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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-26 · 21 (26.5.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
21 (26.5.1899)
Date
1899-05-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 408 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 21 wegen der bekannten Affaire im Cafe Heck verurtheilt wurde, im Gnadenwege in Festungshaft umgewandelt." Beyrer, ein w ü t h e n d e r Antisemit, hat sich die nun in Festungshaft umgewandelte Gefängn i ß st r a f e durch eine ganz unqualisicirbare Roheit zugezogen. Ein merkwürdiger Zufall natürlich — weiter nichts. Königsberg i. Pr., 12. Mai. Unsere Gemeinde hat einen großen, ja unersetzlichen Verlust erlitten durch das Hinscheiden ihres ersten Vorstehers, des Herrn Professor Dr. Samuel, der am 9. d. M. plötzlich gestorben ist. Nicht geringer ist der Verlust, den die medicinische Wissenschaft erleidet, denn der Verstorbene stand in der ersten Reihe der Forscher und Finder. Außer vielen Specialitäten hat er sich durch sein Handbuch der pathologischen Anatomie einen sehr geachteten Namen unter seinen Fachgenosten erworben. Als Universitätslehrer erfreute er sich eines hohen Ansehens. Simon Samuel wurde 1833 zu Gr.-Glogau geboren, studirte in Berlin unter Müller, Schönlein und Remak, erlangte 1856 die Approbation als Arzt und wollte sich 1860 an der hiesigen Universität habilitiren. Das Gesuch wurde jedoch abgelehnt, da nach § 105 der Statuten als Docenten nur Evangelische fungiren durften. Die Facultät richtete aber bald darauf ein Gesuch an den Minister, für den Erlaß des Cultusministers Ladenburg vom 14. Juli 1848, die Berechtigung der Juden zu allen Lehrämtern betr., die königliche Bestätigung nachzusuchen, und das Generalconcil der Universität beschloß die Streichung des erwähnten Paragraphen. So wurde Samuel 1867 Privatdocent, 1874 außerordentlicher Professor der allgemeinen und experimentellen Pathologie und der Geschichte der Heilkunde. Was er für unsere Gemeinde gewesen, deren erster Vorsteher er seit dem Jahre 1893 mit nie ermattendem Eifer, mit nie versagender Hingabe gewesen, das läßt sich mit wenigen Worten gar nicht sagen. Samuel war das Muster und Vorbild eines modernen Juden: Deutscher durch und durch, für den innigsten Anschluß an das deutsche Wesen mit aller Kraft eintretend, und zugleich begeisterter Jude, der jeden Abfall und den Jndifferentismus entschieden verurtheilte. Noch unvergessen sind seine geistvollen, von edler Toleranz getragenen Reden anläßlich der Einweihung der neuen Synagoge, um deren Bau er sich außerordentliche Verdienste erworben hat. Das Leichenbegänguiß am 12. d. M. war ein Zeugniß für das Ansehen und die Beliebtheit, die der Verstorbene hier in allen Kreisen genossen hat. Mit einer weihevollen Gedächtnißrede leitete Herr Rabbiner Dr. V o g e l st e i n die Feier im Hause ein. Der derzeitige Rector der Albertina, Herr Prof. Dr. Hahn, sprach hierauf Namens der Universität innige Worte des Dankes und der Anerkennung für den so jäh aus dem Leben Geschiedenen, indem er ihn als einen jener Forscher bezeichnete, die wenig nach äußeren Erfolgen strebten, vielmehr den Lohn für ihre Arbeit in dieser selbst fänden. Dem Redner stünde es nicht an, Samuels wissenschaftliche Bedeutung zu feiern, aber er, wie Jeder, der den Todten gekannt habe, wisse, daß Professor Samuel ein Mann von außerordentlich weitgreifendem, vielseitigem Wissen gewesen sei, nicht etwa ein Specialist, sondern ein Gelehrter, der sich aus vielen Gebieten heimisch gemacht habe. Fünfundzwanzig Jahre fast habe er als Professor an der Albertina segensreich gewirkt. Wer seine immerfrische Gestalt gesehen, wie er Freude am Leben und Freude an seiner Wirksamkeit gehabt habe, der glaubte wohl, hoffen zu dürfen, daß es dem Rüstigen, der eben erst die Schwelle des Greisenalters überschritten habe, noch lange vergönnt sein werde, schaffend zu genießen. Das Schicksal habe es anders gewollt! Wie er stets stolz darauf gewesen, Mitglied des Lehrkörpers der Albertina zu sein, so werde diese ihm immer Dank wissen für seine ihr geweihten Dienste. Samuel sei aber nicht blos ein gelehrter, sondern auch ein in weitesten Kreisen geachteter und achtenswerther Mann gewesen, und als solcher werde er auch unter den College» fortleben. Sein Andenken werde nicht erlöschen, seine Arbeit nicht vergebens sein. Der dritte Redner war Professor Dr. Winter, der Decan der medicinischen Facultät, der auf die wissenschaftliche Thätigkeit des Verblichenen näher einging. Am meisten sei Professor Samuel durch die abstrakten Dinge gefesselt worden, wie dem Werdegang der Heilkunde, die Ursachen der Erscheinungen am Kranken und ähnliche in die Tiefen gehende Forschungen. Aus diesen Quellen habe er seine Gedanken geschöpft und damit anregend und befruchtend auf die studirende Jugend gewirkt, die zu seinen Füßen saß. Glücklich die College», die ihm näher getreten und erkannt hatten, daß neben dem tiefen Geiste auch ein warmes Gemüth in ihm wohnte. Auf dem Friedhofe feierte Herr Rabbiner Dr. Vogelstein noch einmal in erhebender Rede die Eigenschaften und Verdienste des Todten. Gebet und Gesang eröffneten und beschlossen die Feier. Vormittags fand im Gemeindesaale der neuen Synagoge eine Trauersitzung statt, in der Rechtsanwalt Holz die Gedächtnißrede zu Ehren des Verstorbenen hielt, dessen Andenken fortleben wird in unserer Gemeinde. Braila. (Juden in der österreichischen Industrie.) Mit Bezug auf die Artikelserie Ihres Blattes dürften über die Firma D. Schwarzmann u. Co. in Wien und Proßnitz nachstehende Daten von Interesse sein, weil sie typische Bedeutung besitzen. Ungefähr um die Mitte des zur Neige gehenden Jahrhunderts war es, als in dem jetzigen Königreiche Rumänien Neigungen zum Anschlüsse an die westeuropäische Civilisation bemerkbar wurden. Diesen Culturbestrebungen wurde vor Allem dadurch Ausdruck gegeben, daß die Bevölkerung die bis dahin fast ausnahmslos übliche Nationaltracht abzulegen und moderne europäische Kleider zu tragen begann. Diese Sucht, den äußeren Menschen rasch zu civilisiren, konnte aber nicht die erwünschte prompte Erfüllung finden, weil das bezügliche Gewerbe im Lande ganz nnvertreten war und der Bedarf erst durch Zusendungen aus dem Auslande gedeckt werden mußte. Aber dabei hatte es auch seine Schwierigkeiten, denn im Auslande war die Erzeugung von Kleidern auf den handwerksmäßigen Betrieb beschränkt, und die rumänischen Zwischenhändler, die nach Einkanfsquellen Suche hielten, fanden nirgends leistungsfähige Erzeuger, die den vielbegehrten Artikel in großen Quantitäten liefern konnten. Um diese Zeit eröffnete David Schwarz mann in Gemeinschaft mit seinem seither verstorbenen Bruder in der rumänischen Donauhafenstadt Braila einen kleinen Laden mit fertigen Herrenkleidern. Aeußerst bescheiden war das in diesem Geschäfte investirte Capital. Es betrug, wie aus den Auszeichnungen des aus dieser Zeit stammenden und noch im Besitze der Firma befindlichen Cassabuches zu ersehen ist, kaum einige hundert Ducaten. Das kleine Unternehmen entwickelte sich gut, der Verkauf ging flott von Statten, doch verursachte btc Ergänzung der gelichteten Waarenvorräthe nicht geringe Schwierigkeiten. Wohl befanden sich in dem benachbarten Oesterreich Firmen, welche die Kleidererzeugung im größeren Maßstabe betrieben. doch waren deren Erzeugnisse nur für den heimischen Bedarf der bäuerlichen Bevölkerung berechnet und nicht geeignet, dem Geschmacke der rumänischen Käufer zu entsprechen. Diesem Uebel abzuhelfen, entschloß sich David Schwarzmann, die Erzeugung der Kleider selbst in die Hand zu nehmen. Nach einem in Pest fehlgeschlagenen Versuche übersiedelte er nach Wien, wo er in einem kleinen Local unter seiner Leitung und nach seinen Angaben die Tuchstoffe verschneiden nnd an Schneider zur Verfertigung austheilen ließ. In dieser Weise legte er den Grundstein zu einer Industrie, die nachher zu einer der bedeutendsten Oesterreichs sich entwickeln sollte. Sein Bruder und Compagnon verblieb in Braila, um für den Verkauf thätig zu sein, welcher durch den bald darauf erfolgten Ausbruch des orientalischen Krieges und die Occupation Rumäniens durch österreichische Truppen eine ungeahnte Ausdehnung annahm, so daß sich die junge Firma veranlaßt sah, in allen bedeutenderen Städten Rumäniens Filialen zu errichten. Um diesen gesteigerten Ansprüchen Nachkommen zu können, richtete David Schwarzmann sein Augenmerk auf Preßburg und Proßnitz, wo bereits die Anfänge einer Haus-Industrie in fertigen Kleidern vorhanden waren. Er ' errichtete in diesen Städten Factoreien, welche, namentlich in Proßnitz, bald fabriksmäßigen Charakter annahmen. Die Massenerzeugung wurde weiter durch den Umstand begünstigt, daß seitens der Regierung die zollfreie Einfuhr ausländischer Stoffe gegen Wiederausfuhr fertiger Kleider gestattet wurde, wodurch die Möglichkeit gegeben war, die' Rohwaaren aus England, Frankreich und Belgien zu bedeutend billigeren Preisen, als solche damals im Jnlande zu beschaffen waren, einzuführen und zu verarbeiten. Der Ruf der Firma verbreitete sich bald über den ganzen europäischen Orient, Kleinasien und Egypten. Die Schwarzmann'sche Marke ^alt und gilt noch heute in diesen Gegenden als die gesuchteste. Es stellten sich auch Käufer aus Rußland ein und die Firma errichtete in Folge dessen Filialen in St. Petersburg, Moskau, Odessa und Nischnei-Nowgorod, so daß sie mit ihrem Fabrikate den russischen Markt beherrschte. Leider ging dieses große Absatzgebiet durch die seitens Rußlands zu Beginn der

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