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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-06-16 · 24 (16.6.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
24 (16.6.1899)
Date
1899-06-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 24 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 453 legt es der Gemeinde ans Herz für eine Erhöhung des Gehaltes wie für die Vermehrung der Einkünfte des Rabbiners Sorge zu tragen, empfiehlt der Gemeinde die Errichtung einer höheren Schulclasse, welchen Anregungen sämmtlich alsbald Folge gegeben wurde, und bemerk weiter wörtlich r . . . . „Nehmen Sie ein Beispiel von der hiesigen Gemeinde (Lemberg), wo bei geringen Mitteln (denn die Bedürfnisse sind ungeheuer) in kurzer Zeit so Erstaunliches zu Tage gefördert wurde und lediglich auf Antrieb des Vorstandes. Ungeachtet die Wohlhabenden durchgehends Privatlehrer haben und sie vor der Hand wohl behalten werden, wird doch eine Hauptschule errichtet und schon jetzt für dieselbe von jeden» Stück Hornvieh 1 fl. C -M. entrichtet, ungeachtet das Fleisch hier ohnehin vielfach belastet ist.. Einen weiteren sehr bezeichnenden Brief Abr. Kohn's vom Jahre 1846 laste ich hier vollinhaltlich folgen: „Hochverehrte Herren Vorsteherl Wäre nicht Ihre Gemeinde so gar weit entfernt, so würde ich sie ja nach einigen Jahren besuchen, nm mich nicht blos nach meinen alten Freunden und Pfarrkindern umzusehen, sondern auch um nachzusehen, welche Fortschritte seitdem dort gemacht wurden, und wie die Anstalten, die unter meiner Anregung und Mitwirk»»ng ins Leben getreten, fortblühen und sich weiter ausgebildet und entwickelt haben. Da dies nun aber nicht angeht, will ich dem Drange meines Hebens wenigstens dadurch Genugthuung verschaffen, daß ich mich bei Ihnen, meine Herren, nach dem Stande der Gemeindeangelegenheiten erkundige. Es wird bald zwei Jahre werden, seitdem ich Ihre Gemeinde verlassen, und das ist schon ein Zeitraum, innerhalb dessen ein Fort- oder Rückschritt sich bemerklich machen muß. Die erste öffentliche Angelegenheit einer R e l i g i o n s gemeinde ist der Gottesdienst. Wie steht's mit demselben? Wird für die Recrutirung und Unterhaltung des Chores gesorgt, d. h. ein Opfer gebracht? Die ärmeren Kinder müßten durch kleine Geschenke zuweilen ermuntert werden, damit sie z»»m Eintritt und zur Ausdauer Lnst bekommen. Und das wäre .... Sache der Gemeindevorstehung. Die Unterhaltung des hiesigen Chores, der im Grunde noch wenig leistet, kostet jährlich eine bedeutende Summe. Der Handwerksverein und die Chewra-Kadischa haben ohne Zweifel ihre wohlthätige und gemeinnützige Thätigkeit fortgesetzt, aber sie sollten jetzt als festbegründete und bewährte Institute, die der Gemeinde Nutzen und Ehre bringen, folglich einen schönen Theil ihres Vermögens ausrnachen, unter die Obhut der Vorstehung genommen werden und ihrer Unterstützung sich erfreuen. .... Haben Sie bei der Regierung Schritte gethan, um eine Vermehrung der gesetzlichen Familienstellen Ihrer Gemeinde zu erwirken? Wenn die Sache bei der hohen Hofstelle anhängig gemacht wurde, wollte ich gern Herrn Prediger Mannheimer und Herrn Josef Wertheimer in Wien um ihre wirksame Verwendung angehen .... Mein Befinden und Bestehen ist eine Privatangelegenheit, über die allenfalls meine dortigen Verwandten Bericht geben können. Das Interesse hingegen, das ich an Ihrer Gemeinde und deren Angelegenheiten nehme und stets nehmen werde, ist ein hohes und heiliges, und so werde ich auch nur einem amtlichen Berichte von Ihnen vollen Glauben schenken, mit dem Sie mich auch hoffentlich erfreuen werden. A. Kohn m. p. Lemberg, 20. März 1846. Diesen amtlichen Bericht hat die Vorstebung auch am 29. Mai 18*6 an Abr. Kohn ergehen lassen, und wird dessen Empfang ihm sicherlich Freude und Genugthuung bereitet haben, weil sich in ihm ein Gemeindeleben im Sinne Kohn's wiederspiegelt zur Ehre ebenso Abr. Kohn's wie der Hohenemser Gemeinde. Im Jahre 1845, als es sich um die Bestätigung Kohn's in Lemberg durch die Behörde handelte, und wohl auch infolge der ehrenrührigen Vorgänge in Lemberg durch die berüchtigten „Fünf- Männer", hatte die Behörde Erhebungen über das Vorleben Abr. Kohn's und seine A,ntirung in Hohenems gepflogen. Für den 17. Februar 1845 hatte das k. k. Landgericht Dornbirn den damaligen Gemeindevorsteher und späteren Bürgermeister Herrn Philipp Rosenthal (Vater der Chefs der Wiener Firma Gebrüder Rosenthal), sowie a»»ch zwei Gemeindeausschußmitglieder zur Aeußerung über Abr. Kohn's Arntsthätigkeit aufgefordert, wobei sie „die gedruckten Aufsätze, in denen Abr. Kohn seine Gelehrsamkeit und entschiedene Absicht, seine Glaubensgenossen aufzuklären" bekundet habe, mitbringen sollten. Auf diesen Vorgang hatte auch der folgende Brief Professor Sulzer's Bezug, den ich seines interessanten Inhaltes halber wörtlich wiedergebe: „Herrn Philipp Rosenthal Wohlgeboren in Hohenems. Wien, am 26. Februar 1845. Verehrter Freund! Infolge des leider nur noch zu sehr herrschenden Obscurantrsmus bei unseren galizischen Religionsgenoffen (ein uneigentlicher Ausdruck, da, unter uns gesagt, gerade die polnischen Juden von ihrer Religion wenig oder gar keinen Genuß haben), haben die Mißhelligkeiten zwischen den Alten und Neuen in Lemberg derart überhand genommen, daß die hohe Landesstelle Veranlassung genommen, gesetzlich einzuschreiten. um eS zur Entscheidung zu bringen, ob die neuen Cultusanhänger als eine neue Secte zu betrachten und von den Alten zu separiren seien oder nicht. Sie wissen wohl recht gut, wie viel Unheil und Gehästigkeit aus religiösen Streitigkeiten hervorpeht, — wie sehr es daher jedem Israeliten insbesondere Pflicht ist, so versöhnend als möglich auf die aufgeregten Geillttther zu wirken, ohne jedoch die Entwicklung heilsamer Refornien irgend zu beeinträchtigen, mib werden Ihren Bericht.derart abfasten, daß er geeignet sei, der Böswilligkeit und jeder ferneren Verdächtigung Einhalt zu thun. Namentlich aber ist eS von höchster Wichtigkeit, daß Sie der Gelehrsamkeit, Rechtlichkeit und dem edlen auf Religiosität und Gesetzlichkeit basirten Streben des Herrn A. Kohn volle Gerechtigkeit widerfahren lasten» — denn gegen diesen braven Mann haben sie es besonders abgesehen (nämlich die Morschen). — Näherem Vernehmen nach ist es ein förmlicher HofrecurS von nur 5, jedoch sehr reichen Finsterlingen, gegen die Ernennung des Herrn A. Kohn als Rabbiner, wobei sie sich die schändlichste Anschwärzung erlaubt haben sollen — Sie wollen keinen Mann von gutem Ruf und Hellern Geist, ein „Baal Schem", so eine Art bärtiger» Hexenmeister möchten sie. Lieber Herr! Die wissen wirklich nicht, was sie wollen — noch waS sie sollen. Nehmen Sie sich, so bitte ich sie, so hoffe ich es von Ihnen, der Sache eifrigst an, wofür Ihnen der Allmächtige m allen Ihren Unternehmungen Glück und Beistand verleihen wird. Achtrmgsvoll S. Sulzer m. p." Der Erfolg zeigt, da Abr. Kohn bekanntlich bald darauf als Rabbiner bestätig wurde, welcher Art der Bericht der Hohenemser Gemeinde über Abr. Kohn war. Den Abschluß dieser Ausführungen mög^n die Schlußworte Sachs', eines treuen Freundes Kohn's, bilden, der in seiner Volksbibel zu Rum. Cap. 30, eine Predigt Abr. Kohn's, deren Manuscript ihm von dessen bereits genannten Bruder Bernhard in Wien übergeben wurde, abdruckt, daran eine kurzgefaßte Schilderung vom Leben und Sterben ihres Verfassers knüpft und zum Schluffe anknüpfend an Genes. Cap. 18. B. 33, bemerkt: „Und Abraham kehrte im Bewußtsein eines heilsam verbrachten Lebens, gelassen und ruhig zu dem ihm aufbewahrten Platz, in feiue wahre Heimat zurück, wo kein Feind ihn» mehr nachspürt und nachjagt.Und Abraham steht noch vor Gott und fleht, wie im Leben für das Wohl seines Volkes, ja selbst für die Bösen und Ruchlosen, die ihm das Leben hienieden so verleidet unb verbittert haben." Abraham Kohn's letzte Worte waren wahr wie sein ganzes Leben: „Und so ich durch Gift sterbe, so hat es kein Jude gethan". — Er sprach die Wahrheit, es hatte ihn kein Jude vergiftet. Correspondenzen. Sitzung des Vorstandes der israelitischen Cultnsgemeinde Wien, Mittwoch am 7. Juni 1899. unter Vorsitz des Präsidenten kais. Rath K l i n g e r. An Spenden sind eingelaufen: Bon Herrn l. Vicepräfidenten Dr. Alfred Stern für Arme.fl. 100.— Vom Vereine „Bnai B'cith" für die Ausspeisung armer, israelitischer Schulkinder: a) vom Vereine selbst.. 50.— l>) von Mitgliedern gesammelt. ... „ 70.— Bon Herrn Salomon T i k t i n für Arme, anläßlich der Vermälung seiner Tochter . . „ 25.— Bon Herrn Eduard Berger für arme Wöchnerinnen.„ 5.— Bon Herrn Samson B o n d y für das Waisenhaus .„ 2.— Aus den Sammelbüchsen im Währinger Tempel: a) für die Chewra-Kadischa Währing . „ 41.30 b) für den Frauenverein in Währing . „ 1.91 c) für Arme.w 3.49 7* Zur Verlesung gelangt eine Note des magistratischen Bezirksamtes für den XVIII. Bezirk vom 13. Mai 1899, des Inhaltes, daß das Ministerium des Innern dem Recurse der Commune Wien gegen die die Erweiterung des Rothschildspitales gestattende Entscheidung der Statthalterei keine Folge gegeben habe. Der Erlaß der Statthalterei, mit welchem die angesuchte Erhöhung des Cultussteuermaximums auf fl. ö. W. 6000 genehmigt wird, wird zur Kenntniß genommen. Im Sinne des Antrages der I. Section wird der Cultusgemeinde Krems, welcher aus der Fürsorge für die israelitischen Sträflinge in der Strafanstalt Stein sehr bedeutende Auslagen erwachsen, pro 1899 eine Subvention von fl. 200 gewährt.

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