 16. d. M. verschied hier nach langem Leiden der Industrielle Herr Adolf Abel, welcher stch wegen seines biederen Charakters der Sympathien unserer ganzen Gemeinde erfreute. Olmütz. Am 18. d. M. fand im hiesigen Tempel die Trauung des Herrn Leonhard Brach, Sohn des Herrn Malzfabrikanten Hermann Brach, mit dem Frl. Louise P o l l a k, Tochter des k. k. Hofspediteurs Herrn Sami P o l l a k, statt. Herr Rabbiner Dr. Oppenheim vollzog den Trauungsact. Przemsyl. (Doppelpromotion.) Der hiesige angesehene Bürger und Hausbesitzer Joel Margulies, der durch seine hervorragenden talmudischen Kenntnisse und seine schriftstellerische Thätigkeit auf diesem Gebiete Bielen bekannt sein dürfte, erlebte mit seiner ihm an Bildung gleichgestellten Gattin das Glück und die Freude, daß ihre beiden Söhne an einem Tage ihre Promotion feierten. Der eine Sohn wurde zum Doctor der gesammten Heilkunde, der Jüngere zum Doctor der Rechte promovirt. Lemberg. Anfangs September dieses Jahres eröffnet Fräulein Josephine Goldblatt-Kamm erlin g ein Mädchengymnasium in Lemberg. Fräulein Kammerling ist die erste Gymnasiallehrerin in Galizien, und wird als solche ihre Anstalt selbst leiten. Krakau, 21. Juni. (T e l e g r a m m d e r „O e st e r r. W o ch e n s ch r i f t".) Der bisherige Rabbiner-Stellvertreter Ch. L. H o r o w i tz wurde heute zum Gemeinderabbiner gewählt. Budapest, 12. Juni. (Zurückgewiesener Uebertritt.) Bor Kurzen war in den Blättern die Nachricht verbreitet, daß die durch ihre extravaganten Manieren bekannte „Schriftstellerin" Mariska S i m l i zum jüdischen Glauben übertreten wolle. Thatsächlich hat sie den Budapester Rabbiner Doctor Samuel K o h n ersucht, er möge sie in die jüdische Gemeinde aufnehmeu, sie wurde jedoch — wie „E. Hirl." meldet — von Sr. Ehrwürden mit dem folgenden Schreiben abgewiesen: „Fräulein Mariska I. S i m l i, Kaschau. Die Judenheit nimmt nur solche Leute auf, welche aus reiner Ueberzeugung übertreten, ich kann diese Ueberzeugung aber in einer solchen Person nicht voraussetzen, die, wie schreiben, den jüdischen Glauben erst jetzt studiren will. In solchen Fällen sage ich den Betreffenden gewöhnlich: „Bleiben Sie dort, wohin Sie durch Ihre Geburt gekommen sind." Dasselbe empfehle ich auch Ihnen. Mit besonderer Hochachtung Dr. K o h n." Raab. Imposant und vornehm war das leidtragende Publicum, welches dem sein Erdenwallen in den besten Jahren beendeten Oberrealschnlprofessor Herrn Leopold S ch e y das letzte Geleite gab. Die trockene Mathematik war sein Fach und dennoch war er beliebt bei Jedermann. Seine Schüler gaben ihm den Ehrentitel: Schey papa. Es fand sich beim Trauerhause ein: das ganze Benediktiner katholische Obergymnasium, die ganze Staatsoberrealschule, in welcher er durch 26 Jahre segensreich gewirkt, die Handelsakademie, die Professorenkörper der Mädchen-Präparandie und Mädchen-Bürgerschule, ferner die israelitische Knaben- und Mädchenschule, deren Bicepräses er gewesen. Anwesend waren ferner außer den Familienangehörigen, dem Gemeindepräsidium und vielen Hunderten von Gemeindemitgliedern die Elite der christlichen haute vol£e, sowie Obergespan Graf Rudolf Lahberg, Bürgermeister königl. Rath Carl Zechmeister. Oberstudiendirector königl Rath Tr. Anton Nemeth, Univers.-Director königl. Rath Dr. Gustav Kautz, Com.-Rath Anton Jerfy u. s. w. Seine Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Moritz Schwarz hielt an der Bahre eine die fühlenden Herzen vibriren machende Trauerrede, in welcher er das allerzarteste Familienleben des Berbltchenen pries; er schilderte die fascinirende Wirkung, welche er infolge seines biederen, edlen Charakters, sowie durch sein sanftes bescheidenes Wesen auf Collegen, Schüler und seine ganze Umgebung ausübte. Das schönste Lob spendete Seine Ehrwürden dem von tiefem Wissen wie von reinsten Goldfäden durchwebten idealen Streben des Heimgegangenen. Mächtig ergriffen und aufs Tiefste gerührt horchten sodann Alle der Schilderung der mehrtägigen Hiobsleiden, welche dem Leben des vielgeliebten Professors ein jähes Ende bereiteten. Hierauf stimmte Herr Obercantor Adolf Szänto und der Tempelchor einen Trauergesang an, welchem ein vom Oberrealschulprofessor Dr. Emil Bajda und dem Realschul-Gesangschor intonirter Trauerchoral folgte. Sodann setzte sich der unübersehbare Conduct in Bewegung. Am Grabe rührte Herr Oberrealschulprofessor Dr. Isidor Hegediis das trauernde Publicum durch seinen Abschiedsruf, den er mit den Worten einleitete: „Die Scholle, tbeuerer Berufsgenosse, die Deinen Sarg bedeckt, wird nicht Dich, sondern unsere Herzen beschweren". Schließlich nahm Abschied vom geliebten Professor ein Schüler der VIll. Classe im Namen sämmtlicher Collegen, und der Sarg wurde in die Tiefe gesenkt und mit Lorbeerkrünzen bedeckt. Birovitica (Slavonien.) In seiner oieswöchentlichen Predigt, in der unser Herr Rabbiner Dr. Kaufmann die symbolische Bedeutung des Wassers und des Feuers, zu welchen die Thora verglichen wird, auseinandersetzte, hielt er zugleich dem am 12. d. M. s.lig entschlafenen Großen Israels Dr. Israel Hildesheimer einen warmen Nachruf. Im Laufe desselben meinte der Redner, daß in dem gottseligen Rabbi Dr. Hildesheimer beide Eigenschaften in höherem moralischen Sinne enthalten waren. Dort wo es galt. Gutes zu thun, Werke der Liebe und Brüderlichkeit zu stiften und ins Leben zn rufen, glich der Entschlafene dem Sinnbilde des Wassers, da war er die Selbstverleugnung selbst, die verkörperte Sanftmuth und das personificirte Mitleid. Dort aber, wo es galt, dem Gesetze unserer heiligen Religion Geltung zu verschaffen, glich er dem Sinnbilde des Feuers. Denn da bemächtigte sich des Verewigten das heilige Feuer göttlicher Begeisterung, das weder Ruhe noch Rast kennt, bis nicht das vorgestrebte erhabene Ziel erreicht ist. Amsterdam. Unsere Gemeinde beklagt den Tod des Dr. A. de Costa Gomen de la Penha, eines der angesehensten Mitglieder der portugiesischen Gemeinde, der hier als Arzt und Philautrop eine hohe Stellung einnahm. Derselbe hinterließ testamentarisch 10.000 fl. der portugiesischen Synagoge, 10.000 fl. der Armencommission der deutsch-jüdischen Gemeinde und 36.500 fl. verschiedenen anderen jüdischen Anstalten. Cincinati (Ohio), 14. Mai. Gestern tagte hier die Bereinigung sämmtlicher israelitischer Wohlthätigkeitsvereine des Landes unter dem Vorsitze des Ex-Oberrichters M. I. I s a a c s von New-Pork. Die Verhandlungen dieser Körperschaft erstreben, System und Jneinandergreisen in die verschiedenen Wohlthätigkeitsgesellschaften zu bringen. Ex-Oberrichter Jsaacs ist auch Vorsitzer des Baron de Hirsch-Fonds für die Bereinigten Staaten. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Aron Brack hatte in Gegenwart zweier Nachbarn, die er hiezu eingeladen, das kleine Päckchen, welches die Hinterlassenschaft der fremden Frau bildete, geöffnet. Der Inhalt bestand zumeist aus einigen Stücken armseliger Kinderwäsche, ihrem Ehering. ihrer Ksubo') und einem Packet Briefe, die über die Verhältnisse der Verstorbenen Licht verbreiteten. Sie hatte Lea geheißen und war die Tochter des früher wohlhabenden, später verarmten Goldschmiedes Löb Schweitzer in Metz gewesen und hatte vor sieben Jahren einen jungen Mann, Nathan Klein, einen l) Ein in jüdischen Kreisen die Stelle eines Ehevertrages vertretendes Document.