Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 22 (2.6.1899)
- Date
- 1899-06-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Dorohoi 1× ep/1104533
- Minsk 1× ep/1000754
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Seite 414 Nr. 22 Dr. Bloch's Wochenfchrist< Hauptaufgaben betrachtet, das jüdische Massenproletariat aus den großen Städten auf das Land abzuleiten, auch viele Kleingewerbetreibende. In New-Aork selbst hat die Gesellschaft die vom „Baron Hirsch-Fond" im Jahre 1891 errichtete Gewerbeschule für jüdische Knaben aus Rußland und Rumänien unterstützt, um die Zahl der Zöglinge von 120 zu verdoppeln. In dieser Schule werden die Knaben in einem Zeiträume von 5 bis 6 Monaten zu Zimmermalern, Schmieden und Klempfnern ausgebildet. 3. Canada. Die hier errichtete Hirsch-Colvnie zählt im Ganzen 12 Ansiedler. Es ist jedoch schon der nöthige Betrag bewilligt worden, um von dem in der Umgebung wohnenden jüdischen Farmern 28 zu dieser Colonie heranzuziehen. 4. Palästina. Erst seit einem Jahre wendet die „Jewish Colonisation Association" ihre Aufmerksamkeit Palästina zu. Und schon haben ihre Leiter die Bedürfniffe der Colonien und der jüdischen Bevölkerung Palästinas richtig erkannt. Ohne Phrasenwerk und Reclamehascherei, lediglich in einigen lapidaren Sätzen des Berichtes kommt das ganze großangelegte Palästina-Programm der Gesellschaft zum Ausdruck: „Unsere Gesellschaft begnügt sich nicht damit, den bereits angesiedelten Landwirthen dieses Landes zu helfen, die des Interesses würdig sind. Sie beschäftigte sich auch mit zwei anderen wichtigen Fragen. Es soll das schreckliche Elend der Juden in Jerusalem durch Schaffung von Industrien beseitigt werden. Dann beschäftigte uns auch die Lage der jüdischen landwirthschaftlichen Arbeiter, die seit mehreren Jahren in den Colonien arbeiten, reiche Erfahrungen gesammelt und Beweise ihrer Ausdauer und Verläßlichkeit gegeben haben." Von den Colonien erhielten namhafte Unterstützungen: Waad-El-Hanine, Rehovoth, Hedera, Mischmar- H a j a r d e n und K a t r a. In Waad-El-Hanine erhielten 15 Familien und in Rehovoth 24 Familien Darleh-n, um ihre Ansiedlungen in besseren Stand zu setzen. In Hedera hingegen mußte zuerst etwas in hygienischer und sanitärer Beziehung geschehen. Die Sümpfe, die dieses Dorf umgeben, verpesteten die Luftund verbreiteten Fieberkrankheiten. Dieses Uebel wurde jedoch durch die von Baron Rothschild veranlaßte Pflanzung von 250.000 Eucalyptus-Bäumen zum Theile beseitigt. Die „Jewish Colonisation Association" stellte nun auch auf ihre Kosten einen Arzt an und sorgte für gutes Trinkwaffer. Dann wurden in der Umgebung, 400 Meter vom Meer, dreißig Hütten errichtet, damit die Colonisten abwechselnd hier die heißesten Monaten zubringen können. Für die materiellen Bedürfnisse dieser Colonie, in der zumeist Getreide angebaut wird, sorgte die Gesellschaft durch Ankauf von 6000 Dunam und Verkeilung an die einzelnen Colonisten, durch Vermehrung des Viehstandes und Errichtung von 27 Stallungen. In Mischmar wurde die Existenz von 13 Colonisten gesichert. Da die Colonie viel zu wenig Boden besitzt, um sich ausdehnen zu können, hat die „Jewish Colonisation Association" neuen Boden aus der Umgebung angekauft, um in der nächsten Zeit noch 37 Familien anzusiedeln. In Katra wurde auf Kosten der Gesellschaft eine Wasserpumpe und eine Mühle errichtet. Beide werden von einem Petroleum-Motor betrieben, den die Gewerbeschule der Allianz in Jerusalem hergestellt hat. Die Mühle, die seit November 1898 im Betriebe steht, hat im Laufe weniger Monate 80.000 Kg. Mehl producirt und wird auch von den Arabern beschäftigt. In Jerusalem selbst hat die Gesellschaft einige Versuche mit der Einführung von Haus-Industrien unternommen. Als besonders geeignet schien ihr da die Baumwoll-Weberei, da für solche Producte in Palästina ein Absatzgebiet vorhanden ist und auch die Erlernung dieses Gewerbes nur einige Monate in Anspruch nimmt. Es wurde daher mit 50 Webstühlen der Anfang gemacht. Bei denselben sind 90 Personen, darunter 20 Kinder, beschäftigt. Ein zweiter Versuch wurde auch gemacht mit Strickmaschinen, deren zwölf an arme Familien vertheilt wurden. Der Bericht über Palästina schließt mit dem Danke an Baron Rothschild für sein humanes Werk in Hedera und mit der Hoffnung auf dessen weitere Mitwirkung, damit die Gesellschaft ihre Thätigkeit in Palästina fortsetzen könne. 5. Cypern. In September 1898 sandte die Gesellschaft 15 Londoner Familien, bestehend aus 70 Personen, alle russischer Herkunft, nach Cypern. Ein in London entstandener Verein russischer Juden, hatte nämlich Grund und Boden in Cypern angek'mft. Ec kam jedoch in Zahlungsschwierigkeiten und trat an die „Jewish Colonisation Association" wegen Gewährung eines Darlehens behufs Gründung der Colonie auf dem angekauften Boden heran. Die Gesellschaft stimmte auch zu. Die neue Colonie entwickelt sich sehr vortheilhaft, die Ansiedler sind fleißig und wissen schon in den landwirthschaftlichen Handgriffen guten Bescheid. Der Boden bildet den Theil einer großen, seit Jahren nicht bebauten aber fruchtbaren Ebene. 6. Rußland. Wie überall, betrachtet es die Gesellschaft auch hier als ihre Hauptaufgabe, die Laudwirthschaft unter den Juden zu verbreiten. Zu diesem Zwecke soll demnächst in Russisch-Polen eine Ackerbauschule für hundert Zöglinge errichtet werden und auch in B o b r o w y k u t (Cherson) sind es nur momentane Schwierigkeiten, die der Eröffnung der Ackerbauschule im Wege stehen. Allein mit Rücksicht aus die handwerkstreibenden Stammesgenossen hat es die Gesellschaft auch für ihre Pflicht erachtet, die jüdischen Gewerbeschulen in Warschau, Wilna, O r s ch a und Minsk zu subventioniren. Eine namhafte Unterstützung wurde auch den Taleswebern in Dubrovna zu Theil. Der auf Rußland bezügliche Theil des Berichtes ist sehrflüchtig. Der Präsident hat auch in seiner Eröffnungsrede bemerkt, daß bei diesem Capitel viele Stellen wegen ihres vertraulichen Charakters weggelassen werden mußten. 7. Rumänien. Die traurigen Verhältnisse unserer Glaubensgenossen in Rumänien sind der Aufmerksamkeit der „Jewish Colonisation Association" nicht entgangen. Die Ausschließung der jüdischen Kinder von den Schulen und der Mangel einer gewerblichen Ausbildung der jüdischen Handwerker haben sie zur Subvention von Volksschulen, und zwar in Bivolari, Dorohoi, Lespezi, Moinesti und Odobeschti, sowie der Gewerbeschule in Bukarest veranlaßt. Behufs Ausbildung von jüdischen Lehrkräften wurden 8 junge Leute an die Pariser Ecole Normale geschickt. 8. Die Alliance Isra6Iite Universelle. Den von der Allianz erhaltenen Ackerbauschulen in Jaffa und Djedeida (Tunis), sowie der Gewerbeschule in Jerusalem und der Lehrerbildungsanstalt (Ecole Normale) in Paris, hat die „Jewish Colonisation Association" größere Subventionen ertheilt. In Folge dessen konnte überall die Zahl der Zöglinge vergrößert werden. Sie beträgt gegenwärtig in Mikweh 180 und in Djedeida 86. 9. Die Gartenbauschule in Ahlem. Seit dem Jahre 1897 werden hier 14 russische Kinder und seit dem Jahre 1898 noch weitere 3 auf Kosten der „Jewish Colonisation Association" ausgebildet. Diese hat auch der Schule mit einem größeren Betrage aus finanziellen Schwierigkeiten herausgeholfen. 10. Verschiedene Unterstützungen. Unter dieses Capitel fallen die an verschiedene, früher nicht aufgezählte Institutionen gewährten Subventionen, so an den Armenunterstützungs-Verein „Board of Guardians" in London, der die Emigration der russischen und rumänischen Juden nach Australien und Südafrika vermittelt, dann an den Schutzverein für jüdische Mädchen und Frauen in London, der seine Thätigkeit hauptsächlich auf die Emigranten erstreckt. Der Bericht schließt mit der Mittheilung, daß die „Jewish Colonisation Association" beschlossen hat, in mehreren Städten GaliziensVorschußcassen für die arme jüdische Bevölkerung einzurichten. Der Bericht wurde zur Kenntniß genommen und über Antrag des Herrn P l o t k e dem Vorsitzenden der Dank votirt. Jahresversammlung der Isr. Allianz zur Tolonisationssrage. Unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn David Ritter von G u t m a n n fand am 25. d. M. im Sitzungssaäle der israelitischen Cultusgemeinde die diesjährige, sehr zahlreich besuchte Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" statt. Dieselbe gewann besonderes Interesse und zeitweilig sogar einen erregten Charakter durch das Eingreifen der Herren Dr. Theodor