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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-26 · 21 (26.5.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
21 (26.5.1899)
Date
1899-05-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 21 Dr. BUnlrs Wochensdirift. Seite 405 In Capitel 2, 21 heißt es bei Wohlgemuth und Bleichrode: „Versenkte Gott, der Ewige, den Menschen in einen liefen Schlaf und er (also Gott) schlief ein, nahm dann eine von seinen (Gottes) Rippen und schloß die Stelle mit Fleisch." — Die Einklammerungen zeigen, wie sehr die Uebersetzer die Aufordnungen der deutschen Grammatik vernachlässigt haben. Die Einwendung, daß die Uebersetzer sich mit pietätvoller Scheu an den Urtext gehalten hätten, wo eine Abmachung nicht unvermeidlich war, trifft nicht zu, denn in Capitel 3, 2 machen sie ohne andere als selbstgeschaffene Noth eine willkürliche Einschaltung, indem sie nvrrn "iüKm übersetzen: Da fiel das Weib der Schlange ins Wort." In Capitel 3, 24 statten sie die Klinge des kreisenden Schwertes mit dem Beiwort „flammend" aus, ohne daß der Text es vorschreibt. „Und der (ktvige machte Kain ein Zeichen, daß ihn nicht Jeder, der ihn treffe, erschlage." (4, 15.) Hier wäre vielleicht eine kleine Umschreibung am Platze gewesen: Gott heftete Kain ein Zeichen auf." Sicher aber muß es heißen: „Damit nicht Einer gerade ihn treffen würde, ihn erschlage." Denn Kain fürchtete doch nur: von irgendwem, vom Ersten, der ihm begegnete, nicht: von jedem erschlagen zu werden. Den Jabal machen die Uebersetzer „zum Stammvater" der Zeltenbewohner und Viehzüchter. Das geht noch an, denn man kann sich wenigstens denken, daß zunächst Jabal's directe Nachkommen allein Zeltbewohner und Viehzüchter gewesen. Wenn die Uebersetzer aber Jubal den „Stammvater aller Harfen- und Flötenspieler" nennen (4, 21), so läßt sich das gar nicht mehr rechtfertigen. Der hebräische Ausdruck ist buchstäblich „Vater". „Vater aller Harfen- und Flötenspieler" ist auch im Deutschen eine vortreffliche bildliche Bezeichnung für den Erfinder des Harfen- und Flötenspiels. Capitel 4, 23 und 24 übersetzen Wohlgemuth und Bleichrode, wie folgt: „Und Lemech sprach zu seinen Frauen: Adah und Zillach, höret meine Stimme, ihr Frauen Lemech's, horchet meinem Spruch: Den Mann erschlag' ich, so er micy verwundet, den Jüngling, so er mich verletzt. Wird Kain siebenfach gerächt, so Lemech siebenundsiebzig Mal." Trotz Auerbach's Vorgang ist nicht zu ersehen, weshalb rinn als Präsenz übersetzt wird. Lemech spricht doch keine Drohung aus. Zung übersetzt: „Einen Mann erwürgte ich für meine Würde." Die gelehrten Herren Uebersetzer können sicher die von Raschi citirte Talmudstelle, in der die biblische Erzählung ergänzt wird und nach der ebenso wie nach dem Targum Onkelos Lemech eine Schuld in Abrede stellt. Lemech als Bramarbas aufzufassen, ist zwar originell, aber nicht gerade überzeugend. Die Uebersetzung von 8, 21 lautet in dem vorliegenden Buche: „Und als der Ewige den lieblichen Duft wahrnahm, da sprach er in seinem Herzen: Niemals mehr will ich den Erdboden verfluchen um des Menschen Willen; denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf;.niemals mehr will ich alles Leben tödten, wie ich es gethan." Hiernach hätte Gott aus dem Umstande, daß des menschlichen Herzens Dichten von Jugend auf böse ist, den Grund zu dem Vorsatz hergeleitet, die Erde nicht wieder zu verfluchen. Das entspricht nicht der Logik und nicht dem Urtext, in dem es heißt: „Ich werde nicht noch einmal die Erde fluchen wegen des Menschen, weil des Menschenherzeus Trachten böse ist von Jugend auf; nicht noch einmal werde ich, wie ich gethan, alles Leben schlagen." Die Worte „wegen des Menschen" werden erläutert durch die Anfügung, „weil nämlich des Menschenherzens Trachten böse ist von Jugend auf". Daß dies nicht blos Interpretation, sondern überlieferte Auffassung ist, zeigt schon die Accentuirung, die den Abschluß des ersten Satztheiles hinter „von Jugend auf" setzt. Wohlgemuth und Bleichrode übersetzen Capitel 9, Vers 5, wie folgt: „Aber das Blut Eures Lebens will ich fordern; von jedem Thier will ich es fordern und von dem Menschen; von ihm will ich fordern das Leben des Menschen; denn es ist sein Bruder". Hier ist nicht blos die Uebersetzung des Deutschen, hier ist auch die Uebersetzung aus dem Hebräischen versäumt. Der Satz ist in dieser Fassung einfach unverständlich und gibt zum Theil nicht einmal eine wortweise getreue Uebersetzung. Von „denn er ist sein Bruder" steht nichts im Urtext, mrr D'rr heißt:' für einander, wechselseitig, und der ganze Satz lautet: „Aber euer Blut, das eure Seele ist, werde ich fordern; fordern will ich es von jedem Thier; jede Menschenseele will ich von dem Menschen fordern, die Seele des einen von dem anderen". Hieran schließt sich sinngemäß und erläuternd, daß des Todes schuldig sei der Mensch, der einen Menschen gemordet. Das 11. Capitel der Genesis erzählt von der ersten Massenwanderung. „Damals war auf der ganzen Erde eine Sprache und einerlei Worte. Als sie nun ostwärts zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schimar und ließen sich daselbst nieder". Wohlgemuth-Bleichrode lassen also die „einerlei Worte" ostwärts ziehen. Das ist wohl nicht ihr Ernst. Sie haben blos vergessen, den Anforderungen der deutschen Grammatik gemäß das Subject des neuen Satzes zu benennen: Die Menschen, die Völker zogen ostwärts. Ebenso gut war es, wenn sie im ersten Satze eine Einschaltung machten: „Damals hatten die Menschen der ganze Erde eine Sprache und einerlei Worte." Dann konnten „sie ostwärts ziehen". Die vorliegende Uebersetzung soll für die Schule bestimmt sein. Daraus haben die Uebersetzer, was Lob verdient, die Verpflichtung hergeleitet, an einzelnen Stellen nicht mit der, jede Umschreibung oder bloße Andeutung verschmähenden Deutlichkeit eines Strafgesetzbuches oder einer Polizeiverordnung zu sprechen. Doch auch hier sind die schicklichen Grenzen — trotz alles Schicklichkeitsgefühls — nicht innegehalten. Wenn beispielsweise im Leviticus von der „Reinheit" des Blutes die Rede ist, wo die „Reinigung" gemeint ist, so wird der Sinn zur Unkenntlichkeit entstellt. Die Versuche, die poetischen Stellen des Pentateuch in getragener Redeweise wiederzugeben, sind anerkennenswerth, doch nicht gleichmäßig gelungen. Ein dichterisches Nachschaffen wäre mit Freude zu begrüßen, das ist aber nicht vorhanden, wenn man die Rede in kurzen Anapästengalopp setzt. Die Herren Uebersetzer werden nach den Proben von Fehlgriffen, aus die sie hier aufmerksam gemacht worden sind, durch ihre Gewissenhaftigkeit sich bewogen finden, ihre Arbeit gründlich umzugestalteu, ehe sie sie Schulkindern in die Hand geben. Sie sind gewiß tüchtige und verdienstlich thätige Männer, hier aber haben sie sich auf ein Gebiet gewagt, dessen Fährnisse und Fallstricke sie nicht kannten. Das gilt im Wesentlichen auch von der Löwenstein'schen Uebersetzung der Haphtaroth. Tadellos sind die Megilloth; diese sind gar nicht übersetzt. Correspondenzen. Ein Gerichtsbeamter als antisemitischer Reporter. Beim Floridsdorfer Bezirksgericht treibt seit längerer Zeit der Kanzlist I e h u ch e n sein antisemitisches Unwesen. Derselbe glossirt jede noch so harmlose Gerichtsverhandlung, bei der ein Jude direct oder indirect betheiligt ist, mit beschimpfenden, gehässigen Bemerkungen, die er in dem hiesigen judenfrefserischen „Wochenblatte" anonym veröffentlicht. Ueber sein Vorgehen zu Rede gestellt, bekannte er sich offen als antisemitischen Reporter, indem er meinte, daß das Blatt solche (das heißt antisemitisch zugestutzte) Berichte verlange. Wie sehr das Treiben dieses Herrn selbst neutrale Kreise anwidert, beweist eine Notiz des Floridsdorfer Arbeiterblattks ,Der Volksbote" vom 10. Mai l. I.. die wir unter Weglassung der stärfften Stellen wiedergeben: „Das Floridsdorfer Wochenblatt bringt in jeder Nummer mehrere Spalten Gerichtssaalberichte, welche von blöden, witzig sein sollenden Glossen strotzen. Besonders, wenn ein Jude das Malheur hat, wegen irgend einem Schmarrn vor Gericht erscheinen zu müffen, ist dem Gerichtssaalreporter Stoff genug geboten, spaltenlange, st . . . Glossen zu schreiben, für die das Blatt per Zeile zwei Kreuzer bezahlt. Diese Thatsache möchte uns von dem Wochenblatte nicht wundern, wen l wir nicht wüßten, daß diese Berichte von einem Angestellten des Bezirksgerichtes ge- J

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