Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 21 (26.5.1899)
- Date
- 1899-05-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. Bwch^s Wochenschrift. Seite 409 Achtzigerjahre ergriffenen Schutzzollmaßregeln verloren. Auch der alte Stammsitz des Hauses in Rumänien mußte aus ähnlichen Gründen aufgegeben werden. Um die Production nicht einschränken zu müssen, wendete das Haus auch dem inländischen Consum sein Augenmerk zu, unterließ es aber dabei nicht, für die Ausfuhr nach dem Auslande neue Absatzgebiete zu suchen. Theils durch directe Verbindung, theils durch Vermittlung von Wiener und auswärtigen Exporthäusern gelang es, die erzeugten Kleider in ferne, überseeische Länder einzuführen, in Brasilien, Chile und andere südamerikanischen Republiken, welche Länder gegenwärtig ein nicht zu unterschätzendes Absatzgebiet bilden. Auf allen beschickten Ausstellungen erhielt die Firma die höchsten Auszeichnungen, so in Wien 1873 (Verdienstmedaille), Paris 1878, Sidney 1879, Melbourne 1881 und Triest 1882 (goldene Medaillni). Die Kleider-Jndustrie Oesterreichs ist aus dem Weltmärkte tonangebend und geht aus dem Wettbewerbe mit der ausländischen Coucurrenz überall als Siegerin hervor. Ein Ehrenantheil an der Herbeiführung dieses günstigen Ergebnisses gebührt mit Recht dem Hause Schwarzmann, welches für den Absatz österreichischer Kleider im Auslande allen anderen gleichsam als Pfadfinder voranging. Der Jude als Patriot. Rev. M. C. Peters' Vortrag in derBloomingdale- Kirche. N e w - P o r k, 8. Mai. In der „Bloomingdale Reformed Church" am Broadway und 68. Str. hielt gestern Rev. Madison C. Peters die erste einer Reihe von Predigten, die er über das Thema „Was das Christenthum den Juden verdankt" hält, und zwar hatte er für die erste Predigt den Titel „Der Jude als Patriot" gewählt und eine Zusammenstellung interessanter historischer Thatsachen in seine Rede eingeflochteu. Er begann damit, daß eine der ernstesten Beschuldigungen, die man gegen die Juden erhebe, die sei, daß sie keine Patrioten seien und es auch nicht sein könnten. „Im Mittelalter", sagte Rev. Peters, „waren sie das Eigenthum der europäischen Regenten, wurden von ihnen verschenkt und verkauft, wie irgend eine Sache, wurden aus ihren Niederlassungen vertrieben, so daß sie keine andere Zuflucht hatten, als das Grab, und dennoch, selbst in diesen schlimmen Zeiten fehlte es ihnen nicht an Patriotismus, wenn eine Regierung sie gelegentlich einmal als Menschen behandelte. In den Kriegen des alten Spaniens fochten sie tapfer mit. König Philipp der Schöne von Frankreich soll in seinem Feldzuge gegen den Grafen Guy von Flandern 30.000 Juden in seinem Heere gehabt haben. Die Geschichte weiß nicht von tapfereren Männern zu erzählen, als den Juden, welche während des 30jährigen Krieges für Polen kämpften. Kaum hatte König Friedrich Wilhelm III. die Juden mit den Christen 1812 gleichgestellt, als sie bereitwilligst dem Rufe des Königs zu den Waffen folgten.;J ■; „Die deutschen Juden bewiesen im deutsch - französischen Kriege ihre Liebe zum Vaterlande in hohem Maße. Trotz aller Verfolgungen schaarten sich aber auch die Juden Frankreichs in gleicher Weise um das Banner des Kaiserreichs oder der Republik, als ihr Land bedroht war. Im Jahre 1892 dienten etwa 300 jüdische Officiere in der französischen Armee. Die volle Emancipation der Juden erfolgte in England erst 1858, als durch eine Parlamentsacte der „Glaube eines wahren Christen" nicht mehr zur Erlangung öffentlicher Stellungen nöthig war. Die jüdische Race lieferte einen General-Major und zwei General-Lieutenants und es dienen jetzt 900 Juden in der englischen Armee, darunter 144 Officiere. Von je fünf in der italienischen Armee dienenden Juden ist einer Officier, und die russische Armee hat 51.000 Juden. Zur Zeit, als Geld für den Erfolg unseres Colonialkrieges nothwendig war, beantwortete Hyam Solomon von Philadelphia den Aufruf mit einer Gabe von 300.000 Dollars und man veranschlagt, daß er im Ganzen 600.000 Dollar hergab, wovon auch nicht ein Cent jemals an seine Erben zurückbezahlt wurde. Manuel Mordecai Noah von Süd Carolina diente nicht allein als Officier in General Washington's Stabe, sondern steuerte auch 100.000 Dollar bei, um der Sache, der er sich gewidmet, zu helfen. Andere Juden streckten wiederholt namhafte Geldsummen zur Verpflegung der im Felde stehenden Armee vor. Eines der ersten Freiwilligen-Corps, welches 1759 in Charleston organisirt wurde, bestand zum größten Theile aus Juden unter Commando des Capitäns Lushington und kämpfte später mit großer Tapferkeit unter General Mouline bei Beaufort. Einer der hervorragendsten Soldaten des Krieges von 1812 war Brigade- General Joseph Bloomfield. General David de Leon wurde zweimal der Dank des Congresses für seine im mexikanischen Kriege bewiesene Tapferkeit und Tüchtigkeit ausgesprochen. Major Alfred Mordecai ist eine anerkannte Autorität in der militärischen Welt. Commodore Uriah Phillips Levy war zur Zeit seines Todes 1862 der Officier mit dem höchsten Range in unserer Marine, und auf seinem Grabstein in Cypceß Hills ist die Thatsache verewigt, daß er der Vater des Gesetzes zur Abschaffung der körperlichen Züchtigung in der Marine war. Im Bürgerkriege lieferte New - Pork allein 1900 jüdische Soldaten. Frederick Knesler von Indiana schwang sich vom Gemeinen zunr General - Major empor. Philip I. Joachim sen., welcher das 59. New - Iorker Freiwilligen - Regiment errichtete und mit demselben als dessen Obrist ins Feld zog und Brigade- General wurde, Oberst Spiegel vom 120. Ohio - Regimente, welcher starb, ehe der ihm zugedachte Generalsrang ihm verliehen werden konnte, Oberst Leopold C. Newmann, an dessen Todteubett Präsident Lincoln seine Ernennung zum General brachte, sind nur einige wenige Namen von Inden, die sich in dem Kampfe um die Hitiou hervorgethan. Die Listen im Kriegs - Departement zeigen, daß 4000 Juden während des Krieges mit Spanien in der amerikanischen Armee standen, und die viel verlästerten russischen Juden stellten mehr Freiwillige, als im Berhältniß zu ihrer Kopfzahl auf sie entfallen wären. Mit dem 1. California RegimeUte zogen 100 Juden aus und der Erste, der bei dem Angriffe auf Manila fiel, war ein Jude, Maurice Jansth. Theodore Roosevelt hat erklärt, daß der wunderbarste Math von den sieben jüdischen rauhen Reitern an den Tag gelegt wurde, einer von ihnen wurde zum Lieutenant ernannt. Die Astvr Batterie hatte 10 Juden unter ihren 99 Mann. 15 Juden gingen mit der „Maine" unter, und es gab kein Gefecht im Kriege mit Spanien und mit den Philippinos, an welchen Juden nicht theilnahmen und viele jüdische Namen finden sich in der Liste der Gefallenen und Verwundeten." Wien. Auf die Mädchen - Confirmation am 1. Tage Schewuoth im Tempel des IX. Bezirkes, an der sich circa 40 Schülerinnen betheilizten — folgte jüngsten Samstag die Bar- Mizwa-Feier von vier Confirmanden, darunter der Sohn Harry des Gemeinderathes Lucian B r u n n e r. Herr Rabbiner Doctor Gelbhaus nahm Veranlassung, in einer stimmungsvollen Ausprache an den Wochenabschnitt passend anknüpfend, die drei bekannten Lagerstätten Israels in der Wüste mit den drei Lehrgelegenheiten des jüdischen Jünglings in der Familie, Schule und im Leben zu vergleichen — und auf den bescheidenen Propheten hinzuweisen, der in einer Zeit, wo die Großen im Volke schwiegen, vor den Mächtigen des Landes hintrat, ihm sein Unrecht vorhaltend, die Ehre und das Ansehen des jüdischen Volkes wahrend und die Gewalt abwehrend. Solch' edles Vorbild aus der eigenen Familie mögen alle Jünger der Thora nachzuahmen streben. Wien. (M ä d ch e n - C o m i t s „F e r i e n h e i m".) Eine Deputation des Mädchen-Comitös „Ferienheim" überreichte am 17. d. M., anläßlich der silbernen Hochzeitsfeier des Docenten Dr. Josef G r ü n f e l d und Frau, seiner Gründerin Frau Sofie G r ü n f e l d den Betrag von 1000 fl. für den Baufonds des Vereines „Ferienheim". Wien. (Verlobung.) Sonntag den 21. Mai faub die Verlobung des Fräulein Regine Werter, Tochter des bekannten Präsidenten des israelitischen Tempelund Schulvereiues VI., Stumpergasse 42, Herrn Leopold Werter, mit dem Fabrikanten Herrn Nathan Klausner, Chef der Firma Quittner und Klausner, statt. Wien. (Humanitärer Geselligkeit s-B e r e i n „R u d o l f s b v n d".) Am 13. Mai fand in Spitzer's Cafä Dogenhof (Clubzimmer) die X. ordentliche Generalversammlung statt. Bei Beginn derselben gedachte der Obmann Herr Josef Pollak der Ereignisse im Vorjahre, insbesondere des sähen Todes der vielgeliebten Kaiserin. Die Versammlung erhob sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen. Auch der Wohlthäterin Baroum Hirsch-Gereuth gedachte er in warmen Worten, mehreren mit Tod abgegangenen Vereinsmitgliedern hielt er einen warmen Nachruf. Dem Vorstande wurde pro 1898 das Absolutorium ertheilt, bei den Neuwahlen wurden die alten Functionäre wieder-, die Herren Dr. Max Weiß, Haller, Gottesmann und Thorn neugewählt. Heuer