Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-26 · 21 (26.5.1899) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
21 (26.5.1899)
Date
1899-05-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021299--08883-3033284
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 410 Vr» Bloches Wochenschrift« Nr. 21 werden wieder wie alljährlich im Sommer Kegelabende veranstaltet. Tag und Ort werden den Mitgliedern bekannt gegeben werden. Gäste willkommen. Wien. Wie uns aus Agram mitgetheilt wird, geruhten Sr. Majestät mittelst allerhöchster Entschließung vom 30. Jänner l. I. die Creirung der Stelle eines israelitischen Religionslehrers an den Agram er Mittel» und Fachschulen mit dem im Schulgesetze festgestellten Bezügen zu bewilligen. Im Jnseratentheile dieses Blattes ist der Concurs für die Besetzung dieser Stelle ausgeschrieben. Obwohl in diesem Concurse die ungarischcroatische Staatsbürgerschaft und die Kenntniß der croatischen als der Unterrichtssprache verlangt wird, sind wir der Meinung, daß tüchtige Religionslehrer, die diesen Bedingungen nicht entsprechen, jedoch einer anderen slavischen Sprache mächtig sind, sich von der Bewerbung nicht abhalten lassen sollten, da die hohe königl. Landes-Regierung in Agram, wie es bei ähnlichen Anlässen schon öfters geschah, anstatt dieser zwei Bedingungen, bei sonstiger Tüchtigkeit, die Verpflichtung seitens des Religionslehrers, die ungarisch-croatische Staatsbürgerschaft zu erwerben und die kroatische Sprache in einem bestimmten Zeitraum zu erlernen, gelten lassen dürste. Krems a. d. Donau, 23. Mai. (Selbstmord.) Am 13. d. M. hat sich in der Alaustraße, nächst dem Gaswerk, ein unbekannter Mann israelitischer Confession im Alter von beinahe 20 Jahren in selbstmörderischer Absicht mit einem fünfläufigen Revolver durch einen Schuß in die Schläfen erschossen. Bei der Leibesvisitation fand sich vor: eine silberne Cylinderuhr, eine silberne fünfgliedrige Officierskette mit gefaßtem Stein als Anhängsel, der Deckel der Uhr zeigt eine Messinggravirung „Ferd. Janester Belü 25. Mai 1894- Lucie", eine Cigarettentasche, eine dreifächerige Brieftasche mit 5 fl. 15 kr. und einen Toilettenspiegel. Der Stadtarzt zeigte den Fall der Cultusgemeinde an und ersuchte, nachdem der Erschossene Israelit ist, denselben auf dem israelitischen Friedhofe zu begraben. Auch der Leichenvorsteher constatirte, daß der Erschossene Jude ist. Der Todte wurde von der Todtenkammer des hiesigen Krankenhauses abgeholt, mit dem Leichenwagen auf den Mischen Friedhof überführt und dort bestattet. Vielleicht könnte diese Notiz zur Feststellung der Person des Selbstmörders beitragen. Wall. - Meseritsch. (Silberne Hochzeit.) Am 21. Mai feierte unser Herr Gemeindevorsteher Ignaz L ö w die silberne Hochzeit mit seiner allgemein geachteten Gemalin Philippine. Am 20. fand die Vorfeier in der äußerst geschmackvoll decorirten Synagoge statt, in welcher das von dem Jubelpaare gespendete, kostbare Poroches das erste Mal vor der heiligen Bundeslade prangte. Sr. Ehrwürden Herr Dr. Rabbin o w i c z hielt die Festrede.. Am Pfingstsonntage nahm das Jubelpaar die Gratulationen des Gemeindeausschusses, des Beamtencorps, des Ausschusses des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines, einer Schülerdeputation der israelitischen Volksschule, sowie zahlreicher Freunde und Gönner entgegen. Proßnih. (Hochherzige Spende.) Die Gemeindevertretung der C h r i st e n st a d t Proßnitz beabsichtigt, ein städtisches Waisenhaus zu bauen und ist auch an die Juden mit einem Appell behufs Beisteuer herangetreten. Der Großindustrielle Herr Sigmund Mandl, Gesellschafter der Kleiderfabriksfirma M. u. I. M a n d l in Wien und Proßnitz, hat sich in einer Zuschrift an den Bürgermeister der Christenstadt bereit erklärt, den namhaften Betrag von 3000 Gulden dem gedachten Zwecke zu widmen, wenn in dem Statute ausdrücklich festgelegt würde, daß das Waisenhaus einen interconfessionellen Charakter besitzt. Diesem Wunsche wurde entsprochen und dieserart hat sich Herr Sigmund Mandl mit seiner Spende ein doppeltes Verdienst erworben. Uszieryki. Fräulein Rosa Kranzdorf, Tochter des Herrn Juda Kranzdorf, Kaufmannes in Czernowitz, hat sich mit Herrn Jaques Sinnreich, Beamter der Actiengesellschast für Holzgewinnung in Uszieryki, verlobt. Drohobyez. (Trauung.) Dienstag am 30. Mai l. I., um 6 Uhr Abends, findet iu Przemysl im Hotel zu den ».Drei Kronen" die Trauung von Fräulein Gusta Schreier, Tochter des Herrn Josef Schreier, mit Herrn Regimentsarzt Doctor Cäsar Kornhäuser statt. Jablmrkau. Dienstag den 30. Mai, 3 Uhr Nachmittags, findet im Israelitischen Tempel zu Jägerndorf die Trauung von Herrn Heinrich F r ä n k e l mit Fräulein Emma Goldberger statt. Stuttgart. (Verlobung.) Herr Rabbiner Dr. Hermann Krön er, Sohn des Herrn Kirchenrathes Dr. Kroner, hat sich mit Fräulein Sophie Jchenhäuser aus Fürth verlobt. Berlin, den 22. Mai. Man kann antisemitischen Behauptungen gegenüber nicht mißtrauisch genug sein. Der Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg hatte im Reichstag erzählt, daß der Regierungspräsident von Düsseldorf durch die Verfügung, es solle alles Schlachtvieh vor dem Schlachten durch Kopfschlag betäubt werden, das rituelle Schächten den Juden unmöglich gemacht habe. Auf Grund dieser im Reichstage vorgebrachten Mittheilungen hat Ihr Correspondent Ihnen geschrieben, was in der vorigen Nummer dieses Blattes zu lesen war. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß die Düsseldorfer Regierung ausdrücklich das jüdischrituelle Schächten von jener einschränkenden Bestimmung ausnimmt. Damit entfallen selbstverständlich die an die entgegengesetzte Voraussetzung geknüpften Betrachtungen. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) „Siehst Du, mein liebes Herz," ergriff Aron wieder das Wort, „als mich Dein guter, aber jähzorniger Vater von seiner Schwelle stieß; als es mir schien, daß das Glück, welches ich eine kurze Zeit erhofft hatte, nun für etvig, unwiderbringlich verloren sei, als ich fürchtete, Du, eine treffliche, gehorsame Tochter, würdest dem heftigen Anstürme Deiner Eltern nicht Widerstand leisten können, — als ich fürchtete, ich wäre von Neuem heimatlos, der Mann, den ich als zweiten Vater geliebt, und der sich jetzt mit feindseliger Verachtung von nur abwandte, sei mein Todfeind geworden; — als ich wieder ganz allein stand, und wieder nicht wußte, wohin ich meinen Fuß wenden sollte; als ich in einer Stunde aus einem glücklichen, zufriedenen Menschen ein unglücklicher, verzweifelnder geworden: — da fühlte ich mich so unaussprechlich elend, daß ich auf dieser irdischen Welt nie mehr froh zu werden glaubte.und doch, und doch war ich's später geworden!.Schon als ich erfuhr, daß Du mir treu geblieben, als Du mir verstohlen hinter Deines Vaters Rücken ein Briefchen sandtest und mir schriebst: Du würdest Dich nie einem Anderen vermälen, würdest mir, auch wenn wir nie vereint würden, ewige Treue bewahren, that mir dies wohl, richtete meine gebeugte Seele auf, ich fühlte mich.einen Moment glücklich! „Dein Brief hatte mich in Nikolsburg erreicht. Ich lebte dort im Hause des reichen Reb Koppel Austerlitz. Ich unterrichtete dessen zwei Söhne, welche den Schiur') der mährischen Landesrabbiner?) zuerst jenen Reb Gerschom Pulitz, dann jenen Reb Schmuel Schmelkes, sichronom liwrocho* * 3) besuchten. Da sie denselben nicht immer vollständig aufzufassen vermochten, mußte ich sie zu diesen begleiten und fand hiedurch Gelegenheit, meine talmudischen Kenntnisse zu erweitern. In meinen freien Stunden war ich Reb Koppel in seinem ausgebreiteten Geschäfte behilflich und führte die starke Correspondenz und die Bücher. Da in dem Hause meines Dienstherrn für alle meine Bedürfnisse reichlich gesorgt wurde und ich überdies noch ein großes Gehalt bezog, war es mir,, trotzdem ich einen Theil meiner Einkünfte zu Gunsten meines älteren, stummen und blödsinnigen Bruders verwendete, doch möglich geworden, ein kleines Capital zu ersparen. — Plötzlich traf Deinen armen Vater ein harter, unerwarteter Schlag. Er hatte in seinem Geschäfte unverschuldet große Verluste erlitten. Er hatte noch um etwas mehr als sein ganzes großes, eigenes Vermögen verloren, so daß er befürchten mußte, seinen Gläubigern einen, wenn auch nur verhältnißmäßig kleinen Rest nicht zahlen zu können, und dieser Umstand war es, der Deinen ehrliebenden, redlichen Vater noch weit mehr als seine plötzliche Verarmung schmerzte. Als ich erfuhr, daß Du nicht mehr die Tochter eines reichen Mannes warst, daß Dein Vater mir nicht mehr vorwerfen konnte, ich würbe um Dich, um Deines Reichthums willen, fühlte ich mich glücklich. Ich bat Reb Koppel Austerlitz, mich sofort zu entlassen, ich konnte es vor Ungeduld nicht erwarten, zu Euch zu eilen, ich lief zu Fuß zu Euch. Als ') Die Talmudvorträge. -) Diese hatten ihren Sitz in Nikolsbnrg. 3) Ihr Andenken sei gesegnet. Wird von Verstorbenen gesagt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.