Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 22 (2.6.1899)
- Date
- 1899-06-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 22 Dr. Bloch’s Jahrgang XVI. Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. - j K. ft. Post sparr-i gr rr-A nit I C l r a r i n g v er k e h r! Nr. 610.976. Redactivn und KdnnnistrntilM: I Vien | II., linkere Bitrtiirfn.Ttr. la. | Telephon-Nr. 14.847 Ä--—=—■■■■ =- —= * -H- Wien, 2. Juni 1899. Erscheint jeden vf r c i t a i\ Brief-Adresie: Wien. II., Untere Angartenstrosie 1 a. Teleqramm-Adresse: Blocks Wockensckrift, Wien. »=— -- X Brir.^spnia für Oesterreich■ Ha. jährig 4 fi. — 8 Jtr. Eia;eleremplare 25 fc. I liir's Ausland: j halbjährig 5 fl. — 10 Kr. i | ganzjährig 10 „ 20 „ j : Anzeigen: Die 4mal gespaltene! Petitzeile 12 kr. -& Inhalt. Leitartikel: Die Jahresversammlung der „Jewish Colonisation Association". — Jahresversammlung der „Israelitischen Allianz" zur Colonisationsfrage. — Vom I ahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Von der jüdischen Colonialbank. Zur Herzlichen Bank. Der Zionismus am Scheidewege. — Abraham Kohn in Hohenems. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 24. Mai 1899. Wien, Pilsen, Berlin, Köln a. Rh., Hildesheim, Hamburg, Brüssel, Bon den Juden in Frankreich. Der Antisemitismus in Algerien. Palästina. — Vermischtes: Wien, Brünn, Bisenz, Ungar.-Brod, Prerau, Prag, Budapest, Berlin, Rom. — Feuilleton: Michael. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Die Jahresversammlung der Jewish Colonisation Association". Paris, 25. Mai. Es steht nicht ohne Zusammenhang mit der günstigen Erledigung, der die Dreyfus-Sache entgegengeht, wenn die Jahresversammlung der „Jewish Colonisation Association" heuer in Paris stattfand, im großen, neuangekauften Gebäude der Gesellschaft, nie Pasquier 2. Die heurige Generalversammlung stand aber noch unter dem Eindrücke eines zweiten, bedeutungsvollen Ereignisses. Der Präsident Narcisse Leven wurde in den letzten Tagen „i n Anerkennung seiner werthvollen Wirksamkeit im Orient" vom Sultan durch Verleihung des Großkreuzes des Medjidie- Ordens ausgezeichnet. Um ausdrücklich zu documentiren, daß diese Auszeichnung lediglich der Thätigkeit der „Jewish Colonisation Association" gilt, verlieh der Sultan auch deren Director Dr. S o n n e n f e l d das Commandeurkreuz desselben Ordens. Es liegt auf der Hand, was diese Auszeichnungen bedeuten. Seitdem Narcisse Leven an der Spitze der „Jewish Colonisation Association" steht, hat diese ihr besonderes Augenmerk der C o l o n i s a t i o n in P a l ä st i n a zugewendet und aus dem folgendem Rechenschaftsbericht geht hervor, wie viel sie auch dort bereits gethan hat. Andererseits ist es bekannt, daß die „Jewish Colonisation Association" mit dem „diplomatischen" Zionismus nichts zu thun haben will. Die Auszeichnung des Präsidenten Leven im Zusammenhänge mit der demonstrativen, auf Grund officiellen Auftrages geschehenen Zurückweisung der „Palästina-Ankaufs-Bestrebungen" durch den türkischen Botschafter in Washington ist daher ein deutlicher Fingerzeig, welcher Richtung die Sympathien des Sultans gehören. Die Jahresversammlung fand in Gegenwart aller Mitglieder des Verwaltungsrath es und mehrerer ihrer auswärtigen Angestellten statt. Den einzigen Punkt der Tagesordnung bildete die Vorlesung des Rechenschaftsberichtes für das vergangene Verwaltungsjahr (1898). Dieser Bericht, der sehr ausführlich und detaillirt ist, umfaßt die gesammte, in den verschiedenen Ländern entfaltete Wirksamkeit der Gesellschaft: ein großes Rettungswerk für die leidende Judenschaft. 1. Argentinien. Die Colonisation in Argentinien wurde bekanntlich von der Gesellschaft s i st i r t, das heißt, es wird kein neues Menschenmaterial mehr hingeschafft, sondern Alles angewendet, um die bereits vorhandenen Colonien ertragssähig zu machen. Der Bericht gibt auch zu, daß zu diesem Zwecke noch große Auslagen nothwendig sein werden, die aber rentabel werden dürften. Es sollen nämlich in den Colonien große Milchwirthschaften errichtet und auch die Viehzucht soll in größerem Umfange betrieben werden. Zu diesem Zwecke wurden 1000 Kühe angekauft. Alles in Allem sind 44.000 Hektare angebaut und halten sich auf denselben 6746 Seelen auf. 2. Nordamerika. Hier entwickelt die Gesellschaft ihre Thätigkeit nach mehrfachen Richtungen. Sie hat zuerst die drei von russischen Juden im Jahre 1882 gegründeten Colonien Alliance, Carmel und R o s e n h a y n, die wegen Mangel an einem Markt für Producte dem Verfalle nahe waren, unterstützt. Es wurden den Colonisten Darlehen gewährt und außerdem Kleingewerbetreibende in New-Aork und Philadelphia in die Lage versetzt, hieher zu übersiedeln und ihr Gewerbe auszuüben. Die Zahl dieser Handwerker, die hier ansässig wurden, beträgt ungefähr 250 Familien. Auch an die in der Nachbarschaft befindlichen jüdischen Farmer, 25 an der Zahl, sowie an 85 jüdische Farmer in Ne w-En gl a n d, die alle eingewanderte russische Juden sind, wurden Darlehen vertheilt. Die Colonie W o o d b i n e ist vom New-Aorker „Baron Hirsch-Fond" begründet worden, als Ackerbauschule für die jüdische Jugend. Sie steht gegenwärtig unter der Verwaltung der Gesellschaft und ist bedeutend erweitert. Die ursprüngliche Schülerzahl von 21 wurde bereits auf 60 erhöht. Es sind darunter 48 Knaben und 12 Mädchen; 51 sind russischer, 4 rumänischer, 4 deutscher und 1 galizischer Herkunft. Ihre Eltern gehören ausschließlich der Proletarierclaffe an. In der nächsten Zeit soll die Schülerzahl auf 100 erhöht werden. Außerdem bestehen in dieser Colonie noch eine Kinderschule, zwei Volksschulen und eine Abendschule für Erwachsene. Denn es befinden sich in der Ortschaft auch 62 jüdische Farmer und infolge der Intervention der Gesellschaft, die es als eine ihrer