Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 24 (16.6.1899)
- Date
- 1899-06-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 24 Br. Bloch's Wochenschrift. Seite 44V rechnungsrath I. Classe des Kriegsministeriums L a s u s, die Generalstabsärzte Kraus und Waldstädten, und eine lange Liste Stabsärzte, Traincommandant Manuel und viele Andere waren und sind eine Zierde der Armee und erfreuten sich bei ihren Truppenkörpern, resp. Kameraden allgemeiner Beliebtheit und hohen Ansehens. Nur das Auditoriat nimmt gegenüber Juden eine Ausnahmsstellung ein. Es verhält sich bei der Aufnahme in die Auditoriatspraxis nach wie vor negativ und genießt wohl als einzige öffentliche, amtliche Körperschaft den zweifelhaften Ruhm der Glaubensreinheit. Dieses Hilfsorgan des Kriegsministeriums folgt hiebei den Spuren der liberalen Ministerien, der ei devant freiheitlichen Aera. Schmerling, das Prototyp des österreichischen Talmi-Liberalismus, stellte als Axiom auf, daß Juden in der richterlichen Praxis nicht Eingang finden dürfen, und mit Recht gilt dieser liberale Heros als Vater des modernen Antisemitismus in Oesterreich. Ein würdiges Pendant zu Schmerling bildete Lasser, ebenfalls ein Typus eines pseudo-liberalen Beamten; er verwehrte Juden mit Unnachsichtlichkeit die Aufnahme in die Verwaltung. Erst den als reactionär verschrienen Ministerien T a a f f e und Thun haben es — horribile dietu — Juden zu danken, daß sie in höhere Stellungen der Beamtenhierarchie zu gelangen vermochten. Es gibt ein einfaches Mittel zur Abhilfe der Noth an Mann. Das Auditoriat beobachte einfach die vom obersten Kriegsherrn, demnach auch obersten Chef der Militärjustiz, sanctionirten Staatsgrundgesetze und lasse den Zutritt zu diesem Reffort für alle Staatsbürger ohne Unterschied der Confession frei. Dann wird der fehlende Nachwuchs sich auch bald einstellen. Es steht aber gewiß nicht die Befürchtung vor Ueberfluthung mit jüdischen Aspiranten bevor. Juden haben derzeit wahrlich keine Ursache, die Laufbahn in öffentlichen Stellungen, namentlich im Militär, zu wählen, denn die widerliche antisemitische Strömung übt unwillkürlich auf ihre sociale Stellung peinlichen Einfluß. Allein ein erheblicher Theil unserer Jugend setzt eine Ehre darein und besitzt den Idealismus, sich in öffentlichen Stellungen zu bethätigen, und dies darf und soll ihr nicht verwehrt werden. Eduard Beer. Tonfularberichte aus Palästina. ii. „Die fortgeschritten st en und fruchtbar st en unter den Colonien in der Nachbarschaft von Jaffa sind die jüdischen Colonien. Die letzte Weinlese war sehr reich, besonders in der Colonie Richon-le-Zion. Das annähernd genaue Ergebniß ihrer Production von Wein und Cognac beläuft sich auf 1,679.146 Kg. Wein und 84.375 Kg. Cognac. Große Hoffnungen werden gehegt-in Bezug auf fernere Verbesserung der Qualität dieser Weine, deren Blume derjenigen vieler französischen Weine gleichkommt. Die Colonisten von Petah-Tikva haben begonnen, einen großen Theil ihres Bodens mit Orangenbäumen zu b-pflanzen. Man schätzt den hiefür bestimmten Grund dem Umfange von 100 Gärten der hiesigen Durchschnittsgröße gleich. Die Ackerbauschule Mikweh-Jsrael, welche der 4d1iauee tLl-uölite von Paris gehört und auf der Straße nach Jerusalem gelegen ist, eine halbe Stunde von Jaffa entfernt, befindet sich i, stetigem Fortschritte. In dieser Schule befinden sich regelmäßig gegen 100 dort wohnende Schüler, welche auf Kosten der Alliance gekleidet, genährt und unterrichtet werden; viele von den Zöglingen werden nach Beendigung ihrer Studien nach Paris geschickt und gehen, nachdem sie in der französischen Hauptstadt ihren Studiengang vollendet haben, als Lehrer an die verschiedenen Schulen der Alliance ab. Auf diese Weise sehen die Zöglinge eine hoffnungsvolle Laufbahn vor sich eröffnet. Dieses Institut hat einen großen Theil seines Bodens dem Weinbau gewidmet; der in Mikweh producirte Wein ist ausgezeichnet (extremes good); die letzte Weinernte hat 111.504 Kg. ergeben. Die Pflanzung von Maulbeerbäumen für die Zucht der Seidenraupe wird ebenfalls immer mehr ausgedehnt " So weit der Bericht eines unbefangenen Beamten, des englischen Consularagenten von Jaffa, über den hocherfreulichen Zustand der Colonien von Palästina. Nun noch ein paar Worte über Jaffa, welches als Ausfuhrhafen für Palästina ungefähr dieselbe Bedeutung hat, wie Triest für Oesterreich oder Hamburg für Deutschland. Leider befindet sich der Hafen in einem beklagenswerthen Zustand. „Der Hafen ist offen, an einer sehr exponirten Stelle der Küste und während der Winterstürme geradezu unzugänglich. Eine britische Dampferlinie läuft dreimal im Monate an, hauptsächlich wegen Orangenfrachten. Mehr oder weniger regelmäßig entsenden auch britische Rheder von Alexandria einen Küstendampfer um Orangen und andere Fracht. Andere britische Handelsschiffe kommen von Zeit zu Zeit, während der Saison auch zwei bis drei Touristendampfer unter britischer Flagge. Deutsche, russische und österreichische Dampfschiffe landen regelmäßig mit Briefen und Frachten." Es ist dies nebenbei die einzige Stelle des Berichtes, an der eine Beziehung zu Oesterreich erwähnt wird, während da- Berzeichniß der Einfuhr und Ausfuhr unser Vaterland nicht ausdrücklich nennt, sondern unter der Rubrik „Andere Länder" einschließt. Am stärksten ist in Aus- und Einfuhr Egypten vertreten (Ausfuhr 81.900 Pfund Sterling, Einfuhr 68 500 Pfund Sterling). Bei der Ausfuhr von Jaffa sind Großbritannien, die Türkei und Frankreich in fast gleicher Weise mit rund 60.000 Pfund Sterling betheiligt, dann folgen Italien und Deutschland mit 7000 Pfund Sterling, Rußland mit 4000 Pfund Sterling. Selbst Amerika wird mit über 1000 Pfund Sterling angeführt. Bei der Einfuhr ragt nach Egypten Frankreich mit 56.000 Pfund Sterling, die Türkei mit 48.000 Pfund Sterling, Rußland mit 39.000 Pfund Sterling hervor; es folgen Großbritannien und Deutschland mit je 30.000 Pfund Sterling, Italien mit 17.000 Pfund Sterling, Amerika mit 3000 Pfund Sterling. Bezeichnend für die dortige Verwaltung ist, was der Consularagent über eine Brücke berichtet, die vor vier Jahren mit einem Kostenaufwand von 4000 Pfund Sterling auf der Straße von Jaffa nach Nablons über den Wady-Musrara gebaut worden war: „Als dieselbe ein Jahr nach ihrer Errichtung von den Fluthen weggerissen wurde, blieb sie zerstört, bis der Besuch des Deutschen Kaisers in Aussicht stand, welcher diese Brücke passiren mußte." Der Consnlarbeamte klagt ferner über die hohen Preise der Körnerfrüchte, welche trotz guter Ernte im Jahre 1898 ohne ausländische Mehlsendungen eine Hungersnothhöhe erreicht hätten. Auch der Export von Orangen war trotz der guten Ernte infolge der lebhaften Concurrenz unter den Exporteuren wenig lohnend, und mehrere Firmen hatten große Verluste zu verzeichnen. Als besonders fruchtbar bezeichnet der commercielle Vertreter Großbritanniens die Umgegend von Gaza, „die wegen ihrer Ergiebigkeit mehr geschätzt wird, als irgend ein anderer Bezirk in ganz Palästina". Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. (Die Wendung in Frankreich. — Die Wahlrechtsmogelei. — Was die christlich-socialen Lehrer dazu sagen. — Bücherfeind und Galgenfreund. — Der feinfühlige Bergani. — Ein Wort an den Statthalter. — Die Ehrenwörter des Bürgerclubs.) Der Sturz des Ministeriums D u p u y ist ein neuerlicher eclatanter Beweis für den vollständigen Umschwung der Stimmung des französischen Volkes, welches den Charakter und die Gefährlichkeit der jesuitischen Propaganda und ihres Werkzeuges, des Antisemitismus endlich klar erkannt hat. Die von der Kammer beschlossene Tagesordnung läßt darüber nicht den allergeringsten Zweifel zu. Die Kammer erklärte sich entschlossen, nur eine solche Regierung zu unterstützen, die den festen Willen hat, die republikanischen Einrichtungen mit aller Energie zu vertheidigen und die öffentliche Ordnung zu sichern. Die antisemitischen Fälscher der öffentlichen Meinung können dieses unzweideutige Votum kaum verwinden, denn die republikanischen Einrichtungen und die öffentliche Ordnung waren eben nur seitens jener Liga gefährdet, die ihre Gesinnung durch den bübischen Uebecfall auf den Präsidenten L o u b e t bekundet hat. Der Antisemitismus hat in Frankreich Bankerott gemacht; er ist an der verwegenen Kraftprobe gescheitert, bei welcher es sich zeigen sollte, ob ein civilisirtes Volk die Verurtheilung eines Unschuldigen bestehen läßt, weil der Verurtheilte ein Jude ist, und ob der Antisemitismus stärker ist. als das Recht. Die Frage ist beantwortet im Sinne der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit. Alfred Dreyfus ist auf dem Wege in die Heimat, Oberst Picquart ist aus der Gefangenschaft befreit, deren Verhängung nicht weniger ein Justizmord war, wie die Verurtheilung des Unglücklichen, für dessen Schuldlosigkeit Picquart gelitten hat. Die Ideen der bürgerlichen Gleichheit und Freiheit haben von Frankreich aus ihren Weg durch ganz Europa genommen. Vielleicht wird