Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-06-23 · 25 (23.6.1899) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
25 (23.6.1899)
Date
1899-06-23
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021303--08953-3033358
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 476 Dr. Bloch's Wochenschrift^ Nr. 35 übergeben. Das Prachtgebäude an 63. Straße trägt den Namen der Baronin Hirsch und in den elegant eingerichteten Räumen erhalten schutzlose Mädchen, die sich selbst ernähren, Kost und Logis gegen eine nominelle Bezahlung. Die Fonds zu dieser herrlichen Anstalt gab Baronin Hirsch noch zu ihren Lebzeiten her. Parallel mit 64. Straße steht ein architektonisches Meisterstück in weißem Marmor und rothen Porcellanziegeln ausgesührt. das jedem Passanten ins Auge und Herz hineinlacht. Es ist die Industrieschule, welche die Verehrer des Baron Hirsch-Fonds errichteten. 3—400 Juden erhalten da ihre Ausbildung in Metall- und Holzarbeiten. Philadelphia. Hier hat sich am 9. April eine Scene abgespielt, bei der man sich in das Mittelalter versetzt glaubte. Jl einem hiesigen Verein, „Liberal Lengue", fand ein Religionsgespräch statt zwischen dem Rev. Dr. I. E. Smith und denk Rabbiner I. Leonard Levy, bei dem es sich um die Göttlichkeit des Stifters der christlichen Religion handelte, die der eine behauptete, der andere bestritt. Ganz nach mittelalterlichem Master erklärte der Protestant: Das Neue Testament ist in Allem die Erfüllung des Alten und die Juden können die Göttlichkeit Christi nur leugnen, wenn sie sich zu einer riesigen Verschwörung zusammenthun, die sich über die ganze Welt erstreckt." Der Rabbiner bestritt dies, befleißigte sich aber eines anständigen Tones, der vortheilhaft von dem seines Gegners abstach, aber sicher hätten beide Rabbiner und Prediger besseres mit ihrer Zeit anfangen können. . Cypern. Die jüdische Ansiedelung entwickelt sich normal weiter, freilich hat auch sie alle die Schwierigkeiten durchzumachen, mit denen alle landwirthschaftlichen jüdischen Ansiedelungen verbunden sind, ob mau sie nun in Palästina, Argentinien, Nordamerika oder Cypern anlegt. Nicht alle Colonisten sind gewillt, die Schwierigkeiten, die der Uebergang vom städtischen bis zum ländlichen Leben mit sich bringt, auszuhalten. Darum haben von 17 Colonisten 3 das Dorf verlassen, um nach London zurückzukehren. Auf dem Lande von zweien derselben sitzen jetzt Schüler von Mikweh Israel, also gelernte Ackerbauer aus Palästina, der Dritte hat sein Terrain verkauft. Die Colonisten klagen, daß 40 Acres Land für Jeden zu wenig sind, umsomehr, da nicht Alles cultivirbar ist, demnach bedürfen sie bec der Ernte vieler Hilfskräfte, jeder Colonist muß circa 15 eingeborene Arbeiter engagiren, aber leider nimmt der zu zahlende Lohn, 1 Mark pro Mann, 60 Pfennige pro Mädchen, den besten Theil des Ernteertrages den Colonisten weg. Die Gerstenernte ist in Quantität wie in Qualität schlecht, doch soll der Weizen bester stehen. Eine Mähmaschine ist in England bestellt, doch käme sie zur Gerstenernte zu spät, vielleicht trifft sie rechtzeitig für die Weizenernte ein. Erfreulich ist auch, daß hier die Frauen fleißig mitarbe-ten, wenn sie sich auch manchmal nach den Fleischtöpfen Londons zurücksehnen. Sieefabriciren unter Anderem Sahnenkäse, der in Nikosia bei den englischen Einwohnern guten Absatz findet. Eine große Unbequemlichkeit war es bisher, daß man kein Fleisch, außer Geflügel erhalten konnte, jetzt hat man wdesten einen Vertrag mit einem Fleischer in Nikosia geschlossen, der einmal die Woche koscher schlachtet. Der bisherige Administrator der Colonie Mr. Walter S. Cohen ist nun nach London zurückgekehrt und die Colonisten werden zu zeigen haben, was sie, auf sich allein angewiesen, leisten können. Hoffentlich haben sie recht gute Erfolge. Wien. (Verlobung.) Herr Dr. Emil Riesenf c l d, Secretär der Nordbahn, hat sich mit Fräulein Flora Kourad verlobt. Wien. (Vermälun g.) Am 18. Juni, 12 Uhr Mittags, hat im festlich geschmückten Gotteshause. VI., Schmalzhofgasse, vor einem zahlreichen Publicum aus den besten Kreisen der Gesellschaft die Trauung des Herrn Victor Eisen st ädter von B u z i a s mit Fräulein Hedwig P o l l a k stattgefunden. Die Braut ist die Tochter des Großindustriellen kaiserl. Rathes Friedrich Pollak, Vice-Präsidenten des Niederösterreichischen Gewerbevereines undVorftandsmitgliedes des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau. In einer glänzenden Rede führte Herr Rabbiner Dr. Taglicht den Brauüeuten ihre Elternhäuser als Muster vor, denen sie nachstreben sollen. Wien. Der Professor für interne Medicill an der Wiener Universität, Regierungsralh Dr. Leopold O s e r, Primarius am Rothschild-Spital, feiert in der zweiten Hälfte dieses Monats seinen sechzigsten Geburtstag. Aus diesem Anlasse werden für den Gelehrten, der Mitglied des Landes-Sanitätsrathes und Abtheilungsvorstand der Allgemeinen Poliklinik ist, von seinen ehemaligen und jetzigen Schülern, sowie Verehrern und Freunden, verschiedene Ehrungen geplant. Wien. (Ferienheim.) Am 19. Juni erfolgte die zweite Expedition von 70 Mädchen unter Aufsicht zweier Lehrkräfte nach Schloß Rossitz, welches nach dem Willen weiland der Frau Baronin Hirsch auch für die heurige Saison dem Vereine in freigiebigster Weise zur Verfügung gestellt wurde. Am Nordbahnhof erschienen die Damen des Präsidiums Frau Sofie G r ü n f e l d, Frau Julie F i a l l a, Frau Amelie Strauß; ferner Herr Ortsschulrath Leopold Strauß und Herr Beirath Moriz Graf. Wien. Im Bethause des „Talmud Thora-Vereines", II., Malzgasse 16, wird Montag den 26. d. M., halb 8 Uhr Abends, für den verewigten Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer eine Trauerandacht (Hesped) abgehalten. Wien, 19. Juni. Heute wurde hier Herr Rabbi Moses B e r n f e l d aus Stanislau zu Grabe getragen. Der Verblichene war ein großer scharfsinniger Talmudist, ein ausgezeichneter Kenner der jüdischen Religionphilosophie und ein hervorragender Hebräist, der die Sprache der Bibel meisterhaft beherrschte. Seit einer Reihe von Jahren bekleidete er in der Großgemeinde Stanislau das Amt eines Magid. In dem dortigen Bet Hamidrasch hielt er vor einem großen Auditorium rabbinisch-exegetische Vorträge, welche allgemeinen Beifalles sich erfreuten. Durch seine liebenswürdige und humane Lebensführung erwarb er sich die Sympathie der weitesten Kreise. Er kam nach Wien, um Heilung von einem Nervenleiden zu suchen, wo ihn der Tod ereilte. Er hinterläßt eine Witwe mit unversorgten Kindern. Herr Rabbiner Dr. S. B e r n f e l d, Schriftsteller in Berlin, und Herr B. B e r n f e l d, Mittelschullehrer in Stryj, sind Söhne des Verewigten. In der Leichenhalle hielt Herr Rabbiner Doctor G e l b h a u s eine Trauerrede, in welcher er die Verdienste des Verewigten nach allen Seiten hin voll und ganz würdigte, welche auf die Zuhörer einen erschütternden Eiildruck machte. Herr Obercantor Kläger recitirte die Trauergesänge in ergreifender Weise. Wien. (Spende.) Für das erblindete Mädchen Sarah Seif ist uns von Herrn M. B., Hütteldorf, fl. 1.— zngekommen. Mödling. (Zwanzig Jahre Chefarzt). Man schreibt uns: „In diesem geschätzten Blatte, in dem unter Anderem auch die Verdienste jener jüdischen Männer gewürdigt werden, die sich in ihrem Berufe anszeichnen und ihrem Stande Ehre machen, möge auch Folgendes Raum finden: Es werden jetzt 20 Jahre, daß Herr Dr. Josef Weiß die in einem der schönsten Thäler des Wiener Waldes liegende W a sserheilanstalt „P r i e ß n i tz t h a l" in Mödling erwarb. Die Anstalt befand sich damals in noch ziemlich bescheidenen Anfängen, aber seit ihrer Uebernahme durch Dr. Weiß, der als Chefarzt in derselben eine rührige Thätigkeit entfaltete, stieg sie zu immer höherer Blüthe empor, so daß sie heilte eines der anerkannt besten und vorzüglichst geleiteten Institute dieser Art ist. Aerztliche Tüchtigkeit, gestützt durch vieljährige Erfahrung, sowie die Gewissenhaftigkeit und die große Sorgfalt, mit der sich Herr Dr. Weiß seinen Patienten widmet, haben den Ruf seiner Anstalt be- - gründet und weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinausgetragen. Von den hervorragendsten medicinischen Capacitäten des In- und Auslandes werden ihr Patienten zugewiesen, die sich aus den verschiedensten Ländern (auch aus dem Oriente und Amerika) und den verschiedensten Ständen recrutiren. Freilich kommt dieser Anstalt auch ihre überaus günstige, gesunde Lage, sowie ihre landschaftlich reizende Umgebung zu statten. Sie grenzt auch unmittelbar an ein schier endloses, harzdurchduftetes Waldgebiet und ist außerdem von einem sehr großen, überaus schönen Park umgeben.. So haben Natur und jüdische Emsigkeit und Tüchtigkeit ein Institut geschaffen, das vielen Leidenden zum Segen, seinem Besitzer und Leiter aber zur hohen Ehre gereicht. Möge es denn dem Herrn Dr. W e i ß, der jetzt auf eine segensvolle 20jährige Thätigkeit mit befriedigender Genngthuung zurückblicken kann, vergönnt sein, auch das 50jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit glücklich zu feiern!"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.