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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-06-09 · 23 (9.6.1899) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
23 (9.6.1899)
Date
1899-06-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 442 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 23 Dr. Moriz Benedikt den Titel eines ordentlichen Universitätsprofessors verliehen. Die Auszeichnung des hervorragenden Gelehrten wird in den wissenschaftlichen Kreisen und in der Wiener Gesellschaft gewiß mit sympathischester Genugthuung ausgenommen werden. Fiume. Der hiesige Religionslehrer und Rabbiner Herr Dr. I. Farkes wurde von der Gemeinde zum Prediger ernannt. Wag-Neustadtl. (P r o b e p r e d i g t.) Herr Rabbiner Dr. Bauer aus Mislitz hat hier über Berufung des Vorstandes eine Probepredigt abgehalten. Aussig. Das k. k. Justizministerium hat Herrn Herrmann Pollatschek. Prokurist der Kohlenfirma I. Petschek in Aussig, zum fachmännischen Laienrichter für das k. k. Kreisgericht Leitmeritz ernannt. Tabor. Bei der am 26. Mai stattgehabten Gemeindewahl wurde Herr Bernard G u t t m a n n, Cultusgemeinde-Präses- Stellvertreter, vom I. Wahlkörper zum Mitgliede der Stadtvertretung gewählt. Prag. (L e i ch e n b e g ä n g n i ß.) Donnerstag den 1. Juni fand vom israelitischen Tempel in Smichow aus das Begräbuiß des dortigen Rabbiners Dr. Samuel Back statt. Der Tempel, den ein sehr zahlreiches Publicum füllte, war schwarz decorirt. Der einfache Sarg war im Tempel aufgestellt. Um 2 Uhr erschienen, vom Cultusvorsteher Herrn Rudolf Grab und dem Herrn Brüderschaftsobmann geführt, die Rabbiner im Ornate. Wir bemerkten die Herren: Oberrabbiner Dr. N. E h r e n f e l d, Dr. I. F i s ch e r (Tempelgemeinde), Feldprediger Dr. Kisch (Meiselsynagoge), die Rabbiner Doctor Knöpfel macher, Dr. Deutsch (Zigeunerschule), Doctor Grün, Dr. Hirsch (Karolinenthal), Dr. Weiner (Weinberge), K o h n (Königgrätz), Dr. P o z u a n s k y (Pilsen), Dr. Schwär; (Eger), Dr. N e u m a r k (Rakonitz) und Schwarz (Kladno). Im Tempel hatten bereits früher Platz genommen: Bürgermeister Elhenicky, Landesschulinspector Kloucek, die Cultusgemeinde-Repräsentanz mit dem Präses Dr. Rosenbacher, dem Vicepräses Dr. B e n d i e n e r und dem Senior Schriftsteller S. K o h u an der Spitze, die Landesjudenschafts - Repräsentanz mit Herrn Dr. Lichte nst e r n, die Vorsteher der Cultusgemeinden Karolinenthal, Jgn. K a l l b e r g, und Weinberge, Dr. Hamburger, der Lehrkörper des Smichower k. u. k. Staatsgymnasiums mit Herrn Fr. S ch i n e k, der Lehrkörper des Mädchenlyceums mit Herrn Dr. Basler, mehrere Geistliche, der Lehrkörper der Smichower Bürger- und Volksschule rc. Nach dem Vortrage eines ergreifenden Trauerchorales durch den Männerchor der Synagoge, hielt Herr Oberrabiner Dr. E h r e n f e l d im Namen seiner Prager Collegen eine tiefempfundene Trauerrede, die die Verdienste des Heimgegangenen beredt schilderte und die Anwesenden innigst rührte. Herr Dr. Weiner hielt hierauf in czechischer Sprache eine Trauerrede. Die Abfchiedsworte, die sodann Herr Präses Rudolf Grab dem Heimgegangenen Seelsorger widmete, rührten durch chre Wahrheit und Wärme. Dann wurde der Sarg auf dem sechsspännigen Galaleichenwagen nach dem Friedhofe überführt. Dort sprachen noch Dr. Hirsch und Dr. Poznansky im Namen der Collegen tiefempfundene Abfchiedsworte. Am Grabe sprach Herr Dr. Kisch das hebräische Abschiedsgebet, womit die würdige Leichenfeier ihren Abschluß fand. Prag. (Trauung.) Am 11. d. M. findet hier im Hotel Roubitschek die Trauung des Fräulein Olga Sachs, Tochter des Herrn Dr. Sachs aus Pisek, mit Herrn Julius Spitz, Sohn des Fabrikanten Herrn M. Spitz aus Pisek, statt. Stechovih bei Prag. Hier starb der geachtete Kaufmann Herr Jsak Karpeles und wurde die Leiche nach Dobrifa überführt. Am Gottesacker dortselbst sprach Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. S. W. L i n k aus Dobrifa und hatte seine tiefergreifende Rede auf die vielen Anwesenden erschütternd gewirkt. Lichtenstadt. (Todesfall.) Vorige Woche verschied hier der allgemein hochgeachtetete Hausbesitzer Herr Leopold Lenk im Alter von 78 Jahren. Das Leichenbegängniß dieses frommen und rechtlichen Mannes gestaltete sich zu einer imposanten Trauerfeier, an welcher die hiesige jüdische und christliche Gemeinde mit ihren Vorstehern, dem Herrn Bürgermeister, Herrn Oberlehrer und sonstigen Honoratioren, sowie der löblichen Feuerwehr sich betheiligten, sowie viele Freunde und Bekannte des Verstorbenen aus Nah und Fern theilnahmen. Auf dem Friedhofe sprach Herr Rabbiner Dr. W. Klauber und rühmte in beredter Weise die Verdienste, die sich der Heimgegangene erworben hatte. Czerrrowitz. Vor einigen Tagen verschied hier infolge eines Herzschlages das Mitglied unserer Gemeinde, der Sanitätsrath und k. k. Ober-Bezirksarzt Herr Dr. Hermann P o r a s, Bruder unseres vor dem Feinde in Bosnien gefallenen Glaubensgenossen, des k. u. k. Hauptmannes Herrn Josef Poras. An fernem Leichenbegängnisse betheiligten sich: Der Landespräsident Freiherr von Bourguignon-Baumberg mit den Räthen der Landesregierung, Repräsentanten aller staatlichen und autonomen Behörden, sowie Corporationen und Vertreter aller christlichen und jüdischen Kreise, zumal der Verblichene nicht nur als Arzt, sondern auch als Mensch durch eine lange Reihe von Jahren in unserem Lande in hervorragender Weise Ersprießliches leistete. Budapest. Am 4. Juni d. I. fand die Vermälung des Herrn Lejos Eppinger mit Frl. Emmy Fantl statt. Naab. Zwei Säulen der hiesigen Cultusgemeinde wurden nach einander zu Grabe getragen: Cnltus-Chef Herr Ignaz Stadler und Gemeinde- Cassier Herr Leopold Salzer. Ersterer war zugleich Cassier der Chewra-Kadischa, und Letzterer, welcher schon vor Jahren als Oberlieutenant der Linie quittirte, Präses des Sandik- und Nichum Avelim-Vereines und Handelskammerrath. Beide waren sie Biedermänner und erfreuten sich unbegrenzter Hochachtung. In zwei mächtig ergreifenden, monumentalen Leichenreden würdigte Sr. Ehrw. Herr Dr. Moritz Schwarz, Oberabbiner, vor einer überaus großen Anzahl von Trauergästen das thatenreiche Leben dieser Heimgegangenen. Herzergreifend functionirte bei beiden Leichenbegängnissen Herr Obercantor Adolf Szanto. Berlin. Frau Baronin v. Rothschild, die mehrere eigene Hospitäler in Paris unterhält, ist in der letzten Woche nach Berlin gekommen, und hat die Ausstellung für Krankenpflege eingehend besichtigt und dort große Einkäufe gemacht. Feuilleton. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Die ohnmächtige Frau zeigte noch jetzt — offenbar im tiefsten Elende, in höchster körperlicher Erschöpfung Spuren einstiger großer Schönheit. Ihre Züge glichen jenen des Kindes. Als Sara der Fremden die Fußbekleidung abzog, erkannte sie, vaß diese sich in einem trostlosen Zustande befinde, daß die Frau in der furchtbar rauhen Jahreszeit eine lauge Fußreise gemacht hatte. Die Schuhsohlen waren zerrissen," die Strümpfe von geschmolzenem Schnee naß, die Füßc wund, so daß es vollkommen begreiflich war, daß die arme Frau auch vor Schmerz nicht einen Schritt weiter gehen konnte, umsinken mußte .... Die Kranke hatte, als sie sie fanden, mit der Rechten die Hand ihres Knaben, mit der Linken aber ein kleines Päckchen gehalten. Aron Brack setzte voraus, daß es, wenn auch keine Schätze, so doch etwas für die arme Frau Werthvolles enthalten möge. Er entwand es, nicht ohne leichten Widerstand, der Bewußtlosen; und der bedachtsame und feinfühlige Mann legte dasselbe auf ein Tischchen, so daß.jwenn die Kranke wieder zur Besinnung kommen und die Augen aufschlagen würde, sie dasselbe sofort erblicken und sich beruhigen sollte. Sara hatte der Fremden nur das fleckige Obertuch, das sie höchst unzulänglich vor dem furchtbaren Froste geschützt haben mochte, abgenommen und eine Decke über sie gebreitet. Aron war nun ans Bett der Kranken getreten. Während er, in tiefes Nachdenken versunken, bestrebt war, das Zweckmäßigste zu finden, das jetzt für die kranke Frau zu unternehmen fei, war Sara zu dem armen Kinde niedergekniet. Auch seine dürftige, unzulängliche Kleidung war zum Theil vom Schnee durchnäßt und zum Theile wieder hart angefroren, doch konnte Sara's geübter Mutterblick erkennen, daß die arme Frau, die jetzt in ihrem Bette vor Schwäche in tiefem Schlummer versunken, von der es höchst zweifelhaft war, ob sie zum Leben erwachen würde, ihre Mutterpflicht, so weit ihre schwachen Kräfte reichten, zu ihrem eigenen Nachtheile bestens erfüllt hatte. Der kleine Knabe hatte fast gar kein Schuhwerk mehr. Seine Füße waren so zweck-

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