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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-06-09 · 23 (9.6.1899) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
23 (9.6.1899)
Date
1899-06-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Rlvch's Wochenschrift. Seite 435 Erzbischofs und sämmtlichen Bonner Aerzten, die damals zur Berathung berufen wurden, behauptete Dr. Wolf, „der Kurfürst mußte zur Ader lassen, sonst sei er verloren". Clemens August, welcher hiervon Kunde erhielt, erklärte darauf — wie Mering erzählt —, daß er bestimmt fühle, der jüdische Arzt habe Recht und verlangte, daß man ihm die Ader schlage. Infolge dieser Erklärung wurde von den Leibärzten ein Curier nach Hannover abgesandt, um das Gutachten Werlhof's einzuholen. Als jedoch Wolf's bestimmte Aeußerung, der hohe Patient werde noch vor Einlauf des Bescheides von der Krankheit dahingerafft werden, dem kranken Fürsten überbracht wurde, befahl er den sofortigen Aderlaß durch Wolf. Und es gelang in der That dem rechtzeitigen Eingreifen des jüdischen Arztes, das Leben des Erzbischofs zu erhalten. Aus Dankbarkeit ernannte nunmehr Clemens August den „genialen" Arzt, der ihn mit dem besten Erfolge behandelt hatte, zum kurfürstlichen Geheimrath und Leibarzt. Ein beredtes Zeugniß von der Werthschätzung, deren sich Wolf sich bei dem Kurfürsten zu erfreuen hatte, bietet das von letzterem am 6. Februar 1761 ausgestellte Testament. Denn, während der Erzbischof einem jeden der „churfürstl. Trierischen Leib-Medici" 500 Gulden letztwillig bestimmte, war für den „Leib-Medicus Wolff" die Summe von 800 Gulden ausgesetzt. Es sei hier noch darauf hingewiesen, daß in einer Elegie: „Das trauernde Vaterland bei der frühen Bahre des ... . Clemens August" die Abwesenheit gerade des jüdischen Leibarztes während der letzten Krankheit des Kirchenfürstcu, die am 6. Februar 1761 seinen Tod herbeiführte, ganz besonders bedauert wird. Dr. Wolf, bei dem noch andere „hohe Fürsten Heilung suchten und fanden", den auch Papst Clemens XIII. wegen eines Augenleidens consultirte, starb in einem Alter von circa 90 Jahren. H i l d e s h e i m, den 29. Mai 1899. Landrabbiner Dr. Lewinsky. Die Juden in der österreichischen Industrie. IV. Wien im Mai. „Ob Schön, ob Regen". Schirme werden zu jeder Jahreszeit, bei jeder Witterung für das schöne und starke Geschlecht denöthigt. Dem cultivirten Menschen ist der Schirm ein Bedürfniß, namentlich für die Damenwelt ist er ein unentbehrliches Requisit. Die handwerkmäßige Herstellung war außer^Stande, dem Bedarf nach Qualität und Quantität zu genügen./G a l i z i s ch e Juden fingen schon im Bormärz an, von der Friemarbeit zum industriellen Betrieb überzugehen"! freilich in sehr bescheidenem Maßstabe, da es bei den bekannten ärmlichen Verhältnissen der Judenheit dieses Kronlandes an Betriebsfonds mangeM und die Handarbeit noch ausschließlich im Schwünge war. iDie Firma Biach — derzeit Grün u. Comp. — 1847, und K l i m o n t 1850 etablirten in Wien eine industrielle respective fabriksmäßige Herstellung von Schirmen, ^allerdings anfänglich nur in primitiver Weise, und diese beiden Firmen sind als die Pionniere der heimischen Schirmindustrie zu betrachten und noch Derzeit dominiren in derselben Juden nahezu ausschließlich. kDie Schirmfabrikation hat enorme Dimensionen angenommen/ und gehören derselben eine große Reihe Firmen von gutem Renommse an. Es wird über den Inlandsbedarf hinaus producirt und das überschüssige Fabrikat exportirt. Im letzten Lustrum gingen mehrere Exportgebiete in Verlust. Die Schirmindustrie Oesterreichs befindet sich in jeder Richtung auf der Höhe der Situation, namentlich was Sonnenschirme betrifft, welche in Bezug auf moderne Ausstattung und Phantasie in der Composition der Pariser Concurrenz gleichwerthig sind, so daß Damen der höchsten Kreise mit Vorliebe heimische Schirme benützen und sie häufig sogar den Parisern vorziehen. Bon Industriellen der Schirmbranche nennen wir: Basch u. Braun, Beer, Drab u. Co. E r n st M., E r n st u. P u l l i tz e r, F i r t e l, Frösche! s, Goldberg, Grün Carl u. Cie., Heber, Heller, I u st. K l i m o n t u. Sohn, Lederer, Mautner, Pick u. Fleischer, Rumpler u. O s e r, Schlesinger, Schüller, Schulhof, Spitzer, K o r i t s ch o n e r, K o r k e s ch, K a tz, Mensch. „Mit dem Hut in der Hand, kommt man durchs ganze Land". Es muß aber auch ein anständiger Hut sein, so will es die vorgeschrittene Zeit, so verlangen es die socialen Verhältnisse. Utile eum clulci, die Kopfbedeckung soll das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Die älteren, nach verzopftem professionellem System hergeftellten Hüte waren wohl dauerhaft, aber zu compact. Bessere Hüte waren im Preise für den Bjvrgerstand, namentlich für die uaisera plells, unerschwinglich. /Seitdem Hüte auch fabriksmäßig erzeugt wurden, ist es auch den ärmeren Bevölkerungsschichten ermöglicht worden, von der Kappe zum Hut als Kopfbedeckung überzugehen^und für relativmäßigen Betrag für jede Jahreszeit sich modKn zu „behüten"./Heimische Filzhüte genießen auch im Auslande guten Ruf und unsere Seidenhüte, alias „Cylinder", stehen dem berühmten Pariser Fabrikat in Qualität nicht nach, sind aber in der Preislage, dem letzteren über. Oösterreichische Juden waren es zuerst^' welche den modernen Fabriksbetrieb in größerem Maßstabe hierzulande einführten und ihre Etabliffements mit fortgeschrittenster Technik ausstatteten. In Commerzwaare wird ein schwunghafter Export cultivirt./Zu bekannten Firmen der Branche zählen: Arnold , . ii. Tauber, Berger u. F e l d m a n n, B ö h m, Brüder Engel, Fluß, Frankel, Frankl, Friedmann u. Tapezierer, Hofmann, Lang, May, Mannheimer, Porgesu. Kaff er n. Reif, Saß u. Mangl, Sobel, Sonnenschein, Stricker, Weinberger u. A. Die fortgeschrittene Cultur hat auch die Landbevölkerung, die sich zumindest bei günstiger Witterung das paradiesische Vergnügen des Barfußgehens gestattete, bemüßigt, sich des Schuhwerks zu bedienen. Der Bedarf an Schuhwerk ist daher ein allgemeiner geworden und hat einen kaum erwarteten Aufschwung genommen. Nun haben arische Schuster schon von Altersher nebst der spärlichen Friemarbeit auch den Commerz betrieben, indem sie Schuhwerk für die Landbevölkerung anfertigten und damit die Jahr-, auch Wochenmärkte in den kleinen Landstädten und Märkten behufs Feilbietung frequentirte. Diese Schuhwaaren waren jedoch ausschließlich grobe, für Bauersleute, Hand- und Fuhrwerker bestimmte Arbeiten. Besseres, eleganteres Schuhwerk für den Bürgerstand und die elegante Welt mußte beim Gevatter Schuster bestellt werden und war zumeist derart beschaffen, daß Jeder wußte, „wo ihn der Schuh drückt", den er „saß" entweder zu fest oder zu bauschig, war zu groß oder zu klein und der Leideii^gab's kein Ende, namentlich bei „zart besaiteten Füßen". ^Seitdem Schuhe fabriksmäßig betrieben hergestellt werdest^-, hatte alle „Qual und Pein" ein Ende. Wieder clvaren es Juden, welche einen Industriezweig schufen und denselben mit aller Macht förderten. so daß derselbe ungeachtet aller Erschwernisse. Behinderungen und Anfeindungen eine hochbedeutsame Position in der staatlichen Industrie einzunehmen vermag. Zur besten Illustration dessen dient, daß jüdische Industrielle Galanterieschuhe nach Paris, dem Dorado für Schuhwaaren, in namhaften Quantitäten exportiren, außerdem nach dem Balkan, Nord- und Südamerika, Asien, Afrika und Australien. Bei allen Weltausstellungen sind jüdische Schuhindustrielle prämiirt worden und fungirteu vielfach als Juroren und sie ernten mit ihrem Fabrikate allwärts Ehren und Lob, und die auf den heimischen Markte in rüder und pöbelhafter Weise geschleuderten Anwürfe, Verleumdungen und Anfeindungen mußten endlich verstummen. Nur eine kleine Auslese der jüdischen Schuhindustriellen schon ist hinreichend, die Bedeutung dieses Industriezweiges für die vaterländische Industrie zu kennzeichnen./Alsbekanntere Industriellen figuriren: Ab eles, . Adler, Baron, Beck, Beer, Benak u. Salzer, Berger, Berl, Bettelheim, Bloch, Bruckner, - Deutsch, Diamant, Duschnitz, Eisler, Falk, Fleißig, Fränkel, Freund, Fridetzko, Fried, Fried mann, Fuchs, Glaß, Glück, Haas. H ab n, Hirsch, Hupka, John, Kaufmann u. Schloß, Keller, Klein, Knöpfelmache r, Ko hn, Löwen st ein, Mautner, Michelstädter. Pollak, Reschovsky, Rie. Salzer, Schild, Schreiber, Schwarz, Spir a, Stein, Steiner, Stern, Strakosch u. Sohn, Strauß, W e d e l e s, Weiß, Wolf u. v. A. Die ingeniöse Idee, die Kinderwiege ambulant zu machen, ist eine jüdische Erfindung und wurde zu allererst von dem ebenso erfinderischen wie begabten Juden Weinberg er propagirt. Die im zarten Alter stehenden Kinder sind nicht mehr eine „süße Last" der Kindsfrauen, sondern ruhen hygienisch richtig

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