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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-26 · 21 (26.5.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
21 (26.5.1899)
Date
1899-05-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 404 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 21 war in Alt-Israel unmöglich, weil im siebenten Jahre alle Schulden erloschen und weil jeder Zins verpönt war. Es sind dies also keine revolutionären Gedanken, sondern Ideen, die dem Geiste der jüdischen Religion entsprechen. Sie sind keiner „blühenden Phantasie" entsprungen, sondern sie waren lebendige Wirklichkeit in unserem Volke. Der heutige Socialreformer braucht diese Gedanken nur ein wenig zu modificiren und er hat die Gesellschaftsformel der Zukunft. Daß die neuen Colonien eine Selbstverwaltung erhalten und als freie Männer leben, ist für mich selbstverständlich. Die Jewish Colonisation Association, die mit diesem System in Palästina begonnen hat, kann mit ihren Erfolgen sehr zufrieden sein. *) Man muß daher auf dieser richtigen Bahn weitergehen. Nur freie Männer und nicht Sclaven sind dazu berufen, neue Cultur und neues Leben in das Land unserer Väter hineinzutragen. Ich kenne das so kluge Rechenexempel Herzl's, die Grund läge seiner neuen Wissenschaft der Anti-Infiltration. Wenn jährlich 10.000 Juden nach Palästina auswandern, wie vieler Jahre bedarf es dann, um alle Juden des Ostens dort anzusiedeln? Diese wunderliche social-ökonomische Weisheit zeigt nur, wie wenig er von organischer Thätigkeit versteht. Zunächst wollen wir gar nicht ganz Israel in Palästina ansiedeln, sondern nur einen kräftigen, gesunden Stamm bilden. Da ist es ja nur ein quantitativer Unterschied, ob wir nach 20 Jahren 3- oder 500.000 Juden in Palästina haben werden. Die Hauptsache ist, daß sie dort als Nationaljuden eine würdige Existenz für die Dauer finden und daher ihren Brüdern eine Zufluchtsstätte gewähren können. Dann darf man eben natürliche Proceffe nicht nach todten Ziffern berechnen. Es kommen da gar viele Umstände in Betracht und wenn wir im dritten Jahre 10.000 ansiedeln, dann ist es nicht nur möglich, sondern im höchsten Grade wahrscheinlich, daß wir im zehnten Jahre 50.000 Juden werden dahin verpflanzen können. Ich spreche es mit voller Bestimmtheit aus: D i e A nsiedelung eines einzigen jüdischen Bauern inPalästlna ist für das jüdischeVolk mehr werth, als alle „Errungenschaften" Herzl's. Mit jedem neuen jüdischen Bauern wird unsere Position materiell und ideell gestärkt. Wir müssen, wenn wir an den Aufbau eines Staatswesens denken, doch der Welt zeigen, daß die Judenheit nicht allein ein historisches Anrecht, sondern auch lebendige Interessen in Palästina zu vertreten hat. Und daher müffen wir auch mit der Jewish Golonisation Association rechnen und dahin streben, daß die einsichtigen Männer dieses großen Institutes uns mit ihrer ganzen materiellen und moralischen Kraft unterstützen.**) Die Colonisation Palästinas ist nicht nur nothwendig, sondern auch möglich, schon heute möglich. Der Zionismus kann *) Mir liegt das Schreiben eines sehr verdienstvollen und durchaus zionistischen Kolonisten vor, in dem er sich voller Begeisterung über die Verwaltung der Jewish Colonisation Association ausspricht. Sie hat durch das neueste System auch auf die Nothschild'schen Colonien sehr günstig eingewirkt. H. M. **) Es gehört mit zu den Heldenthaten Herzl's, daß er von vorne herein das Tischtuch zwischen sich und der jewish Colonisation Association zerschnitten hat, Weil er in ihr eine Concurrentin seiner Herrlichkeit sah. Die jewish Colonisation Association arbeitete tauge etwas bureaukratisch und die Verwaltung einzelner argentinischer Kolonien mag herzlich schlecht gewesen sein. Aber die Waffen, mit denen Herzl gegen sie kämpfte, waren nicht nur stumpf, sondern auch wenig loyal. Beleidigende Artikel, ohne ihren Inhalt zu prüfen, aufzunchmen, ist schon sehr gewagt. Aber für die Geschichte mit S ch o u n auf dem II. Congreß finde ich keinen Ausdruck. Diese Creatur, Mädchenhändler und russischer Agent-Provocateur öon Beruf, wurde von Herzl zum Kronzeugen gegen die jewish Colonisation Association auserkoren. Dieser Prachtkerl ergriff auch auf dem Congresse das Wort, und als ihn Niemand verstehen konnte, schlug Dr. S ch n i r e r vor, nran solle ihm einen kleinen Saal einräumen, um dort seine Geheimniffe zu enthüllen. Später stellte es sich heraus, daß das Wahlprotokoll dieses sauberen Herrn gefälscht war. Als die Wahlprüfungscommission dieses Mandat anullirte, sträubte sich Herzl mit aller Kraft dagegen und Dr. Friedemann mußte lange darüber verhandeln. Ich frage: Konnte sich Herzl nicht überzeugen, daß dieses Mandat gefälscht war? Herr Reich, der Secretär des Kongresses mußte cs ja Wer hat ferner diesen Schoun bestellt^ Wer hat ihm die Kosten gegeben? Ideale Motive haben ihn doch wohl nicht nach Basel geführt. H. M. sich keine würdigere, segensreichere Aufgabe wählen, als alle Colonisationsfreunde zu vereinigen, zu organisiren und ihnen das große Feld einer einheitlichen praktischen Thätigkeit zu bieten. Der komische, aber sehr gelehrte Ahron Marcus citirte auf dem ll. Congresse mit Recht den Satz: „Wechiper admatho amo.“ Erst kommt das Land und dann das Volk. (Schluß folgt.) Eine neue Pentateuch-Uebersetzung- Die fünf Bücher Moses mit deutscher Uebersetzung von Dr. I. Wohlgemuth und I. Bleichrode, nebst den Haphtaroth und den Megilloth, übersetzt von L. H. Löwenstein. Druck und Verlag von S. Lehrberger u. Co. in Rödelheim. „Eine deutsche Uebersetzung des Peutateuch muß vor Allem deutsch sein. Es dürfen keine Verstöße gegen die deutsche Grammatik und Stylistik Vorkommen. — Auf die Uebersetzung aus dem Hebräischen muß die Uebersetzung ins Deutsche folgen". Diese Sätze, mit denen die Uebersetzer das Vorwort einleiten, sagen, was selbstverständlich ist. Sie sagen aber nichts Ueberflüssiges. Sie enthalten zugleich eine Verheißung. Dieser folgt jedoch keine Erfüllung, wenigstens nicht in vollem Umfang. Ob die neue Uebersetzung besser ist, als frühere, mag dahingestellt bleiben; jedenfalls läßt sie berechtigte Wünsche und Erwartungen unbefriedigt. Die beiden Pentateuch-Uebersetzer sind für die Erfüllung solidarisch haftbar, da sie versichern, die Arbeit in allen Theilen gemeinsam durchgeführt zu haben. Gleich zu Anbeginn fällt es unangenehm auf, daß das Conversivum fast regelmäßig gleich dem Copntativinn mit „und" übersetzt wird. Das ist ein doppelter Verstoß, gegen den hebräi« schen Text und gegen die deutsche Sprache. Es mögen hier einzelne Ausstellungen folgen, die schon an die ersten Seiten anknüpfen, aber keineswegs die Einwendungen erschöpfen, die zu machen sind: IT,th wird mit „Ausdehnung" wiedergegeben. Dieses deutsche Wort deckt aber nur theilweise den Sinn des hebräischen, das zugleich die Bedeutung des „Ausspannens" hat. Die Luther'sche Bezeichnung „Veste" — Firmament— ist viel besser und hat den Vorzug, in Sprachgebrauch und Vorstellung ausgenommen zu sein. „Gott spannte eine Veste" ist unseres Erachtens deutlicher und sinnfälliger, als „Gott machte die Ausdehnung". Die Uebersetzer brauchen die Form „es ward" als gleichbedeutend mit der Form „es wurde". Sie beachten nicht, daß „es ward" das Entstehen anzeigt, während „es wurde" ein zeitliches Kommen bezeichnet. „Es ward Licht" sagt, daß der Act der Lichtschöpfung sich erfüllte, daß das Licht entstand. Es ist aber nicht richtig, zu sagen: „es ward Abend", sondern es muß heißen: „es wurde Abend". Denn, nur daß der Abend kam, nicht daß der Abend geschaffen wurde, soll bekundet werden. Die Uebersetzer lassen Gott „scheiden zwischen dem Wasser, das unter der Ausdehnung, und dem Wasser, das über der Ausdehnung". Daraus wäre zu entnehmen, daß Gott die Wasser oberhalb und unterhalb der Ausdehnung unterschied, gleichsam zwei Arten Wasser herstellte. Der hebräische Text weiß davon nichts. Nach diesem „trennte" Gott das Wasser oberhalb der gespannten Veste von dem Wasser darunter. „Gott sprach: es spanne sich eine Veste mitten durch das Wasser und trenne Wasser von Wasser". Daß Gott die Sonne „zur Herrschaft des Tages" den Mond zur Herrschaft der Nacht" geschaffen, ist nur für den verständlich, dem der hebräische Text oder die Luther'sche Uebersetzung geläufig ist von dem „großen Licht, das den Tag regiere, und von dem kleinen Licht, das die Nacht regiere". Die „Herrschaft des Tages" ist etwas anderes, als die Herrschaft über den Tag oder bei Tage. „Die Wortfolge muß die in der der deutschen Sprache sein", sagen die Uebersetzer, und doch schreiben sie: „Es lasse die Erde Grünes hervorsprießen, Kraut, das Samen bringt, Fruchtbäume, die Frucht bringen, jeder nach seiner Art, in denen ihr Same ist, auf der Erde." Hier haben die Herren in der That vergessen, „auf die Uebersetzung aus dem Hebräischen die Uebersetzung ins Deutsche folgen zu lassen: „Die Erde lasse Grünes bervorsprießen: Das samenbringende Kraut und den Fruchtbaum, der Früchte seiner Art mit seinem Samen darinnen trägt."

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