Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 24 (16.6.1899)
- Date
- 1899-06-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 454 Dr. Bloch's Wocheirschrifl. Nr. 24 Entsprechend dem Anträge der Unterrichtssection wird fünf würdigen israelitischen Lehramtscandidatinnen je ein Handstipendium per fl. ö. W. 20 zugewendet. Sohin gelangen nachstehende Stiftungen bezw. Widmungen zur Verleihung: die Ignaz Blumenfel d'sche Widmung für Künstler; ein Stipendium im Betrage von fl. ö. W. 980.— (Turnusgemäß im Jahre 1899 an einen Maler). Die aus den akademischen Malern, den Herren Leopold H o r o w i tz, Isidor Kaufmann und David Kohn bestehende Jury erstattet noch wiederholter eingehender Prüfung der von den Bewerbern vorgelegten Kunstproben nachstehenden Ternavorschlag: primo loco: Nicolaus Schatten st ein; secundo loco : Jehuda Epstein; tertio loco: Josef Kriwer. In der Begründung ihres Votums führt die Jury aus, daß die von sämmtlichen Competenten vwgelegten Kunstproben ein nach jeder Richtung hervorragendes Material geboten haben, es könne auch nicht von einem Einzigen der Bewerber behauptet Werden, daß er für die gewählte Kunst nicht berufen erscheine und bedaure es die Jury lebhaft, nicht jedem einzelnen der Petenten durch ihr Votum förderlich sein zu können. Im Sinne des Referates des Herrn Dr. Maximilian Steiner wird sohin in Uebereinstimmung mit dem Vorschläge der Jury das Stipendium an den primo loco genannten Nicolaus Schattenstein verliehen und den Juroren der wärmste Dank des Vorstarldes votirt. Herr Dr. Steiner referirt weiters über die Jsac Leeb und Lea Weinberg-Stiftung für Hochschüler (ein Stipendium im Betrage von fl. 300.— für die Dauer der Studienzeit). Im Sinne des Stiftbriefes sind in Rumänien, in erster Linie in Bukarest geborene Bewerber besonders zu berücksichtigen. Das Stipendium wird entsprechend dem Referate an einen in Rumänien gebürtigen Hörer der Medicin verliehen. Im Sinne des Antrages desselben Referenten wird weiters die Clara Kahane'sche Ausstattungs-Stiftung (2 Plätze ä fl. 205) zwei verwaisten, jüdischen Bräuten zugewendet. Die von einem ungenannt sein wollenden Wohlthäter errichtete Kaiser Franz Josef Jubiläums-Stiftung (Stiftungscapital fl. 100.000), deren Ertragniß stiftbriefgemäß solchen Waisenkindern zu Gute zu kommen hat, deren Väter in Wien verstorben ist oder in Wien bis vor seinem Tode den ordentlichen Wohnsitz hatte, gelaugt sohin mit 14 Stipendien ü fl. 150 zur Verleihung. Die vorgeuommene Zuwendung der Rosa Adler-Alschech Stiftung für arme Frauen, sowie von drei Stipendien aus der Lina Mosenthal-Stiftung für Wöchnerinnen an competente Bewerberinnen wird zur Kenntniß genommen. Entsprechend dem Referate des Herrn Baurathes Stiaßny wird das Wolf Jsak Nassau'sche Stipendium für einen Kunstakademiker an einen Zögling der Bildhauerschule der k. k. Kunstakademie in Wien verliehen. Bor Schluß der Sitzung theilt der Präsident mit, daß er angesichts des bevorstehenden Erholungs-Urlaubes einer größeren Anzahl von Vorstandsmitgliedern großen Werth darauf lege, verschiedene, längere Zeit auf der Tagesordnung befindliche Berathungsgezenstände der raschesten Erledigung zuführen zu können. Zu diesem Behufe werde an jedem Mittwoch des Monates Juni eine Plenarsitzung ausgeschrieben werden und er stelle an die anwesenden College« vas dringendste Ersuchen, bei diesen Sitzungen vollzählig zu erscheinen, um die Beschlußfähigkeit zu ermöglichen. Schluß der Sitzung 7,9 Uhr Abends. Wien. Ueber den verstorbenen Ignaz Ritter von E p h r u s s i schreibt man aus Odessa: Der Verewigte, der vor mehr als einem Vierteljahrhundert Odessa verlassen und seine Thätigkeit nach Wien verlegt hatte, genoß in Odessa sowohl in Finanzkreisen als überhaupt große Popularität. Hier in Odessa war er einer der ersten, der den festen Grund zu unseren Handelsbeziehungen mit dem Westen Europas legte. Außer seinem eigenen Bankhause ersten Ranges war er einer der Gründer der Odessaer Commerc-Bank, (die nicht mehr existirt, der Bessarabisch-Taurischen Agrarbank hier nnd in Petersburg, der Internationalen Discontobank, der Russischen Bank für den auswärtigen Handel und anderer Bankinstüute. Als er Odessa verließ, gründete er die ^Volksschule Ephrussi", deren Ehrencurator er war, und der er von Wien aus reiche Gaben zukommen ließ. Erst vor zwei Jahren schenkte er in Gemeinschaft mit seinen Neffen, den Herren Jules, Jgnace und Charles Ephrussi in Paris, zur Erweiterung derselben den Betrag von 35.000 Rubel. Der Verewigte hatte folgende russische Orden : St. Stanislaus 2., St. Anna 2. und St. Wladimir 3. Classe. Außerdem besaß er noch einen Orden von der schwedischen Regierung, deren General-Consul er viele Jahre hindurch in Odessa war. In Oesterreich wurde er wegen seiner Theilnahme an den Staatsfinanzoperationen geadelt. Der Heimgegangene hinterläßt eine trauernde Witwe, Frau Emilie von Ephrussi, geborene Porgös, die Enkelin des bekannten Tedesco, zwei Söhne, von denen der Aelteste, Stephan, Director der hiesigen Filiale der Russischen Bank für den auswärtigen Handel, und der Jüngere, Victor, Associe des Hauses Ephrussi u. Co in Wien ist, und eine dort verheiratete Tochter zurück. Der Verklärte war ein Schüler des bekannten hebräischen Dichters und Mathematikers Jacob Eichenbaum s. A. und war ein sehr kluger und hochintelligenter Mann. Gesegnet sei sein Andenken! Ein christlich-socialer Attentäter. Floridsdorf, 12. Juni 1899. Aus Floridsdorf wird gemeldet: Die Wohnung des 51jährigen hier lebenden pensionirten Sicherheitswachmannes Franz K r e j c i war gestern Abends zwischen 9 und 10 Uhr der Schauplatz eines blutigen Attentats. Der in Donaufeld, Donaustraße Nr. 15, wohnhafte und wegen seines gewaltthätigen Benehmens gefürchtete christlich-sociale Agitator Johann Formanek wollte die Frau des Sicherheitswachmannes K r e j c i. Frau Maria K r ej c t, seine Schwiegermutter, erschießen, traf aber statt dieser ihren Mann und ihre Tochter, welche schwere Schußwunden erlitten. Franz F o r m a n e k, der nach Groß-Meseritsch zuständig ist, war in erster Ehe mit einer Stieftochter K r e j c i's verheiratet, welche aber vor einigen Jahren starb. Forma nek heiratete hierauf zum zweiten Male. Auch seine zweite Frau starb, Formanek bewarb sich nun um eine zweite Tochter Krejci's, die neunzehnjährige Anna K r e j c i, welche aber seine Neigung nicht erwiderte, sondern mit dem Arbeiter Franz B u j c e k ein Verhältniß unterhielt. Auch die Eltern des Mädchens waren gegen ihre Verbindung mit F o r m a n e k. Gestern Abends erschien Formanek in der Wohnung seines Schwiegervaters K r e j c i, woselbst auch B u j c e k zu Besuche anwesend war. Formanek stellte an Anna K r e j c i die Frage, ob sie ihn heiraten wolle. Als das Mädchen darauf mit einem entschiedenen Nein antwortete, zog Formanek einen Revolver und wollte ihn gegen seine Schwiegerm u t t e r, welcher er die Schuld beimaß, daß Anna ihn verschmähe, abfeuern. In diesem Momente fielen ihm Franz und Anna K r e j c i in den Arm uud versuchten ihm die Waffe zu entwinden. Dabei entlud sich der Revolver. Anna K r e j c i erhielt eine S ch u ß w uitbe in den Rücken, Franz K r e j c i eine solche in den Bauch. Beide sind schwer verletzt und mußten in das Allgemeine Krankenhaus transportirt werden. Franz Formanek, der sich stets als ein enragirter christlich-socialer Agitator hervorgethan, wurde von den erschienenen Sicherheitstvachleuten dem Bezirksgerichte Floridsdorf eingeliefert. Teplih. Die neugewählte Repräsentanz der israelitischen Cultusgemeinde in Teplitz. Das in die Repräsentanz der israelitischen Cultusgemeinde neugewählte Collegium hat sich wie folgt constituirt: Cultusvorsteher ist Herr JUDr. Willner; Stellvertreter Herr E. R i n d s k o p f. Tempelvorsteher sind die Herren Herm. Bloch, H. N e t t e l und Leop. K u s i n e r; Cassier Herr L. S a m e l, Stellvertreter Herr Jul. Hauser; I. Beirath Herr Berth. P e r u tz, II. Beirath Herr Rothschild. Ersatzmänner die Herren Dr. G l a e ß n e r, Jul. Hahn und M. Lederer.' Der Repräsentanz gehören an die Herren: L. Adler, Doctor B a e ck e r (Dux), Ernst Bechert, L. Birnbaum, F. Bruck, M. Freud (Dux), M. Langer, Dr. L ö w y, L. Menzel, Jul. Otto, M. Pollack, Alfred Riethof, Dr. E. Stein, Siegfr. Steiner, E. S t e i n w a l d, M. Schulhof, Simon T a u s s i g, E. W i l l n e r. Als Ersatzmänner die Herren: Carl G a e r t n e r, Dr. S. H a h n,