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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-06-23 · 25 (23.6.1899) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
25 (23.6.1899)
Date
1899-06-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 475 keine Juden in der Stadt und die wenigen Israeliten, die 1840 vor der persischen Verfolgung aus Mesched hieher flüchteten, mußten, um ihr Leben zu retten, den Islam annehmen. Nachdem die Russen 1885 Merw erobert hatten, durften sie frei ihr Judenthum bekennen, obwohl ihnen dies seitens der Mohammedaner den Spitznamen „Djedid", gleich Renegaten, eintrug. Aber noch immer können sie die verbitterte Stimmung, die der lange Druck bei ihnen erzeugt bat, nicht ablegen und kommen noch wie einst zum regelmäßigen Gebet in einem versteckten Keller und unter großen Vorsichtsmaßregeln, um sich den Augen Unberufener zu entziehen, zusammen, und die Thorarollen behüten sie in einem verborgenen Winkel. Sie fristen kümmerlich genug ihr Leben als Handwerker. Wilna. In unserem Gouvernement, nahe der Eisenbahn Libau-Romeo, liegt eine jüdische Ackerbau-Colonie Brovody-Mlyn, die schon im Jahre 1850 gegründet wurde. Die Colonisten haben sich vollkommen an den Ackerbau gewöhnt, und die jüngere Generation kennt gar keine andere Beschäftigung und hat es auch zu ziemlicher Geschwindigkeit in der Landwirthschaft gebracht. Die Colonisten verkaufen ihre Produkte in den umliegenden Städten und könnten sich ganz gut befinden, nur ist der Grund und Boden für die wachsende Bevölkerung zu klein, so daß eine Auswanderung geboten erscheint. Sie würden ein gutes Material für eine neue Colonie abgeben. Mkolajeff. Da unsere Stadt unter Militär-Verwaltung steht, so hat der Kriegsminister den Generallieutenant Turbin hiehergesandt, um die Vorgänge bei den Judenexcessen zu untersuchen. Bis jetzt sind 34 Personen, die des Diebstahls während des Tumultes angeklagt sind, zur Aburtheilung gekommen, fast lauter fremde Arbeiter aus Orel. Davon sind die meisten zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt lvorden und ein Knabe der Jugend halber freigelassen worden. New-Bork, 18. Mai. Wie man aus edle Weise seinen Geburtstag feiern soll, hat gestern Herr Salomon L o e b ein Vorbild zur Nachahmung seinen wohlhabenden Mitbürgern gegeben. Die United Hebrew Cliaritie<, zu deutsch die Vereinigten hebräischen Wohlthätigkeitsanstalten, mußten sich mit verschiedenen, in der Stadt zerstreuten Gebäuden behelfen, um ihren edlen Pflichten Nachkommen zu können. Unsere braven Juden, die nicht nur Mittel, sondern auch ihre Talente den verarmten Glaubensbrüdern zur Aushilfe widmen, müßten, nachdem sie ihren diversen Berufspflichten uachgekommen. jeden Abend in andere Stadttheile reisen, um da die Geschäfte für die Armen zu erledigen. Herr Salomon Loeb, der durch Decennien Verwaltungsrath in fast allen unseren Almvsenieren-Jnstituten große Dienste geleistet, hat nun den Vereinigten Wohlthätigkeitsanstalten einen Palast, den er zu diesem Zwecke erbauen ließ und der zweihunderttausend baare Dollars kostete, zum Geschenke gemacht. Das Gebäude ist ein in italienischer Renaissance aufgeführter feuersicherer, vierstöckiger Bau, der eine Grundfläche von 90 bei 60 Fuß bedeckt und ist an der 21. Straße, 2. Avenue gelegen. Die Facaden sind aus weißem Marmor. Die Giebel tragen in Lapidarbuchstaben: United Hebrew Uharities. Die Einweihungsfeier fand gestern statt. Herr Jsaac Wallach, der liebenswürdige Präsident des Mount Sinai-Hospitals führte bei derselben den Vorsitz. Der ehrwürdige Dr. G. Gottheil sprach ein Gebet. Hierauf erfolgte die Verlesung der Schenkungsurkunde des philanthropischen Stifters des Gebäudes. In kurzen herzlichen Worten wies Herr Salomon Loeb darauf hin. welche Genugthuung und Freude es ihm bereite, das Gebäude solch' einem edlen Zwecke, wie dem der allgemeinen Wohlthätigkeit, widmen zu können. Ein schöneres Angebinde zu seinem siebzigsten Geburtstag, den er an diesem Tage begehe, hätte er sich wahrlich nicht denken können. Gleichzeitig sprach der Stifter den Wunsch aus, daß ein Theil des Gebäudes anderen wohlthätigen Gesellschaften überlassen werde. Es wäre gar zu schön, wenn dieses Haus und alles edle Wirken in demselben überflüssig wären, denn dann ginge es unseren Glaubensbrüdern inSgefammt wohl und sie hätten keine Unterstützung nöthig. Aber das Bibelwort, „daß die Armuth nie aufhören werde in der Mitte Deines Volkes", ist in New-Iork bittere Wahrheit. Die United llebmv Charities vertheilen mehr als eine halbe Million Dollars per Jahr an Nothleidende. Durch die Judenverfolgung in Galizien wird eine Auswanderung von dort erzeugt. Es kommen jetzt gar viele Verfolgte in traurigem Zustande hier an. Die Einwanderungsbehörde übt jetzt eine strengere Controle aus, um die Einwanderung unerwünschter Elemente zu verhindern. Wer nicht schon einen Halt an früher eingewanderte Freunde hier hat, möge sich vorsehen, daß ihm nicht die Landung verweigert werde. New-Bork, 4. Juni. Die Tagesblätter bringen in ihren Morgen- und Abendausgaben eine Menge Neuigkeiten, die unser Volk betreffen. Unser Volk gehört zu den Arbeitern. Alle jüdischen Hände sind jetzt thütig. Und es kann der Erfolg gar nicht fehlen. Die rege Ausdauer, die fleißige Hand, der sorgende Verstand und der ernste sparsame Sinn der Inden erringt und muß Erfolge erringen. Neidlos wird das von den Amerikanern anerkannt. Die Tagespresse würdigt die Errungenschaften unseres Fleißes und Talentes. Leider, wo viel Licht, gibr's viel Schalten. Aber es ist ein gewaltiger Unterschied in der Berichterstattung über Fehltritte unserer Glaubensgenossen?) Die „New-Iorker Staatszeitung", die ein strictes Privatuiüernehmen ist und mit dem New- Äjorker Staat gar nichts gemein hat, leistete sich das Vergnügen, Ausrufungszeichen und andere Zeichen vor Namen Angeklagter zu setzen und vergaß nie bei Veructheilungen überführter Verbrecher das Religionsbekenntniß anzuführen, wenn der Convict ein Jude war. Als das erste Kriegsschiff von der siegreichen Flotte Dewey's, der Kreuzer „Rauleigh", im Hafen New-Aork von Manila einlief, da überlief der Kelch der patriotischen Freude und man veranstaltete dem Capitäu, OfftUereu und der Mannschaft diverse Bankets und Festlichkriteu. Der stockamerikanische Union League-Club, eine äußerst exclusive hocharistokcatische Gesellschaft, gab dem Capitäu Caughlan und seinen Unterofficieren ein Banket, wo es ziemlich hoch herging und der Champagner nur so in Strömen floß. Die Herren können sich das leisten. Es sind Multo-Millionäre. Da sang der Capitäu ein Spottlied auf den Deutschen Kaiser. Nebenbei gesagt eine Tactlosigkeit, die vom Mariuesecretär nachher gerügt wurde. Am nächsten Morgen brachte die Slaaiszeitung die Nachricht mit dem Bemerken, daß der Capitäu sich geweigert hätte, das anstößige Lied zu singen, aber die anwesenden I u d e n j u n g e n hätten darauf gedrungen und so trug der Capitän das von einem Juden verfaßte Spottgedicht vor. Am nächsten Tage brachte dasselbe Blatt eine Berichtigung, die den Vorzug der Wahrheit hatte, daß nämlich im Union Leagne-Club keine Juden ausgenommen werden, was jeder New-Porkec männiglich weiß. Denn das einzige Mitglied jüdischer Confessron, Herr Jesse Seligman, resignirte vor Jahren, als dessen Sohn schwarz ballotirt wurde, weil er ein tüchtiger, wissenschaftlich gebildeter Jehudi ist. Nun bleibt der deutsche Jude durch Erziehung der deutschen Sprache treu. Die deutschen Buchhändler in den Bereinigten Staaten würden ohne ihre jüdischen Kunden kaum bestehen können; die deutschen Theater würden ohne jüdischen Bffuch kaum denkbar sein; und die deutsche Staatszeitung von New-Hork muß schon gewiß ihr Schäfchen im Trockenen haben, wenn sie die Leser jüdischen Glaubens so von sich stößt. Der Schöpfer dieses vielgeleseuen Blattes, der greise Oswald Ottendorfer, weilt in Europa. Würde er hier leben, gewiß wären jene ominösen Ausrufungszeichen nie erschienen. Die ganze Affaire wurde hier fast gar keiner Beachtung gewürdigt, aber es zeigt uns klar, woher der antisemitische Wmd weht, und wir sind gezwungen, danach unsere Segel zu richten. Nicht nur in allen Gotteshäusern der Israeliten in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, das ist wohl selbstverständlich, wurden Trauerandachten für die leider viel zu früh dahingeschiedene Menschenfreundiu Frau Baronin Hirsch gehalten, sondern die Tagespresse brachte in Wort und Bild die Trauer- . Nachricht. Bei dem allgemeinen Interesse der Amerikaner an der Tagespresse kann man dreist behaupten, daß es schwerlich ein Heimwesen in den Bereinigten Staaten gibt, wo nicht das edle menschenfreundliche Wirken der Verklärten wenigstens erwähnt wurde. Es wurden hier zwei große öffentliche Trauerversammlungen abgehalten: Eine im Millionärviertel in dem Emanuel Tempel in der fünften Avenue und die andere in Klein-Jerusalem am East Broadway. Beide Versammlungen wurden in der dem Gegenstände würdigen Weise abgehalten, die Trauerpsalmen, Musikaufführuugeu, wie die Vorträge nach jeder Richtung hin erhebend. Es wurden in Ost 63. und 64 Str. zwischen 2. und 3. Avenue 2 Paläste zur selben Zeit der öffentlichen Wohlthätigkeit *) Alle in englischer Sprache erscheinenden Tagesblätter bringen die Polizeiberichte ganz einfach.

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