Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 22 (2.6.1899)
- Date
- 1899-06-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 425 Im zweiten Theil seiner Rede machte Laferriöre den Anti-c semiten immerhin das Zugeständniß, daß das französisch Element in Algerien dringend einer Stärkung bedürfe, und daß es für die politischen Parteien oft peinlich gewesen sei, zu constatiren, daß bei den Wahlen die Stimmen der einheimischen Israeliten zwischen ihnen den Ausschlag gaben. Laferriöre will zwar das D e c r e t C r e m i e n x beihehalten, möchte aber von allen Wählern den Ausweis verlangen, daß sie französisch reden und schreiben können. Er verlangt ferner, daß die E i nbürgerung der Ausländer in zwei Stufen erfolge, damit sie nicht sofort das politische Wahlrecht erhalten. Unrichtig sei die Behauptung Rouanet's, daß die Israeliten in Constantine vom Spital ausgeschlossen worden seien. Niemand habe das versucht, und er würde es auch nicht geduldet haben. Zum Schlüsse erklärt sich Laferriöre einverstanden, daß die Kammer eine Unters uchungscommission ernenne, um die nothwendigen Reformen für Algier anzubahnen. Aus Rosch-Pinah in Palästina erhalten wir folgende Zuschrift: „An die geehrte Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift! Sehr geehrter Herr Redacteur! Ich ersuche höflichst um gütige Aufnahme nachstehender Zeilen: In der ersten Mainummer der Wiener Wochenschrift „Welt", die ich heute in die Hand bekam, sind unter der Spitzmarke : „N o r d a u u n d — Salz" zwei Briefe der gen annten beiden Herren veröffentlicht worden. Aus der redactionellen Einleitung sei folgende Blüthe herausgenommen: „In einem Falle nun, wo Behauptung gegen Behauptung steht, bleibt die Entscheidung beim Leser. Dieser hat es mit sich abzumachen, ob einemDr. Max Nordau oder einem Dr. Abraham Salz mehr Vertrau e n z u s ch e n k e n i st." Folgen die zwei Briefe. Der Brief tes Dr. Salz ist eine einfache Berichtigung. Auf den Inhalt seiner Behauptungen will ich auch nicht näher eingehen. Als für den Streit bezeichnend will ich nur erwähnen, daß soeben heute erst mir hier in Palästina zwei ganz sicher glaubwürdige, ehrenwertheste Personen die Erklärung abgaben: Herr Dr. Nordau hätte sich vor ihnen, und zwar, in dem von Dr. Salz ihm zugeschriebenen Sinne geäußert. Nun ist das. wie gesagt, bezeichnend, aber^ dennoch Nebensache. Für mich haben die Äußerungen des Herrn Dr. Nordau keine so weltgeschichtliche Bedeutung, als, daß ich mich dabei länger aufhalten sollte. Herr Dr. Nordau antwortet aber. In seiner rühmlichst bekannten Liebenswürdigkeit spricht er von „namenloser Dreistigkeit", d r e i st e r Unwahr h eit" von der Gattung der Leute, die man in Gegenwart mindestens zweier Zeugen empfangen solle und appellirt endlich, wie folgt, an die Leser: „Ich muß es also dem kritischen Verstände und sittlichen B e w u ß t s e i n (!) der Leser überlassen selbst zu entscheiden, wer Glauben verdient, ob Herr Dr. Salz oder ich". Diese Art nun, in der hier Dr. N o r d a n und sein ebenso großer Bundesgenosse von der „Welt" über einen Mann herfallen, den sie, und weil sie ihn für viel unter ihnen stehend und daher wehrlos halten, muß von einem jeden anständigen Manne mit Abscheu zurückgewiesen werden. Es ist sehr bedauerlich, daß dieses Vorgehen aus juristischen Gründen nicht nach Gebühr gekennzeichnet werden kann. Es wäre aber noch bedauerlicher, wenn gegen die immer häufigeren Versuche, die Sitten der journalistischen Klopffechterei in die jüdische Publicistik hineinzutragen, nicht ehestens zur energischen Abwehr geschritten würde. R o s ch P i n a h, 21. Mai 1899. Sigmund Bromberg. Wien. (Trauun g.) Donnerstag den 1. Juni l. I. fand im israelitischen Tempel, IX., Müllnergaffe, die Trauung des Fräulein Martha T i k t i n, Tochter des Herrn S. Ti kt in, mit dem Hof- und Gerichts-Advocaten Dr. Bernhard M o s c i s k e r statt. — Sonntag den 4. Juni findet im israelitischen Tempel, XVI., Hubergaffe, die Trauung des Fräulein Valerie K o h n, Tochter des Herrn Simon K o h n, mit Herrn Rudolf Fürst statt. Wien. (Auszeichnung.) Herr Josef Q u i t t n e r, Chef der k. k. ausschl. privil. Eisenmöbelfabrik und Eisengießerei Jos. u. Leop. Quittner, Wien, 9. Bezirk, Michelbeuerngasse Nr. 6, wurde mit dem Titel eines k. u. k. Hoflieferanten ausgezeichnet. Wien. (Arbeiten für die Pariser Meltausst e l l u n g.) Dem Atelier M. Tischler-Schwa rzm a n n in der Praterstraße Nr. 68 (Nachfolger des Hofanstreichers Tischler) wurde die Herstellung verschiedener Anstreichernnd Decorationsarbeiten für Interieurs auf der Pariser Weltausstellung 1900 übertragen. Dasselbe Atelier hat auch sämmtliche Arbeiten für „Venedig in Wien" zur größten Zufriedenheit der Direktion. ausgeführt. Wien. (Eine Berichtigungsklage gegen die „Welt". Vor einigen Wochen haben wir berichtet, daß der verantwortliche Redacteur der „Welt" von Doctor S. R. Landau wegen Nichtaufnahme einer Berichtigung geklagt und vom Bezirksgerichte zu 10 fl. Geldstrafe, resp. zwei Tagen Arrests und zur zwangsweisen Publication der Berichtigung verurtheilt wurde. Dagegen meldete der Berurtheilte die Berufung an, über die am letzten Freitag vor dem Appellsenate verhandelt wurde. Derselbe hat die Entscheidung der ersten Instanz vollinhaltlich bestätigt. Wien. (Todesfall.) Unter imposanter Betheiligung aller Kreise wurde Freitag den 19. v. M. der langjährige Besucher der hiesigen Börse, Herr Salamon S u s ch n y, zu Grabe getragen. Der Verstorbene erfreute sich ob seines edlen Charakters, seiner liebevollen Persönlichkeit und seines großen Wohlthätigkeitssinnes unbegrenzter Achtung und Verehrung. Er war vom strengsten Conservatismus beseelt und hielt sich am Sabbath und den übrigen israelitischen Feiertagen der Börse ferne. An der Leichenfeier betheiligten sich mehrere Vereine, denen der Verstorbene durch lange Jahre angehörte und welche er unermüdlich werkthätig förderte, in corpore, ebenso auch zahlreiche Freunde und Bekannte. Die gesangliche Function versah Obercantor S ch o r r in herzergreifender Weise. Nachdem Herr K a n i tz ats Delegirter eines Vereines dem Heimgegangenen einen Nachruf hielt, in welchem er seine edlen Charakter- und Herzenseigenschaften pries, widmeten noch einige Herren warm empfundene Worte dem Dahingeschiedenen, womit die Leichenfeier schloß. Das Andenken des Heimgegangen möge gesegnet sein! Wien, 28. Mai. Am 26. d. M. luurbe Frau Charlotte S ch n ü r m a ch e r, Frau des Herrn Neligionslehrers Aron Schnürmacher, zur Erde bestattet. Die zu unserem unsäglichen Schmerze Hingeschiedene war ein „Esches chajil", ein Biederweib im wahrsten Sinne des Wortes. In Gott ergebene Demuth, Sanftmuth» stille Bescheidenheit, Wohlthun und Herzensgute waren die Zierde ihres in Gottesfurcht zurückgelegten Lebenslaufes. Wie nur selten eine Frau, verstand sie es, ihrem Gemal das Heim zu einem angenehmen und lieben Aufenthalte zu machen. Ihr stilles Walten in ihrer bescheidenen Häuslichkeit war musterhaft und nachahmeuswerth zugleich. Wohlthun that ihr wohl. Erst nach ihrem Hinscheiden erfuhr man, daß sie den von ihr beschenkten Armen zur Ferienzeit, da sie zur Herstellung ihrer angegriffenen Gesundheit zum Besuche eines Curortes sich vorbereitete, die monatlichen Spenden gleich für zwei Monate zukommen ließ. Sie besuchte das Gotteshaus, wie Andere Theater und Belustigungsorte. —n - h. Wien. Der jüdische Schulverein für den X. Gemeindebezirk Wiens hat am 23. v. M. seine constituirende Generalversammlung abgehalten. Dieselbe wurde vom Einberufer, Herrn I. S. S t r a ß b e r g, der für die gute Sache kein Opfer scheut, mit begeisterten und begeisternden Worten eingeleitet. Herr S. Knöpfelmacher schilderte in markanten Zügen die Nothwendigkeit einer Stätte zur Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur. Die Begeisterung, mit der sein Referat ausgenommen wurde, läßt für die Zukunft das Beste hoffen. — In den Vereinsausschuß wurden gewählt die Herren: Moritz Haltitschek, Samuel Knöpfelmacher, Dr. Moritz Kraus, Johann Lampl, Salomon Pisk, Dr. Max Rosenthal, Carl Seligmann, Dr. Josef Steiner, Jacob S. Straßberg und David Weiß. — Der Ausschuß hat sich, wie folgt, constituirt: zum Obmann wurde Herr Straßberg, zum Obmann - Stellvertreter Herr Dr. Rosenthal, zum Schriftführer Herr S. Knöpfelmacher und zum Cassier Herr Dr. Josef Steiner gewählt. — Der Verein, der schon vom Beginne des nächsten Schuljahres im X. Bezirk eine jüdische Schule ins Leben ruft, verdient von uns Allen begrüßt und aufs Wärmste unterstützt zu werden. E. ß. Wien. (S t e r b e s a l l.) Anfangs voriger Woche verschied hier der Industrielle Herr Salomon K l i m o n t, welcher in kaufmännischen Kreisen sowohl als auch in der Cultusgemeinde eine sehr geachtete Stellung eingenommen hatte