Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-06-23 · 25 (23.6.1899) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
25 (23.6.1899)
Date
1899-06-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021303--08948-3033353
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 25 Vr. Vloch's WochrufchrrfL Seite 471 Dr. M. K a y s e r l i n g, aus Hannover gebürtig, war in Nikolsburg der herrvorragendste Schüler Rafael Samson Hirsch'. Seine Universitätsstudien absolvirte er in Berlin, wo er durch seine Hobe Begabung sich die Zuneigung des berühmten Dr. L. Philippson erwarb, der ihm auch seine geistvolle, hochgebildete Tochter zur Frau gab. Seine rabbinische Laufbahn begann Kayserling in Endigen in der Schweiz, wo er sich durch die Besprechung der Schächtfrage hervorthat, und, glücklicher als die neuere Generation, das Schächtverbot abwehrte. Im Jahre 1870 ward er zum Pester Rabbiner und Prediger gewählt und erfreut sich seither der besonderen Liebe und Verehrung seiner Gemeinde. Als Schriftsteller und Forscher ist er sehr fruchtbar.' Sein populärstes und bedeutendstes Werk, gründlich und interessant bis ans Ende, ist die Biographie Moses Mendelssohn 's. Die Sprache des Buches ist klar und schön, des Begründers des schönen wissenschaftlichen deutschen Stiles würdig, und der Verfasser entrollt uns darin das Bild dieses, um das moderne Judenthum verdienstvollsten großen Mannes mit einer Wahrhaftigkeit und Lebendigkeit, die es zum verläßlichsten, ja einzigen Qaellenwerke über diesen Bahnbrecher erhebt. Keiner, der sich mit Moses Mendelssohn eingehender befaßt, keiner, der über ihn schreibt, kann dieses Buch unbeachtet lassen, die Forschungen Dc. K a y s e r l i n g 's umgehen; ebenso verhält es sich mit seinen verschiedenen, die Geschichte der Juden in Spanien und Portugal behandelnden Arbeiten, ferner mit dem Werke „Columbus und der Antheil der Juden an der Entdeckung Amerikas", in welchen er bisher ganz unbekannte, auf gewissenhaftester Forschung beruhende Thatsachen zu Tage förderte. Sehr verdienstlich ist auch das Buch „Jüdische Frauen in Kunst, Llteratur und Wissenschaft", das auch ins Uagarische übersetzt wurde und geeignet ist, zur Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins, das leider besonders unseren Frauen mangelt, beizutragen. Sein jüngstes Werk ist ein Denkmal der Pietät, für seinen Schwiegervater Dr. Philippson, gottseligen Andenkens, dessen Biographie es enthält. Er gab.zahlreiche Reden, ebenso die „Bibliothek berühmter Kanzelredner" heraus, ferner sind „Blätter für Homiletik", eine Geschichte der Juden für die Schule rc. rc., sowie viele journalistische Arbeiten von ihm erschienen. Budapest. (P r e i s z u e r k e n n u n g) Behufs Znerkennung der vom Grasen Michael Karolyi ausgeschriebenen Placat-Concurrenz (für Bad Parad) hielt kürzlich der Kunstausschuß der ungarischen Geselljchaft für bildende Künste unterVorsitz des Herrn Julius Kardas eine Sitzung,in welcher der II. P re i s von 300 Kronen unserem Glaubensgenossen Helman Pfeiffer in Budapest zugesprochen wurde. Karl Ly*a, der hervorragende Kunstkritiker des „Budapesti Naplo“ schreibt: „Dies ist ein Placat, das lapidar spricht, einfach und doch auffallend ist, und welches die Aufmerksamkeit des promenirenden Publicums angenehm fesselt." Zum Schluffe spricht er es schlankweg aus, daß es in der Ausstellung nur ein richtiges Placat gebe, und dies sei das Placat Pfeiffer's. Hervorgehoben verdient noch zu werden, daß sich au der Concurrenz nahezu 70 Bewerber, darunter bedeutende Künstler Ungarns betheiligten, welcher Umstand den Pcämiirten zur besonderen Ehre gereicht. Budweis. In den Vorstand der Cultusgemeinde wurden gewählt: Aus dem 3. Wahlkörper Ignaz Fantl, Sigmund Ferda, Heinrich Fischer, Dr. I. Kohn. Aus dem 2. Wahtkörper: Ludwig Lederer, Alexander Kopperl, Salomon Stern, Adolf Taussig. Ans dem 1. Wahlkörper: Samuel Ehrlich, Dr. Josef Freund, Victor Fürth, Otto Ullmann; als Ersatzmänner: Moriz Spitz, Isidor Fürth, Josef Ziegler. In die Repräsentanz: Aus dem 3. Wahlkörper: Jacob Adler, Josef Biehal, Adolf Haim, Josef Kohn. Aus dem 2. Wahlkörper: Dr. Gustav Hesky, Hermann Sametz, Josef Schneider, Dr. Isidor Schulz. Aus dem 1. Wahlkörper: Ludwig Arnstein, Rudolf Gellert, Rudolf Kopperl, Dr. Max Löbl. In die Umlagscommiffion wurden gewählt: Friedrich Gans, David Herz, Josef Tauffig, Daniel Sy nek, Siegfried Schiffmann, Moritz Ullmann. Als Casserevisoren wurden gewählt: Dr. Adolf Sachs, Siegfried Sachs, Ferdinand Steiner, sämmtliche aus Budweis. Die Constatirung des neugewählten Vorstandes erfolgt im Monate September nach Ablauf der dreiiährigen Functionsperiode des gegenwärtigen Vorstandes. Preßbnrg. (Die orth. - israel. Volkschulen und die ungarische Sprache.) Königl. Rath Schulinspector v. P l a ch y hat in der jüngst abgehalteuen Berwaltungsausschuß-Sitzuug in anerkennenswerther Weise hervorgehoben, daß in den orth.-israel. Volksschulen zur intensiveren Pflege der ungarischen Sprache eine zeitgemäße und erfreuliche Aenderung vorgenommen wurde, indem der Obmann der Schulcommission, Friedrich D u s ch i n s k y, den von competenter Seite schon seit jeher gehegten Wunsch behufs einheitlicher Leitung der Volksschulen nunmehr realisirte. In der letzthin abgehaltenen Schulcommissions - Sitzung wurde der seit fünf Jahren mit ersprießlichem Erfolge hier wirkende Lehrer Wilhelm Kohn zum Director der vereinigten Knaben- und Mädchenschule gewählt. Daß die orthodoxe Gemeinde in cnltureller Beziehung keine Opfer scheut, beweist zur Genüge, daß sie mit dem Kostenaufwande von 80.000 fl. ein neues Schulgebäude aufführen ließ, wohin die Kaaben-Bücger- und die beiden Volksschulen untergebracht werden. Es sei noch ferner erwähnt, daß vom nächsten Schuljahre angefangen die Lehranstalten genannter Gemeinde mit einer Mädchen-Bürgerschule ergänzt werden. Daß das Gedeihen des Unterrichtswesens eines besseren Aufschwunges sich erfreut, ist dem lobenswerthen Eifer der Vorstandsmitglieder Joel Wolf, Lazar G e st e t t n e r, Ignaz H e r z s e l d und neuestens Friedrich D u s ch i n s k y als Präses der Schulcommission zu verdanken. Berlin. Als Montag den 12. Juni der Telegraph der ganzen Welt die Trauerbotschaft von dem Heimgange des berühmten Rabbiners und Seminar-Directors, des Herrn Doctvr Israel Hildesheimer, verkündete, war es zu erwarten, daß die Beisetzung der sterblichen Hülle des Verklärten sich zu einer selten imposanten Trauerkundgebung gestalten werde. Alle Erwartung blieb aber weit hinter dem am Mittwoch den 14. d. M. Nachmittags stattgehabten Leicheubegängniß zurück. Man sah den großartigen Leichenfeierlichkeiten an, daß hier nicht blos das orthodoxe Juventhum Berlins, Deutschlands, ja der ganzen Welt trauernd an der Bahre stand, sondern das Judenthum überhaupt einen seiner größten Söhne zu Grabe trage. In der schmalen Gipsstraße, im Cenlrum der deutschen Kaiserstadt gelegen, staute sich die nach Tausenden zählende Menge, um dem Begräbnisse anwohnen zu können. Lange Zeit vor der officiellen Stunde der Beerdigung hatten sich colossale Menschenmassen in der engen Straße eingefunden, in derem Hause Nr. 12 a das Rabbiner-Seminar und die Synagoge der Adaß-Jsra8l-Gemeinde sich befinden. Polizei-Officiere, unterstützt von vielen Schutzleuten, bemühten sich, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Wagen an Wagen kam mit Leidtragenden und Trauergästen herangerollt. Als die zweite Mittagsstunde heranrückte, da war das Gedränge ein nahezu lebensgefährliches, denn die Straße war schwarz von den vielen Menschen. Im Gotteshause der Gemeinde, in das man nur gegen Einlaßkarte Zutritt haben konnte, wurde die Trauerandacht abgehalten. Ueber hundert auswärtige Rabbiner und mehr als die doppelte Zrhl von Deputirten wohnten der Feier bei. Aus allen Theilen Deutschlands, aber auch aus Oesterreich, Ungarn, der Schweiz und Rußland waren Abordnungen erschienen. Die hiesige „Bereinigung jüdischer Studirender" hatte eine aus drei Chargirten bestehende Deputation abgesandt. Die hiesige große Gemeinde war durch mehrere Vorstandsmitglieder und das Rabbiuats- Collegium, bestehend aus den Rabbinern Doctoren M a y b a u m, Stier und W e i s s e, vertreten. In der Synagoge hielt Rabbiner Dr. Berliner die Trauerrede, Seminar-Professor Dr. H o s f m a n n schilderte das Wirken des Dahin geschiedenen und seine Lehrtätigkeit. Rabbiner Dr. Auerbach - Halberstadt sprach im Namen des Curatoriums des Rabbiner-Seminars. Als letzter R:dner bei der Syaagogenseier sprach Herr Rabbinatsassessor Dr. B i b e r f e l d im N rmen der Schüler des Seminars wenige Worte des Nachrufes. Er betonte, daß kein Opfer sich mit dem messen könne, was die Schüler heute darbrächten; was sollte er auch sagen, könne doch die Ehre des Dahingegangenen nicht durch Worte erhöht oder vergrößert werden. Aber ein Wort des Dankes müsse er nachrufen für das, was der theure Rabbi den Schülern gewesen sei, dessen Unersetzlichkeit ihnen nun klar werde. Gott müsse er Dank sagen für den unverdienten Cheffed, den ec den Schülern bewiesen hätte. Im Namen des Rabbinates wolle er das Gelöbniß ablegen, daß sie im Sinne des theuren Rabbi leben und wirken wollen mit einen» vom Bewußtsein Gottes erfüllten Herzen. Hierauf wurde der Sarg von den Söhnen und Familienmitgliedern zum Wagen getragen und der lange Zug, der von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.