Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-26 · 21 (26.5.1899) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
21 (26.5.1899)
Date
1899-05-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021299--08879-3033280
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 406 Dr. Blvch's Wochenschrift« Nr. 21 m a ch r werden. Wir mißgönnen dem Herrn seinen Nebenverdienst nicht im mindesten, aber er soll wahrheitsgetreue, objective Berichte schreiben und nicht den rüden Stil und Ton vom Gerichtssaal aus den Blättern zusenden, denn d er Gerichtssaal ist ja, glauben wir, kein Antisemit e n h o f." So weit das Arbeiterblatt, das an der Sache selber nicht sonderlich interessirt ist. Wir aber, deren Ehre von einem vom Staatssäckel bezahlten Gerichtsbeamten in der unfläthigsten Weise und ohne jede andere Veranlassung als die des Zeilenhonorars besudelt wird, fragendie Floridsdorfer Gerichtsbehörde, wie lange sie denn das allgemeine notorisch oft an das Strafgesetz streifende Treiben dieses Mannes dulden wird, oder ob sie erst anderweitige Schritte abwartet, um ihre Connivenz gegen die Besudelung der Gerichtsparteien durch einen ihrer Beamten fallen zu lassen? Thierarzt und Thierschützler. D-r Bezirksthierarzt und Director des städtischen Schlachtviehhofes in Mannheim hat bei dem Bezirksamt den Erlaß einer Verfügung beantragt, die vorschreibt, daß der Tödtung der Schlachtthiere deren Betäubung voraüsgehen müsse. Gleichzeitig hat sich der dortige Thierschutzverein gegen eine solche Verfügung und dahin ausgesprochen, daß er das Schächten als die denkbar beste und humanste Art der Schlachtung ansehe. Die Abrüstungskonferenz. An der internationalen Friedensconferenz werden auch zwei jüdische Vertreter theilnehmen: Herr T. C. As s er, Mitglied des Staatsrathes, als ein Vertreter für Holland, und Herr M. Raffalowitsch, russischer Finanzagent in Paris, als einer der russischen Delegirten. Wien. (In Angelegenheit der blinden Sarah Seif.) Die Angaben des Aufrufes zu Gunsten des genannten blinden Mädchens bedürfen einer erheblichen Berichtigung, wenn sie der Wahrheit nicht geradezu entgegengesetzt erscheinen sollen. Das israelitische Blindeninstitut auf der Hohen Warte hat es sich seit 15 Jahren zur Aufgabe gemacht, auch Später-Ecblindeten Gelegenheit zur Erlernung eines Handwerkes zu bieten. Der Andrang war, durch die günstigen Erfolge herbeigeführt, so groß, daß auf die Dauer eine Schädigung der Anstalt, die für blinde Kinder bestimmt ist, zu befürchten war. Deshalb habe ich im vorigen Jahre eine eigene Anstalt zur Ausbildung von Später.Erblindeten in Döbling, Silbergasse 50, errichtet, welche in vollster Wirksamkeit steht. In dieser wurde Sarah Seif sofort nach ihrer Ankunft in Wien ausgenommen. Sie genießt daselbst schon seit 3 Wochen den Unterricht im Bürstenbinden, Lesen, Schreiben und in weiblichen Handarbeiten und genießt zudem noch die Mittagskost. Für die andern Bedürfnisse zu sorgen, mußte ich ihren Gönnern umso mehr überlassen, als es nicht gerathen ist, diese aller Pflichten für ihre Schützlinge zu überheben, und die Mittel, welche mir zu Gebote stehen, kaum ausreichen, Fünf Zöglinge zu erhalten und die Anstalt zählt deren zehn. Edlen Menschenfreunden bleibt es unbenommen, Sarah Seif zu unterstützen, ich betrachte es jedoch als eine Forderung der Wahrhaftigkeit, die Verhältnisse so darzustellen, wie sie tatsächlich sind. Wien, 19. Mai 1899. Director S. Heller, Hohe Warte in Wien. (Spende.) Für das erblindete Mädchen Sarah Seif sind uns zugekommen: Von Herrn S. Haas in Jungbunzlau 2 fl. Von Herrn S Schwarz in Schluckenau 2 fl. 50 kr. Von E. B. in Wien 1 fl. Göding. Die Jnstallirung unseres neugewählten Rabbiners, Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Lazarus, gestaltete sich höchst feierlich und gereichte der Gemeinde zur besonderen Ehre. Am Rüsttage des Wochenfestes hielt Dr. Lazarus seinen Einzug und wurde, mit dem Schnellzuge Mittags anlangend, am Perron vom Cultusvorsteher Herrn Wilhelm L e ch n e r namens des fast vollzählig erschienenen Gesammtausschusses recht herzlich begrüßt. Sodann bewegte sich die lange Wagencolonne bis zur Wohnung des neuen Seelsorgers. Dort angelangt, dankte derselbe gerührt in kurzen Worten für den so liebenswürdigen Empfang, Abends am Eingänge des Tempels, wo die Schuljugend Spalier bildete, hielt Herr Dr. Körner im Namen der Gemeinde eine Ansprache, in welcher er der freudigen Genugtuung Ausdruck gab, daß nach nahezu 150 Jahren der Rabbinatssitz wieder in würdiger Weise besetzt sei, unter den günstigsten Auspicien für die Zukunft. Dr. Lazarus dankte auch an heiliger Stätte nach kurzem erhebenden Gebete für die wohlwollende Aufnahme, zugleich den Vorsatz und das Gllöbniß aussprechend, nach bestem Wissen und Gewissen zum Wohle und Heile der Gemeinde seines Amtes walten zu wollen. Tags darauf hielt der Herr Rabbiner in Gegenwart der ganzen Gemeinde und auch in Anwesenheit andersgläubiger Gäste die Antrittsrede, in schwungvoller Begeisterung sein Programm und die hohe doppelte Bedeutung des Tages entwickelnd, so daß die Herzen aller Hörer ihm erwartungsvoll entgegenschlugen und das Beste für die Folge nach jeder Richtung hin zu erwarten berechtigt erscheinen. Kuttenberg. Unsere Stadt mit ihren 15.000 Einwohnern, in der bis in die Fünfziger-Jahre kein Jude stabilen Aufenthalt nehmen durfte, ist jetzt der Sitz einer Cultusgemeinde. Die Israeliten, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte hier angesiedelt, haben trotz der bescheidenen Mittel, über die sie verfügen, ein Local gemiethet und dasselbe zu einem Gotteshause adaptirt. Durch die stete Zunahme der Mitglieder erweist sich dasselbe aber, als den Zeitverhältnissen nicht entsprechend, bereits zu klein. Und so haben sich denn einige Männer mit Bewilligung der Gemeinde bereit erklärt, mit allen Kräften dahin zu wirken, ein würdiges, aber bescheidenes Gotteshaus zu erbauen, um die cultuellen Bedürfnisse der Mitglieder zu befriedigen. Leider reichen die Mittel der opferwilligen Gemeindemitglieder hiezu nicht aus. Der Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld in Prag hat dieses Project des Tempelbaues durch ein warmes Empfehlungsschreiben unterstützt, da er die dringende Notwendigkeit des Baues anerkennt. Die an einzelne Glaubensgenossen versandten Circularbriefe haben auch bis jetzt einen ganz hübschen Erfolg. Einen besonders edlen Zug bewies hiebei die bekannte Prager Firma M. B. Teller, deren Mitglieder in keinem humanitären Vereine fehlen; sie sandte auf die Bitte des Comites sofort 1000 fl. in Barem und bewilligte bei Inangriffnahme des Baues sämmtliche nöthigen Bezüge für die Herbeischaffung der Baumaterialien und auch den nöthigen Sand, Asche rc. gratis zu geben. Für diese hochherzige Spende und die liebenswürdige Zusicherung das Project auf jede Weise zu fördern, sei diesen edlen Spendern hier der wärmste Dank von Seite des Comites ausgesprochen. Möge dieses Beispiel recht viele Nachahmer für unser Project finden, damit schon in kürzester Zeit mit dem Bau begonnen werden kann. Pisek, 21. Mai. In dem vortrefflichen Leitartikel „Der Verfall der Staaten" in Nummer 20 dieses sehr geschätzten Blattes, heißt es unter Anderem: „Trotzdem verließen damals 150.000 fleißige Menschen das ungastliche Land." Hiezu gestatte ich mir zu bemerken, daß nach der Angabe des berühmten Don Jsak Abravanel, dessen Biographie ich vor wenigen Jahren in diesem geschätzten Blatte veröffentlicht habe, nicht 150.000, sondern 300.000 Juden Spanien 1492 verlassen haben. Abravanel, der sich ebenfalls unter den Exulanten befand, schreibt hierüber Folgendes: „Und so zogen wir aus, unfähig zum Widerstande, 300.000 Fußgänger, Jckng und Alt, mit Frauen und Kindern, an einem Tage aus allen Reichen des Königs. Wohin der Geist sie zu gehen trieb, gingen sie, und ihr König zog^ihnen voran; Gott war an ihrer Spitze. Dieser rief ausx: Gott gehöre ich an, und Jener widmete dem Herrn seine Kraft. Einige gingen nach Portugal und Navarra, aber bitteres Leid, schweres, finsteres Unglück traf sie überall, Raubgier, Hungersnoth und Pest waren die erbittersten Feinde, die sich gegen sie verschworen hatten. Einige begaben sich aufs Meer und suchten in den Wogen einen Pfad, um hier dem Uebel zu entrinnen und sich sichere Sitze zu suchen; aber auch hier folgte ihnen das traurige Geschick. Biele wurden als Sclaven verkauft, Biele verschlang das Meer, Biele gingen durch Brand unter, welcher in den Schiffen auf den Meereswogen entstand." Und diese grausame Judenverfolgung wurde angeblich zur Ehre Gottes, tatsächlich aber, um durch die Confiscation der jüdischen Güter in den Besitz großer Reichthümer gelangen zu können, in Scene gesetzt. Der gefährlichste Feind der Juden in Spanien war der damalige Großinquisitor Torquemada, der Beichtvater des Königspaares Ferdinand und Jsabella. Dieser blutgierige Tyrann hatte sich als Lehrer der Religion der Liebe zur Liebesaufgabe gemacht, das Judenthum, dem civilisirte und cultivirte Nationen der Erde ihre besseren Begriffe über Gott, Welt und Menschen zu verdanken haben, auszurvtten. Allein es schläft nicht und schlummert nicht der Hüter Israels. Jene ruchlosen Tyrannen sind längst vermodert, iu Spanien, dem herrlichen Lande, wo

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.